Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1933-05-26 · Heft 21 (26.5.1933) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 21 (26.5.1933)
Date
1933-05-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064350-3064370--19307-3084430
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6 gebundene, auf universalistisch-sittlicher Weltanschauung fußende Religion der Tat Eine intensive und weitreichende Tätigkeit entwickelt Rabbiner Dt Baeck auf dem Gebiet der Soziaiarbett Als Leiter der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat er Außerordentliches in der Organisierung moderner jüdischer Sozialfürsorge geleistet Alle Lager und Gruppen des deutschen Judentums schätzen seine Fähigkeit aufbauende Kräfte zusammenzufassen und scheinbare Gegensätze zu überbrücken, besonders hoch ein. Diesen Fähigkeiten sind seine großen Erfolge bei der Schaffung und Festigung der Landesverbände der deutschen Juden zu verdanken. Dr. Baeck ist im Rat des Preußischen Landesverbandes mit wichtigen Aufgaben betraut und nimmt eine leitende Stellung in der neugebildeten Reichsvertretung der deutschen Juden ein. Besondere Bedeutung kommt der Wirksamkeit Dr. Baecks im Rahmen allgemein jüdischer Bestrebungen zu. Er ist Mitglied des leitenden Rates des Weltverbandes für liberales Judentum, auf dessen Berliner Konferenz im Jahre 1928 er das Hauptreferat hielt An der Arbeit für den jüdischen Palästina-Aufbau nimmt er in hervorragender Weise Anteil. Er hat an der Erweiterung der Jewish Agency und an der Bildung ihrer deutschen Sektion entscheidend mitgewirkt Nach Ausbruch des Weltkrieges ging Dr. Baeck als einer der ersten als Feldrabbiner an die Front und spielte eine wichtige Rolle beim Aufbau und der Organisation der jüdischen Militärseelsorge. Anläßlich seines 60. Geburtstages erscheint im Schocken-Verlag zu Berlin ein neues Sammelwerk seiner Reden und Aufsätze unter dem Titel „Wege im Judentum". Es enthält zahlreiche bisher ungedruckte Beiträge Dr. Baecks zu den wichtigsten das moderne Judentum bewegenden Fragen. Angriffe auf die Staatsbürgerlidien Redde der Schweizer Juden. In Basel fand eine außerordentliche Delegiertenversammlung des Schweizer Isr Gemeindebundes, an der über hundert Delegierte der schweizerischen Gemeinden teilnahmen, statt Präsident Jules Dreyfus-Brodsky erklärte, der Gemeindebund werde angesichts der antisemitischen Agitation in der Schweiz vor neue, über die Pflichten einer Repräsentativbehörde hinausgehende Aufgaben gestellt und gab seiner Sympathie mit den Juden in Deutschland Ausdruck, deren Schicksal von den Juden der benachbarten Schweiz aufmerksam verfolgt werde. An die von den Herren Dr. Charles Bollag-Zürich in deutscher und Charles Bicard-Biel in französischer Sprache erstatteten Berichte über die antisemitische Bewegung in der Schweiz schloß sich eine lebhafte Aussprache, in der auch grundsätzliche Fragen jüdischer Weltanschauung berührt wurden. Dem Zentralkomitee wurden auf Antrag von Gemeinderat Saly Mayer-St Gallen einstimmig besondere Vollmachten für die Abwehrarbeit erteilt Die von tiefem Ernst getragenen Verhandlungen hinterließen bei Delegierten und Gästen einen nachhaltigen Eindruck. Neben einer Reihe von Beschlüssen technischer Natur wurde folgende Resolution gefaßt: „Der außerordentliche Delegiertentag des Schweiz. Israel. Gemeindebundes als Vertretung den Schweizer jüdischen Gemeinden und damit des gesamten schweize- BeziEkiundverbreitEtDiEWahrheit! rischen Judentums hat mit tiefem Bedauern Kenntnis genommen von den verhetzenden Angriffen gegen das schweizerische Judentum, die insbesondere in letzter Zeit in öffentlichen Versammlungen. Vorträgen und teilweise in der Presse zutage treten. Die Vertreter des schweizerischen Judentums legen hierdurch feierliche Verwahrung ein gegen die Angriffe auf die staatsbürgerlichen Rechte der Schweizer Juden. Oberstes verfassungsmäßiges Recht '■st die Gleichheit des Bürgers vor dem Gesetz. Dieses Grundrecht ist der Inbegriff der Demokratie. Die antisemitische Bewegung ist daher unschweizerisch und undemokratisch. Die Schweizer Juden lehnen es ab, für die derzeitige Wirtschaftskrisis verantwortlich gemacht zu werden. Als Bestandteil des schweizerischen Volkskörpers leiden sie in gieicher Weise unter der wirtschaftlichen Depression wie alle anderen Mitbürger. Der außerordentliche Delegiertentag appelliert an den gesunden Sinn des Schweizervolkes und hofft zuversichtlich, daß, wie bis nun, der Friede und die öffentliche Ordnung nicht mit Schlagworten und Verhetzungen in unserem Vaterlande gestört werden können." Semmeringer Kinderheim ab Schwuaus wieder geöffnet mit sep. Familienpension. Geschulte Kräfte. Ärztliche Aufsicht Großer Park—Planschbecken —Spielwiesen. Stark reduzierte Preise. Padafi- Leitung: Staatl. geprüfter Lehrer J. Eisenberg, Wien II.» Gr. Pfarrgasse 8. Tel. A 45-4-92 _ Ganzj. streng rit mod. eingerichtetes Wiener SdiQlerheim für Knaben u. Mädchen. Vorbereitung und Nachhilfe für sämtl. Schultypen. _ Religiöse Erziehung. Die nächsten Versammlungen der „Union": Montag, den 29. Mai, 8 Uhr abends, Cafe Hietzingerhöf, XIII., Hietzinger Hauptstr. 22 (Referent: Dr. Josef Ticho). Donnerstag, den 1. Juni, 8 Uhr abends, Cafe Schlösseibof, VIII., Alserstraße 15 (Referenten: Reg.-Rat Dr. Max Lenk und Dr. Ernst Feldsberg). Ortsgruppe Linz der „Union österreichischer Juden". Aus Linz wird uns berichtet: Ueber Einladung der hiesigen Ortsgruppe der „Union österreichischer Juden" erschien am 20. d. M. das Zentralvorstandsmitglied unserer Wiener Mutterorganisation, Regierungsrat Dr. Max Lenk, am Vortragstisch, um vor der Judenschaft unserer Stadt über die „Politik der Union in drangvoller Zeit" zu sprechen. Der ziemlich geräumige Redoutensaal vermochte kaum die überaus zahlreichen Besucher zu fassen, unter denen all die verschiedenen jüdischen Gruppen vertreten waren. Der Vorsitzende, Präsident der hiesigen Israelitischen Kultusgemeinde, Herr Benedikt Schwager, begrüßte die Erschienenen und den Gastredner mit einigen, dem Ernste der Zeit angemessenen Worten, wobei ersein lebhaftes Bedauern darüber aussprach, daß der zweite angekündigte Sprecher, Herr Kultusvorsteher Dr. Josef Ticho, durch wichtige Parteiberatungen abgehalten sei, der Einladung gleichfalls Folge zu leisten. Der Referent Dr. Lenk gab einleitend seiner fieudigen Genugtuung darüber Ausdruck, zu hören, daß trotz prinzipieller Gegensätzlichkeit in der Auffassung des Judenproblems in der Linzer Judenschaft nicht nur heute unter dem Druck der gegenwärtigen Verhältnisse, sondern schon seit langem volle Harmonie herrschte. Der Redner erklärte, er wolle in seinen Darlegungen diesem erfreulichen Umstände Rechnung tragen, obwohl die gehässige und hemmungslose Schreibweise gewisser gegnerischer Presseorgane eigentlich zu einer scharfen Polemik Anlaß geben würde. Unter starkem Beifall entwickelte der Referent seine Stellungnahme zu dem Aufbau Palästinas, welchem grandiosen Werke nicht erst seit heute die tätigen Sympathien der gesamten Judenschaft also auch der nichtnational eingestellten zugewendet sind. Anders verhalte es sich mit der Judenstaatsidee, die nach Anschauung der Nichtzionisten ernste Gefahren für die in der ganzen Welt zerstreute Judenschaft beinhaltet. Ebenso fanden die Ausführungen des Redners, die sich gegen die jüdischnationale Landespolitik wandten, fast ungeteilte Zustimmung bei den Hörern, selbst auch bei Zionisten, die in nachfolgenden Gesprächen zumindest für die in den Alpenländern