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Die Wahrheit · 1933-05-19 · Heft 20 (19.5.1933) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 20 (19.5.1933)
Date
1933-05-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEJ1 sehen Straßenkundgebungen teilgenommen hatten, zu drei Wochen Gefängnis. * Merk's Wien. Der Senat der Universität Jassy hat scharfe Maßnahmen zur Verhütung weiterer antisemitischer Ausschreitungen an der Jassyer Universität getroffen. Die Rädelsführer der vor kurzem in Jassy stattgefundenen antijüdischen Exzesse, die Studenten Vlad und Ardelu, wurden von sämtlichen Hochschulen Ruinäniensfür immer ausgeschjossen. Mehreren Hörern wurde die Teilnahme an den diesjährigen Prüfungen verboten. Die Polizei wurde ermächtigt, im Universitätsgebäude eine ständige Abteilung zur Sicherung der Ordnung zu halten. Das Tragen von Uniformen der „Eisernen Garde" und der cuzistischen Sturmabteilungen auf dem Boden der Universität wurde verboten. Die Professoren wurden angewiesen, in Fällen, in denen jüdische Hörer am Betreten der Hörsäle verhindert werden sollten, ihre Vorlesungen abzubrechen. Gemeinde - "Chronik Amsterdam. Der bekannte Pharmakologe der Universität Leyden, Professor Dr. L. 11 a 11 i e, wurde von der Pariser Sorbonne zum Ehrendoktor der Pharmakologie ernannt. — Die holländische wissenschaftliche Gesellschaft hat den bekannten Physiker Professor Dr. I. S n a p p e r zu ihrem Mitglied und den Amsterdamer jüdischen Bankier L. B. von Nierop zum Direktor ernannt — Der bisherige Leiter des jüdischen Religiönslehrerseminars in Würzburg, Dr. J. Neubauer, hat eine provisorische Anstellung als Dozent am Amsterdamer Rabbiner-Seminar erhalten. Frankfurt a.M. In Salzburg, wohin er sich begeben hatte, um den Ehrungen zu seinem 80. Geburtstag zu entgehen, ist dieser Tage der bekannte Heidelberger Mineraloge Dr. Victor Goldschmidt gestorben, der seit 45 Jahren in Heidelberg tätig war und das mineralogische Institut zu einer wichtigen wissenschaftlichen Zentralstelle ausgebaut hatte. Die großen volks- und völkerkundlichen Sammlungen, die er unter dem Namen „Josephine und Eduard von Portheim-Stiftung" zusammengefaßt hatte, wurden von Goldschmidt bereits vor längerer Zeit der staatlichen Oberaufsicht unterstellt Innsbruck. In Innsbruck verschied plötzlich der Alterspräsident des Smetana-Wohlfahrtsvereines, Herr Adolf Smetana. Mit ihm ist ein guter, edler Mensch dahingegangen, der überall Freunde hatte, die ihn seiner hervorragenden persönlichen Vorzüge wegen hochschätzten. Der in Wiener jüdischen Kreisen bestens bekannte Herr Kommerzialrat Hermann Smetanai verliert in dem Heimgegangenen, dessen Leichenbegängnis in Innsbruck am 16. d. M stattfand, einen geliebten Bruder. Rabbiner Dr. Max Grunwald hat im Sinne der Anregung, die in unserer letzten Nummer veröffentlicht wurde, aus Hofgastein durch unser Blatt der Fürsorgezentrale der Wiener Kultus- "gemeinde einen Betrag von S 5.— als „Ablöse für Urlaubsgrüße" zukommen lassen. Prag. Im Prager Repräsentationshaus fand die erste Konferenz tschechoslowakischer Legionäre jüdischen Glaubens statt, die den Grundstein zu einer jüdischen Legionärorganisation legte. Die stark besuchte Tagung wurde von Vertretern von 16 Gruppen begrüßt Unter den Teilnehmern befanden sich u. a. der Vorsitzende der tschechoslowakischen Legionärgemeinde Dr. Rase, Oberst Makovec und der ehemalige Minister Husak. Die Konferenz beschloß die Gründung einer Landesorganisation jüdischer Legionäre. Der Muttertag wurde von einer Reihe von jüdischen Wohäfahrts- und Frauenvereinen zum Anlasse genommen, armen jüdischen Frauen an diesem Tage eine kleine Freude zu bereiten. So hat der Brigittenauer Frauenverein 50 jüdischen Frauen Kleidungs- und Wäschestücke gespendet, die am Muttertage in der Wohnung der rührigen Präsidentin Olga Friedfür Palästina-Aaswanderer und Tnach für Schüler unterrichtet billig und gewissenhaft Dr. L. hl., WIEN XVIJL, KARL BECKGASSE 29/6 tn-z) Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, Itttl lern I. (ff, Tel. U18-0-85 mann zur Verteilung (gelangten und von den Bedachten mit vielem herzlichen Dank in Empfang genommen wurden. — Das Damen-Komitee des Ausspeisungsvereines „0hei Rachel" gab 44 Frauen und 14 Kindern ein gutes Essen, bedi dem die eifrige Präsidentin des Komitees. Frau Henriette Fuchs, eine kurze Ansprache über die. Bedeutung des Tages hielt. Um-das schöne Fest, das armen Menschen zugute kam. haben sich Vizepräsident Dir. D. M e 1 o n und die Damen des Komitees und Herren des Vereines großes Verdienst erworben. Auch anderswo feierte man in jüdischen Vereinen den Tag in entsprechender Weise zum Wohle der Bedürftigen. Verband der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen. Der Verbandsobmann Prof. Dr. M. P a p o hat im Anschlüsse an die hebräische Histadrut, im Zusammenschlüsse mit mehreren Kollegen, die Vorarbeiten für einen neuen Lehrplan geliefert Am 3. Mai fand eine Vollversammlung des Verbandes statt in der das wichtige Thema der hebräischen Aussprache in der Schule, sephardisch oder aschkenasisch. in einem Referate des Prof. Dr. Karpelis behandelt wurde. Noch am selben Abend wurde ein zweites Referat über das Thema Jugendgottesdienst von Prof. Doktor Kupfer gehalten. Der Erlaß des Unterrichtsministers Dr. Rintelen über die (religiösen Uebungen an den Schulen gab dazu den Anlaß. Die bisherigen Erfolge und die unglaublich rege Teilnahme der Kleinen am Jugendgottesdienst wurden allgemein rühmend gewürdigt Es besteht aber der Wunsch nach einem separaten Gottesdienst für die reifere Jugend, der eine Fortsetzung des schon bestehenden Jugendgottesdienstes werden könnte. Der erkrankte Rabbiner Dr. Feuchtwang sandte der Versammlung einen Brief, der viel Anregungen enthielt deren Verwirklichung eine fruchtbare, glückspendende, alles läuternde und vereinigende Tätigkeit bedeuten würde. „Theologia." Am 8. d. M., fand die ordentliche Generalversammlung des Vereines jüdischer Hochschüler an der isr.-theol. Lehranstalt „Theologia" (80. Gem.) statt. Nach Erteilung des Absolutoriiums an den abtretenden Ausschuß wurde folgender Ausschuß gewählt: Dawid Ochs jun., Präses, Dr. Josef Babad, Vizepräs., Abr. Badler. Schriftführer. Markus Günsberg. Schriftführer. Heinrich Kaufmann, Kassier,'. Dir. Adolf Kessler. H.A.¬ Referent Moses L. Kurtz. Kultus-Referent. 70. Geburtstag. Bin in den Kreisen der Wiener Judenschaft insbesondere der Favoritens. sehr bekannter und beliebter Arzt. Herr Med.