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Die Wahrheit · 1930-11-07 · Heft 45 (7.11.1930) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 45 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sss^cmss^siassit/mme^ü^j^ i-t-,.,+.**i.-i:>jr >i!>'>»ai^.»ia^p«.-i)^«»ju ub-wcv*t&t*mmam DIE WAHRHEIT Seift* 5 sehen Juden für Talente und Arbeitskräfte gibt! Es ist idiotisch, es ist ein Verbrechen, zu einer Zeit, wo ein schwerbedrängtes Land mehr denn je den Zusammenschluß aller staatserhaltenden Elemente bedarf, eine solche Elite des Geistes und der Kultur, wie es die Juden sind, außer acht lassen zu wollen. Die öffentliche Meinung der Welt und besonders meines Landes, das sehr sensibel in solchen Dingen ist, empört sich schon an antisemitischen Exzessen, wenn sie in halbzivilisierten Ländern vor sich gehen. Was sollen wir aber sagen, wenn wir sehen, daß diese Methoden auf Deutschland und Oesterreich, diese Stätten ältester und vornehmster Kultur, überzugreifen drohen? Alles, was Sie wollen — aber diese Antisemiten kann ich nicht verstehen. Der „zersetzende Einfluß des Judentums^ Bekanntlich enthält das Parteiprogramm der cliristlichsozialen Partei unter ihren Programmpunkten auch den der „Bekämpfung des zersetzenden Einflusses des Judentums auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiete". Bezeichnen wir mit dem etwas dehnbaren Begriff der „Zersetzung" den in der Chemie dafür gebrauchten der „Spaltung", wie sie die Fermente verursachen, so wäre es interessant, zu erfahren, ob es auch das Judentum war, das die in der Einheitsliste so friedlich geeinten Antisemiten kürzlich so heillos gespalten hat. Während Herr Bundeskanzler V a u g o i n sich derzeit an jenen Programmpunkt nicht mehr erinnern zu können vorgibt, erklären die Qroßdeutschen klipp und klar, daß sie sich mit Juden nicht an einen Tisch im Parlament setzen wollen. Haben etwa Juden ihren Einfluß dahin ausgeübt, daß ein Teil der Antisemiten zu S e i p e 1, ein anderer zu Schober sich schlug. In ihren Hirtenbriefen treiben die Bischöfe in den Kirchen Wahlpropaganda für die christlichsoziale Partei und werben für die Erhaltung der alleinseligmachenden christlichen Religion. Die deutschnationale „Germania" zitiert aus der Zeitschrift „Neues Leben": „Die Judenbibel und ihre Lehre soll endlich zurücktreten und Platz machen der wahren Gottesoffenbarung, die uns durch die . . . Poesie unserer germanischen Völker beschert wurde. Die Kirche, das Christentum, das aus dem Orient zu uns kam mit seiner Finsternis, sind es, die uns den alten Wodan zum wilden Jäger stempelten." Hat das Judentum diese Spaltung bewirkt, hat es etwa selbst den Ruf: „Los von Juda und Rom!" ausgestoßen? . In einem ausgezeichnet wissenschaftlich fundierten Aufsatz beschäftigt sich J. Heinemann („Vom jüdischen Geiste", Philo-Verlag, Berlin) mit dem Vorwurf und mit der Quelle, welche gewöhnlich zu dessen Begründung benützt wird. Mommsen bespricht im 3. Band seiner Römischen Geschichte Casars Verhalten zu den Juden. Er sagt u. a.: „Auch in der alten Welt war das Judentum ein wirksames Ferment des Kosmopolitismus und der nationalen Dekomposition." Der große Historiker beschränkt seine Aussage auf das nationale Moment, ohne im geringsten von sittlichreligiöser oder sozialer oder einer Zersetzungsarbeit auf anderen Gebieten zu reden. An einer anderen Stelle („Auch ein Wort über unser Judentum") meint er: „Ohne Zweifel sind die Juden, wie einst im römischen Staat ein Element der Dekomposition, so in Deutschland ein Element der Dekomposition der Stämme . . . Ein gewisses Abschleifen der Stämme aneinander ist durch die Verhältnisse unbedingt geboten. Daß die Juden in dieser Richtimg seit