Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 37 (17.9.1937)
- Date
- 1937-09-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Wien I-i Seitenstettengasse 2 XI.| Zentralfräedhof neben dem L Tot _Samstag geschlossen t Heldengedenkfeiern des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesferreüchs." Sonntag, den 12. d. M., fand auf dem jüdischen Heldenfriedhof, Zentralfriedhof, I. Tor, die vom „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" anläßlich seiner Fünfjahrfeier veranstaltete Heldengedenkfeier und Grabsteinweihe statt. Trotz ungünstiger Witterung wohnte dieser Feier eine große Menschenmenge bei. Es hatten sich eingefunden: In Vertretung des Herrn Bundeskanzlers Herr Oberst Sore. In Vertretung des Herrn Vizekanzlers FMLT. Hülgerth und des Stabschefs des Generalkommandos der Frontmüiz: Herr GM. Heller und Major a. D. Bruno B e c h i n i e Freih. v. Lazan. In Vertretung des Herrn Bundesministers für Soziale Fürsorge Hofrat Dr. Josef Resch: Herr Ministerialat Dr. B r e i e r. In Vertretung des Staatssekretärs Doktor Skubl erschien der Stadthauptmann von Simmering Hofrat Oskar Hoschek, in Vertretung des Bürgermeisters der Stadt Wien Herr Obstlt. Franz Seeborn, für den Divisionär von Wien, Herrn GM. Haselmayr: Herr Obstlt. Franz Reicher, für das Zentralinspektorat der Sicherheitswache: Herr Hofrat Dr. Ludwig H u mpel, das Präsidium der Kultusgemeinde, Oberrabbiner Dr. T a g 1 i c h t und Rabbiner J. Babad. Weiters waren erschienen Minister a. D. GM. v. H ö f e r, Abordnungen des Bundesheeres und der Heeresanstalteni Vertretungen der Österreichischen Soldatenfront, des Reichskameradschaftsu. Kriegerbundes, des Kriegsopferverbandes, eine uniformierte Abteilung des „Ring österreichischer Soldaten" und zahlreiche Deputationen der Kameradschaft- und Regimentsverbände. Das Bundesheer entsandte eine Ehrenkompagnie mit Fahne und Musik des Inf.-Regts. Nr. 5 unter Kommando des Herrn Hptm. Camillo Schidlo. Nach der Begrüßung der Festgäste durch den Bundesführerstellvertreter Oberstabsarzt i. R. Dr. Franz Fischer brachte Oberkantor M a r g o 1 i e s, vom vereinigten Männerchor unter Leitung des Kapellmeisters Kurt Fuchsgelb begleitet, das Requiem von Sulzer zum Vortrag. Nunmehr ergriff der Bundesführer des „Bund jüdischer Fron'.sodaten Oesterreichs" Edler von Friedmann das Wort zu einer großangelegten Gedenkrede. Er rührte u. a. aus: Lieber 200.000 Juden zogen hinaus! Und als wir nach schwerem Ringen, unbesiegt, wieder in die Heimat zurückkehrten, da fehlten von diesen 200.000 mehr als 30.000! Wir waren überzeugt, daß nunmehr aller Judenhaß im Blutmeere des Weltkrieges ertränkt, daß alle künstlich aufgebauten Schranken zwischen Christen und Juden gefallen sind! Daß dies nicht Wirklichkeit wurde, ist nicht jüdische Schuld! Wir konnten und können nichts anderes tun. als unsere Pflicht erfüllen! Wir konnten und können nichts anderes tun, als Opfer dem Vaterlande darbringen! Es ist Sache der Nichtjuden, aus den gleichen Pflichten, aus den gleichen Opfern jene Schlüsse zu ziehen, die der Kulturhöhe unseres Vaterlandes entsprechen! Und diese Kulturhöhe hat Oesterreich (zu einer Großmacht im Weltkonzerte der Mächte gemacht. Diese Großmachtstellung zu erhalten und zu verankern, sollte die Arbeit aller gutgesinnten, aufrichtigen Oesterreicher sein! Ein Teil