Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 49 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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gejfe g BfflUUHUDHMItlHIllffl^ Wie man den Vogel nach dem Baum beurteilt, auf dem er nistet, so begreift Schulrat Pollaks Wesen, wer seine trefflichen Eltern kannte. In den Fußstapfen seines Vaters, der als Gelehrter wie als Charakter unserer Gemeinde,. deren Rabbinat er angehörte, zur Zierde gereichte, nach dem Vorbilde seiner weisen, gütigen und bescheidenen Mutter konnte er nicht anders werden. Alle Eigenschaften, die den rechten Lehrer, zumal den Religionslehrer machen, weist er in besonderem Maße auf. Und die vielen Generationen, die seinen Unterricht genossen haben, sie bewahren ihm eine Anhänglichkeit, die gerade jetzt an seinem Ehrentage einen Anlaß findet, wie ihn kein Lehrer sich schöner wünschen kann. An alle die äußeren Ehren, die ihm durch die Behörden zuteil geworden sind, schließt sich jetzt diese Kundgebung der Dankbarkeit seiner Schüler als Krönung seiner ganzen Laufbahn. Aber auch als Kanzelredner erfreut sich Schulrat Pollak einer Beliebtheit, die bei jedem Anlaß zutage tritt. Konzentriert sich diese seine Tätigkeit in den letzten Jahren auf den III. Bezirk, so haben früher seine Predigten in allen Wiener Gemeindetempeln ihm die Gemeinde von Verehrern geschaffen, die sich über ganz Wien verteilen. Ein Weiser des Talmuds, Rabbi Chanina, tat den Ausspruch: „Viel lernte ich von meinen Lehrern, mehr von meinen Genossen, am meisten aber von meinen Schülern." Ein Lehrer, der das Meiste von seinen Schülern gelernt hat, ist Schulrat Pollak. Er lernte von den vielen Hunderten seiner Schüler mit den verschiedensten Temperamenten, aus den mannigfachsten Bevöikerungsschichten jede Individualität verstehen und richtig behandeln. In so vielen Herzensnöten als Freund und Berater ins Vertrauen gezogen, hat er gar oft auf die ganze Lebensrichtung seiner Schüler Einfluß erlangt. So hat er mit einem tiefen Einblick in unzählige Menschenherzen die Eigenschaft erworben, die unter den Tugenden des Lehrers eine hervorragende Stelle einnimmt, die Fähigkeit, mit allen und jedem Frieden zu halten. „Talmide chachomim marbim scholaum boaulom." Die Lehrer der Thora mehren den Frieden in der Welt Zu diesen Friedensfreunden zählt unser Jubilar, daher der weite Kreis seiner Freunde und Verehrer. In Frieden sei es ihm beschieden, sich seines häuslichen Glückes wie seines segensreichen Wirkens auf Kanzel und Katheder zu erfreuen, ad multos annos! DIE WAHRHEIT Ungarische Mastgänse S 3*40 Mährische Lebergänse „ 3"60 Gansfett kg 4-— Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl Faludi. XIX., Döblinger Hauptstraße 88 Das friedlose Palästina. Vor einigen Wochen der Dolchstoß gegen den bekannten palästinensischen Arzt Dr. Abraham Ticho und nun die Revolverschüsse gegen den Chef des Justizdepartements der Palästinaregierung, Oberstaatsanwalt Normane! Bendwich, bekanntlich der einzige hohe jüdische Regierungsbeamte Palästinas, charakterisieren die gegenwärtigen Zustände in Palästina. Die britische Untersuchungskommission arbeitet seit einigen Wochen eifrig im Lande, verhört und untersucht, und jedermann weiß, daß das Ergebnis dieser Untersuchungen nicht so sehr von den ermittelnden Tatsachen als von einer allgemeinen politischen Erwägung der britischen Staatsräson abhängen wird. Sowohl Araber wie Juden benützen diese gewitterschwangere Zeit, um sich Vorteile bei der bevorstehenden Entscheidung zu sichern. Die Forderungen der Araber sind allgemein bekannt; sie wollen sich mit der Balfour-Deklaration nicht abfinden und bringen religiöse und nationale Bedenken vor, um den Juden jedes Recht auf die Schaffung einer über kolonisatorische