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Die Wahrheit · 1937-09-17 · Heft 37 (17.9.1937) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 37 (17.9.1937)
Date
1937-09-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 37 — 17. September 1937 Seite 5 ftlfttrcbaftncDe Matura-Schule „UNIVERSUM" ffi ecatungsftefle (Gründungsjahr 1931) in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. JedesMitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung Dollhommen unentgeltli^e ^us/run/r. Dcrfid)erungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenpräfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine namhmfte Begünstigung der Prämiensätze. IX., Garnisongasse 3 / Tel. A-20-M8 | Sämtliche Lehrmittel leihweise! | Vormittags-, Abend- und / Beginn neuer Anfängerkurse Milte September Nachmittagskurse (ab 5Uhr) Mittelschüler mit Vorkenntnissen können bereits am 1. September in die Vorgeschrittenen-Kurse eintreten / Mittelschüler aus der 4. Klasse mit ungünstigen Jahreszeugnissen werden für die Matura vorbereitet Von solchem Egoismus kann aber nicht die Rede sein, wenn ein Mann, der nicht als Parlamentarier, sondern als Soldat den höchsten Rang erreicht hat und noch obendrein als Bruder des Reichsverwesers im Staate eine Spitzenstellung einnimmt, zu ähnlichen Mahnungen das Wort ergreift. General Stephan von Horthy nahm im Blatte „Alkotmany" („Verfassung") in schärfster Weise gegen die pfeilkreuzlerische Propaganda Stellung. Er schreibt u. a.: „Die pfeil- und hakenkreuzlerische Propaganda muß mit Stumpf und Stil ausgemerzt werden. Heute, wo unser Land endlich selbständig geworden ist, können wir es nicht dulden, daß unsere arbeitenden und ihrer Heimat treuen Bürger durch fremde Ideen aufgewiegelt werden. Nicht die Politik, sondern die über alles erhabenen heiligen Interessen der Nation muß man vor Augen halten. Jeder, der durch ehrliche, ernste Arbeit ein V ermögen erworben hat, mag er Jude sein oder nicht, liefert den andern ein Beispiel und spornt zu ehrbarer Arbeit a n." Vom selben Standpunkt aus beurteilt General von Horthy auch die Hochschulfrage und bekämpft den numerus clausus: Gegen die Ueberproduktion gebe es ein einziges Mittel: vom Standpunkt der Erziehung müssen diejenigen ausgewählt werden, die in ihrem Studium vorwärtsschreiten. Nur solche Studenten möge man durchlassen, die, ob sie Juden sind oder nicht, Talent haben. Die aufbauende und schaffende Arbeit des Wirtschaftslebens sei auch in einem reichen Lande nötig. Man dürfe nicht dulden, daß der unverantwortliche und unreife politische Heuschreckensch w a r m dieses empfindliche Gebiet schädige und zerstöre. Ruhe und Verständigung seien notwendig. Dies sei die einzige politische Richtung, die die Nation vor jedem Extrem, vor jeder Erschütterung bewahren werde. Das sind wahrhaft goldene Worte, die auch außerhalb Ungarns überall, wo die gleiche „Heuschrecken"- Gefahr besteht, gehört werden sollten. Wie es damit in Oesterreich steht, zeigt ein sehr lesenswerter Aufsatz von Josef Roth im „Christlichen Ständestaat" über „Verleger in Oesterreich oder österreichische Verleger?" Der Verfasser beleuchtet die katastrophalen, zum Teil auch grotesken Folgen der für die österreichischen Verleger herrschenden Zwangslage, den Rassenbelangen des Dritten Reiches Rechnung zu tragen, so daß z. B. die Werke „des eminent österreichischen Juden Beer-Hoffmann" kaum noch erscheinen können. Der Autor betont in diesem Zusammenhang, „daß in Oesterreich der Antisemitismus das Hintertürl des Heidentums ist." Leider entgeht diese Tatsache oft genug gerade den zur Abwehr des Heidentums berufensten Faktoren, wie z. B. den Herausgebern gewisser Kirchen- und Pfarrblätter, die in der letzten Zeit überraschend oft gegen die „Judengefahr" Stellung nehmen zu müssen glaubten. Man könnte dies noch begreifen, wenn die angebliche Judengefahr von rein theologischen Blickpunkten aus entdeckt und betrachtet würde. Es fällt aber ganz bestimmt nicht ins Gebiet der Theologie, wenn z. B. das vom Presse-Apostolat(!)