-Rat Dr. Richard Back, feierte dieser Tage seinen 70. Geburtstag in vollster geistiger und körperlicher Rüstigkeit. Von ihm gilt besonders das Wort Nothnagels: „Ein guter Arzt muß ein guter Mensch sein." Der Grundzug des Wesens des Jubilars ist seltene Herzensgüte, die ihn zu wohltätigem Wirken gegenüber den Aermsten der Armen führt So ist er in einer Reihe karitativer Vereine und Organisationen hervorragend tätig; insbesondere bekleidet er mit Umsicht und Tatkraft die Obmannsitelle des Jüdisch- Humanitären Vereines Favoriten. Med.-Rat Dr. Richard Back war anläßlich seines Jubeltages Gegenstand herzlichster Gratulationen, die ihre Berechtigung darin fanden, daß dieser gute Mensch überall nur Freunde und Anhänger besitzt. Todesfall Einen furchtbar schweren Schicksalsschlag hat Oberkantor Bohomilny erlitten. Die 19jährige Tochter des beliebten Oberkantors des Döblinger Tempelvereines, die bereits seit längerer Zeit schwer erkrankt war, ist trotz aufopfernder Pflege am 7. d. M. dahingeschieden. Beä dem am 9. d. M. stattgehabten Leichenbegängnisse bewies eine große Trauergemeinde, welch innigen Anteil man an dem großen Schmerz des Vaters nahm, dem die hoffnungsvolle Tochter in der Blüte der Jahre entrissen wurde. Diesen Mitgefühlen gab auch in einer ergreifenden Trauerrede Rabbiner Prof. Dr. Frankfurter Ausdruck, dessen Trostesworte zu aller Herzen drangen. Oberkantor D. Groß versah die kantoralen Funktionen in vorzüglicher Weise. Mit tiefer Ergriffenheit verließen die Teilnehmer, unter denen sich Vertreter aller Döblinger Korporationen, so der Gesamtvorstand des Tempelvereines und der dortigen Chewra Kadischa, wie auch eine Abordnung des Kantorenverbandes und der „Hasimrah" befanden, den Gottesacker, . in dem ein allzu junges Geschöpf ruht An die Verwaltung des israelitischen Versorgungshauses wurde folgendes Schreiben gerichtet: Im Namen und im Auftrage sämtlicher Pfleglinge des Versorgungshauses, erlaubt sich der Unterzeichnete, aälen Herren Vorständen und dem Herrn Oberverwalter für die besonderen festlichen Darbietungen in der .Verköstigung anläßlich des Pessachfestes und ebenso auch für die Veranstaltung der Sederabende seinen verbindlichsten Dank auszusprechen. Herzlichem Dank auch der werten Frau Wolinski und allen anderen Beamten und Angestellten, die anläßlich des Pessachfestes all ihre Mühe aufwandten, um dieses Fest den Pfleglingen als eine weihevolle Erinnerung zu gestalten und den Eindruck eines in einem Familienkreise abgehaltenem Festes zu erwecken. Mit besonderer Hochachtung Salo Deutsch im Namen aHer Pfleglinge. Bad Tatzmannsdorf. Die österreichischen Kurorte haben durch die verschiedenen Maßnahmen, die in letzter Zeit gegen das unerhörte hakenkreuzlerische Unwesen getroffen wurden, sich die Sympathien aller jener erworben, dfie in einem Kurort das erblicken, was er wirklich ist und sein soll, eine Stätte, in der der kranke Mensch Gesundheit und Erholung findet. Die meisten österreichischen Kurorte waren immer bestrebt, ihren Gästen die Voraussetzungen für einen ungestörten Aufenthalt zu bieten. Namentlich Bad Tatzmannsdorf nimmt in der Reihe jener Kurorte, in denen Politik nichts, Dienst am Kranken alles ist, einen ehrenvollen Platz ein. Und so sehen wir auch seit vielen Jahren den wunderschönen und heilbringenden Kurort von jüdischen Kurgästen aus .aller Herren Ländern stark bevorzugt. Sie finden dort alle Annehmlichkeiten, deren sie benötigen. Abgesehen von den zahlreichen Heilmitteln, die in dem klimatisch wunderbar liegenden Bade reichlich zur Verfügung stehen, ist auch für Unterhaltung und Zerstreuung gut gesorgt, Unterkünfte und Verköstigung sind vorzüglich und auch der Freund schöner Ausflüge kommt auf seine Rechnung. Dabei sind die Preise gut bürgerlich, sie betragen in der Vor- und Nachkurzeit S 16.