Möglichkeiten hinausgehenden nationalen Heimstätte abzusprechen. Es tritt von Tag zu Tag klarer hervor, daß die Proklamierung von weitgehenden staatspolitischen Aspirationen und Plänen, die durch die Balfour-Deklaration, das Mandat und Jewish Agency gekennzeichnet sind, auch die philanthropische Ansiedlung, die von jeder Politik entfernte Kolonisation gefährdet. Die Araber befinden sich in dem Zustande der nationalen Emanzipation und übertreiben in dieser gereizten seelischen Verfassung die Ereignisse gar furchtbar. Das laute Beten vor der Klagemauer erscheint ihnen heute als ein Geschrei nach Eroberung der mohammedanischen Heiligtümer, die friedliche Arbeit der Kolonisten als ein Unterfangen, die autochthone Bevölkerung aus dem Lande zu verdrängen. Angesichts dieser gefahrvollen Situation ist es von eminenter Bedeutung, welchen Weg die jüdische Politik einschlagen wird. Es herrscht diesbezüglich eine heillose Verwirrung, ein bedenklicher Mangel an ernsten Versuchen, in der Stunde der Not eine einheitliche jüdische Linie zu schaffen. In Jerusalem selbst, im Brennpunkte der Ereignisse, kommt es zu offener Auseinandersetzung zwischen dem Kanzler der hebräischen Universität, Dr. I. L. M a g n e s, und dem Leiter des Jüdischen Nationalfonds, M. N. U s s i s c hk i n. Kanzler Magnes gab anläßlich der Eröffnung des neuen Semesters einen Ueberblick über die Lage in Palästina und meinte, daß, „wenn der einzige Weg der Errichtung des jüdischen Nationalheims über die Bajonette eines gewissen Reiches führt, so lohnt unser ganzes Unternehmen nicht der Mühe und es wäre besser, wenn unser ewiges Volk, das manches so mächtige Reich überdauert hat, seine Seele mit Geduld wappnet und hoffend, planend und arbeitend ausharrt.'* In seiner weiteren Rede führte Dr. Magnes ungefähr aus: Die Universität eröffnet ihre Vorlesungen in diesem Semester unter traurigen Urnständen. Die Ordnung ist noch nicht wiederhergestellt, noch hat man nicht die Gewißheit, ob die Regierung in der Lage ist, jene Schritte zu ergreifen, die geeignet sind, die täglich sich wiederholenden Angriffe auf Leben und Eigentum der jüdischen Gemeinschaft von Jerusalem und außerhalb zu verhindern. Ich habe die Verantwortung für die Wiedereröffnung der Universität übernommen auf Grund der Versicherungen des Oberkommissärs und des Polizeikommandanten, daß sie für den Schutz des Beamtenstabes, des Lehrkörpers und der Studenten sorgen werden. Ich bin nach der Züricher Tagung des Kuratoriums der Hebräischen Universität nicht nach Amerika gegangen, weil ich nicht Gelder für die Universität verlangen konnte, nachdem dieser schreckliche Aufruhr in Jerusalem und im Lande zugelassen wurde. Ich war nicht in der Lage, Menschen zu Beitragsleistungen zu überreden, ohne selbst gesehen zu haben, ob die Verhältnisse eine wissenschaftliche Tätigkeit möglich machen, ob wir unsere Häuser werden verlassen können, ohne zu fürchten, daß wir erdolcht werden, ob wir werden zur Universität gehen können, ohne zu fürchten, aus dem Hinterhalt erschossen zu werden. War doch die Hadassah-Klinik in 19. Dezember 1929 Va» Mir abends 19. Dezember 1929 Ein Abend judischer Kunst Groser Konzerthaussaal Künstlerische Leitung: J. Stutschewsky l. Musik: Uraufführung jüdischer Kammermusikwerke und Klavierkompositionen. Ausführung: J. Stutschewsky, J. Brandmann, B. Gimpel u. a. Gesang: Prof. Dsimitrowsky. Chor- und Gesangvorträge. Ausführung: Jüdischer Gesangverein. II. Tanz: Künstlerische Leitung: Gertrud Kraus. Uraufführung eines bibl.Zyklus „Frauengestalten " (Esther, Ruth, Mirjam u. a.) weiters Ghettolieder und andere Tanzvorführungen. Ausführung: Tanzgruppe Gertrud Kraus. Karten Vorverkauf: Konzerthauskasse, Kartenbüro „Aida", II., Taborstraße I, Buchhandlung Rath, II., Taborstraße 20.