Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 40 (4.10.1935)
- Date
- 1935-10-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Issels SeliwviH-Besüiriit WIEN II.. Prdiefslrafte 33 reMvlwB ■ Unter Aufsicht des ehrwürdigen •Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speiseri und .Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. ] die Vertretung durch einen jüdischen Anwalt vor Gericht nicht interessefördernd sei- . Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn hat vor einigen Tagen in einer vorrf stellvertretenden Reichsbahndirektor, Kleinmann, unterzeichneten Verfügung diejenigen Beamten vom Dienste beurlaubt, die Volljuden sind. Dazu meldet das Tschechoslowakische Preßbüro: Es handelt sich dabei um eine vorläufige Beurlaubung bis zum Vorliegen der angekündigten Ausführungsbestimmungen zu dem neuen Reichsbürgergesetz. Jedenfalls ist das ein deutliches Vorzeichen dafür, daß in diesen Ausführungsbestimmungen die Ausnahmen des seinerzeitigen Berufsbeamtengesetzes fallen werden, wodurch nämlich jene jüdischen Beamten, die Kriegsteilnehmer oder Söhne oder Väter von gefallenen Kriegsteilnehmern waren, im Dienste belassen worden sind. * Wie die „Jüdische Rundschau" mitteilt, hat die Elektro-Gas-Gemeinschaft Mainz folgendes beschlossen: „Nur Arier und im Besitz von Ariern befindliche Geschäfte im Sinne des Reichsbürgergesetzes vom 15. September 1935 können Mitglieder der Elektro-Gas-Gememschaft sein. Eine genaue Festlegung dieser Bestimmung erfolgt nach Erscheinen der Durchführungs- und Ergänzungsbestimmungen zu obigem Gesetz." Der Ausschluß der Juden und jüdischen Geschäfte von der Mitgliedschaft der Elektro-Gas-Gemeinschaft bedeutet für sie den. Verlust des Rechtes auf Bezug von Gas und Elektrizität, was nicht nur für die jüdischen Haushalte unerträglich wäre, sondern auch den Zusammenbruch der jüdischen Betriebe und Geschäfte mit sich bringen müßte. Aus einer Mitteilung der ..Frankfurter Zeitung"' erfährt man, daß in Lohra (Kreis Marburg) ein Judenpogrom stattgefunden hat. Mehrere Angeklagte hatten sich wegen Landfriedensbruchs, begangen durch Gewalttätigkeiten gegen jüdische Einwohner, zu verantworten. Drei Angeklagte wurden zu je 6 Monaten, weitere drei zu zwei Wochen bis vier Monate.i Gefängnis verurteilt. Wenn «in Gericht im heutigen Deutschland Gefängnisstrafen in dieser Höhe wegen Angriffs auf Juden verhängt, läßt das auf außerordentlich schwere Ausschreitungen, deren Opfer die Juden von Lohra geworden sind, schließen. * In Detmold wurden das Innere der Synagoge und der jüdische Friedhof durch Huligans auf eine furchtbare Weise verwüstet. * Das „Hakenkreuzbanner" meldet, daß Juden von der Teilnahme an der Herbstmesse in Mannheim aus g esc hl o s s e n worden sind und daß in die Versteigerungsbedingungen ein Passus autgenommen worden sei, daß Juden keine Plätze ersteigern dürfen. * Vor der Stadt Fürth wurden Tafeln angebracht, die besagen, daß Juden unerwünscht sind. Fürth, die Schwesterstadt Nürnbergs, beherbergt jetzt noch eine der angesehensten jüdischen Gemeinden Bayerns. Wie die ..Fränkische Tageszeitung" meldet, ist die Synagoge in Höheinöd (Pfalz) zum Preise von 900 RM (!) verkauft worden, nachdem die Juden des Ortes zum größten Teil abgewandert sind. Der Bau wird zu einem Wohnhaus hergerichtet. Bleibt Berlin Olympiastadt? Reichssportkommissar Herr von T s c Ii a mmer und Os t e n tritt der im Ausland verbreiteten Meldung, daß es deutschen Juden unmöglich gemacht wird, an der Olympiade in Berlin 1936 teilzunehmen, mit der Erklärung entgegen, daß er an zwei jüdische Mädchen, Helene Meyer und Fräulein Betlunarin, die Einladung hat ergehen lassen, Deutschland auf der Olympiade mit zu vertreten. Aus der Erklärung Tschammer-Ostens ist das Eingeständnis herauszuhören, daß jedenfalls nicht mehr als zwei deutsche Judenstämmlinge auf der Olympiade mitspielen werden. Wie der Sonderberichterstatter der JTA aber erfährt, werden weder Helene Meyer noch Fräulein Bethmann an der Olympiade teilnehmen können. Helene Meyer, die jetzt in Kalifornien lebt, wird auf der Liste der Emigranten geführt und riskiert beim Betreten deutschen Bodens, von der Staatspolizei verhaftet zu werden. Fräulein Bethmann, die in Stuttgart lebt, ist auf andere Weise verhindert, sich zu den Olympia-Spielen zu stellen. Der deutsche Makkabi mit einer Mitgliedschaft von über 20.000 Sportlern teilt mit, daß er außerstande sei, Spieler aus seiner Mitte zur Olympiade Berlin 1936 zu stellen, da die Juden in Deutschland nach Verkündung der Nürnberger Gesetze nicht mehr als Bürger angesehen werden und demnach Deutschland nicht repräsentieren können. Es ist sehr zweifelhaft, ob andere jüdische Sportgruppen in Deutschland, wie z. B. die des Rejchsbundes jüdischer Frontsoldaten, Spieler zur Olympiade stellen werden, da infolge der Zurückdrängung der Juden im deutschen Sport durch Fernhaitung von den Sport- und Trainingsplätzen usw. die etwaigen jüdischen Olympiade-Anwärter keine-Gelegenheit hatten, sich für ihre Aufgabe vorzubereiten. Harvard-Universität boykottiert Olympiade. . Die Harvard University in Boston hat — wie der Sportdirektor der Universität William J. Bingham der JTA mitteilt — beschlossen, an der Berliner Olympiade 1936 nicht teilzunehmen, falls die deutsche Regierung wirklich die deutschen Juden von der Teilnahme an der Olympiade ausschließen sollte. Bingham, der dem American Olympic Committee angehört, erklärte weiter, daß, falls die Judenverfolgungen in Deutschland andauern, die Harvard University den üblichen Beitrag von 1000 Dollar an die Internationalen Olympischen Spiele nicht mehr leisten wird. Zwei italienisch-jüdische Feldgeistliche nach der, abessinischen Front. Unter den italienischen Truppenform a t i o n e n, die an die Grenze von Abessinien geschickt wurden, befinden sich viele junge' Juden, die einberufen wurden oder sich freiwillig meldeten. Zur geistlichen Betreuung dieser Soldaten sind zwei junge Rabbiner als Feldgeistliche in die Feldlager geschickt worden. Heiraten?? Den idealen jüdischen Lebensgefährten finden Sie schnell und sicher durch Die Jüdische Heiralszeitang Prag XIX., Soborshä 8, CSD. Weiteste Verbreitung im In- und Ausland. Reichste Auswahl an Ehegesuchen, Einheiraten etc. Prospekt nur geg. Rückporto, neueste Probenummer Kc 4 — Ausland 2 internation. Antwortscheine Der Bundespräsident und die Gesamtregierune als Gäste einer jüdischen Dame. Anläßlich des Luitangriüabwehnnanövers. das ganz Wien in Atem hielt, ergab sich für unser Staatsoberhaupt, die Regierung und Armeeleitung eine unvorhergesehene Schwierigkeit. Wo in der ebenen Leopoldstadt einen Punkt finden, wo man das Manöver gut und ungefährdet übersehen könnte? Da eruiert die Polizeidirektion, der einzig mögliche Standpunkt sei ein glasgedeckter Balkon Ecke Heinestraße und Praterstraße, stellt fest, die Wohnung gehöre der Witwe des Lederfabrikanten Josef D u b. Flugs begibt sich ein Adjutant mit einem höflichen Brief zur überraschten Dame, sie möge so gut sein, am folgenden Tage wählend des ganzen Manövers den Bundespräsidenten und die Regierung mit der Manöverleitung und den Militärattaches etc. bei sich aufzunehmen. Hocherfreut, bei einer patriotischen Tat mitwirken zu können, ladet die Dame, die heute mit ihrer Tochter sehr zurückgezogen ohne viel Dienerschaft lebt, alle ihre weiblichen Verwandten ein. zu denen die Damen des verstorbenen Rabbiners Dr. Gelbhans gehören, ihr bei einem rasch improvisierten Büfett behilflich zu sein. Die Gäste schienen sich sehr wohl zu fühlen und lobten außerordentlich den patriotischen Eifer der Hausfrau. Man stelle sich die deutsche Regierung in ähnlicher Situation vor! Der Rektor des italienischen Rabbinerseminars beim Papst. Der Rektor des italienischen Rabbinerseminars und ehemalige Oberrabbiner von Florenz, Professor Umberto Cassuto, wurde von Papst Pius XI. in längerer Audienz empfangen. Prof. Cassuto legte dem Papst sein soeben erschienenes Werk über die hebräischen Handschriften in der vatikanischen Bibliothek vor. Das Studium der hebräischen Handschriften in der vatikanischen Bibliothek war vom Papst endgültig Prof. Cassuto übertragen worden, nachdem anfangs Prof. Frei mann - Frankfurt a. M. hierfür in Aussicht genommen worden war. Der Papst erörterte in etwa halbstündiger herzlicher Unterredung mit Prof. Cassuto eine Reihe jüdisch-wissenschaftlicher Fragen. Juden flüchten aus dem Saargebiet. Je näher der Termin heranrückt, an dem die — wenigstens auf dem Papier stehende — Schutzfrist für die Juden im Saargebiet