dieser Arbeit ist das Ringen der luden gegen Ungerechtigkeit und Unduldsamkeit, ist der Kampf gegen jenen Geist, der unösterreichisch, sich langsam auch in unser Vaterland einzuschleichen droht. Christliche Frontkameraden! Im Felde hat jeder, der einen anderen in Gefahr wußte, sofort eingegriffen! Kameradschaft war das Höchste! Nun sind wir jüdische Frontsoldaten in Not! Frontkameraden! Erinnert Euch an die gegenseitige Hilfe und Unterstützung im Felde und helfet uns auch jetzt in unserer Not, damit unsere Toten, so, wie Eure Toten, ruhig in die Ewigkeit hinüberschlafen können. Nach der Trauerminute intonierte die Militärkapelle „Das Gebet vor der Schlacht". Nun hielt Oberrabb. Dr. T a g I i c h t eine gehaltvolle Rede, in der er u. a. ausführte: „Nach dem Weltbrande hatte es den Anschein, als ob. die gebrachten Opfer nicht vergebens gewesen wären. Leider ist diese Prophezeiung nicht eingetroffen. Die Opfer waren vergebens und insbesondere sind es die Juden, die Grund zu besonderer Klage haben, da man ihre [zahlreichen Opfer nicht anerkennen will. In Wirklichkeit standen die jüdischen Kämpfer an Tapferkeit, Mut, Aufopferung hinter niemandem zurück. Aber auch die neuere Geschichte bezeugt es, daß die Juden immer sich durch besondere Hingabe für ihr Vaterland ausgezeichnet haben." Hierauf verrichtete der Oberrabbiner das Totengebet und die Musik intonierte das Lied „Ich hart* einen Kameraden". Unter den Klängen dieses Liedes erfolgte durch» Kameraden, welche Besitzer der Goldenen Tapferkeitsmedaille und des Kronenordens sind, die Kranzniederlegung am Heldendenkmal. Schließlich übernahm der Präsident der Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. Desider Friedmann, die durch den „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" errichteten Grabsteine in die Obhut der Kultusgemeinde. Mit dem Abspielen der Bundeshymne und des „Lied der Jugend" fand die erhebende Feier am jüdischen Heldenfriedhof ihren Abschluß, es folgte eine Deiilierung auf der Simmeringer Hauptstraße. * Im großen Gemeindetempel des 2. Bezirkes fand am Erew Rosch Haschono vormittags im Rahmen einer überaus würdigen Feier die Enthüllung einer vom Bund Jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs, Bezirksgruppe Leopoldstadt, den gefallenen Offizieren und Soldaten des zweiten Wiener Gemeindebezirkes gewidmeten Gedenktafel statt. Unter den Ehrengästen befanden sich viele hohe Offiziere, ferner Generaloberstabsarzt Univ.-Prof. Dr. P i c k, Bundeskulturrat Prof. Dr. Salomon Frankfurter, als Vertreter der Kultusgemeinde der Vizepräsident Dr. Josef T i c h o, von der Union österreichischer Juden der Ehrenpräsident Dr. Jakob O r n s t e i n, Präsident Reg.-Rat Dr. Oppenheim nebst zahlreichen Vorstandsmitgliedern, insbesondere der Bezirksorganisation II, und schließlich Vertreter jüdischer Parteien und Organisationen. Nach einer Rede des Oberrabbiners Dr. T a g 1 i c h t übernahm der Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Josef T i c h o nach einer eindrucksvollen Rede die Gedenktafel in die Obhut der Kultusgemeinde. Die Enthüllung der künstlerisch ausgeführten Gedenktafel, die über 300 Namen gefallener jüdischer Frontsoldaten trägt, wurde nach einer Ansprache des Obmannes des Gedenktafelkomitees Jakob Schaffer vom Bundesführer Hauptmann Edler v. Friedmann vorgenommen. Um das Zustandekommen der prachtvollen Tafel hat sich insbesondere Herr Paul Schwarzstein, um das Gelingen der würdigen Feier haben sich namentlich die Herren Nathan Donath und Jakob Schaffer große Verdienste erworben. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Margolies. Soeben erschienen: Saul Raphael Landau Sturm und Drang im Zionismus Vor, mit und um — Theodor Hersl 35 Bilder — 356 Seitea stark (Gr. Oktav) Besonders interessant: Testamente Herzls, unbekannte Briefe von Herz], Bernard Lazare und Hirsch Hildesheimer an den Verfasser (faksimiliert). Unbekannte Äußerungen des Reichskanzlers Fürst Bülow und Finanz-Ministers Dr. von Bilinski über den Zionismus. Preis gebunden B 12.— brosoh. S 10.— GEMEINDECHRONIK. Budapest. Auf dem alten israelitischen Friedhof in Budapest wurde am 12. September in Anwesenheit von Vertretern der Regierung, der Hauptstadt sowie zahlreicher Verbände das Grabmal für den am 6. Februar 1936 verstorbenen Reichstagsabgeordneten, Führer der ungarischen Kaufmannschaft und Vorkämpfer für die Rechte der Juden, Paul S a n d o r, eingeweiht. Der Präsident der Israelitischen Landeskanzlei und der Pester Gemeinde Hofrat Samuel Stern, Reichstagsabgeordneter Dr. Karl R a s s a y, Oberrabbiner Simon H e v e s i, der frühere Finanzminister Roland H e g e d ü s und eine Reihe weiterer Persönlichkeiten würdigten die Verdienste Sandors um die ungarische Wirtschaft, die Rechte der ungarischen Judenheit und den Liberalismus. Regine tUmann-Feier der „Weiblichen Fürsorge". Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkte man noch folgende Persönlichkeiten, deren Nennung in unserem Berichte leider übersehen wurde: Altkultusgemerndepräsident Generalstabsarzt Professor Dr. Pick, Generalstabsarzt Dr. Raschkes,Direktor des Spdtates der Israel. Kultusgerneinde, . die Bezirksvorsteher des II. Bezirkes, Dr. Prinz und Baar, Medizinalrat Dr. H. Haase, Dozent Dr. I. Fischer, Reg.-Rat. Dr. Emil Adler, Konsul J. F r i e d m a n n, Bundesfürsorgerätin PodSbrad, die Präsidien der Oesterreichischen Ftauenschaft und des Vereines für arbeitende Frauen u. v. andere. Auszeichnung. Der Bundespräsident hat Herrn Kommerzialrat Adolf Reiss, Inhaber der bekannten Wiener Papierwarenfabrik „Beatrix Mill", das R i tterkreuz des Verdienstorden* verttehen. Chemie^ Sludetüut erteilt Nachhilfestunden In allen Mittelschulfächern (bes. Englisch, Mathematik, Chemie), auch ganze Nachmittage. Erni Mandel, X., Gudranstrafie 142/15. Tel. R 12.8-47. Von 8-9 Uhr. Sctanackung von Grotten und GräDern LeopQldOeutsciiJienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Herr Kommerz'.alrat Reiss, ein treuer Anhänger der „Union Oesterreichischen Juden'*, hat sich um seine Branche große Verdienste erworben, welche nun in sichtbarer Form ihre Anerkennung geiunden haben. Wir freuen uns, Herrn Kommerzialrat Reiss zu dieser Ehrung herzlichst gratulieren zu können. Goldene Hochzeit. Herr Gustav Husser, Wien VII., feierte am 11. d. M. mit seiner Gattin PauKne das Fest der goldenen Hochzeit. Wir gratulieren dem Jubilar, der ein langjähriges Mitglied der „Union österreichischer Juden" ist, aufs herzlichste. Ehrung. Am ersten Neujahrstage (6. September) feierte im Landstraßer Bezirkstempel der bekannte Ingenieur Hugo Koditschek, Vizeobmann des Tempelvereines, seinen 55. Geburtstag. Was