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Die Wahrheit · 1935-10-04 · Heft 40 (4.10.1935) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 40 (4.10.1935)
Date
1935-10-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 40 Oktober 1935 Seite 7 Die Chewra Haäi§clia I. der älteste Verein unserer Gemeinde, toeiindef sidi in iinanzicilcr Wolf Der Verein mußte in den letzten Tagen neuerlich die Bewilligung von Geldunterstützu gen an arme Kranke einstellen Hunderte von Gesuchen harren der Erledigung. An die Mitglieder unserer Gemeinde, Männer und Frauen, geht die dringende Bitte um rasche Hilfe durch gütige Ueberweisung von Spenden an die Administration dieses Blattes oder im Wege der Postsparkassa auf Kontonummer 30.963. Der jugoslawische Gesandte im sephardischen Tempel. Der königlich jugoslawische Gesandte, G. N as t a s i e v i c, erschien am Vormittag des ersten Roschhaschonohtages während des Gottesdienstes im Wiener sephardischen Tempel, um den jugoslawischen Staatsbürgern jüdischer Konfession zum Neujahrsfest gratulieren. Der Rabbi von Kupiczenetz gestorben. Der in der Chassidimwelt sehr populäre Kupiczenetzer Rabbi, Israel Meier H e s c h e 1, ist am ersten Neujahrstag in Wien im 74. Lebensjahre gestorben und am vergangenen Montag unter kolossaler Beteiligung zu Grabe getragen worden. Der hervorragende Gelehrte zeichnete sich sanz besonders ais Wohltäter aus und wandte einen Großteil seiner Einkünfte den Bedürftigen zu. Rabbiner Dr. Max Dienemann 60 Jahre. Am 27. September vollendete Rabbiner Dr. Max Dienemann - Offenbach sein sechzigstes Lebensjahr. Im religiös-liberalen Judentum Deutschlands steht er an führender Stelle und betätigt sich darüber hinaus hervorragend in der religiös-liberalen Bewegung der Welt. Seit Jahren gehört er dem Vorstand des Allgemeinen j Deutschen Rabbinerverbandes an. Er veröffentlichte viele grundlegende wissenschaftliche Arbeiten und zahlreiche Aufsätze zu Tagesfragen. Viel verbreitet ist seine volkstümliche Schrift ..Judentum und Christentum". Sein erstes, 189S veröffentlichtes Werk war „Sumerisch-babyloni- |sche Hymnen nach Tontafeln griechischer Zeit". Sein letztes Werk ist das vor wenigen Wochen im Schocken-Verlag erschienene „Midraschim der 1 Klage und des Zuspruchs". Aus dem Wiener Kultusvorstand. Wie wir erfahren, ist dem kürzlich einstimmig geiaßten Beschlüsse des Wiener Kultusvorstandes, die Steuerträger mit Rücksicht auf die Notlage der umanitären Einrichtungen der Gemeinde zu einer irei w HI igen Leistung eines 20%igen Zuschlages zu den Gemeindesteuern aufzufordern, von jüdisch-nationaler Seite der Versuch vorangegansen, von den Steuerträgern einen obligatorischen 15%igen Zuschlag zu verlangen. Gegen diesen Vorschlag hat sich der Klub der u n i o n itischen Kultus Vorsteher mit der Begründung gewendet, daß ein solcher Vorgang angesichts der tristen Wirtschaftslage der Wiener jüdischen Bevölkerung untragbar ist, und tatsächlich ine nur freiwillige Spendenleistung in der erwähnten Weise durchgesetzt. Einweihung der neuerrichteten Volksschule der Israelitischen Kultusgemeinde. Mittwoch, den 25. September, fand im engsten Rahmen die feierliche Einweihung der ersten, von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien errichteten Volksschule, II.. Castellezgasse 35, statt. Die Feier wurde durch den von einem Sextett des Stadttempels meisterhaft vorgetragenen Choral „Gepriesen sei die Stunde, Dir Gott und Herr geweiht" eingeleitet. Der Präsident der Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. F r i e d m a n n, begrüßte namens des Präsidiums und des Vorstandes der Kultusgemeinde die Herren Landesschulinspektor Dr. Anton Simonie, Bezirksschulinspektor Karl Schimka, Oberrabbiner