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Die Wahrheit · 1933-05-26 · Heft 21 (26.5.1933) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 21 (26.5.1933)
Date
1933-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 i EIN GRANDIOSER FILM, DEN JEDER GESEHEN HABEN MUSS! ONKEL SIDNEY I Das gewaltige Meisterwerk der Kinematographie mit ALEXANDER CARR, dem amerikanischen l Jannings und den berühmten Filmkindern BETTY JANE GRAHAM und DICKIE MOORE | Abheul e: f Elite-Kino, I. Burg-Kino. Ie - Lustspieltheater, II. Flotten-Kino, VI. I HUGO ENGEL-FILM / •••••' 1 v Scharlatane sind und im Trüben fischen wollen. Hitler will Krieg, auch gegen Rumänien. Wer Krieg führen will, sucht Alliierte und in Rumänien haben sich die Nazis die Cuzisten als Alliierte ausgesucht. Unter dem Vorwande, daß auch Hitler gegen die Juden ist, sind die C u z isten in Rumänien die Vertreter Hitlers. Und so haben sich die Cuzisten mit dem größten Feind Rumäniiens vereinigt. Die Regierung, die politischen Parteien und alle gut gesinnten Bürger des Landes werden mit aller Kraft gegen diese Bestrebungen Sturm laufen." Auch der frühere Arbeitsminister Doktor Lupu beschloß, eine Aufklärungkampagne zur Bekämpfung der extremistischen Strömungen einzuleiten und zu diesem Zwecke mit einigen Parlamentariern die Moldau und die Bukowina zu bereisen. Die Liberalen haben für den 4. Juni nach J assy eine Protestversammlung gegen die Verpflanzung des Hitlerismus nach Rumänien einberufen. Parallel mit der politischen Aktion soll auch eine kulturelle Aktion zur Aufklärung der studierenden Jugend eingeleitet werden. Die Universitätsprofessoren werden Vorträge über die hitleristische Gefahr halten. Prof. N i c u 1 e s c u der medizinischen Fakultät sagte in einem Kolleg, er müsse sich wundern, daß einige Nationalisten Rumäniens sich den Hitleristen, den Feinden unseres Vaterlandes, angeschlossen haben. Er kann es auch nicht begreifen, daß sich Medizinstudenten zu Exzessen hergeben, obwohl sie als künftige Mediziner den Wahlspruch hochhalten müssen: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Diejenigen Mediziner, die sich zu Exzessen hergeben, haben ihre Karriere verfehlt. Sie werden sich nicht dazu eignen, die Leiden der Menschen zu lindern. Das größte Aufsehen hat aber die Rede des Führers der Deutschen in Rumänien und gewesenen Unterstaatssekretärs B r a d s c h erregt, welcher beim Sachsenkongreß in Hermannstadt sagte, er werde nicht aufhören zu glauben, daR die Malträtierung von Angehörigen einer Minorität eine Kulturschande ist. Für uns rumänische Bürger, führte er weiter aus, und für den Staat gibt es kein Problem des Revisionismus. Wir lehnen daher die revisionistischen Tendenzen ab. Es werden noch schwere Zeiten auch für uns kommen. Denn ebenso wie in Deutschland können nationale Strömungen auch in anderen Ländern und sogar in Rumänien sich bemerkbar machen. Eine nationalistische Bewegung wendet sich aber nicht nur gegen die Juden, sondern gegen alle Fremden und in diesem Falle können wir eine traurige Ueberraschung erleben. Deshalb müssen wir uns alle um den rumänischen Staat scharen und ohne Unterschied der Konfession gegen die Revision der Grenzen auftreten. Spät kommt sie, doch sie kommt — die Erkenntnis. Möge sie aber auch jene irregeführten rumänischen Nationalisten erleuchten, die, um den Juden zu schaden, sich sogar mit staatsfeindlichen Elementen verbinden, ohne zu bedenken, daß sie damit dem Vaterlande den größten Schaden bereiten. Sie handeln damit wie jener Bär, der eine Fliege vom Antlitz seines schlafenden Pflegers nicht anders verscheuchen zu können glaubte, als daß er einen riesigen Stein mit voller Wucht in dessen Antlitz schleuderte, es verstümmelte, während die Fliege unversehrt davonflog. Die Zeit ist aber nicht mehr weit, da auch die Nazis eines Besseren belehrt werden. Denn die Regierung macht nun ernst und die Pflicht eines jeden wahren Patrioten ist es, ihr mit allen Kräften Hilfe zu leisten. Es wird sich also zeigen, wer es mit dem Vaterlande aufrichtig meint. Bernhard R i p p e 1, Czernowitz. * An der Czerno witzer Universität ist es am 17. Mai zu schweren Zusammenstößen zwischen cuzistischen und jüdischen Studenten gekommen. Im Verlauf der Kämpfe wurden die jüdischen Hörer der juridischen Fakultät Herbert Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Roienkreuzgasse 3 Tel. »45-5-37 Picker, David Kraft, Otto Schächter und Ch. Rothschild erheblich verletzt. Gegen die exzedierenden Studenten wurde Militär aufgeboten. Der Rädelsführer bei den Ausschreitungen, ein Mitglied der Leitung der cuzistischen Studentenschaft, wurde verhaftet. —' Cuzistische und eisengardistische Studenten haben am 18. Mai an der M e d i z i n i s c h e n F akultät der Klausenburger Univers it ä t jüdische Hörer am Betreten der Hörsäle und Laboratorien gehindert. Das Dekanat hat daraufhin die Schließung der Fakultät bis zum Schlüsse des laufenden Studienjahresverfügt. 