-Verein Feldkirch herausgegebene „Zwei-Groschenblatt" sich darüber aufregt, daß angeblich SO Prozent des Wiener Schuhhandels in jüdischen Händen sind, und, offenbar um dieses jüdische Monopol in der Stiefel-Branche zu brechen, gleich selbst einen Stiefel zusammenschreibt, der in der Forderung nach Zurückdrängung der jüdischen Vorherrschaft in der Wiener Wirtschaft und Kultur gipfelt, während wirkliche Kenner der Wirtschaftsverhältnisse in Fachblättern, wie z. B. jüngst in dem Fachblatt des Hotelgewerbes die katastrophalen Auswirkungen der längst im Gange befindlichen Zuriickdrängung der Juden aus verschiedenen Berufen auf den österreichischen Fremdenverkehr nachweisen. Es ist unerfindlich, was die österreichischen Presse-Apostolate mit solcher Zwei-Groschen-Politik bezwecken. Hoffen sie etwa durch diese Anbiederung an den Nürnberger Trichter das Los der Katholiken im Dritten Reiche zu mildern? Statt dessen werden sie bloß erreichen, dem in der Nazi-Presse besonders beliebten Schlagwort vom „politischen Katholizismus" neue Bekräftigung zu liefern. Herrenhutspezialitäten Felsenburq I.Rotenturmstr.26 (Ed*«* Kau Größte Auswahl in Hüdcel Qualitätserzeugnissen. Billigste Preise. Wie recht der „Christliche Ständestaat" mit seiner oben zitierten Behauptung hat, daß der Antisemitismus das Hintertürl ist, durch den das Heidentum nach Oesterreich kommt, beweist die jüngst vollzogene Einführung des Arierparagraphen in der „Interessengemeinschaft blinder Musiker und Klavierstimmer". Als vor Jahr und Tag das Dritte Reich die Ausschließung der jüdischen Blinden aus den Wohlfahrtsvereinen verfügte, fand die entsetzte Kulturwelt für diese Barbarei keine andere Erklärung als die systematische Entchristlichung des deutschen Gemütes durch den Nationalsozialismus. Oesterreich hat sich in demonstrativer Gegensätzlichkeit zum braunen Neilheidentum offiziell als christlicher Ständestaat bezeichnet. Man sollte also meinen, daß wenigstens seine Behörden wachsam darauf bedacht sind, dem Eindringen heidnischer Barbarei wirksame Riegel vorzuschieben. Was geschieht aber? Die Wiener Magistratsabteilung II als Vereinsbehörde hat die Einführung des Arierparagraphen in dem genannten Blindenverein — legalisiert. Der Interessengemeinschaft, die natürlich auch Arbeit vermittelt, werden also fortab nur noch solche Blinde angehören, die ihre Eignung zum Klavierstimmen dadurch beweisen, daß sie alle human fühlenden Menschen — verstimmten. Sache der jüdischen Klavierbesitzer ist es aber, dafür zu sorgen, daß die ausgeschlossenen Glaubensgenossen nicht außer ihrer physischen Blindheit auch noch die geistige Blindheit der österreichischen Amtswalter gegenüber den Gefahren des Nürnberger Trichters zu büßen haben. Zum Andenken an Rabbi Akiba Eger s. A. Am 13. Tischri 5598 — vor hundert Jahren — starb ein Großer in Israel. Wer Eisenstadt im Burgenland besucht, dem zeigt man bestimmt das Geburtshaus des Akiba Eger, in dem er 1761 zur Welt kam, und wer das berühmte Museum von SandorWolf dort aufsucht, dem zeigt man Reliquien dieses großen Rabbi. Er war eben 13 Jahre geworden, als er nach Deutschland zog zu seinem Onkel nach Breslau, um dort mehr zu lernen; kaum 20 Jahre war er alt, als er sein Haus, das