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Die Wahrheit · 1934-07-20 · Heft 30 (20.7.1934) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 30 (20.7.1934)
Date
1934-07-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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I HOTEL E LI SAB ETHHOf Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang nichts von ilir, solange sie nicht alle Parteien auflöst und der Mensch aus einem Abstimmungsautomaten nicht wieder eine Persönlichkeit und als solche wieder individuell gewertet wird. Und das ist der springende Punkt mit Palästina. Das Parteigezänk habein diese guten Leute aus dem Golus mit hinübergeschleppt Hätten sie aber in ihrem Rucksack auch die Bibel verstaut, dann, davon bin ich fest überzeugt, hätten sich die politischen Kämpfe nicht so verschärfen können. Sie fragen, wozu die höhere Bildung, wenn man jahraus jahrein wie ein Ackergaul sich schinden muß? Können Sie sich einen Juden denken, der tagsüber schwer schuftet und abends nicht zum Buche greift? Nur möchte ich eben, daß unter diesen Büchern auch das jüdische Buch, die Bibel sei. <«iBt«ummiisunmm!Uffiuiffi<BiiiitUHäUUduuiii Sie: Aber wie wollen Sie erwachsenen, auf sich selbst gestellten Menschen eine Lektüre zumuten, für die ihnen von Hause aus und von Kindheit auf das seetische Organ, die Religion, fehlt? Er: Hier habe ich Sie dort, wo ich Sie haben wollte. Das war, offen gesagt, mein Gedanke, als ich Sie so unverhofft traf. Sie können mir helfen. Sie haben die Feder, die wir brauchen. Was uns not tut, sind Künstler, die, wie Scott, Dumas, Freytag usw. Bücher schaffen, die unsere hypermoderne Jugend zu dem Buche der Bücher zurückführen und es wieder zu dem Buche der Juden machen. Sie: Die Idee ist nicht so ohne. Der Stoff liegt mir einigermaßen. Sie werden mich in die Details einführen. Ich wü wirklich Hebräisch treiben. Jedenfalls zeigt es sich, daß auch wir im Golus für das Judentum, ja für das Judentum in Palästina etwas leisten können. Um aber im Bilde zu sein, müßte ich doch einmal hinüberfahren. Er: Gut, fahren wir zusammen! Dann sehen Sie auch mit eigenen Augen, was für Sie als Mutter in Betracht kommen könnte. Jedenfalls ein passender Vorsatz für einen Tischob'ow. ~-d.— aBBiuiiiiüiiiHmmiiiiniHäiiiiffluiiiumjiiiiaütiiiiiK Eine Megilla Hitler. Die politischen Ereignisse der letzten Zeit in Oesterreich und in Deutschland kennzedchnen sinn- Täflig den Unterschied zwischen posMvem Staatsgeist und wüster Demagogie. In Oesterreich hat ohne viel Aufhebens, ohne Beunruhigung der Wirtschaft und der weiten Oeffentiichkeit eine Umbildung der Regierung stattgefunden, die eine Konzentrierung der aufbauwBligen Kräfte auf Kosten weniger erprobter mit sich brachte. Der Vertreter des nationalständischen Gedankens schied aus und ein Repräsentant des ehemaüigen Landbundes «trat ein. Es soll nicht verkannt werden, daß die Landbündler seit der Auflösung der politischen Parteien in Oesterreich keine homogene Masse mehr bilden, sondern besonders in ihrem Verhältnis zur Regierung Dollfuß einerseits und dem Nationalsozialismus anderseits <He Tcrassesten Divergenzen zeigen. Die Zusammensetzung der neuem Regierung beweist aber, daß einzelne repräsentative Persönlichkeiten aus dem Landbund sich durch ihr Verhalten und wertvolle Dienste für den Staat das Vertrauen des Bundeskanzlers in weitestgehendem Maße erworben liaben. Eine besondere Pikanterie ist es, daß dies •gerade auf den Mann zutrifft, der die Segnungen des firder-Regimes aus aiächster Nähe zu beobachten die Möglichkeit und sogar die amtliche •Pflicht iiatte: Ingenieur TauschÜtz, der aus der österreichischen Botschaft in Berlin in die österreichische Regierung nach Wien' geholt wurde. "Besonders schwer dürfte dem neuernannten Staatssekretär für Aeußeres der Abschied aus dem Dritten Reiche nicht gefaien sein. Denn was sich dort in der letzten Zeit abgespielt hat, schlägt nicht nur, obwohl ein gebürtiger Oesterreicher im Mittelpunkt der Ereignisse steht, dem Begriff der österreichischen Gemütlichkeit ins Gesicht, sondern auch der Auffassung von dem, was die Menschheit aller Zonen als Segen dler Kultur und Zivilisation empfindet In Deutschland handelte es sich nicht um die Durchführung, sondern um die Verhinderung einer Regierungsumbildung. Hitler wffl erfahren haben, daß man ihn stürzen, vielleicht sogar töten wollte, und bescheiden, wie der Mann schon einmal ist, hat er das für die entsetzlichsite Gefährdung des Deutschen Reiches gehalten, die selbst mit den größten Opfern an Blut — mit Ausnahme seines €af€ Pension Echstein Pemmering eigenen natürlich — abgewendet werden mußte. Den Sturz Bismarcks konnte Deutschland übertauchen, daß aber Hitler nicht mehr deutscher Reichskanzler, Goering nicht mehr Mfnisterpräsiddrit von Preußen sein solte, war nur der krankhaften! Phantasie toller Staatsverbrecher überhaupt vorstellbar. Und diese WahngebHde auf so entsetzliche Abwege abgeirrter Fieberträume konnte nur in einem Bhrtmeer ersäuft werden . . . Deno. Franenlielllmdj Talzmannsdorf! (snrgenlaiid) Mineral-, Moor- und natürliche Kohlen-* | sämesprudelbäder. Billiger Pensionspreis: «inklusive Heilbäder. — Auskünfte und Prospekte: Kur-: idirektion oder Kurkommission, Bad Tatzmanns-»;dorf, Burgenland, und in allen Fremdenverkehrsbüros.;; Zwei rituelle Restaurants. :;________________......_____________..-----------------------------—' So wie wir Juden uns am 13. Adar eines jeden Jahres in den Synagogen versammeln, um uns aus der Megilla Esther die uralte Geschichte vorlesen zu lasset!, wieso es in grauer Vorzeit einmal zu einer Massenhinrichtung judenfeindlicher Verschwörer gekommen ist, so ist der Deutsche Reichstag am 13. Juli 1934 in der Berliner Kroll- Oper zusammengetreten, um sich von Hitler über eine ähnliche Antisemiten-Tragödie, nur in etwas näher liegender Zeit, nämlich in der letzten Nacht des Juni 1934, Bericht erstatten zu lassen. Vom ästhetisch-literarischen Standpunkt gebührt ohne Zweifel der Megilla Esther der Vorrang vor der Megilla Hitler. Denn während jene den Triumph der Seelenanmut einer jüdischen Frau offenbart, deren äußerer Aufstieg zur Macht durch innere Demut verklärt wird, gibt sich in der Rede des Nazi-Osaf der unverhüllte Größenwahnsinn eines politischen Emporkömmlings kund, der seinen persönlichen Willen als umappelfablen, ja sogar jeder Kritik entrückten Rechtsspruch dem 60-Millionenvolk der Deutschen despotisch aufdrängt Die ohne ihr Zutun auf den Königsthron gelangte Jüdin war bereit, den Glanz ihrer Stellung, ja sogar ihr Leben für ihr Volk, für ihre Glaubensbrüder hinzugeben. Hitler läßt seine besten Freunde und Gesinnungsgenossen erschießen, um seine eigene Stellung zu festigen und beantwortet einen Versuch seiner Knechte, sich seiner Herrschaft zu entwinden, damit, daß er, seinen eigenen Worten gemäß, das Deutsche Volk und das Deutsche Reich nach Raubtferart „umkrallt", zum Zeichen, daß er freiwillig nimmer fahren läßt, was einmal in seine Fänge geraten ist . . . Die Königin Esther hat in der Stunde höchster Gefahr Schutz vor dem Unheil bei dem ordentr liehen Richter, dem König, gesucht und gefunden. Trotzdem werden die Judenfeind© nicht müde, noch fti unserer Zeit das Strafgericht, das über ihre persischen Vorfahren in den Tagen eines Hitler- Vorbildes, jenes Hamans hereingebrochen ist, als Zeichen jüdischen Blutdurstes, jüdischen Vernichturagseifers gegen die Arier zu deuten. Wohingegen Hitler, der angab, angesichts der Gefahr •keine Zeit zum Appell an einen ordentMchen Gerichtshof gefunden zu haben, die Absolution des ausschließlich aus Nationalsozialisten bestehenden Reichstags, ja sogar dessen Dank „für die Rettung Peuitleton Der Talmud. Nach einem Uraniavortrag von Dr. Max Grunwald. (Fortsetzung.) Auch innerhalb der pharisäischen Schulen gab es häufig heftige Geisteskämpfe. Fast bei jeder Gesetzesbestimmung wichen die Meinungen der einzelnen Schriftgelehrten weit voneinander ab. Im Lehrhause ging es Snnlich zu "wie in einem modernen Parlament Wenigstens in einer Hinsicht: die Mitglieder, in Parteien geschieden, scharten sich um einzelne Führer. Berühmt sind die Schulen Schammais undHillels. Nicht selten gab es recht erbitterte Debatten und erregte Verhandlungen; nach der Auseinandersetzung, der Erörterung der Gründe Hir und wider wurde votiert und per majorem entschieden. Die Fülle des angehäuften geistigen Stoffes erforderte Ordnung und Systemisierung. Dies war das Werk Rabbi Akibas, eines ehemaligen Hirten und Holzhauers, der als eigentlicher Begründer der Mischnah gepriesen wird. Während nämlich die älteren Lehrer das geschriebene Gesetz zum Leitfaden für ihre Vorträge wählten und auf Grundlage und nach der Reihenfolge der Gesetze in der Bibel den überlieferten Lehrstoff vortrugen, gruppierte R. Akiba das gesamte Material nach Gleichartigkeit des materiellen Inhalts und brachte er es in ein Lehr System. Er hat dem Lehrstoff logische Ordnung gegeben. Zunächst sonderte er die „Aggada" von der „Halacha". Halacha heißt das vom Schriftwort normierte gangbare Recht Aggada nennt man die poetischen Partien, sinnige Erzählungen, Parabeln und Legenden. Die Mischnah ist zunächst nur ein Halachawerk, ganz ausnahmsweise und in der Regel nur am Ende eines Traktates kommt auch die Aggada zu Worte. Diesen seinen Halachakodex, die Mischnah, teilte Akiba in 6 Ordnungen (Sedarim), diese in 63 Traktate (Massechtot), jeden Traktat in Abschnitte (Perakim) und jeden Abschnitt in Paragraphen (Halachot). Die Tendenz der Mischnah ging dahin, den seit Jahrhunderten angehäuften Lehrstoff vor dem Vergessenwerden zu schützen. Akiba war der Vater der Mischnah, ihr Urheber; ihr eigentlicher Redaktor war der spätere Rabbi Jehuda Hanassi. Ihre Sprache ist die sogenannte neuhebräische, wie sie zu jener Zeit Gelehrten- und Schulsprache war. Der Stil ist prägnant aber dennoch klar und präzis, kompendiös, aber nicht schwerfällig, wie eben ein Lehrbuch sein soll. Ob R. Jehuda die Mischnah auch schriftlich redigiert oder nur mündlich in der ihr gegebenen Form vorgetragen hat und wir in deren Niederschrift das Werk späterer Geschlechter zu sehen haben, das ist noch Gegenstand der Kontroverse, sowohl zwischen den alten Autoritäten als auch zwischen neuen Forschern. Zu beachten ist ein Umstand. Sämtliche