40 Studenten, die sich an den Ausschreitungen gegen die jüdischen Hörer beteiligt hatten, wurden verhaftet und auf Beschluß des Universitätssenats relegiert. Auch Polen räumt auf. Die polnischen Behörden haben, um der in Lodzer Kreisen betriebenen nationald e m o k r a t i s c h - antisemitischen Hetze entgegenzutreten, eine Reihe von Haussuchungen und Verhaftungen in Lodz vorgenommen. Es wurden das Hauptverwaltungsgebäude der nationatdemokratischen Partei, alle Parteilokale und die Wohnungen führender Nationaldemokraten durchsucht. 26 Personen, unter ihnen der Vorsitzende der Nationaldemokratischen Partei in Lodz, wurden verhaftet. Hogers Selchwaren-Restaurant Selchwaren aas der Fabrik Eisen & Hönigsber streng ortn. "wa (Unter Aufsicht der Adaa-Jisroel-Schiflschul) Wlan II., PraterstraBe 33« Telephon R-47-4-49 Menü von S 2>— aufwärts» Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert Aas der Wiener Kaltusgemeinde. Nach langer, in diesen unruhigen Tagen sogar auffallend langer Pause wurde am 22. d. M. wieder eine Sitzung des Wiener Kultusvorstandes abgehalten, die, wie wir erfahren, erst über energisches Einschreiten der Opposition zustande kam. Es ist wirklich unerklärlich, daß die derzeitige zionistische Majorität in solchen kritischen Zeitläuften der irritierten jüdischen Oeffentlichkeit so wenig zu sagen hat, daß Wochen verstreichen müssen, bis endlich eine Sitzung des Kultusvorstandes einberufen wird. Handelt so eine wahre „Volksgemeinde?" Aber auch in der öffentlichen Sitzung konnte man aus dem Präsidialberichte und Einlaufe so wenig Interessantes erfahren, daß es sich deshalb nicht gelohnt hätte, einen Teil der Sitzung als öffentlich zu erklären. Nur einige Interpellationen ließen erkennen, daß wir doch in einer großen?eit leben. Wir denken da wohl nicht an die Interpellation des Herrn Dr. Plaschkes, der bitterböse darüber ist, daß die Statutenkommission zwecks Einführung des allgemeinen Wahlrechtes noch immer nicht einberufen wurde und den Präsident Dr. Friedmann in gewiegter Weise beruhigte. Mehr Verlegenheit bereiteten dem zionistischen Präsidenten der Gemeinde zwei Interpellationen, die ihm vorwarfen, daß er trotz seiner Stellung als Präsident den Aufruf der „Jüdischen Volkspartei" unterschrieben habe. Es ist bezeichnend, daß diese in öffentlicher Sitzung vorgebrachten Beschwerden von zionistischer Seite kamen, das eine Mal von Dr. Plaschkes, dem neuestens nur die Kultusgemeinde als „Volksgemeinde" die Trägerin jüdischer Interessenpolitik zu sein hat, das andere Mal von den Poale Zionisten, deren Interpellation deutlich das Kennzeichen sozialistischer Parteipolitik trug, die diesmal ihre blauweißen Gefühle erschlagen hat. Dr. Friedmann erklärte, von dem ihm zustehenden Rechte Gebrauch machen zu wollen, die Interpellationen auf schriftlichem Wege beantworten zu wollen. Nach Genehmigung des Rechnungsabschlusses pro 1932 schloß die Sitzung. Rabbiner Dr. Leo Baeck 60 Jahre. Am 23. Mai feierte der Vorsitzende des Rabbinerverbandes in Deutschland und Großpräsident der Großloge U. 0. B. B. tür Deutschland Dr. Leo Baeck seinen 60. Geburtstag. Er wurde im Jahre 1S73 in Lisia (Posen) als Sohn des Rabbiners Samuel Baeck geboren, studierte an den Universitäten Breslau und Berlin Philosophie und Philologie und erhielt nach Vollendung seiner rabbinischen Studien am Jüdisch-Theologischen Seminar zu Breslau und an der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums von dieser im Jahre 1897 das Rabbinerdiplom. Nach seiner im gleichen Jahre erfolgten Promotion wirkte er bis 1907 als Rabbiner in Oppeln, von 1907 bis 1912 in Düsseldorf. Ende 1912 wurde er als Rabbiner nach Berlin und gleichzeitig als Dozent für Homiletik und Midrasch-Forschung an die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums berufen. Rabbiner Dr. Baeck, einer der geistigen Führer der religiös-liberalen Richtung im deutschen Judentum, hat seine religions-philosophischen Anschauungen in seinen beiden Hauptwerken „Das Wesen des Judentums" und „Romantische Religion" niedergelegt Er erblickt im Judentum eine an die jüdische Gemeinschaft

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