Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1934-08-03 · Heft 32 (3.8.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 32 (3.8.1934)
Date
1934-08-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064504-3064535--19860-3085043
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

DIE WAHRHEIT Seite 3 SEE FELD (TIROL) 1200 Heier Einzigartiger Höhenkurort, intensivste Höhensonne, Wintersport, Pension BeschwisterScheer, im Hotel Hochalm, bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise, Fahrpreisermäßigung. Jod Brombad Bad Ball 5 fünf Weltteile konnte ich auch nur eine Spur des Ritualmordgedankens entdecken. Und noch mehr! Während in der Volksmedizin und anderen volkstümlichen Ueberlieferungen der Juden meist wörtliche Abschriften oder Uebersetzungen nichtjüdischer Vorlagen zu erkennen sind und in diesen der abergläubische Gebrauch von Menschenblut, von Gliedern des menschlichen Körpers usw. einen weiten Raum einnimmt, ist in den jüdischen Kopien, bei aller ihrer sonstigen Gefolgschaftstreue und oft mechanischen Nachbeterei, von solcher Bedrohung der körperlichen Sicherheit anderer zu abergläubischen oder verbrecherischen Zwecken nichts zu entdecken. Diese Lücken in den jüdischen Abschriften sind um so beredter und beweiskräftiger, als solche Schriften nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt waren, sondern meist vererbt, in der Regel jedenfalls nur im engsten Kreise bekanntgegeben wurden. Obwohl sie durchaus nicht Straffälliges enthielten, so suchte man doch, bei dem Mangel an gedrucktem Material dieser Art, und um die Druckkosten dafür zu sparen, sie in dieser schriftlichen Form dem Hause zu erhalten. Es war ja Literatur des Volkes, der Minderbemittelten. Ich maße mir durchaus keine Autorität auf diesem Gebiete an. Doch weiß ich mich mit allen Sachkundigen einig in dem Urteil, daß es bei Juden keine Geheimnisse gibt, die der Ritualmordverdächtigung irgendeine Handhabe bieten könnten. Jedem, der diesen Gegenstand erforschen will, ist genau wie mir der Weg freigegeben. Immer wieder ins Treffen zu führen sind die päpstlichen Bullen, die sich auf Grund solcher absolut zuverlässigen Zeugnisse scharf gegen die Blutlüge wenden. Leider sehen wir aber, wie wenig Achtung sie selbst in kirchlichen Kreisen finden. Und wenn etwa selbst Kaiser, unter anderen bewährt seit Jahrhunderten bei Erkrankungen der ■ Blutgefäße, Arterienverkalkung, Qelenksrheuma- ■ tismus, Nervenleiden, bei Stoffwechselerkrankun- B gen, wie Gicht und Erkrankungen der Luftwege ■ Kur-Methoden: Trink- und Bade-, Kaltwasser,- 5 elektrische Kuren und Röntgenbehandlung g Mäßige Preise ßr Logis und Verpflegung " Auch rituell-koschere Restaurants ■ auch Kaiser Friedrich IL, gewiß kein Judenfreund, sich gegen die Blutlüge erklärten, werden ihnen, wie bei Dr. Grau einem Friedrich III., selbstische Motive zugeschrieben. Von ganz besonderem Gewicht erscheint mir aber auch in dieser Beweisführung das Zeugnis Wagenseils, das ich in ausführlichem Zitat im 5. Bande der „Geschichte dejr Stadt Wien" wiedergegeben habe. Die Stimme eines antisemitischen Professors der Universität Alton vor 200 Jahren, der sich, der beste christliche Kenner des Judentums seiner Zeit, mit aller Schärfe gegen die Ritualmordlegende wendet. Der Arbeit Graus ist der ernste Wille, die Wahrheit zu ermitteln, ohne weiteres zuzubilligen. Ihren Schleier zu lüften, hindert ihn aber unheilvolle Verblendung. Was er bietet, ist nicht Geschichte. Es sind von Haß eingegebene und unter unbewußtem Zwange wiedergegebene Gesichte und durch gefärbte Brillen betrachtete Berichte. Auch über Juden geht es nicht gut an, wie über Maoris oder sonst ein exotisches Kuriosum und noch obendrein in der Rolle eines gegnerischen Anwalts zu schreiben. Aller Fleiß, der auf Aktenstudium und Literaturausschöpfung verwendet wird, reicht nicht aus. Wer Judengeschichte schreiben will, muß vorurteilsfrei auch .die. lebenden Juden studieren. „Wer den Dichter will verstehen, muß in Dichters Lande gehen." Dr. Max Grunwald. Verwöhnte Strohwitwer speisen votzüglidi im n«3 RESTAURANT HOTEL STEFANIE IL, Taborstrafie II, Tel. R 46-5-37 Reichhaltige Menüs von S 1.6a aal«. Täglich frische Fische. Speisen am Rost. Schöner schattiger Garten Die Trauer um Bundeskanzler Dr. Dollfuß war, wie nicht anders zu erwarten, auch bei der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs eine ungemein große. In allen jüdischen Kreisen unseres Landes wurde die