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Die Wahrheit · 1929-01-04 · Heft 1 (4.1.1929) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 1 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8 wwm DIE WAHRHE11 dieses angebliche „Geheimgesetzbuch" eine ebenso tückische wie blödsinnige Verleumdung ist. Was soll man aber von den Hakenkreuzblättern sagen, die diese infamen, böswilligen Lügen immer wieder aufwärmen? Der Staatsanwalt hat sicherlich durch das Gesetz keinen Auftrag, derartige durch die Presse verübte Nichtswürdigkeiten „zu beschimpfen" oder „zu verhöhnen". Aber er hätte vielleicht das Mandat, sie „wenn möglich auszurotten". Den eisernen Besen hierzu hat ihm das Gesetz durch das Konfiskationsrecht gegeben. * Die unglückliche Katharina Steiner, die jahrelang als das Opfer eines Justizirrtums im Kerker schmachtete, ist nunmehr als Opfer der Entbehrungen und des Hungers gestorben. Diesem Tode ist die Arme nicht entgangen, obwohl man hätte annehmen müssen, daß die österreichische Justiz, die sie einst auf Grund eines lückenhaften Indizienbeweises zum Strang verurteilt hatte, es später für eine heilige Gewissenspflicht erachten würde, die Mittel herbeizuschaffen, um die unschuldig Verurteilte wenigstens kümmerlich am Leben zu erhalten. Dies geschah nicht. Gewiß, die Behörden können gegen diese Anklage sich auf formale Milderungsgründe berufen. Aber wird es nicht ein ewiger Vorwurf für die Zeitgenossen bleiben, daß sie Katharina Steiner, die knapp vor einem Justizmord gerettet wurde, in ihren Greisenjahren als halbverhungerte Bettlerin durch die Straßen wanken sahen, ohne ihr ein schützendes Obdach und das tägliche Brot zu sichern? 45- * Herr v. Marffy, der vielgenannte Rassenschützler und Bombenwerfer, hat nunmehr einen Teil seiner Strafe abgebüßt, der Rest wird ihm wohl, da er jetzt schon einen Krankenurlaub antritt, geschenkt werden. Der hoffnungsvolle Jüngling, der eher Aussicht auf einen Sitz im Parlament neben Hejjas und Gömbös als auf einen Platz im Zuchthaus hatte, mußte infolge eines mißlungenen Bombenattentates zu einer schweren Kerkerstrafe verurteilt werden, während, woran man sich in Ungarn nicht gerne erinnert, gelungene Bombenattente, bei denen ein paar Juden ums Leben kamen, für ihre Urheber zumeist ganz harmlos verliefen. Herr v. Marffy hatte aber das Pech, daß er auch des Versuches eines Bombenattentates auf das Palais der französischen Gesandtschaft in Budapest überwiesen wurde, und das mußte aus politischen Gründen, da die französische Regierung keinen Spaß versteht, ernst genommen werden. Das wird sich Marffy für seine weitere Tätigkeit wohl gesagt sein lassen. & Mit ungewöhnlicher Spannung sah man in zivilisierten Kreisen der rumänischen Thronrede entgegen, von der man nach den grauenerregenden blutigen Exzessen, die im Jahre 1928 dem rumänischen Staate ihren Stempel aufgedrückt hatten, ein beruhigendes Wort für die Zukunft erwartete. Sämtliche Wiener Tagesblätter veröffentlichten Sonntag — als schöne Bescherung! — mehr oder minder ausführliche offizielle Auszüge aus der Thronrede, die, was die nationalen und konfessionellen Minderheiten betrifft, u. a. verheißt: „In Uebereinstimmung mit dem das rumänische Volk belebenden Gerechtigkeitsgefühl werden alle nationalen und konfessionellen Minderheiten im Rahmen der verfassungsmäßigen Schwurgerichte und entsprechend dem jetzigen Zeitgeiste einer gerechten Behandlung teilhaftig werden." Man weiß, wie seltsam sich das im rumänischen Volke lebende „Gerechtigkeitsgefühl" bei den Ausschreitungen in Großwardein, Jassy usw. usw. bekundete. Man hat auch nicht vergessen, daß es im Rahmen der verfassungsmäßigen Schwurgerichte möglich wurde, Exzedenten, Plünderer und Tempelschänder freizusprechen, mißhandelte Juden aber, die sich gegen tückische Angreifer gewehrt hatten, zu bestrafen. Kein Wunder daher, daß diese Verheißungen der Thronrede nicht jede Sorge für die kommende Zeit bannt. Geradezu niederschmetternd dürfte aber die Ankündigung wirken, daß die schon allzu oft bewährte rumänische Gerechtigkeit auch fürderhin dem „jetzigen Z e i t g e i s t e" entsprechend geübt werden soll. Ego. Henri Bergson. Aus einem Vortrage. Von Dr. Max Gr-unwald. (Fortsetzung.) Was meldet die Gefahr? Das ist offenbar ein Zusammenfühlen, eine Sympathie, so daß das ganze Leben sich darstellt als ein großer sich selbst sympathischer Zusammenhang, eine Vorstellung, die schon den alten Kabbalisten geläufig war, die sich alles Leben zusammengehörig denken zu einem einzigen großen Organismus, nach Analogie des Menschen (Adam Kadmon). Und diese Sympathie äußert sich besonders deutlich und auffallend in der neuen Generation der Tiere. Wir staunen, wenn wir sehen, wie die junge Brut sofort nach der Geburt mit absoluter Sicherheit sich in der Welt zurechtfindet. Bergson sagt: hier äußert sich wieder nur das, was beim Menschen sich bekundet als das Gedächtnis. Wenn wir imstande wären die Stimme des Instinktes, der Sympathie zu hören, uns in den Instinkt hineinzuversetzen, so wäre das Rätsel des Lebens gelöst; denn der Instinkt arbeitet nicht mit Wahrnehmungen, die er aus der Außenwelt schöpft, sondern er setzt sich selbst in Handlungen hinaus in die Außenwelt. Nun ist es aber verhängnisvoll, daß die Tiere, die den Instinkt besitzen, weder das Bedürfnis noch die Fähigkeit haben, den Instinkt abzuhorchen, während wir Menschen, die wir so gerne auf ihn hören möchten, den Instinkt nicht besitzen. Es geht uns diese Fähigkeit allerdings nicht völlig ab. Sie bekundet zum Bespiel der Künstler, der sich in die Seele seines Models derart hineinlebt, daß er sich selbst darüber fast völlig vergißt. Das erinnert uns an das biblische Gleichnis, daß Moses das Absolute nicht durch einen Schleier sah. daß er vielmehr mit dem Absoluten verkehrte „panim el panim", von Angesicht zu Angesicht. Wenn uns ein Geschichtsschreiber von einer historischen Persönlichkeit alle möglichen Einzelheiten berichtet, sogar ihr Porträt hinzufügt, so glauben wir, wir kennen nun den Mann, den er darstellen will. Wenn wir aber erst Gelegenheit haben, diesem Manne im Leben zu begegnen, so merken wir, daß wir eigentlich bis dahin sehr wenig von ihm wußten. Es kommt etwas hinzu, was uns mit einem Schlage ihn KleiderkreditZahlbar &5££alb Sämtliche Herren- und Damenkleider Nur Qualitätsware! auch Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise! KLEIDERHAUS WERTER, WIEN XVI., Telephon A 1-501 Ottakrlngentrafle 17 Telephon A 1-501

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