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Die Wahrheit · 1930-11-07 · Heft 45 (7.11.1930) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 45 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Daß die Zionisten von jeder Untersuchung nüchterner Sachverständiger, die mit dem Verstand und nicht mit dem Herzen dachten, zumindestens keine Förderung der Aufbauarbeit zu erwarten hatten, war vorauszusehen. Wer konnte eine nationale Heimstätte errichten und nicht die Araber zurückdämmen? Und wer konnte arabischen Besitz und arabische Arbeit vorwärtsbringen, ja, auch nur erhalten,' ohne der Entwicklung der jüdischen Heimstätten Steine in den Weg zu werfen? Dieser Meister mußte erst vom Himmel fallen! So ist die Balfour -Erklärung, die jüdischnationale Heimstätte zu errichten und die. Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung nicht zu verletzen, ein Widerspruch in sich. Und es ist entscheidend für jede der beiden Forderungen, auf welche der Ton fällt. Die englische Regierung hat bis in den Sommer 1929 hinein zum mindesten nicht verhindert, daß der Ton stärker auf der ersten Forderung lag. Die arabische Bevölkerung hatte sich solcher Entwicklung kaum entgegengestemmt. Ein kleiner Kreis von Führern in Jerusalem, in Sichern, in Haifa etwa, murrte auf Kongressen und in Zeitungen über Ealfour-Deklaration und zionistenfreundliche Politik, boykottierte irgendwelche Wahlen, störte im übrigen nicht allzu sehr. Die zionistische Leitung begnügte sich leider mit arabertreundlichen Erklärungen auf ihren Kongressen. Bis der Sturm von 1929 losbrach und die Notabeinbewegung gegen den Zionismus zu einer Volksbewegung wandelte, die nun nicht mehr zu dämpfen war. Da Zionisten und Araber sich nicht von selbst an dem Verhandlungstisch zusammenfanden — warum nicht, wird Wohl im Dunklen bleiben—, sprach die Regierung das große Wort des 21. Oktober. Und der Ton liegt diesesmal sehr, sehr stark auf der zweiten Forderung der Balfour-Deklaration, die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung nicht zu verletzen. Mit einer unerwarteten Gründlichkeit sollen nicht nur Einwanderung, Bodenkauf und Verwaltung, nein auch die nur „jüdische Arbeit", die Grundgesetze des Nationalfonds (Keren Kajemeth) und manches andere englischerseits geregelt werden. Das muß sich zwangsläufig gegen Tempo und Energie des zionistischen Aufbaus entscheidend richten, wenn ihn nicht gar lahmlegen. Das erschüttert ihn jetzt in den Grundfesten. Wehn ein Weizmann sein Schiff, das er so liebevoll und mühsam gezimmert, verläßt, so sieht der sturmerprobte Steuermann d i e Klippen, an denen es sicher vorbeizusteuern er verzweifelt. Der vom zionistischen Ideal begeisterte Chaluz, der die polnische Erde abschüttelte, um mit dem Spaten sein Altneuland jauchzend aufzubauen, der die Ideale sozialer Gerechtigkeit an Boden und Menschen in diesem Ländchen handgreiflich machen will, der mit dem Ford-Traktor durch die Felder zieht, dem Shaw und Verlaine, Nietzsche und Bergson vertraute Freunde sind — und drüben der Fellach in dumpfer Abhängigkeit von seinem gestrengen Pachtherrn, dem Lesen und Schreiben Feenwunder, der mit Erzvater Abrahams Pflug, Kamel neben Frau als Ziehgespann, den harten Boden anritzt, der zu Allah betet, seinen Propheten liebt und den Dorfheiligen fürchtet. Wie sollen die sich finden? Wie will selbst die mit tausend Salben gesalbte englische Regierungskunst hier Brücken schlagen? Wie will sie ein Nationalheim aufbauen, den Arabern aber nicht wehetun? Wie will sie den Arabern den Boden belassen und die arabische Arbeitslosigkeit niederhalten, den idealen Stürmern des Zionismus aber den Bodenkauf freigeben und die Einwanderer die ersehnte Erde betreten lassen? Denn ohne Boden kein Aufbau, ohne Einwanderung keine Menschen .des Aufbaus. Die englische Regierung hat sich entschieden: Keine arabische, keine jüdische, jetzt englische Politik. Die Aufgaben der Balfour-Erklärung bleiben so ungelöst und bleiben unlösbar. Baron Edmond de Rothschild