—, in der Hauptkurzeit S 20.—. Kurärzte sind die Herren Dr. B. Kohn, Dr. H. Mahler undl Dr. W. Smital. Im Kurorte befinden sich zwei rituelle Restaurants,, darunter eines streng orthodox. Auskünfte erteilt die Kurdirektion oder Kurkommission Bald Tatzmannsdorf. Mimst und Xitewatur Margarethe Bach ist nach ihrer erfolgreichen: amerikanischen Tournee wieder in einem eigenen Vortragsabend vor das Wiener Publikum getreten, zu dessen Lieblingen dieses große Talent heute unumstritten zählt. So war denn auch der Abend im Kleinen Konzerthaussaal sehr gut besucht; besonderes Aufsehen erregte die Anwesenheit des Kardinal-Erzbischofs Dr. I n n i t z e r, der bei seinem Weggehen vom Publikum stürmisch akklamiert wurde. Wieder bewunderte man die blendende Technik der ausgezeichneten Sprecherin Margarethe Bach, die Ernstes vorzüglich, aber auch Heiteres recht gut beherrscht. Ihr Meisterstück war wieder der Bibelvortrag, den sie geradezu erschütternd bringt. Schillers „Kassandra'^ und Goethes „Paria" wurden mit einer Anschaulichkeit vorgetragen, die aus den Gedichten Tragödien werden ließ. Aber auch in modernen Dichtungen bewährt sich ihre Kunst. Stürmischer Beifair des Publikums belohnte die glänzenden Darbietungen. Einen gediegenen künstlerischen Widerpartfand sie in Kurt Fuchsgelb, der, von Kurfc Engel feinfühlig begleitet, verschiedene Stücke;- bravourös zum Vortrag brachte und ebenfalls sehr viel berechtigten Applaus erntete. Onkel Sidney kommt. In dien ungarischen und rumänischen Tonfilmtheatern wurde in letzter Zeit ein amerikamischer Tonfilm gezeigt, von dem man nur hoffen kann,, daß er recht bald auch in Wien zu sehen sein wiref- Denn seine Vorführung wäre gerade jetzt, inunserer Zeit des Judenhasses, besonders aktueüL Hier wird nämlich die bis an Aufopferung gren-, zende Güte eines Judten demonstriert eines Judesi,- der alles opfert, um ein von ihm adoptiertes, ge^- lähmtes christliches Mädchen wieder der Gesundheit zuzuführen. Dieser Vorwurf läßt den Verdacht der Kitschigkeit und Seichtigkeit aufkommen. Aber die grandiose Regie von Lewis Seiler hat esverstanden, allen Plattheiten aus dem Wege zür gehen und ein Filmwerk erstehen zu lasse», das in der ethischen Absicht an den Filnr 4 „Singing Fool" gemahnend, sehenswert ist, insbesondere in der ergreifenden Szene, da Onkel Sidney auf höheren Befehl Abschiednehmen muß von der seiner Obhut entzogenen und in einem christlichen Waisenhaus untergebrachten geliebten Mildred. Ebenso aufregend ist die Szene, da das Kind an das Bett seines, schwer erkrankten Pflegevaters eüt, wirklich eilt, denn infolge des Schrecks und der Aufregungen beginnt die Lähmung, die bisher aller H Inder- Erholungsheim BALATON a. Plattensee unter erprobter pädagogischer Leitung. Idealer romantischer Aufenthalt für erholungsbedürftige Kinder mit allen Vorteilen des Meeresstrandes PreJ,. p 100_ per Monat onhod. Anmeldungen u. Auskünfte: H. Hlrachl, Sopran, Balfl ntc.13;

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