Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 1 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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iflji tVAH^HElT (liiinriffliÄ im Seite 7 KAUF UND VERKAUF VON REALITÄTEN JEDER ART SOWIE ÜBERNAHME VON HAUSVERWALTUNGEN DURCH ARCHITEKT HERfl/lNN EBENSRflNQER WIEN IX., LATSCHKAGASSE 4 / TEL. A16-5-15 Der Dilettantismus dieser Rassenkunde ist längst erkannt und (nicht etwa nur von Juden!) auf das schärfste verurteilt worden; wir begreifen deshalb nicht, wie ein Werk, das sich doch wohl zur Aufgabe gemacht hat, nur gesicherte Ergebnisse einer ernsten und soliden Wissenschaft wiederzugeben, laienhafte Spielereien als kurante Münze in Umlauf bringen kann. Schlimmer sind die Angaben über die rassenphysiologischen und -pathologischen Merkmale und über die „Eigenschaften" der Juden, worüber uns die Unklarheit oder Vorsichtigkeit des Ausdruckes nicht beruhigen kann. Zur Entschuldigung des Verfassers mag freilich dienen, daß auf diesem Gebiete Gedankenlosigkeit und Keckheit der Behauptungen besonders groß und verbreitet sind. Welch ein Unsinn ist es zum Beispiel, von einer besonderen ..Fruchtbarkeit der Ostjuden" als einer „Rasseneigenschaft" zu sprechen! Alle Rassen der Erde sind von Natur gleich fruchtbar, und es sind zufällige, geschichtliche, soziologische, ökonomische und ähnliche Ursachen, wenn tatsächlich die eine Rasse die andere übertrifft. Die Germanen waren zu Zeiten außerordentlich fruchtbar, bei den Franzosen Kanadas ist es keine Seltenheit, daß Mütter über zwanzig Kinder haben, und so ließen sich noch viele Beispiele anführen. Ebenso verkehrt ist es, von der Disposition der Juden zu bestimmten Krankheiten, z. B. der Zuckerkrankheit, von Rasse wegen zu reden. Sie kommt von ihrer derzeitigen Beschäftigung und Lebensweise, die ihnen aber nicht von der Natur vorgeschrieben ist. Das Buch von Günther wimmelt allerdings von solchen voreiligen Aufstellungen, deren Gehässigkeit nur schlecht verhüllt wird. „Den von einigen als bezeichnend hingestellten Eigenschaften der Juden: Geschäftssinn, Schlauheit. Abneigung gegen körperliche Arbeit usw. stehen ausgeprägter Familiensinn und Anhänglichkeit an ihre Religion, Gefühl der Zusammengehörigkeit mit Glaubensgenossen. Hilfsbereitschaft namentlich untereinander, Sittenreinheit und Mäßigkeit in Genüssen gegenüber. Ihre mannigfache Begabung und Ausdauer in der Verfolgung ihrer Ziele ließen sie auf wirtschaftlichem und geistigem Gebiete führende Stellungen erringen." Das scheint ja weit mehr Lob als Tadel. Aber wir sagen: „Nicht von deinem Stachel und nicht von deinem Honig!" Zunächst, warum werden Eigenschaften aufgeführt, wenn sie nur „von einigen" als bezeichnend hingestellt werden? Ist ein Konversationslexikon verpflichtet, die Meinungen von „einigen" zu registrieren? Und was sagen die anderen, die doch als „die Vielen" eher zu fordern hätten, daß ihre Meinung angeführt werde? Ferner vermissen wir Klarheit darüber, ob der Verfasser von angeborenen ode von erworbenen Eigenschaften spricht, sei es, daß sie einmal bestanden haben oder noch gelten. Es wird keinem Leser schwer fallen, die angegebenen Eigenschaften (außer „usw.", das sich der Prüfung entzieht — übrigens ein unschätzbares Hilfswort, wenn man nichts weiter weiß) richtig zu beurteilen. Daß Geschäftssinn und Schlauheit dem Juden nicht angeboren sind, lehrt schon ein Blick in die Bibel. Aber ein Wort über die „Abneigung gegen körperliche Arbeit" möchten wir doch noch sageiu weil die Verlogenheit und Gedankenlosigkeit der Phrase nirgends größer ist. Vorerst ist es nicht richtig, daß die Juden nicht körperlich arbeiten. Wer den Osten kennt, weiß, daß dort die schwersten Arbeiten, z. B. als Lastträger, gerade von Juden getan werden. Sodann müssen wir uns erst klar werden, was man mit körperlicher Arbeit meint Versteht man darunter nicht freie, schöpferische oder spielerische, sondern befohlene, andauernde, schwere, mehr oder weniger seelenlose oder zermürbende, dann behaupten wir, daß kein Volk auf der Welt die Arbeit liebt, daß das Streben aller Menschen dahin geht, solche Arbeit, wenn sie nicht abzuwälzen ist. sich möglichst zu erleichtern. Diese Sinnesart prägt sich auch in