Nachricht von dem feigen Anschlag auf den Führer Oesterreichs mit Entsetzen aufgenommen und Empörung und Bestürzung bemächtigten sich aller, als sie hörten, daß dieses ruchlose Attentat gelungen sei. Der Kultusvorstand hielt schon am Tage nach der Ermordung eine Trauer Sitzung ab, in der Präsident Doktor D. Friedmann des ruhmreichen Wirkens des dahingerafften Bundeskanzlers gedachte. Ebenso bekundeten alle namhaften jüdischen Parteien und Organisationen in solenner Weise die Trauer, in die sie das Hinscheiden des verehrten Bundeskanzlers versetzt hatte. Am eindrucksvollen Leichenbegängnis nahmen in Vertretung der österreichischen Judenschaft Präsident Dr. D. Friedmann, Oberrabbiner Dr. D. Feucht wang nebst Amtsdirektor Reg.-Rat G. Fuchsgelb teil. Nachdem schon beim samstägigen Vormittagsgottesdienst in allen Wiener Gemeinde- und Vereinstempeln für den Ermordeten feierliche „El mole rachamim" gebetet worden waren und auch da und dort die Rabbiner seines Hinscheidens in bewegten Worten gedacht hatten, fanden am vergangenen Dienstag im Stadttempel und im Großen Leopoldstädter Tempel von der Kultusgemeinde veranstaltete feierliche Trauergottesdienste statt, die einen erhebenden Verlauf nahmen. Das Programm der Feiern war in beiden Gotteshäusern, die in tiefstes Schwarz gehüllt waren, das gleiche. Nach einem Orgel-Präludium und dem Vortrag von „Seele, was betrübst du dich" durch Kantor und Chor hielt der fungierende Rabbiner die Gedenkrede, worauf vom Chor das „Schiwissi" gesungen und vom Kantor das „Olenu" gebetet wurde; schließlich sprach der Rabbiner das Gebet für das Seelenheil des Heimgegangenen, dem zu Ehren vorne auf der Kanzel ein Licht brannte. Die Gedenkreden in den dichtgefüllten Gotteshäusern — im Stadttempel, in dem die Vertreter des offiziellen Wiener Judentums anwesend waren, war im Auftrage des Herrn Bundespräsidenten und der gesamten Regierung Ministerialrat F o h r vom Ministerium für soziale Verwaltung erschienen — machten großen Eindruck auf die ergriffene Trauerversammlung. Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang führte aus, daß dieser Mord ganz unösterreichisch gewesen sei, weil er unmenschlich war, und flehte, nach einer ausgezeichneten Schilderung des toten Bundeskanzlers, der ein großer Staatsmann war, weil er ein gläubiger, allen Bürgern gerechter Mensch gewesen ist, den Segen Gottes auf unser geliebtes Vaterland herab, dem endlich der innere Friede beschert sein möge. Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n, der im Leopoldstädter Tempel fungierte, betonte, daß die Quellen des Hasses, der DoHfuß traf, die Quellen des gleichen Hasses sind, der sich gegen die jüdische Gemeinschaft richtet, und erklärte, daß es hoch an der Zeit sei, daß die im Völkerbund versammelten Nationen diesen fluchwürdigen Haß diffamieren. Die kantoralen Funktionen versahen im Stadttempel Oberkantor M. Mathyas, im Lepoldstädter Tempel Oberkantor H. F u n k e in ergreifender Weise. Auch in der Provinz fanden allerorts Trauergottesdiehste statt. * Die „Union österreichischer Juden" hat an das Bundeskanzleramt das nachfolgende Kondolenzschreiben gerichtet: Tief erschüttert durch das tragische Ereignis, das unserem Vaterlande so plötzlich den bewährten Fuhrer und das Oberhaupt der Regierung, Herrn Dr. Engelbert Dollfuß entrissen hat, müssen wir erst nach Fassung ringen, um unsere Gefühle und Empfindungen in Worte kleiden zu können, die unsere Seele erfüllen. Die tiefe und aufrichtige Trauer und der zuckende Schmerz um den helmgegangenen großen Kanzler, der als Opfer für die Selbständigkeit und Unabhängigkeit unseres Vaterlandes gefallen ist, ringt mit der Empörung und der Verabscheuung der feigen Mordtat, durch welche Engelbert Dollfuß den Opfertod erlitten hat Was unter seiner mehr als zweijährigen Führung in Oesterreich geschaffen wurde, gehört der Geschichte an. Seine Pläne und Ziele sind sein unvergängliches Vermächtnis, die zu verfolgen und zu erreichen die Aufgabe aller religiös und vaterländisch gesinnten Oesterreicher sein wird. So geloben auch wir an der Bahre unseres allverehrten Bundeskanzlers, in seinem Sinne weiterarbeiten und weiterwirken zu wollen, bis sein Ziel eines freien, selbständigen Oesterreich, geschätzt und geachtet von den übrigen Nationen, gesichert ist. In tiefer Trauer zeichnet ergebenst Für den Zentralvorstand der Union österreichischer Juden Reg.