Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 37 (17.9.1937)
- Date
- 1937-09-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064663-3064698--21302-3086642- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite t> Nr. 37 — 17. September 1937 DIEWAHRHEIT Und das bei dieser Bescheidenheit, die befahl, auf seinen Grabstein die Worte zu setzen: „Hier ruht unser Rabbiner, der Rabbiner Akiba Eger, ein Diener der Diener des Ewigen, eingesammelt zu seinen Vätern . . ." Die Verehrung der Menge wird überboten durch die besondere Anhänglichkeit seiner Nachkommen, die in den verschiedensten Berufen und an gar verschiedenen Orten lebend, zu ihrem Ahnen mit Stolz und Verehrung aufblicken. Sie fanden sich 1913 in der „Vereinigung der Familie Eger" zusammen und wollten ihren Zusammenhang weiter pflegen, die Werke ihres Ahnen weiter herausgeben und in seiner und seiner •Der 44jährige Rabbiner Elieser Gerstein, der am Freitag, 3. September, auf dem Rückweg von der Klagemauer schwer verwundet worden war, ist im Jerusalemer Hadassa-Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Am Mittwoch, 8. September, wurde die Leiche eines Juden bei Tel Aviv aus dem Jarkon gezogen. Die Identität des Toten, dessen Hände und Füße gefesselt waren und dem ein eisernes Gewicht angehängt worden war, ist noch nicht festgestellt worden. Damit ist die Zahl der jüdischen Todesopfer seit dem Wiederaufflackern des arabischen Terrors auf sechs angewachsen. Ueber die näheren Umstände der Ermordung des 21jährigen österreichischen Juden Willi Weiss wird bekannt: Das Auto, in dem sich Weiss als Passagier befand und das von Micliael Dubowisky gelenkt wurde, wurde auf der Straße Haifa-Nazareth bei Nahalal von fünf bewaffneten arabischen Banditen angehalten, die den Insassen 30 Pfund abnahmen und sie dann passieren ließen. Kurz darauf wurde das Auto nochmals angehalten. Als Weiss und Dubowsky zu flüchten versuchten, wurden mehrere Schüsse auf sie abgegeben, durch die Weiss getötet und Dubowsky verwundet wurde. Die Regierung hat eine Prämie von 1000 Pfund für die Eruierung der Mörder von Willi Weiss ausgesetzt. Diese Maßnahme hat tun so mehr Beachtung gefunden, als sie von der Entschlossenheit der Regierung zu zeugen scheint, den letzten Attentaten auf den Grund zu gehen. Die Forderungen des panarabischen Kongresses. Der am 8. September in Bloudan bei Damaskus in Anweseenheit von etwa 400 Delegierten aus einer Reihe arabischer Länder eröffnete panarabische Kongreß ist am 10. September geschlossen worden. Die Resolutionen, die der Kongreß gefaßt hat, sind in einem Telegramm enthalten, das der „Daily Telegraph" von dem Präsidenten des Kongresses erhalten hat. In den Resolutionen heißt es: In Paris wurde dieser Tage unter dem Vorsitz des französischen Schriftstellers Bernard Lecache und in Anwesenheit von über 300 Delegierten der Kongreß der Weltvereinigung gegen Antisemitismus und Rassenhaß abgehalten. Diese internationale Vereinigung wurde vor einem Jahre gegründet und hat seinerzeit den Beschluß gefaßt, alljährlich zur Zeit des Nürnberger Kongresses der Deutschen Nationalsozialistischen Partei eine Tagung abzuhalten, um so die humanitären und philanthropischen Ideen in der Welt zu befestigen. Auf dem Kongreß, der aus allen Himmelsgegenden „von Dänemark bis Uruguay", wie ein Redner in der Eröffnungssitzung erklärt hatte, besucht war, hielt der französische Staatsminister Violette eine Ansprache, in der er dem Kongreß die Grüße der französischen Regierung überbrachte und wörtlich erklärte, daß dem Bestrebungen zur Bekämpfung des Rassismus und des Antisemitismus die ganze Sympathie