Ing. H. Koditschek, der auch Obmann der Bezirksorganisation III der „Union österreichischer Juden" und Zentralvorstandsmitglied dieser Vereinigung ist, für den Landstraßer Tempel geleistet, wie er für die Renovierung und für die rasche Neubesetzung des Kantoratspostens erfolgreich gearbeitet hat, wurde vom Rabbiner Doktor Kupfer gebührend hervorgehoben. Der Gefeierte wurde zur Thora aufgerufen, wo Oberkantor Kriegsmann an Ing. Koditschek einen selbstverfaßten stilvollen Mischeberach zum Vortrag brachte. Der Tempel war sehr stark besucht. (■ Der Verein „Ferienheim" hat auch heuer wieder in sein eigenes „Sofie Grünfeld-Ferienheim" in Bad Vöslau in zwei Serien Ferienkolonien von erholungsbedürftigen Schulkindern entsendet, deren Zahl sich auf 150 belief. Beide Serien haben, sowohl was Gesundheitszustand als auch Gewichtszunahme betrifft, einen glänzenden Erfolg aufzuweisen. Der weite Park mit seinen Spielgelegenheiten, mit seinem Plantsch- und Brausebad, das ausgiebige Essen, das den Kindern in 5 Mahlzeiten verabreicht wurde, die erziehlichen Einflüsse und die gute Luft haben besonders gute Erholungserfolge erzielt. — Ebenso hat der Verein „Oesterr. Seehospiz, welcher gleich dem „Ferienheim" unter dem Präsidium der Frau Sofie Grünfeld steht, in sein eigenes Heim nach G r a d o (Italien) 90 zarte, unterernährte Kinder entsendet, die sich unter den günstigen Einwirkungen von Licht, Sonne, Luft und einer ausgiebigen, ausgezeichneten Kost glänzend erholten und mit guten Gewichtszunahmen zurückgekehrt sind. Die Heime in Vöslau und Grado haben sich wieder ausgezeichnet bewährt und die Vereinsleitungen blicken voll Befriedigung auf einen erfolgreichen Sommer angestrengter Tätigkeit zurück. Installierung eines neuen Oberkantors im Landstraßer Bezirkstempel. Vor einem Jahre war der verdienstvolle Oberkantor Löwy des Landstraßer Bezirkstempels, III., Untere Viaduktgasse 13, nach 30jähriger Wirksamkeit in den Ruhestand getreten. Zu seinem Nachfolger wurde Herr Oberkantor S. Kriegsmann, der schon dem Betpublikum rühmlich bekannt war, einstimmig berufen. Vor Beginn des Gottesdienstes am ersten Neujahrsabend wurde er vom Gesamtvorstande unter Führung des Obmannes Dr. Auerbach und des Vkeobmanns Ing. H. Koditschek in den Tempel eingeführt und vom Chor unter der trefflichen Leitung des Dirigenten T a b a k i n feierlich mit Halleluja begrüßt. Rabbiner Dr. Kupfer hielt an den neuen Oberkantor eine Weiheansprache, in der er den Beruf als Oberkantor als eine Berufung und ein Gebot (Mizwah), das man mit ernsten Vorsätzen beginnen und fortsetzen müsse, bezeichnete. Herr Kriegsmann hat sich durch sein bescheidenes Wesen und seine Sangeskunst die Sympathien aller erworben. Hauslehrer, Hofmeister, Nachhilfe in allen Unterrichtsgegenständen für Volks- und Mittelschulen, Unterricht in fremden Sprachen vermittelt unentgeltlich der Jüdische Hochschulausschuß, Wien IX., Alserstraße 26. (Parteienverkehr täglich von 12—13 Uhr, Tel. A 25-2-28.) Der Unterricht in der Talmud Thora des Polnischen Tempels, II., Leopoldsgasse 29, beginnt Donnerstag, den 16. September. Es wird Lesen, Tefilah, Thora, Nach, Hebräisch und Talmud unterrichtet. Der Unterricht wird von ganz hervorragenden altbewährten Kräften geleitet. Einschreibungen täglich zwischen 6—9 Uhr abends, ab 9. September 1937 im Sekretariat des Tempels.