Generationen wirksam eingreifen, halte ich keineswegs für ein Unglück und bin überhaupt der Ansicht, daß die Vorsehung weit besser als Herr Stöcker begriffen hat, warum dem germanischen Metall für seine Ausgestaltung einige Prozent Israel beizusetzen waren." Mommsen hat also keineswegs ein abfälliges Urteil mit seiner Behauptung aussprechen wollen. Im früheren Oesterreich mit seinem bunten Völkergemisch war diese nivellierende Tätigkeit der Juden sicher ebenfalls nicht zu unterschätzen und vielleicht mehr patriotisch, wie manche verhetzende anderer Staatsbürger. Heute gibt es auf nationalem Gebiet in den Bundesstaaten nichts zu zersetzen; aus demselben Grunde mutet die Bezeichnung „Großdeutsch" das Ausland wahrscheinlich eigenartig an. Sind aber, historisch betrachtet, wir Juden wirklich das geistige Ferment gewesen, das eine zersetzende Wirkung etwa im Sinne der Reformation oder Aufklärungszeit auf ihre Umwelt ausgeübt hat? Waren Voltaire, die Enzyklopädisten, war Rousseau ein Jude? Auch an den ersten Revolutionen in Frankreich und Amerika waren noch keine Juden beteiligt. Es wäre leider wahrlich mehr an der Zeit, eine ernste Untersuchung darüber anzustellen, welche Verheerungen zersetzende Einflüsse der Umgebung umgekehrt gerade auf die Juden angerichtet haben. „Wie es sich christelt, so jüdelt es sich", das Wahrwort findet hier seine richtige Anwendung. ADAS JISROEL (Schilfstbnl), Wien II, Gr. Schiffgasse S Kanzlei II, Grofle Scbiffgasse 1 OTP3B70 die np,3 verläßlich besorgen können, werden in der Adas Jisroel in Vormerkung genommen. Selbstverständliche Voraussetzung ist der Nachweis vollständig einwandfreier religiöser Lebensführung. Bewerber müssen österreichische Staatsbarger sein oder einen ununterbrochenen Aufenthalt in Oesterreich seit 1. Jänner 1923 nachweisen. s ■ s ■ ■ i Prachtvolle echtePerserteDPlche durchwegs selten günstige Gelegenheitskäufe sowie elegante Möbel, wie Speise-/ Schlaf- und Herrenzimmer werden zu ganz außerordentlich bil- |, ligen Preisen abgegeben. Besichtil gung ohne jeden Kaufzwang im WIEDNER MdBELHEIM INH. JULIUS GOTZL Handelsger. beeid. Sachv.n. Schätzmeister IV.,SCHLEIFMÜHLGASSE 1. TELEPHON B 24-1-62 Seldiwareniabrlk sireng ig^ EisenAnonigsber.Wien II., Haldgasse 5 Selchwaren und Restauration Vorzüglicher Mittag- und Abendtisch zu bürger liehen Preisen II.. Praferstrafie 33 ■;■ - * . (Neben dem Carltheater) Die Abkehr von Religiosität, die sogenannte intellektuelle „Aufklärung" und andere moderne Zeiterscheinungen dezimieren das Judentum derart, daß für die angedichteten Weltherrschaftsgelüste kaum mehr Herrscher übrig bleiben. Zur Propagierung der Lehren von Haeckel und Nietzsche haben Juden sicher viel beigetragen, aber die Ideen sind nicht von ihnen ausgegangen, sie können für dieselben nicht verantwortlich gemacht werden. Als der deutsche Sozialismus in Ferdinand L a s s a 11 e einen Verfechter jüdischen Glaubens erhielt, ward er von diesem stark national und nicht international betont. Ich habe anderen Orts die große Empfänglichkeit für die sozialistischen Ideen bei den Juden aus den Prinzipien des Alten Testaments erwiesen. Mit Recht nennt Heine Moses und auch Jesus „große Sozialisten". Zahlreiche prominente Führer der sozialistischen Parteil haben damit, daß sie sich für konfessionslos erklärten, das Judentum verlassen, besteht vielleicht bei den Juden die Tendenz, das Judentum zu zersetzen? Nicht eine Fermentwirkung im Sinne einer Spaltung kommt dem Judentum zh, wenn auch eine Gärung angefacht zu haben, manchmal ein Verdienst ist. Es ist ganz richtig, was Güdemann in ein geistreiches Aphorisma gekleidet hat: „Darwin hat auch dem Regenwurm eine Mission zugeschrieben, und eine sehr wichtige, nämlich die Auflockerung des Erdreiches. Und das Judentum sollte keine haben? — Es hat eine, und zwar die des Regenwurmes. Es hat den geistigen Erdboden der Menschheit aufgeackert und umgepflügt". Ob.-Med.-Rat Dr. H. Haase. Die unlösbare Aufgabe. Von Dr. Alfred Wiener, Berlin. salem vom Mai „Unsere Oesetzgeber von Gottes Gnaden haben Arabern und Juden Blankoschecks gegeben . . . Nun können wir die Schecks nicht zahlen." Ramsay Mac Donald, jetzt englischer Ministerpräsident: „In Palästina." Berlin 1924. (S. 17.) Die unseligen Gewalttaten gegen die Juden von Hebron und Safed in den Augusttagen 1929 haben, was Sachkundige voraussahen, die englische Regieruns veranlaßt, ihre Palästina-Politik an Haupt und Gliedern zu überprüfen, nachdem die Araber Palästinas und die Araber in der Welt das jüdische Nationalheim mit allen geeigneten Mitteln zu berennen nicht aufhörten. Das Ergebnis dieser Prüfung liegt in einer ausführlichen programmatischen Regierungserklärung (Whitepaper. Cmd 3692) von 23 Druckseiten vor, die sich im wesentlichen auf einen 185 Seiten umfassenden Bericht des Sachverständigen Sir John Hope Simpson stützt, dessen Autorität in Siedlungsfragen unbestritten ist. England hat, seitdem ihm das Mandat für Palästina übertragen wurde (24. Juli 1922), seine Verwaltungsaufgabe wahrlich nicht schwer genommen. Es hat Chausseen angelegt, es hat ein Polizeikorps aufgestellt, es hat die Eisenbahnen in Ordnung gebracht, es hat eine anständige Verwaltung eingerichtet. Kurz, es hat sozusagen das Abc eines geordneten Staatswesens mit britischer kolonialer Erfahrung geschaffen. Aber an die eigentlichen Probleme in Palästina, an denen sich selbst ein Geschickter und Gewitzter leicht die Finger verbrennen konnte, ging es wie die berühmte Katze um den heißen Brei. Erst wenn es hart auf hart ging, wenn die Körper von Erschlagenen das Pflaster deckten, kam die Untersuchungskommission, kam wenigstens ein Besinnen, so nach den Unruhen in Jaffa und Jeru- 1921. Schon damals entstand ein heute noch lesenswerter Bericht mit Kritik nach beiden Seiten, mit Ratschlägen für Engländer, Araber und Juden. Aber „Asien ist groß, und London ist weit". Das Churchill- Weißbuch (Cmd 1700), die Folge dieser Vorgänge, engte zwar den Begriff „Nationalheim" und die jüdische Stellung in Palästina fühlbar ein — Jabotinsky, der damals in der Exekutive saß, konnte nur durch stärksten Druck zur Anerkennung bewogen werden —, aber auf die praktische Arbeit nahm die englische Regierung nach wie vor nur mäßigen Einfluß, und das Ergebnis war: „Alles bleibt beim alten." Der Beobachter sieht nicht klar, ob die englische Regierung den Zionisten eine „Chance" geben wollte, sich schwer einzuholenden Vorsprung im Aufbau zu sichern, oder ob die Zionisten ihre Leistungsfähigkeit beweisen sollten, oder ob vielleicht nur das so bequeme „Gehen lassen" Regierungsgrundsatz war. Erst Blut und Tränen lösten der englischen Regierung die Zunge. Die viergliedrige parlamentarische Shaw-Kommission zur Untersuchung der Augustunruhen 1929 beschäftigte sich, über die eigentlichen Ursachen der Ausschreitungert hinausgehend, mit den Gründen des jüdischarabischen Gegensatzes/schlechthin. Und nun war es mit der Ruhe der englischen Palästina- Politik endgültig vorbei. Shaw-Kommission-, Shaw-Bericht, Klagemauer-Kommission, aufregende Sitzung der Mandatskommission in Genf, Simpsons Reise, Simpsons Bericht drängten sich, und am Schlüsse der Entwicklung steht nun die harte Regierungserklärung des Ministerpräsidenten MacDonald, Arbeiterführers, der einmal (1924) in höchsten Tönen vom jüdischen Palästina schwärmte und den kernigen Chaluzim Blumen streute.

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