an Professor Weizmann. Baron Edmond de Rothschild, der „Vater" der jüdischen Kolonisation in Palästina, hat an Proiessor Weizmann nachstehendes Schreiben gerichtet: „In meiner Eigenschaft als Ehrenpräsident der Jewish Agency und als Gründer der ersten jüdischen Kolonien in Palästina schließe ich mich rückhaltlos dem Proteste an, den Sie gegen die Erklärung der britischen Regierung' über die künftige Politik in Palästina erhoben haben. Die in dieser Erklärung niedergelegten Grundsätze widersprechen sowohl dem Geist als auch dem Wortlaut des Palästinamandates, welches auf der Deklaration basiert, die der verstorbene Außenrninister Lord Balfour im Namen seiner Regierung erlassen hat. Die Juden der ganzen Welt sind in einem Zustand der Bestürzung, und ich teile ihren Schmerz." * M LAAA» flerren-Mao-Schneiderei Wilhelm brauner Wien IL. Praterstraße Nr. 21 Gegründet 1900 Telephon R 41-6-64 empfiehlt sich zur Anfertigung eleganter Herren - Garderoben Orig. englische Stoffe stets lagernd Erstklassige Ausführung Mässige Preise 3 m~ Zatitangs-ErlelditerHiigen 4fTfFrWyiHnTTTVfTyyTfr¥TTTTTTTTTT^ DANKSAGUNG. Allen Freunden, Kollegen und Bekannten, die uns in unserem namenlosen Schmerz um das plötzliche Hinscheiden unserer über alles geliebten Gattin und Mutter so vielfache Beweise aufrichtigster Teilnahme entgegengebracht haben, insbesondere dem verehrlichen Präsidium der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und dem verehrlichen Betliausvorstande, sowie Reg.-Rat Prof. Karl L u z e, wie auch allen Mitgliedern der Staatsoper, sprechen wir auf diesem Wege unseren tiefgefühlten herzinnigsten Dank aus. Michael Stryks und Familie. : BehBrdl. autor. Häuseradministration :! ADOLF KRALL! I IV., Schleifmühlaasse 11 i Z Telephon B 29-1-48 ■ empfiehlt sich zur Ober- : : nähme von Verwaltungen \ | Erstklassige Referenzen : VonWodke zu Wodke Israelitische Kinderbewahranstalt. Samstag, den 1. November d. J., wurde in der israelitischen Kinderbewahranstalt, Wien IT., Schiffamtsgasse 15, die Enthüllung einer Gedenktafel und dte*Ei^®riangv^gestifteter Kun'stmalerei-Fenst-er vorgenommen. Eine exklusive Gesellschaft hatte die festlich beleuchteten freundlichen Räume der Kinderbewahranstalt bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. In Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde erschien Vizepräsident Dr. Jakob Ornstein, in Vertretung des Jüdischen Frauenvereines Leopoldstadt Frau Margarete Grunwald, ferner erschienen Delegierte des Vereines „Bereitschaf t", sowie eine große Anzahl Vertreter verschiedener humanitärer Vereine. Die Vorstandsmitglieder des Vereines „Wohlfahrt" erschienen in Begleitung ihrer Damen vollzählig. Nachdem Herr Direktor Max Lassner namens des Vorstandes die erschienenen Festgäste herzlichst begrüßte, brachte Fräulein Olga Fischer ein Schubertlied stimmungsvoll zum Vortrage. Sodann hielt der Präsident des Vereines, Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald, eine Ansprache, in welcher er einen Ueberblick über die bisherige Entwicklung des unter der Leitung des Vereines „Wohlfahrt" stehenden Kinderbewahranstalt gab und sodann über die große Bedeutung derlei Anstalten für die heranwachsende Jugend aller Herren Länder sprach. Neben der großen Aufgabe der gedeihlichen Jugenderziehung huldigt der Verein „Wohlfahrt" auch der Pietät. Durch eine Votivtafel soll nun das Andenken der Frau Berta Königsfest, der Gattin des edlen Gönners des Vereines, Herrn Rubin Königsfest, der vor kurzem erst eine eigene Abteilung für 20 Kinder gestiftet und unter Leitung seiner Tochter Mimi Königsfest aus eigenen Mitteln erhalten wird, für ewige Zeiten geehrt werden. Desgleichen soll das Andenken der Frau Rosa Bondi, der Gattin des überaus verdienstvollen Vorstandsmitgliedes Herrn Direktor Henry Bondi, durch die von ihm gestifteten Kunstmalerei-Fenster geehrt werden und bittet Redner Herrn Vizepräsidenten Doktor Jakob Ornstein, die zwei Fenster in das Eigentum der Israelitischen Kultusgemeinde