ihm der Schwiegervater in Rawitsch zur •Verfügung gestellt hatte, bezog, damit er dort lerne und lehre. Nach großem Unglück, durch Feuersbrunst verarmt, wird er Rabbiner in Märkisch-Friedland, errichtet EMSIOHAT FÜR JÜDISCHE MÄDCHEN IN WIEN mmm^m^—m Für das Schuljahr 1937/38 werden jüdische Mädchen aufgenommen. Nachhilfe in allen Fächern, Sprachen- und Musik- Unterrichtwirdgewährleistet.Liebevolle Behandlung, FamilienanschluS, erstkl. rituelle Kost, mäßige PreiS9, beste Referenzen^ Jüdisches Mädchenpensionat, Wien II., Lassingleithnerplatz 2/12 dort eine namhafte Jeschiwah, sorgt für alle Belange der Gemeinde und erweckt bei Juden und Nichtjuden den Eindruck eines Heiligen. Wirtschaftliche Sorgen, Unglück in der Familie lassen keine rechte Befriedigung aufkommen, lähmen aber seine geistigen Kräfte niemals. Sein Name klingt in der Reihe der großen Gelehrten und alle sähen ihn gern an größerer Stätte. 1815 wird er, nachdem die Widerstände der Freien zum Schweigen gebracht worden waren, als Oberrabbiner nach Posen berufen. Noch ist er in der besten Kraft seines Lebens, seine Söhne sind zum Teil schon außerhalb des Hauses, haben schon begonnen, die Werke des Vaters herauszugeben. Wiederum ist die Jeschiwah fast sein erstes großes Werk; aber alle Fürsorge, alle geistige Gemeindearbeit liegt in seiner Hand, und er will jedem nahe sein, für alles wirken, ja sogar kämpfen. Neue Schulen will man errichten — die Frucht der Emanzipation —, seine und andere Talmudschulen sogar verbieten;. er weiß sich zu wehren, und immer mit Erfolg. Aber er freut sich der Emanzipation und weiß, daß sie Pflichten auferlegt. Er erkennt dies restlos an, als ihm und vielen Juden der Gemeinde das Bürgerrecht verliehen wird und dieser Akt Gegenstand einer synagogalen und öffentlichen Feier ist. Seine Ansprachen charakterisieren ihn und die Auffassung des Judentums von Obrigkeit und Religion. Gar gepriesen wird seine energische organisatorische und großzügige Arbeit in der Choleragefahr des Jahres 1831 mit den besonderen iWaßnahmen für die Andachten der Hohen Feiertage, so daß König und Oberpräsidium mündlich und schriftlich ihm Anerkennung aussprechen. Seine Schüler notieren seine neuen Erklärungen bei seinen Vorträgen über Talmud und Schulchan Aruch; seine Schüler, Gemeinden, Behörden richten Anfragen an ihn, seine Söhne, später seine Enkelkinder sammeln diese Anfragen und drucken sie zum geringsten Teil bei seinen Lebzeiten, etwas nach seinem Tode, viels ist noch heute ungedruckt. So entstehen seine Werke, die er seiner Bescheidenheit nie gewollt, die aber seinen Namen hinaustrugen und hinaustragen werden bis in die spätesten Generationen. Was ein williger, rastloser Geist in einem schwachen, kranken, kleinen Körper leisten kann, beweist R. Akiba Eger, von dessen Aussehen wir uns durch ein Bild, das seine Gestalt — gewiß wider seinen Willen festgehalten hat — zeigt, eine Vorstellung machen können. Zählt man die Gaonen des letzten Jahrhunderts auf deutschem Boden auf, so wird sein Name an erster Stelle genannt werden müssen. Daher sein ungeheurer Einfluß auf die Gemeinden seiner weiteren Umgebung, daher die Wundertaten und Anekdoten, die man von ihm zu berichten weiß, daher die gewaltige Verehrung, die er genoß, wohin er auch kam. ^Danksagung. An meinem 90. Geburtstag wurde mir viel Liebe und Güte erwiesen. Ich bin nicht imstande, allen, die meiner in Freundschaft gedachten, persönlich oder schriftlich zu danken. Ich bitte deshalb, auf diesem Wege meinen herzlichsten und innigsten Dank aussprechen zu dürfen. R e g i n e U l m a n n.

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