lebenden und verwurzelten Juden die Betreibung einer jüdischnationalen Absonderungspolitik entschiedenst verwarfen. In eingehender Weise beschäftigte sich Dr. Lenk mit den im Interesse der gesamten österreichischen Judenschaft gelegenen Leistungen der „Union" in Vergangenheit und Gegenwart und unterstrich unter dem Beifall der Versammelten die unbedingte Notwendigkeit für die traditionstreue Judenschaft, der rein völkischen Politik auf der anderen Seite die Pflege des religiös-ethischen Ideengehaltes des Judentums mehr denn je entgegenzusetzen. Am Schlüsse seiner Ausführungen unterzog er nach einer kritischen Beleuchtung der Vorgänge in Deutschland die Entwicklung der Dinge in Oesterreich einer eingehenden Untersuchung und gab hiebei der Anschauung Ausdruck, daß auch die österreichische Judenschaft — selbst wenn es der gegenwärtigen Regierung gelingen sollte, die nationalsozialistische Welle zurückzudämmen — mit einer weiteren Verschärfung des Antisemitismus zu rechnen hätte. Die „Union" erachtet es deshalb als ihre wichtigste Aufgabe, neben der Beschäftigung mit dem Gesamtjudenproblem ihre besondere Aufmerksamkeit und Wirksamkeit dem Judenproblem im eigenen Lande zu widmen. Präsident Schwager schloß die in voller Ruhe verlaufene Versammlung mit herzlichen Worten des Dankes für die gediegenen und aufklärenden Ausführungen des Referenten und stellte fest, daß der glänzende Besuch und das große Interesse den Beweis dafür bieten, wie lebhaft der Wunsch in der Linzer Judenschaft war, einen Vertreter der traditionstreuen Wiener Judenschaft zu hören. Für einen offiziellen Bund der Konfessionen. Die von M. B. Morgenstern, Wien, unternommenen einleitenden Schritte für die Verwirklichung dieser seiner Idee, über welche „Die Wahrheit" seinerzeit ausführlich berichtete, hatten vollen Erfolg. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Gesandten der 45 in Wien diplomatisch vertretenen Mächte, welche Mitglieder des Völkerbundes sind, seinem Wunsche nachgekommen und haben die ihnen schriftlich überreichte Anregung an ihre Regierungen weitergeleitet. Unter den eingelaufenen Antwortschreiben ist das des chinesischen Gesandten, DeMen Toung, besonders zu erwähnen. Dieser spricht von einer bewundernswerten Anregung, deren Gelingen für den allgemeinen Frieden von großem Wert sein wird. Weiters betont er die pazifistische Einstellung des chinesischen Volkes, das sich gegen einen Krieg, hervorgerufen durch den japanischen Militarismus, im Vertrauen auf die internationalen Verträge gewehrt hat. FLIEGER GARTEN KINO KÖRNER & CO. EX. LIECHTENSTEINSTRASSE 37 Wiens einziges Freiluftkino eröffnet Telephon A 18-1-52 Prenn — Tennismeister von Oesterreich. Bei den vorigen Woche beendeten Tennismeisterschaften von Oesterreich wurde trotz stärkster internationaler Konkurrenz der vielfache deutsche Tennismeister Daniel Prenn, Sieger und gewann somit den vom österreichischen Tennisverband gestifteten herrlichen Goldpokal. O Ironie des Schicksals! Prenn, der bekanntlich vom deutschen Tennisverband im Dritten Reich — er ist Jude — ausgeschlossen wurde, kam als „Einzelgänger" nach Wien und hatte hier Gelegenheit, ein neues Ruhmesblatt seinen vielen früheren hinzuzufügen; doch kämpfte und siegte er diesmal nicht für die Farben jenes Landes, das sich für seine Leistungen so „dankbar" erwiesen, sondern für sich selbst und mag: ihm das wohl eine große Genugtuung bereitet haben. Voriges Jahr noch, als Prenn im Davis-Cup in einem mörderischen Kampf den vielfachen englischen Meister Austin bezwang und damit für Deutschland zum erstenmale einen Sieg über die englische Tennismacht errang, gab es keine deutsche Zeitung ohne Unterschied der politischen Richtung, die ihn, den „Juden Prenn", nicht in allen möglichen Tonarten verherrlichte und — für sich, für Deutschland reklamierte. Heute schreiben dieselben Blätter, daß Prenn . kein Deutscher sein könne, da er — nun, da er eben Jude ist. Als den König von Schweden, der selbst ein ganz hervorragender Tennisspieler ist, kürzlich in Berlin weilte, bestand er darauf, ausschließlich mit Prenn zu spielen, und da man bekanntlich Königen gegenüber nicht unhöflich sein darf, mußten die aufgenordeten Herren, wenn auch ungerne, zusehen, wie „Mister G" (unter diesem Pseudonym spielt der König von Schweden), gerade jenen Spieler als Partner bevorzugte, mit welchem sie zu spielen nun für unter ihrer Würde finden» Als nun vorige Woche der neue Meister von Oesterreich Prenn auf den Plätzen des Wiener Parkklubs in Gegenwart des Herrn Bundespräsidenten die Tennismeisterschaften von Oesterreich gewann und man ihm nachher den Sieger-Pokal überreichte, begleitete ein ungeheuerer, geradezu demonstrativer Beifall diese Szene, welcher Applaus noch anhielt, als der Spieler bereits den Platz verlassen hatte. Prenn hatte vorige Woche die Tennismeisterschaft von Oesterreich gewonnen, Deutschland aber hat diese und noch mehr verloren. H. S c h w. 90 Jahre Israel. Kinderbewahranstatt. Aus diesem schöneni Anlasse ist von dem Präsidenten des Vereines „Wohlfahrt" Herrn Dr. Max Grunwald, eine Festschrift als Broschüre in sehr neuer Ausstattung und mit mehrenen Bildern aus dem Treiben der Kinder in der Anstalt erschienen, in welcher der Verfasser als Geschichtsforscher von der Zeit und den Persönlichkeiten spricht, welche im Jahre 1843 diese wertvolle Wohlfahrtsinstitution gegründet haben. Josef Wertheimer, ein edelgesinnter Kaufmann, der ab 1867 auch Vorsitzender der Kultusgemeinde war, ist der Gründer des Vereines. Am 14. Mai 1843 wurde der Betrieb in gemieteten Räumen mit 30 Kindern, 1858 das eigene Heim, in welchem sich seit dieser Zeit die Anstalt befindet, eröffnet. Zur Einweihung desselben schrieb Grillparzer die Worte: „Was man den Kindern tut, — ist doppelt gut. Weil im Erfolg, den jeder sieht. — man ihre Eltern unterzieht." Wenngleich vorher in einigen Städten Kinderbewahranstalten bereits bestanden haben, galt dennoch die Wiener Anstalt im In- und Auslande als Muster und wurde von Fachleuten, die aus der Fremde nach Wien kamen, also solche anerkannt Vor dieser Zeit gab es sogenannte Krippen, deren Leistung eine ganz andere war, als dies für die in Kinderbewahranstalten betreuten Schützlinge erforderlich ist Die Wiener Kinderbewahranstalt diente als Vorbild für gleichartige Institutionen, welche in Preßburg, Krakau, Triest Amsterdam und Jerusalem errichtet wurden. Die Gnade Gottes hat die jubilierende Anstalt seit ihrem 75jährigen Bestände vor Feuer, Ueberschwemmungen und Epidemien verschont, so daß in der ganzen Zeit der Betrieb aus diesem Grunde nicht gestört wurde und sie ihre Aufgabe und ihreen Zweck voll und ganz erfüllt hat. Nach bewährten Fröbel'schen Grundsätzen und späterhin nach dem Montessori-System erzieht und belehrt sie ihre Schützlinge. Jeder Kinderfreund muß bei Beachtung all dessen, was der Verein den Kindern bietet, seine hellste Freude haben; jeder, der einmal etwa einer Chanukafeier in der Anstalt beigewohnt und die Leistungen des Vorstandes und der Lehrpersonen bewundert hat. muß ein Freund und Gönner der Anstalt werden, da er sich überzeugen könnte, wie die Kinder zu Sauberkeit und Pünktlichkeit Kinder- Erholungsheim BALATON a. Plattensee unter erprobter pädagogischer Leitung. Idealer romantischer Anlenthalt für erholungsbedürftige Kinder mit alles Vorteilen des Meeresstrandes p^j,. P. h»— per Monat Orthod. HtD Anmeldungen u. Auskünfte: H. Hlrschl, Sopron, Balllutc.13

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.