Dr. Feuchtwang, Oberrabbiner Dr. Taglicht, Bundeskulturrat Hofrat Dr. Frankjurter, Vizepräsidenten Dr. Löwenherz, den Obmann der Schulkommission Nr. Klaber, Studienrat Prof. Dr. Redisch, Arthur Pollak v. Rudin, sowie die übrigen zur Feier erschienenen Damen und Herren. Ansprachen hielten Kultuspräsident Staatsrat Dr. Friedmann und Oberrabbiner Dr. D. Feucht- £.ang, der mit dem Segensspruch „Schehechejauu" die tmweihung der neuen Schule vornahm. Herr Landesschulinspektor Dr. Simonie führte n seiner Ansprache u. a. aus: Die Schulbehörden begrüßen mit besonderer Freude die Errichtung von Bildungsstätten, die der religiösen Erziehung der Jugend gewidmet sind; hier ist die Voraussetzung geschaffen, daß eine vom vaterländischen Geiste erfüllte Jugend mit dem Rüstzeug der Bildung und des Wissens ausgestattet wird. Mit besonders herzlichen Worten wandte sich dann der Herr Landesschulinspektor an die bei der Feier anwesenden Kinder der ersten Klasse. Er wünschte ihnen Glück und guten Erfolg in der neuen schönen Schule. Es war ein rührender Augenblick, als ein kleiner Knabe und ein kleines Mädchen dem Landesschulinspektor die Hand reichten und ihm namens der Klasse treuherzig versprachen, recht brav und fleißig zu sein. Hierauf ergriff der Bezirksschulinspektor für den 2. Inspektionsbezirk, Herr Karl Schimka, das Wort, um auch seinerseits vom ganzen Herzen der neuen Schule Erfolg zu wünschen. Der Leiter der neugegründeten Schule. Herr Max J e 11 i n e k, entwarf sein Programm für die Führung der ihm anvertrauten Anstalt, die nach seiner Auffassung eine Charakterschule sein müsse. Nachdem Herr Inspektor O e h 1 e r den Kindern das ihnen von der Kultusgemeinde zur Erinnerung an die Einweihung ihrer neuen Schule gewidmete Gedenkblatt mit einigen herzlichen Worten überreicht hatte, schloß die Feier mit der Absingung der österreichischen Bundeshvmne. | Josef Grob | Wie ein Blitz aus heiterem Himmel ereilte uns alle im Laufe des Vormittags des 29. September die entsetzliche Nachricht, daß Josei Grob, der verdiente Kantor des Neudegger Tempelvereines, der bekannte Schriftsteller, dessen Artikel in den Tages- und Wochenblättern ihm ebenso die Sympathien seiner Glaubensgenossen zu erwerben vermochten wie seine liturgische Kunst, in P i e s t a n y, woselbst er seit mehreren Wochen weilte, um Genesung zu rinden, am 29. September früh Morgens sein Leben im 56. Jahre seines Daseins aushauchte. Wer Josei Grob näher kannte, wußte ihn und seine gutjüdischen Eigenschaften zu schätzen. Er wurde im Jahre 1903 an den Neudegger Tempel als Kantor berufen, und seit diesem Tage bis zu seiner im Jahre 1933 erfolgten Erkrankung war seine Person mit diesem Gotteshause untrennbar verknüpft. Manche Generationen von Tempelbesuclieru erfreute er durch seinen Gesang, durch den schlichten ungekünstelten Wohlklang seiner Stimme und seines Vortrages. MÖBEL Moderne KQcnen- Vorzlmmer- Wohnzimmer- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. Auch als Schriftsteller hat er sich in seiner freien Zeit rege betätigt. Wer kennt nicht seine Artikel und Aufsätze, die zu den spezifisch jüdischen Gelegenheiten in der ,.W a h r h e i t" und in den führenden Tages- und Wochenblättern erschienen? Viel Interessantes und Wissenswertes vermittelte er uns aui diese Weise und Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien I., Kohlmessergasse 4, Tel. U-27-0-65. Juden! Unerbittlich und erbarmungslos rast eine reißende Flut der Arbeitslosigkeit unter den Juden. Wirtschaftlicher Strukturumbau, Ueberdimensionierung vieler Maßnahmen, Störungen in der Weltproduktion und im Welthandel haben Ausschaltung und Freisetzung von jüdischen Arbeitskräften zur Folge. Tausende jüdischer arbeitsfähiger und schaffenswilliger "Menschen sind