Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 20 (19.5.1933)
- Date
- 1933-05-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Versammlungspropaganda der „ Union". V Die Not der Zeit hat auch die österreichische jBudenschaft veranlaßt, die eigene Gemeinschaft / mehr als bisher zu beachten und den Weg zu ihr zu finden. In diesen Tagen haben denn auch jene Versammlungen, in denen das jüdische Schicksal erörtert und besprochen wird, stärkeren Zulauf. Namentlich gilt dies von den Versammlungen der „Union", die, in den letzten Wochen fast allabendlich in mehreren Wiener Bezirken stattfindend, durchwegs ausgezeichnet besucht sind. Die Wiener heimattreue Judenschaftj folgt eben nicht den Lockungen jüdischnationaler Konjunkturpolitiker und bleibt ihrer bewährten Schutzorganisation treu, von der sie weiß, daß sie in schwierigen Zeiten tatkräftige Abwehr drohender Gefahren vorgenommen hat, und von der sie mit Recht annimmt, daß sie auch jetzt so entschieden wie bisher auf der Wacht steht. Die Menge interessiert all das, was von seiten der „Union" zu ihrer Sicherheit unternommen wird, und schon daraus erklärt sich das rege Interesse für die Versammlungen dieser Vereinigung, für die Sprecher, die in diesen Versammlungen zu Wort kommen. Die meisten Mitglieder des Zentralvorstandes der „Union" stellen sich in den Dienst dieser Aufklärungsaktion, die, wie gesagt, alle Wiener Bezirke umfaßt. Bisher haben Versammlungen in der Inneren Stadt, Leopoldstadt, auf der Landstraße, in Mariahilf, am Aisergrund, in Favoriten, Meidling, Döbling, Brigittenau und Floridsdorf stattgefunden; am kommenden Samstag abends hält auch die Ortsgruppe Linz der „Union" eine Versammlung ab. Die Ausführungen der Referenten finden allgemein lebhaften Anklang, ob sie nun wie Dr. M. S t i g 1 i t z das Schicksal der Juden in Deutschland oder wie Kommerzialrat A. S a 1 z e r die Bedeutung der Juden in der Weltwirtschaft in tiefgründiger Weise behandeln. Auch für die Geschehnisse in der Kultusgemeinde, die u. a. von Dr. J. T i c h o und Dr. L. M a i e r sachkundig erörtert wurden, herrscht großes Interesse. Besonders fesselnd wirken natürlich jene Referate, die sich mit der Lage der Juden in Oesterreich befassen, die vornehmlich Reg.-Rat Dr. M. Lenk und Dr. E. F e 1 d s b e r g zum Gegenstand ihrer ausgezeichneten Ausführungen machten. Jede Versammlung führt der „Union", deren organisatorischer Ausbau selbstverständlich in diesen Tagen von besonderer Wichtigkeit ist, neue Mitglieder zu und so darf mit Genugtuung als Ergebnis dieser Versammlungskampagne, die in den nächsten Wochen fortgesetzt wird, die Tatsache verzeichnet werden, daß die „Union" an Popularität nicht nur nichts eingebüßt hat, sondern daß ihr Programm der Verbundenheit mit Heimat und Religion heute mehr denn je die Massen zu begeistern in der Lage ist. Die nächsten Versammlungen finden statt: Montag, den 22. Mai, 8 Uhr abends, im Cafe Währingerhof, XVIII., Währingerstr. 162 (Referenten: Komm.-Rat A. Salzer und Reg.-Rat Dr. Max Lenk). * Dienstag, den 23. Mai, 8 Uhr abends, im Restaurant Kolarik, V., Margaretenplatz 7 (Referenten: Dr. E. Feldsberg und Reg.-Rat Dr. M. Lenk). Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Rotenkreuzgasse 3 Tel. A45-5-37 Das Weltgewissen. Amerika. Die „National Conference of Jews and Christians", eine zur Förderung von Freundschaft und Zusammenarbeit unter den Bekennern der verschiedenen Religionen in den Vereinigten Staaten gegründete Organisation, hat Gruppen führender Geistlicher der verschiedenen christlichen Bekenntnisse und bekannter Hochschullehrer gebildet, die die Aufgabe übernommen haben, Kundgebungen von Führern aller christlichen Kirchen und Vertretern aller amerikanischen Universitäten gegen die antisemitische Strömung in Europa zu veranlassen. In der letzten Zeit haben einige der hervorragendsten Vertreter der christlichen Geistlichkeit Amerikas, unter ihnen Kardinal Hayes und der anglikanische Bischof Manning, ferner der Sekretär des kirchlichen Friedensbundes und der Weltvereinigung für internationale Freundschaft, Henry A. A t k i n s o n, sowie Rev. Theodor A. G r e e n e als Vertreter der Kommission für internationale Beziehungen beim Generalrat der christlichen Kirchen, der 6670 Kirchengemeinden in den Vereinigten Staaten repräsentiert, öffentlich ihre Stimme gegen den Antisemitismus erhoben. Polen. Eine Abordnung des polnischen Zentralhilfskomitees für Juden aus Deutschland hat unter Führung des Abgeordneten Wiszlicki im Innenministerium vorgesprochen und mit den führenden Beamten der zuständigen Abteilungen längere Besprechungen betreffend die Lage der Flüchtlinge aus Deutschland abgehalten. In diesen Besprechungen wurde vereinbart, daß das Innenministerium demnächst ein Rundschreiben an die Organe der Verwaltungsbehörden im ganzen Land ergehen lassen wird, in dem diese aufgefordert werden, deutschen Bürgern, die aus politischen Gründen aus Deutschland nach Polen kommen, keine Schwierigkeiten beim Grenzübertritt und bei Erteilung der Aufenthaltsbewilligung zu machen. Ebenso soll in der Frage der Zuerkennung der polnischen Staatsangehörigkeit an solche Personen verfahren werden, die die Voraussetzungen für das polnische Staatsbürgerrecht besitzen, aber infolge ihres bisherigen dauernden Aufenthaltes in Deutschland als Staatenlose geführt werden. Palästina-Nachrichten. In ganz Palästina haben öffentliche und Vereinsversammlungen stattgefunden, in denen gegen die Verkleinerung der Arbeite rschedule durch die Palästinaregierung Protest erhoben wurde. Eine in Jerusalem abgehaltene Massenversammlung, die vom Jerusalemer jüdischen Arbeiterrat einberufen worden war, faßte eine Entschließung, in der gesagt wird, die Versammlung protestiere gegen die U n g erechtigkeit der Regierung gegenüber der jüdischen Arbeitereinwanderung. Das Land im allgemeinen und die jüdischen Unternehmungen im besonderen benötigten dringend einen großen Arbeiterzustrom. Massen Wohnung zu vermieten Bestehend aus Zimmer, Kabinett, Küdie, W. C, Gas, Elektrisch, Wasser, Nähe Praterstern / Direkt vom Hausherrn Auskaufte: Telephon A 49-0-83 von Juden, die unter wirtschaftlicher Not und antisemitischer Bedrückung leiden, dringen auf ihr Recht, nach Palästina einzuwandern, und gerade in dieser Zeit habe die Regierung die Einwanderung beschränkt, sie enthalte so deutschen Juden eine Zufluchtsstätte vor, lege der jüdischen Entwicklung in Palästina ein schweres Hindernis in den Weg und gefährde die Stellung der jüdischen Arbeit. Die Versammlung richte an die jüdischen Massen die Aufforderung, sich in einem mächtigen Ruf nach Oeffnung der Tore des Landes zu vereinigen. Die hebräische Presse weist darauf hin, daß sogar das als sehr rigoros bekannte Einwanderungsamt der Regierung diesmal die Erteilung von 7000 Zertifikaten vorgeschlagen hat. Die Blätter geben auch ihrem Erstaunen darüber Ausdruck, daß die Regierung die Herabsetzung der Zahl angeforderter Zertifikate gerade zu einer Zeit vorgenommen hat, da der Minister für die Kolonien, der als Freund des jüdischen Aufbauwerkes gilt, und Dr. Chaim Weizmann m Palästina weilten. Heraa. rraaeiibeUbaa Tatimannsdorf (Sargenland) Mineral-, Moorand natürliche Koblensäure-Sprudelbäder. Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder- — Auskünfte und Prospekte: Kurdirektion oder Kurkommission, Bad Tatzmannsdorf, Burgenland, und in allen Fremdenverkehrsbüros sowie bei der Oesterr. Anzeigen-Ges. A. G., Wien I., Brandstätte 8. — Zwei rituelle Restaurants, darunter eines orthodox. High Commissioner Sir Arthur W a u c h o p e hat sich nach London begeben, wo er sich etwa einen Monat aufzuhalten gedenkt. Vor seiner Abreise empfing er das Mitglied der Executive der Jewish Agency Emanuel Neuman, dem er versprach, neuerdings 200 Palästina-Visa für d e u t s c h e J u d e n, die als Einwanderer der Kapitalisten-Kategorie nach Palästina zu kommen beabsichtigen, auf einmal zur Verfügung zu steHeit. a In Südpalästina soll demnächst eine landwirtschaftliche Siedlung von Judenchristen geschaffen werden. Im Auftrag der Hebrew Christian Alliance hat Sir Leon Levison soeben einen Kaufvertrag über ein Gebiet von etwa 2000 Dunam, das zwischen der Stadt Gaza und dem britischen Lufthafen gelegen ist, abgeschlossen. Das Grundstück wurde an die Hebrew Christian Alliance von Fahmi Effendi Musseini verkauft. Verhandlungen wurden auch über den Ankauf anderer Grundstücke gepflogen, doch beabsichtigt Sir Leoni Levison, erst dann neue Käufe zu tätigen, sobald sich solche für den Ausbau der neuen Judenchristensiedlung als notwendig erweisen sollten. * Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die Palästina-Regierung beschlossen, die Zuschüsse für die jüdischen Institutionen in Palästina, einschließlich des hebräischen Schulwsrks, im Finanzjahre 1933/34 um 16.000 Pfund zu erhöhen. Von diesem Betrag sind 6000 Pfund zur Subventionierung des jüdischen Schulwesens bestimmt. Rumänien räumt auf. Infolge der verstärkten Tätigkeit der antisemitischen „Eisernen Garde" hat sich die Regierung veranlaßt gesehen, neuerlich strenge Weisungen an die Präfekten der einzelnen Departements ergehen zu lassen, jeder weiteren Agitation der „Eisernen Garde" schärfstens entgegenzutreten. In den letzten Tagen war es in einem Dorfe bei Suceava in der Bukowina, wo die Gendarmerie eine von der „Eisernen Garde" einberufene Versammlung verhindern wollte, zu einem schweren Zwischenfall gekommen. Bauern, die zu der Versammlung gekommen waren, griffen die Gendarmerie an, wobei ein Gendarm tödlich, ein anderer sehr schwer verletzt wurde. Mehrere Bauern wurden verhaftet. In Klausenburg waren Polizeiorgane, die im Lokal der „Eisernen Garde" eine Hausdurchsuchung vorgenommen und Dokumente beschlagnahmt hatten, von Studenten entwaffnet und eine Stunde langfestgehalten worden. Am Abend des 8. Mai kam es in Klausenburg neuerlich zu Studentenunruhen, wobei 31 Studenten verhaftet wurden. Im Badeort Snadov bei Bukarest veranstalteten 500 Studenten eine Fahnenweihe. Bei der Rückkehr nach Bukarest wurden 70 Studenten wegen Tragens der verbotenen Uniform der „Eisernen Garde" verhaftet. Der für den 14. Mai einberufene Kongreß derCuzisten-Ligaist vom Innenminister verboten worden. Das Schnellgericht in Radautz verurteilte vier Einwohner eines benachbarten deutschen Dorfes, die anläßlich eines vor kurzem abgehaltenen Kongresses der „Eisernen Garde", an a n t i s e m i t i- Hägers Selchwaren-Restaurant Selchwaren aas der Fabrik Eisen & Hönigsber streng orth. TO (Unter Aufsicht der Adas-Jistoel-Schiffschal) Wlan II., PraterstraB« 33» Telephon R-47-4-49 ■enQ wo» S 2.— aufwärts. Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert