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Die Wahrheit · 1929-06-21 · Heft 25 (21.6.1929) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 25 (21.6.1929)
Date
1929-06-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Ötfi WAHRHEIT Seite 9 Professor Holzknecht, der hervorragendste Röntgenologe von internationalem Rufe, kann, wie verlautet, nicht zu einem Ordinariate gelangen, weil angeblich die klerikale Strömung dagegen ist. Viele bedauern dies, weil man in wissenschaftlichen Kreisen von der in anderen Ländern auch von den Regierungen besonders unterstützten Förderung der Röntgenforschung viel erhofft. Man sollte aber nicht vergessen, daß gerade durch die Affäre Holzknecht wieder die Richtung, die jetzt in Oesterreich siegreich fortschreitet, deutlich wie von — Röntgenstrahlen beleuchtet erscheint. Der letzte Inhaber einer großen Wiener spaniolischen Exportfirma, Herr Jacques Elias, hat ein weit über 30 Milliarden betragendes Vermögen der rumänischen Akademie der Wissenschaften testamentarisch vermacht, in der Hoffnung, durch diesen großherzigen Akt die Rumänen zu einer freundlichen Haltung gegenüber den Juden zu veranlassen. Wie man in Rumänien den Intentionen des großen Philanthropen gerecht wurde? Hierfür sei nur auf ein Detail hingewiesen. Testamentarisch wurde die Akademie der Wissenschaften auch verpflichtet, der türkisch-israelitischen Gemeinde in Wien jährlich für ihre Synagoge, Schule usw. usw., ein Legat von 10.000 Kronen auszubezahlen. Jeder ehrenhafte Mensch hätte die Valorisierung dieses kleinen Betrages für selbstverständlich gehalten. In Rumänien hielt man es für selbstverständlich, der türkisch-israelitischen Gemeinde in Wien pro Jahr sieben Schilling dreißig Groschen anzuweisen!!!! Dieser Akt der rumänischen Dankbarkeit gegen Juden setzt wirklich allem, was man noch aus Rumänien gehört hat, die — nichtvalorisierte Krone auf. Ego. Briefe aus Hamburg. ii. Hamburg besitzt also eine Universität und ist eine nicht zu überbietende Pflegestätte für Kunst und Wissenschaft. Die Hamburger Oper, deren Ruf Pollini begründete, steht auch heute mit an erster Stelle. Besitzt Hamburg auch nicht die berühmtesten Museen und Kunstsammlungen, so hat die Stadt dafür andere Sehenswürdigkeiten; sie hat ihren alten schönen Zoo und den berühmten Hagenbeckschen Tierpark. Die böse Nachkriegszeit ist überwunden. Hamburg dehnte und reckte sich und rührte alle Glieder. Der Hafen zeigt wieder das alte buntbewegte Bild. Man erblickt wieder „der Schiffe mastenreichen Wald" und die majestätischen Ozeanriesen. Die Pulse der Arbeit hämmern von den Werften zu uns herüber, Hanseatenstolz schwellt die Brust und es ertönt wieder aus frohem Munde das alte Nationallied des Hamburgers: „Stadt Hamburg an der Elbe Auen, Wie bist du herrlich anzuschauen!" Frei und unabhängig, als ein echter Republikaner fühlt sich der Hamburger und ist stolz auf seine Vaterstadt, die er von Herzen liebt, und es ist nicht Zufall, daß das Rathaus dieser ersten und freien Hansastadt des Reiches im baulichen Zusammenhang mit der Aorta Hamburgs, der Börse, steht. Dieser bauliche Zusammenhang symbolisiert die Einigkeit zwischen Bürger und Senat im Wirken für Hamburgs Wohlergehen. Der Welthandel und die Beziehungen zum britischen Imperium ließen den Hamburger Kaufmann englische Sitten und Gepflogenheiten annehmen. Firmen von Weltruf befestigen das Renommee des Hamburger Kaufmanns. In dieser freien Sphäre wuchs eine der ersten deutschen jüdischen Großgemeinden empor, deren Repräsentantenschaft sich aus angesehenen Persönlichkeiten, im wesentlichen der Kaufmannschaft entstammend, zusammensetzt. Will man den Entwicklungsgang der Hamburger jüdischen Gemeinde aufzeigen, so muß man auf die Vergangenheit zurückgreifen, und zwar auf jene Zeit, als kraft napoleonischem Einspruch dem Dreigestirn „Ahu", das sind die Gemeinden Altona, Hamburg, Wandsbek, das Ende verkündet ward. Wenngleich wir bereits im fünfzehnten, bzw. sechzehnten Jahrhundert Juden in Hamburg antreffen, so handelt es sich hier um solche, die aus Spanien und Portugal kamen und dank ihrer Vermögensverhältnisse und Handelsbeziehungen in der Lage waren, die hohen Steuern, die sie als Juden zahlen mußten, zu erschwingen. Dennoch erschwerten ihnen Neid und Mißgunst sowie religiöse Intoleranz das Leben in Hamburg, so daß sie froh waren, im benachbarten Altona, das unter der humanen dänischen Herrschaft stand, ein Asyl zu finden. In Altona selbst gab es neben dieser portugiesischen Gemeinde, welche sich der plattdeutschen Sprache bediente, schon eine deutsche Gemeinde, die sich im Gegensatz zu der ersteren, welche inzwischen längst ausgestorben ist, die „hochdeutsche" Israelitengemeinde nennt und deren bedeutsame Vergangenheit als älteste norddeutsche Großgemeinde jedem bekannt sein dürfte. Da es nicht Zweck dieser Zeilen ist, geschichtliche Abhandlungen zu bringen, so sei, da wir uns gerade in Altona befinden, kurz darauf hingewiesen, daß das jetzige geistige Oberhaupt dieser Gemeinde, der verdienstvolle Repräsentant einer angesehenen Rabbinerdynastie, Herr Dr. Joseph Carlebach, dem jüdischen Leben dieser Gemeinde neue Impulse verliehen hat und auch die nachbarlichen Gemeinden in das Gebiet seiner segensreichen Tätigkeit zuweilen einbezieht. ]AC. MAYER Kleider- und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern Wien II-, Glockengasse 24 Telephon R 48-4-79 Aach Detail verkauf zu Fabrikspreisen f Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ „ „ „ 150.— Herrenhose „ „ „ „ „ 48,— feinst ausgeführt Zeltgemäße Zahlungsbedingungen! Kein Kaufzwang! Freie

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