ohne Arbeit und Brot. Auch Jugendliche, die ihre Tätigkeit in der Werkstätte oder Fabrik entfalten wollen, bleibt das Tor der Zukunft verschlossen. Die Auswirkung der Erwerbslosigkeit sind Verfall des jüdischen Mittelstandes, Verarmung weiter jüdischer Schichten, Unterernährung von Erwachsenen, insbesondere von Kindern und Flucht aus dem Leben. Wer erfaßt die Qual und Sorgen der Familienernährer ohne Arbeit und Brot und ihre seelischen und physischen Nöte. Hungernde und zermürbte, bedrängte und zwischen Verzweiflung und Hoffnung schwebende Menschen kommen täglich zu Hunderten in den jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis und wollen von der tödlichen Umklammerung der Arbeitslosigkeit befreit, in die Gesamtheit eingeordnet werden und ihren Anteil am Leben erlangen. Unsere schwere Sorge ist die Linderung der Not und die Ueberwindung der Schwierigkeiten des Tages im ungewöhnlich schwierigen Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit und ihre bitteren Folgen. Aber alle Anspannung der Kräfte, alle Vorsicht und Einsicht und alle Einstellung in den Dienst der heiligen Sache werden nur dann von Erfolg sein, wenn der Gemeinschaft der Not — die Gemeinschaft der Tat entgegengesetzt wird. Helfet uns, die im Strome der Zeit untergehenden Glaubensgenossen ans rettende Ufer zu bringen — Not und Hunger zu bannen und Arbeit zu verschaffen, denn es ist oberste Pflicht, sich nach besten Kräften an der Förderung dieser der gesamten Judenheit gemeinsamen Aufgabe zu beteiligen. Jüdische Unternehmer, erfasset den Ernst der Zeit, fördert die Arbeitsbeschaffung zugunsten der jüdischen Arbeitslosen und fordert den Bedarf an Angestellten und Arbeitern beim Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien I., Kohlmessergasse 4, Tel. U-27-0-65, an. Für die Zentralkommission für soziale Fürsorge der Israelitischen Kultusgemeinde Wien: Der Obmann: Dr. Leo Landau. Für den Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis: Der Präsident: Geza Klinger. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof. 3. Tor, Tel. B 53-0-53 tru'j. aui diese Art und Weise sein Scherilein mit dazu bei."" manches in neuem und ungewohnten Lichte erscheinen zu lassen, an dem wir sonst achtlos vorbeigegangen wären. Sein rastloser Schaffensdrang ließ ihn nicht ruhen, er mußte stets arbeiten und schöpien. Noch auf dem Krankenbette hat er geschrieben, und in der Rusch-haschanah-Nummer der ..Wahrheit" war ein interessanter Aufsatz aus der Feder unseres seligen Josei Grob zu lesen. Ich selbst kannte Josei Grob von Kindheit, aut, auch mir war er mit dem Begriife des Neudegger I empels untrennbar verknüpit. Innige Freundschalt verband mich mit seiner Person und seinen Angehörigen. So hatte ich auch Gelegenheit, in seinem Hause alle jene guten jüdischen Eigenschaften und Sitten vorzuiindeii, welche ich vom eigenen Elternhause gewohnt bin und die das echte, treue unverfälschte und einzig dastehende iüdische Familienleben kennzeichnen. Josei Grob war der aufopferndste Vater und Gatte, jeder Hauch seiner Lippen strömte Güte und Wohlwollen aus, jeder Schlag seines Herzens aalt seiner Familie und dem von ihm so ..eiiebten Judentum. Er verstand es. der Jugend sein Haus oiien zu halten, die Gäste seiner Kinder wie seine eigenen zu behandeln und wie im Tempel durch seinen schlichten Vortrag auch im eigenen Heime im Nu den Weg zu den Herzen aller zu tinden. Nun ist Josef Grob nicht mehr. Der unerforschiiehe Ratschluß der Vorsehung hat ihn in der Blüte seiner Jahre aus unserer Mitte gerissen. Ein Mann, wertvoll durch seine Eigenart, ist von uns gegangen. Seine Werke aber, sein ehrenvolles Andenken und die pietätvolle Liebe derer, die um ihn waren, werden seinen Namen über das Grab hinaus fortleben lassen. Dr. Fritz Bauer. Todesfälle. Am 30. v. M. wurde der am 1. Neujahrstage nach langem schweren Leiden im 60. Lebensjahre dahingeschiedene Herr Emil Sinai auf dem Floridsdorfer Fricdhci unter starker Beteiligung zu Grabe getragen. Der Verblichene hat sich in weitesten Kreisen berechtigter großer Beliebtheit und Wertschätzung erfreut. Er war ein charaktervoller Mann und auirechter Jude. Besonders innig war sein Verhältnis zu seinen Angehörigen, er war seiner braven Gattin ein liebevoller Mann, seinen Geschwistern, unter denen sich auch Herr Kultusvorsteher Berthold Sinai befindet, ein zärtlicher Bruder. Der allseits geschätzten Familie Sinai wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. Dem Leichenbegängnisse wohnten u. a. bei: Altvizepräsident Dr. J. Or ii stein, der Obmann des Klubs der uuionistischen Kultusvorsteher Geza K 1 i n g e r. Amtsvorstand Emil Enge I. zahlreiche Mitglieder des Zentralvorstandes und der Bezirksorganisationen Leopoldstadt und Floridsdorf der „Union österreichischer .lüde n". der der Daheimgegangene als treues Mitglied angehört hat, sowie führende Mitglieder der Floridsdorfer jüdischen Korporationen. Rabbiner Dr. M. Ros e n mann hielt einen warmen Nachruf. Oberkantor Teig versah die kantoralen Funktionen. Den Heimgang des guten Menschen beklagen mit seiner Familie viele, die ihn wegen seiner vornehmen Charaktereigenschaften schätzten. — Am 22. v. M. ist im 16. Bezirk Herr Benjamin P a ü ne r nach langer und schwerer Krankheit im 60. Lebensjahre sanft verschieden. Das Leichenbegängnis fand Dienstag, den 24. v. M., am Zentralfriedhof, IV. Tor. unter großer Beteiligung statt. Herr Rabbiner Dr. J. M. Bach hielt dem Verstorbenen einen überaus warmen Nachruf, in dem er das rechtschaife.no und charaktervolle Wesen des Verblichenen besonders hervorhob. Herr Kantor Hareadorf versah die kantorale Funktion in ergreifender Weise. Jfumst und £itewutuw. Jüdische Künstlerspiele Reklame. Auch in dem neuen Stück. „Der fröhliche Z i g e u n e r". dessen Höhepunkt ein in 10 Sprachen gesungenes Potpourri bildet, gibt Jac R e c h t z e i t neuerlich Proben seiner universellen Künstlerschaft. Hervorzuheben wäre, daß das — ansonsten typisch amerikanische — Traumspiel mit sehr viel schöner und ins Ohr gehender Musik ausgestattet ist. für deren Komposition und Arrangement Rechtzeit persönlich zeichnet. Schauspieler, Komponist und — Regisseur, alles in einer Person und alles vollendet, denn auch der Regie merkt man seine starke Hand an. Das Ensemble ist gut abgestimmt und die Schauspieler verdienen durchwegs ein Pauschailob. Besonders zu gefallen wissen die stimmlich überaus begabte Frau G a 11 i n a. S. F o s t e 1 in einer Chaplinmaske als Polizist, die Damen Weintraub- G r a f und P. Bell, sowie die Herren Bell und P c r 1m a n n. In einer köstlichen Episode hat Herr Grimm i n e r die Lacher auf seiner Seite. E. H. Scala: „Der König mit dem Regenschirm." Benatzkys liebenswürdig witziges, musikalisches Spiel ist wieder hervorgeholt und gleich zum 150. Mal gespielt worden. Ein erfreulich amüsanter Abend in der entzückenden Spielzeugschachtel der Inszenierung Premin- Die tägliche Reinigung des Mundes mit einem antiseptischen Mittel ist für die Mundhygiene und Gesundheit gleich wichtig. Das ODOL-Mundwasser wird in der ganzen Welt, seiner antiseptischen Wirkung und seines starken, dabei aber angenehmen Geruches wegen, der auch unreinen Atem beseitigt, bevorzugt. Auch reinigt es zwischen den Zähnen sehr gründlic!.'. Außerdem enthält das Odol-Mundwasser neben dem Odol-Antiseptikum den Myrrheextrakt, der gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches wirksam verwendet wird. h

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