Termini des Talmuds bei Zitierung einer Mischnahstelle haben Bezug auf das Ohr und niemals auf das Auge; wird ein Lehrsatz angeführt so wird nicht von Sehen oder Lesen, sondern nur von Hören oder Sagen gesprochen. „Nur wenn ein Wort der Thora angerufen wird, dann heißt es: „Es steht geschrieben." Die Lehrer der Mischnah besaßen astronomische, mathematische und naturgeschichtliche Kenntnisse, sie wußten die griechische Sprache zu würdigen und schienen auch im römischen Recht nicht unbewandert gewesen zu sein, aus dem sie manche Sätze in das jüdische Zivilrecht einführten. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß die Mischnah nirgends von Dämonen spricht obwohl sich nach der geistigen Haltung der Zeit dazu reichlich Gelegenheit geboten hätte. Aus Josephus Flavius und anderen bekannten Ouellen wissen wir. daß in den Jahrhunderten vorher und nachher der Glaube -an Dämonen unter den Juden, Christen und Heiden allgemein verbreitet war, daß die Menschen auf Schritt und Tritt fürchteten, däe bösen Geister könnten ihnen an Leib und Seele Schaden zufügen und daß sie sich daher mit allerlei Schutz- und Austreibungsmitteln gegen sie rüsteten. Der Amulette und sympathetischen Mittel geschieht wohl Erwähnung, aber nuir dort, wo es nicht zu umgehen war, weil eben das Volk daran glaubte, davon Gebrauch machte und darum manche Sabbat-Vorschrift darauf Rücksicht nehmen mußte. Gleichwohl geschieht es auch hier nur mit der größten Einschränkung. Die Ethik der Mischnah ist aus dem Traktat Abot, den sogenannten „Sprüchen der Väter", bekannt, die in jedem jüdischen Gebetbuch abgedruckt sind. Ihr Grundzug ist ausgesprochen in einem Hexameter, dem einzigen, den dei Talmud aufweist: al d'ateft atifuch w'sof me'taifajich jetufun, auf deutsch etwa: „Es waltet auf Erden streng ausgleichende Gerechtigkeit." Die Mischnah nun bildet die Grundlage dessen, was wir im engsten Sänne des Wortes ak Talmud zu bezeichnen haben. Es galt, die Mischnah sachlich zu erklären, ihre Begriffe genau zu definieren, die Lehrsätze zu begründen, die Quellen, sei es schriftKcffe oder traditionelle, zu ermitteln, Folgerungen abzuleiten und auf bisher nicht vorgesehene Fälle anzuwenden. Es waren Widersprüche, in einem einzelnen Traktat oder in .den 63 Traktaten der Mischnah entdeckt, auszugleichen und, wenn dies mit dier schärfsten Dialektik nicht gelingen wollte, zum äußersten Mittel der Kritik zu greifen: zu Aenderungen des Wortlautes der Mischnah Zuflucht zu nehmen. Diese und ähnliche Interpretionen und kritische Operationen lieferten seit der Abfassung der Mischnah den Stoff zu Vorträgen, Verhandlungen und Debatten in den Lehrhäusern. Diese Erörterungen und Erklärungen zur Mischnah wurden „Gemara" oder „Talmud", d. i. Studium, genannt. Während die Mischnah auf diese Weise allen Schulen eine und dieselbe Richtung gab, unterscheidet man emen doppelten Talmud, entsprechend den beiden Schauplätzen, auf denen diese kritische Behandlung der Mischnah in der Gemara vor sich ging. Bisher hatte Palästina allein alten Juden, in welchen Ländern sie auch wohnten, die Richtschnur für ihr religiöses Leben gegeben. Nun aber wohnten im persischbabylonischen Reiche noch von der Exilszeit her viele Juden, die später unter der Herrschaft der Seleuziden, Parther und Neuperser an allen Erwerbszweigen wie Landbau, Industrie, Handel, Schiffahrt lebhaften An-

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