manchen scherzhaften deutschen Redensarten aus: Wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt. — Man muß die Arbeit hochhalten, recht hoch, daß keiner drankommen kann. — Ich kenne nichts Schöneres als die Arbeit, ich könnte stundenlang zusehen. Man bringe mir erst einen Steinklopfer oder Erdarbeiter, der diesen Beruf aus Begeisterung oder aus „Liebe zur Arbeit" ergriffen hat. Sie arbeiten, weil sie müssen, weil sie keinen Weg zu etwas anderem fanden, weil sie keine anderen Fähigkeiten hatten. Was die Menschen ohne Unterschied der Rasse lieben, ist nicht die Arbeit, sondern die Muße, der Genuß oder doch möglichst die leichteste Arbeit. Je höher in einem Volke der Komfort steigt, je weniger Leute finden sich für die schwere Arbeit. Wenn wir vor dem Kriege Zehntausende von Russen, Polen, Kroaten, Italienern importierten, so geschah es, weil immer weniger Deutsche sich für grobe Arbeit bereitfanden. Schließlich werden solche Lobgesänge auf die körperliche Arbeit immer von Leuten angestimmt, die selber keine verrichten. — Die westeuropäischen Juden sind „körperlicher Arbeit abgeneigt", weil sie nirgends in kampakten Massen zusammenwohnen, sondern als Minorität in den Städten zerstreut. Man besiedle einmal eine Provinz nur oder hauptsächlich mit Juden, und es wird sofort jüdische Bauern und Bauernknechte, Handwerker und Arbeiter von jeder Art in Masse geben, wie es deren in anderen Ländern schon jetzt gibt. Es kann also von einer Abneigung „der" Juden keine Rede sein. Wir kennen keinen einzigen angeborenen Fehler des Juden und, fügen wir gleich hinzu, auch keine einzige angeborene Tugend. Die Fehler wie die Tugenden sind sämtlich ein Produkt seiner Erziehung, sei es durch Religion, sei es durch Geschichte oder Umgebung. Es ist erstaunlich, wie rasch zum Beispiel Tugenden, die man für den angeborenen Charakter des Juden hält, verschwinden, wenn diese Faktoren fortfallen. Auch der Jude kann ein roher und pietätloser Mensch, ein Trunkenbold oder Raufbold werden, wenn nicht in dieser, in der nächsten oder übernächsten Generation. Ebenso wechseln Eigenschaften und Beschäftigungen bei anderen Völkern. Was würde ein Tacitus sagen, wenn er jetzt seine Germanen sähe, ihre Großstädte, ihre Universitäten, ihre Fabriken, ihre Kontore! Hätte er sich zum Beispiel „deutschnationale Handlungsgehilfenverbände" auch nur vorstellen können? Sodann: in jeder gröberen Menschengruppe rinden sich alle r"ehier und alle Tugenden. Gibt es etwa keine geschäftstüchtigen, schlauen Nichtjuden und keine unbeholfenen einfältigen Juden? Also sind alle solch verallgemeinernden Urteile von Uebel. Als „echt deutsch" wird zum Beispiel immer die Gründlichkeit und Gediegenheit der wissenschaftlichen Forschung gepriesen. Wenn man aber erlebt hat, welcher Erfolge sich ein Chamberlain zu erfreuen hatte, daß ein Machwerk wie Dinters „Sünde wider das Blut" von den „gebildeten" Kreisen verschlungen und in der teuersten Zeit in einer Viertelmillion Exemplaren gekauft wurde, daß die Rassenkunde Günthers es in fünf Jahren auf zehn Auflagen gebracht hat, dann könnte man mit demselben Rechte als „echt deutsch" die Schleuderei, die Oberflächlichkeit und Sensationslüsternheit bezeichnen. An jenem wahren deutschen Ruhm hat auch Meyers Lexikon seinen Anteil. Um so dringender ersuchen wir seine Leitung um größere Vorsicht Wir zweifeln bei dem Verfasser, den wir keineswegs für einen Antisemiten ausgeben wollen, nicht an dem guten Willen, aber es gehört dazu auch Wissen, Kritik, Reife und Besonnenheit des Urteils. Qlerren*. Ein mit Nachsicht des noch immer in Geltung stehenden Strafgesetzes in Oesterreich erscheinendes Hakenkreuzlerblatt schreibt: „Die jüdische Rasse hat ein Geheimgesetzbuch, den Talmud- Schulchan-Aruch. Im Schulchan-Aruch ist den Juden vorgeschrieben, die christliche Kirche und den Gott der Akum (Nichtjuden, Christen) zu beschimpfen, zu verhöhnen und wenn möglich auszurotten.*" Hieran knüpft das Blatt den Vorschlag, die „katholische Kirche müßte dafür sorgen, daß alle die vor die Schranken eines Hochgerichtes kommen, die diesen Talmudgeist in sich tragen.** Dazu ist nur zu bemerken, daß die katholische Kirche, deren höchste Vertreter gelehrte Männer sind, offenbar weiß, daß