der französischen Regierung und des französischen Volkes gehöre, weil Frankreich das Land der Erklärung der Menschenrechte ist, die ihren Weg über die ganze zivilisierte Erd nehmen. Es gibt keine verschiedenen Menschenrechte, es darf daher auch nicht Staats- Ahnengeschichte mit Liebe forschen. Der Krieg hat die Vereinigung gesprengt und ihre Mitglieder noch mehr versprengt. Aber der 100. Todestag wird seine Gemeinde wieder mehren, überall wird man seiner gedenken, als des verständigen Mittlers zwischen Alt und Neu, als des Meisters der alten Schule und des Musters neuer Zeit. Lernen verlangte er von seinen Schülern, nicht ihn mit Worten betrauern. Die Worte zu seinem Andenken sind Mahnung zur Vertiefung in jüdisches Wdssen. Rabbiner Dr. A. Posner, Jerusalem. 1. Palästina ist ein integrierender Bestandteil des arabischen Vaterlandes. 2. Die arabische Nation verwirft den Gedanken einer Teilung Palästinas. 3. Der Kongreß wird sich mit allen Mitteln der Errichtung eines jüdischen Staates widersetzen. Er verlangt: Annullierung der Balfour-Deklaration, Abschaffung des Mandates und Abschluß eines anglo-palästinensischen Vertrages, in dem die Unabhängigkeit und Souveränität Palästinas sowie die Errichtung eines konstitutionellen Staates anerkannt wird, der diejenigen Minderheitenrechte garantieren wird, die durch internationale Grundsätze bestätigt sind. 4. Die jüdische Einwanderung muß eingestellt und legislative Maßnahmen müssen ergriffen werden, um den Verkauf arabischen Bodens an Juden zu verhindern. Der Kongreß erklärt, daß die anglo-arabische Freundschaft von der Erfüllung dieser Forderungen abhängt Die Beharrlichkeit, mit der die britische Regierung ihre gegenwärtige Politik verfolgt, zwingt die arabische Nation, eine neue Haltung einzunehmen. Eine Verständigung zwischenArabern und Juden kann nur auf der Basis dieser Forderungen erfolgen, welche den einzig möglichen und gerechten Weg zur Aufrechterhaltung des Friedens im Heiligen Lande bilden. Der Kongreß beschloß, an den Führer der bewaffneten arabischen Terrorbanden bei den Palästinaunruhen 1936, Fiauzi-ed-Diri el Kaukadji, ein Dankschreiben zu richten und ihn zu ersuchen, den Kampf der Araber gegen die Juden auch weiterhin zu unterstützen. ' ' An den Völkerbund sandte der Kongreß ein Telegramm, in welchem scharf gegen die geplante Teilung Palästinas protestiert wird, ferner hat der Oberste Arabische Ausschuß ein langes Telegramm an den P a pst gerichtet, in dem dieser gebeten wird, beim Völkerbund gegen die geplante Teilung Palästinas Stellung zu nehmen. In offiziellen vatikanischen Kreisen wird strengste Zurückhaltung über dieses Telegramm und die Haltung des Vatikan zu den darin enthaltenen Forderungen gewahrt. bürger zweiter Klasse geben. Frankreich hat seine Bürger aller Rassen immer als gleichberechtigt gehalten, ohne Unterschied der Sprache, der Religion und der Farbe. Es sei ein unbegreiflicher Irrtum, wenn eine Nation und eine Rasse sich selbst über die andere erhebt und diese für „minderwertig" erklärt. Selbst kulturell noch nicht vorgeschrittene und rückständige Völker kann mani nicht „niedrige Rassen" nennen, noch weniger darf man sie in ihrer Gesamtheit diskriminieren: Ers gibt keine „unmoralischen" Rassen, sondern nur unmoralische „Menschen". Die Rede des Ministers wurde stürmisch akklamiert. Auf dem Kongreß waren etwa 60 Länder vertreten, darunter USA., Frankreich, England, Spanien, Belgien, Schweiz, Rumänien, Polen, die skandinavischen Staaten, Aegypten, China, Indien usw., die deutsche Emigration war durch eine starke Abordnung unter Führung von Professor In gut fädiScheS 2tcUtS (rituell) wird junge Pensionärin aufgenommen. Jeder Komfort Mäßige Bedingungen. Familienanschluß. R 12-8-47. Von 8—10 Uhr. GROSSFLEISCHHAUERE* flEGN. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE s XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Hellanstalten AbteilungemürKoscfierfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Georg Bernhard vertreten. In der ersten Arbeitssitzung wurden Berichte über Rassenwahn und Antisemitismus in der ganzen Welt erstattet und Vorschläge zu ihrer Bekämpfung gemacht. Das Hauptreferat hielt der Präsident des französischen Komitees G. A. T e d e s c o, der die Richtlinien einer Weltorganisation zur Bekämpfung des Rassenhasses zeichnete und erklärte: Wir wollen eine internationale Gefahr international bekämpfen!. Wir werden die Machenschaften derer anprangern, welche Schürer eines Internationalismus des Raubes und der Gewalt sind. Tedesco erörterte eingehend die zur Verfügung stehenden Kampfmittel: Aktionen bei Regierungen und Parlamenten,. Presse, Film, Theater, soziale und wirtschaftliche. Arbeit, schließlich das Mittel des Boykotts. Verlesen wurden schriftliche Kundgebungen von Marineminister Campinchi, von Justizminister Vinzent-Auriol, von Flugminister Cot und den Staatssekretären Lagrange, de Tessan und Monnerville; letzterer gehört der farbigen Rasse an. Begrüßungsbotschaften sandten auch Thomas Mann, Emil Ludwig, der Präsident der Anti¬ Nazi-Weltliga Samuel Untermyer u. a. Es wurde beschlossen, eine Aktion durchzuführen, um die Regierungen aller demokratischen Staaten zu bewegen, rassistische und antisemitische Agitation unter strenge Strafe zu stellen. Frauen- und praktischer Arzt Dr. Heinrich Stern, ehemals am Krankenhaus der Stadt Wien, hat seine Ordination in den III. Bez., Löwengasse 37, verlest. Tel B 5S-5-79. Weitere Kongreßbeschlüsse betreffen: 1. Forderung nach Erweiterung des Asylrechtes für alle aus Abstammungsgründen Verfolgten; 2. einheitlich geleitete Propaganda gegen rassistische, antisemitische, nazistische und faschistische Ideologie; 3. Einberufung einer jüdisch-arabisch-christlichen Konferenz zur Sicherung des Friedens in Palästina; 4. Erlaß eines Appells an die Menschen in der ganzen Welt, gegen die schmachvolle und blutige Lüge des Rassismus zu kämpfen. Etemity. Mediainalrat Dr. Paul Strasser schreibt uns: Where is God? Auf der Promenade eines englischen Seebades hörte ich folgende Worte: Es war ein Mann, der im Kreise von Frauen und Männern über •dieses Thema sprach: „Gott ist überall! Schauet die niedergehende Sonne! Gott sagte, es werde Licht und es ward Dicht. Aber eines vergeßt nicht, Ihr Frauen und Männer! Vergesset nicht Jesus, den König Israels. Darum,-wenn Ihr einen Juden oder eine Jüdin seht, habt Achtung vor ihnen. Beschimpfet sie nicht, denn mit dem König danken wir viel dem Volke Israel, das wieder einmal, zu seinem Aufstieg, zu seiner Anerkennung kommen wird. God save the King! Denn der König ist nur ein Mensch und bedarf des Segens Gottes." Zu den Klängen einer Orgel sangen Frauen und Männer und um sie standen Frauen und Männer jeglichen Standes. God save England und alle seine Frauen und Männer, die so von Gott und Israel nicht nur denken, sondern auf der Straße freimütig sprechen. Kalender-Reform zurückgestellt. Die beratende technische Kommission des Völkerbundes für Verkehr und Transit hat auf ihrer XX. Tagung die Frage der Kalenderreform im Hinblick auf die von religiöser Seite, insbesondere auch vom H eiligen S tuh 1, erhobenen Bedenken zurückgestellt. Sechs jüdische Todesopfer des neuen Araber-Terrors. Kongreß gegen Rassenhaß in Paris.