Wien zu übernehmen. Nachdem Oberkantor G. Marguli es klangvoll einen Trauerpsalm zum Vortrage gebracht hatte, ergreift herzlich akklamiert Vizepräsident Dr. J. Ornstein das Wort und betonte zunächst die Wichtigkeit der von der israelitischen Kultusgemeinde Wien neugeschaffenen Fürsorge- Zentrale. Jeder, der die von dieser Zentrale versendete Monatsschrift „Unser Fürsorgewerk" aufmerksam gelesen hat, muß den Eindruck gewonnen haben, daß vieles auf dem so unendlich großen Gebiete der Fürsorge für unsere hilfsbedürftigen Mitmenschen bereits geleistet wird, aber ungleich mehr noch zu leisten ist. Daß jeder, der in der glücklichen Lage ist, es zu tun, sich an diesen Werken der Nächstenliebe beteilige, ist heilige Menschenpflicht, ist gewiß aber auch Drang des jüdischen Herzens. Der Verein „Wohlfahrt" erhält durch die Opferwilligkeit und Opferfreudigkeit seiner Vorstandsmitglieder und Mitglieder die älteste, im Jahre 1843 gegründete israelitische Kinderbewahranstalt und bietet 150 jüdischen Kindern ganztägige Verpflegung und Betreuung. Es gebührt daher allen, die zur Erhaltung dieser Stätte wahrer Menschenliebe beitragen, uneingeschränktes Lob und Anerkennung. Zum Schlüsse seiner mit großem Beifall aufgenommenen Rede erklärt Vizepräsident Dr. J. Ornstein, die zwei Votivfenster ins Eigentum der Kultusgemeinde zu übernehmen. Die jüdischen Wahlen in Deutschland unvermeidlich. Die Religiöse Mittelpartei für Frieden und Einheit in der Gemeinde hat die von ihr in zahlreichen Vollsitzungen und Einzelverhandlungen mitallen Parteien versuchte Vermittlungsaktion, um den jüdischen Wahlkampf in Berlin und in Preußen zu vermeiden, als mißlungen aufgegeben. Es war trotz unausgesetzter Bemühungen der Mittelpartei nicht möglich, die Parteien zu einer gemeinsamen Liste, noch zu einer Vertagung der Wahlen zu bringen. Die Mittelpartei bedauert tief, daß es ihr nicht gelang, dem preußischen Judentum in diesen politisch und wirtschaftlich sorgenvollen Zeiten den Wahlkampf zu ersparen. Schalom Asch's 50. Geburtstag. In diesen Tagen vollendet der große jiddische Erzähler und Dramatiker Schalom Asch sein 50. Lebensjahr. In Kutno (Polen) geboren, hat er schon sehr früh die Aufmerksamkeit der jüdischen literarischen Kreise, so auch des Dichters J. L. Perez, mit seinen kleinen Erzählungen auf sich gelenkt Aber erst seine Meisternovelle „A Städtel", die in alle Kultursprachen übersetzt wurde, begründete seinen dichterischen Ruhm, der durch eine große Reihe Meisterromane und Novellensammlungen, sowie durch seine Dramen „Der Gott der Rache" (1907 von Reinhardt in Berlin aufgeführt), „Sabbatai Zwi", „Familie Großglück", „Mottke, der Dieb", „Messias' Zeiten" immer höher anwuchs. Seine zuletzt erschienene Roman- Trilogie „Warschau", „Petersburg", „Moskau" hat bei der europäischen und amerikanischen Kritik hohe Anerkennung gefunden. Schalom Asch lebte eine Zeitlang in Amerika, seit 1923 lebt er abwechselnd in Warschau und Paris. Meran. Am 28. Oktober fand hier die einfache und erhebende Zeremonie der Bestattung der sterblichen Ueberreste von 13 im Weltkrieg gefallenen Angehörigen des österreichisch-ungarischen Heeres jüdischer Konfession statt Es handelt sich um die Ueberführung der Leichen von 12 österreichischen Heeresangehörigen und einer freiwilligen Krankenpflegerin, die auf dem Militärfriedhof von Trento bestattet worden waren und nun in ihrer Heimat in Merano eine endgültige Ruhestätte finden sollten. Die sterblichen Ueberreste der Gefallenen waren vormittags um 10 Uhr auf einem Sonderwaggow aus Trento in Merano eingetroffen. Die kleinen Urnen aus Tannenholz trugen den Davidstern und außerdem eine metallene Erkennungstafel. Die Toten sind: Krankenpflegerin Frieda Schönbaum, Kadettaspirant Faltin, David Metzger, Giovanni Ravicz, Samuel Reichbach, Ernst Nätzler, Benedikt Lorig, Oberleutnant Rudolf Lowith. Cheim Mahnsohn, Moritz Herschdorfer. Isak Drucker. Bernhard Fried und Leutnant Altendorf. Um

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