abläuft, umso stärker setzt die Flucht der Juden aus dem Saargebiet ein. liU Ahmt) Das sorgenlose Einkommen i i die KKBBTB ALLG. RENTENANSTALT WIEN 'I. GRABEN 20 ■ TEIeVhqKI'Ü.? t75/.l 0^ Viele jüdische Gemeinden des Gebiets stehen vor ihrer Auflösung. So hat z. B. die Gemeinde Homburg 17 Familien durch Wegzug verloren; die gleiche Anzahl von Familien wird in dem nächsten halben Jahre auswandern, so daß bestenfalls noch 4 oder 5 Familien zurückbleiben. Aehnlich liegen die Verhältnisse in der Gemeinde St. Ingbert, wo fast alle Familien fortgezogen sind bezw. fortziehen werden. Die Gottesdienste an den hohen Feiertagen können nur noch mit Mühe durchgeführt werden. „Palästina — weifer arabisches Land" In der Londoner Royal Central Asian Society hielt der Vorsitzende der arabischen Arbeiterorganisation Palästinas, Fachri Bey Nashashibi, einen Vortrag, in dem er erklärte, das von Lord Balfour selbst als solches bezeichnete „Experiment" der Errichtung eines Nationalheims für die Juden in Palästina sei gescheitert. Eine Erfahrung von 17 Jahren, in denen es von Zeit zu Zeit zu ernsten Unruhen kam, habe gezeigt, daß Palästina das arabische Land geblieben ist, das es war. Eine Umkehr der Politik gegenüber den Juden in Mitteleuropa würde zahlreiche Juden veranlassen, wieder ihre frühere Heimat aufzusuchen, und große Kapitalssummen würden abgezogen werden. Inzwischen habe sich die Lage der arabischen Landbevölkerung infolge der Verkäufe großer Bodenflächen an Juden seit 1930 verschlechtert. Die Forderung der Araber nach Einschränkung des Bodenverkaufs bedeute nur den Schutz ihrer Existenz im Lande und die Einhaltung der Bestimmung des Mandats, derzufolge die Errichtung des Jüdischen Nationalheims Rechte' und Lage der Araber nicht beeinträchtigen soll. Zum Schluß behandelte Nashashibi die Frage der Selbstverwaltung in Palästina. Diese auf Selbstbestimmung beruhende Selbstverwaltung sei eines der im Mandat genannten Rechte der Palästinenser. Die Araber seien der Ansicht, daß die Juden den Weg zur Autonomie blockieren. Die luden seien gegen jede Aenderung des gegenwärtigen Zustandes, solange sie nicht durch fortgesetzte Einwanderung die Mehrheit erlangt haben. Die Araber würden sich an einem Legislative Council nicht beteiligen, falls sie nicht die Ueberzeugung hätten, daß dadurch ihre legitimen Ansprüche geschützt werden. Ihr Vertrauen zur e n g- I i sehen Regierung sei im Schwinden, da sie sähen, daß die Regierung außerstande sei, dem von jüdischer Seite ausgeübten Druck standzuhalten. Der Gerer Rebbe bei der Höhle Machpela attakiert. Der als „Gerer Rebbe" berühmte chassidische Rabbi von Gura Kalvarja, der in Unkenntnis der bestehenden Vorschriften die Höhle Machpela bei Hebron ohne speziellen Erlaubnisschein besuchen wollte, ist mit knapper Mühe der Verhaftung entgangen, dagegen wurden zehn Chassidim seiner Begleitung verhaftet. Der Rabbi wurde, als er tiefer als sieben Stufen zu der Höhle hinabstieg (bis zur siebenten Stufe ist der Zutritt ohne Erlaubnisschein gestattet), von dem diensttuenden Polizisten niedergestoßen, woraufhin die in seiner Begleitung befindlichen Chassidim herbeieilten, um ihm beizustehen. Während der Rabbi nach Jerusalem zurückfahren konnte, wurden seine Begleiter ins Gefängnis gebracht. Nach der Vernehmung arabischer Zeugen hat Distriktskommissar Campbell die bei dem Zwischenfall vor der Höhle Machpelah verhafteten 10 Gerer Chassidim gegen Kaution noch vor Beginn des Rosch haschanah-Festes auf freien Fuß gesetzt. Ein neues Opfer des Dumpings in Palästina. Infolge deslmportsausderTschecho- Slowakei mußte die W i r k w a r e n - F a b r i k „Gcreb" in Ramath Gan g*e sc blossen werden. Es ist dies bereits der zweite Betrieb in Ramath Gan, der dem ausländischen Dumping z u m O p f e r fällt. Bekanntlich mußte vor kurzem die Kunstseide nfabrik „Meshi" wegen Ueberflutung des Marktes mit billiger japanischer Wäre den Betrieb einstellen. Die Palästina- Regierung hat eine Sitzung ihres Industriebeirates einberufen, um Maßnahmen zum Schutz der palä- Wo fehlt ein zukünftiger Schwiegersohn 1 hieß die Annonce — leider sind die eingelaufenen Offerten verloren gegangen. Bitte, doch noch einmal diese Offerten einzureichen. Gefl. Offerte unter Chiffre „LebensglGck" an die Exp. d. Bl.