-Rat Dr. H. Oppenheim. Dr. P. Raumann. Zum 2. August. Die Reichsvertretung der deutschen Juden verlautbart: Im Angesichte des 2. August, an dem vor zwanzig Jahren ungeheures Geschehen unser Vaterland und die Welt erfaßte, sind wir dessen gewiß, daß alle deutschen Juden in ernster Andacht und Einkehr dieses Tages gedenken werden. Die Reichsvertretung der deutschen Juden Baeck. * Anläßlich des Jahrestages des Ausbruches des Weltkrieges wird in der Berliner „Jüdisch-liberalen Zeitung" der hunderttausend deutschen Juden gedacht, die auf deutscher Seite am Weltkrieg teilgenommen haben. In einer Reihe vo Artikeln ist von den Blutopfern der deutschen Juden im Weltkrieg und von ihren soldatischen Leistungen die Rede. Der einleitende Aufsatz, „K r i e g s - J a h r z e i f \ weist auf die alljährliche Gedenkfeier für die 12.000 jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres hin und flicht in dieses Gedenken der Toten Betrachtungen über die innere und äußere Situation der heute in Deutschland lebenden Juden ein: „Hunderttausend Juden — ein Fünftel der gesamten jüdischen Bevölkerung Deutschlands — war zum Heeresdienst eingezogen. Sie haben an dem Platz, an den militärische Notwendigkeit und Befehl sie hingestellt haben, genau so ihre Pflicht erfüllt und ihre Arbeit geleistet wie ihre christlichen Kameraden an gleichen Posten ... Wir sind keine Volksgenossen mehr nach Gesetz und Verordnungen. Auch diejenigen, die man um ihres Frontkämpfertums willen in ihren Stellungen beließ, sind es nicht mehr; denn nach dem Gesetz kann nur ein arischer Deutscher Volksgenosse sein, aber kein jüdischer. Trotz alledem; Der deutsche Jude ist mit dem deutschen Boden und in ihm verwurzelt." Rabbiner Dr. Joel Pollak und Frau laden auf diesem Wege alle Verwandten, Freunde und Bekannten zur Bar-MIzwoh'Feler ihreslSohnes Akiba, welche Samstag, den 4. August in der Synagoge „Achdus Jisroel", II., Rembrandtstraße 32—34, um 7 Uhr stattfindet. Droschoh und Empfang nachmittags um 5 Uhr im Festsaal des „Dr. Krüger-Heim", IL, Malzgasse 7 Rathenaumörder macht Karriere. Minister Heß, der Stellvertreter Adolf Hitlers, hat Hans Gerd Techow zum Leiter der politischen Schulungs- und Fachschaftsarbeit ernannt. Techow wurde am 14. Oktober 1922 vom deutschen Reichsgericht wegen Beihilfe zum Mord an Minister Walter Rathenau zu vier Jahren und einem Monat Gefängnis verurteilt. Er zeichnete sich vor den Richtern vor allen anderen Angeklagten durch eine beispiellos freche Haltung aus. Er war dereinzige, derden Toten noch einmal unflätig beschimpfte. In der vergangenen Woche hielt er in der Reichsführerschule der deutschen Studentenschaft eine Antrittsvorlesung über das Thema „Von der Erprobung und Festigung des Charakters". Kommentar überflüssig. Polen und seine Juden. Der seinen Posten in London verlassende polnische Gesandte und frühere Außenminister Graf Konstantin Skirmunt führte in seiner Antwortrede auf dem ihm zu Ehren von der Föderation polnischer Juden in England gegebenen Bankett zur Situation der Juden in Polen noch iolgendes aus: Polen hat niemals in seiner Geschichte die Juden vertrieben und niemals seine Tore Verfolgten oder aus anderen Ländern Vertriebenen verschlossen. Ihr hattet gemeinsam mit uns glückliche Tage und schwere. Polen hat eine Regierung, die jedem guten Bürger Schutz gewährt. Nach der Errichtung des neuen Staates gab es mancherlei Schwierigkeiten, mannigfache Veränderungen der Lebensbedingungen innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes. In wirtschaftlicher und politischer Beziehung wünscht die polnische Regierung nichts anderes als jeden polnischen Bürger in gleicher Weise zu behandeln. Ich hoife, daß die Möglichkeiten für polnische Juden sich ständig vergrößern werden. Lassen Sie mich Ihnen in Erinnerung bringen, daß der Antisemitismus keine polnische Erfindung ist. Ich hoffe, fuhr der Gesandte fort, daß die kommenden Zeiten für euch und für uns besser sein werden. Fortschritte können wir nur aui der Grundlage des Friedens erzielen. Polen hat infolge der starken natürlichen Vermehrung der jüdischen Bevölkerung jährlich einen Bevölkerungszuwachs von 50.000 jüdischen Seelen: für dieses Problem muß eine Lösung gefunden werden. Die verantwortlichen Männer in Polen, erklärte Graf Skirmunt zum Schluß, sehen in der jüdischen Bevölkerung gleichgestellte Bürger, die im Genuß derselben Rechte wie die Polen selbst sind. Können sie dort glücklich sein, so wünsche ich ihnen nichts anderes. (Z. T. A.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.