Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 45 (7.11.1930)
- Date
- 1930-11-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT TEES Seite 7 14 Uhr bildete sich im Bahnhof ein langer Leichenzug, der zwischen zwei dichten Reihen zum jüdischen Friedhof zog. Der Zug wurde durch eine Abteilung der Stadtpolizei in Galauniform eröffnet, welcher die Musikkapelle des 231. Infanterieregimentes. Trauermärsche spielend, folgte. Weiters die Ehreneskorte und die Geschützlafette, mit den 13 Urnen, deren Schleifen von sechs Offizieren der verschiedenen Waffengattungen der hiesigen Garnison gehalten wurden. Zur Rechten und Linken des Leichenwagens marschierten Karabinieri in Galauniform und Stadtpolizei, ebenfalls in Gala. Hinter den Urnen schritt die jüdische Geistlichkeit in vollem Ornat und die Hinterbliebenen der Gefallenen, sowie zahlreiche Vertreter der städtischen Behörden, unter denen man bemerkte den Garnisonskommandanten Oberst Cav. Toti, den Podesta Comm. Dr. Markart. den Generalsekretär der Gemende Cav. Negri, den politischen Sekretär Professor Cipriani, mit den Mitgliedern des Parteidirektoriums, Baron Fiorio, Prätor Sanna, den Kommandanten der Karabinierikompagnie Hauptmann Contadini. die Milizoffiziere Mereu und Borin. Rabbiner Grünwald, Dr. Beermann für die israelitische Kultusgemeinde, den Vizepräsidenten derselben. Dr. Schwarz, Dr. Lustig. Dr. Honig und Direktor Berger, sämtliche Mitglieder der Gemeinde, eine dichte Schar von Offizieren und Persönlichkeiten. Den Abschluß des Zuges bildeten Vertretungen aller bewaffneten Korps der Garnison, Vertreter der israelitischen Soldaten, des Frontkämpferverbandes der Kriegsinvaliden, des Fascio und zahlreiches Publikum. Auf dem Friedhof leistete die Ehrenkompagnie die militärischen Ehrenbezeugungen, worauf der Oberr.abbiner, Herr Dr. Grünwald, zuerst in perfektem Italienisch und sodann in deutscher Sprache das Heldentum der Gefallenen hervorhob und der Regierung für ihre ritterliche Geste gegenüber den Opfern ihrer Pflicht, sowie den militärischen Behörden seinen Dank im Namen der israelitischen Kultus- -getneinde aussprach. Der Redner wies auf die Ritterlichkeit und Menschlichkeit der italienischen Nation hin, die als erste, nachdem die Schrecken des Krieges vorbei waren,. den ehemaligen Gegnern ihre Hand reichte. Hierauf ergriff Herr Dr. Lustig das Wort, der mit warmen Worten die symbolische Bedeutung der Zeremonie hervorhob. Nach Beendigung der religiösen Funktion wurden die Urnen von Artilleristen und Milizsoldaten vom Fahrzeug gehoben und nach dem jüdischen Ritus mit dem Haupt nach Osten in die ausgeschaufelten Gräber gesenkt. . Budapest. Herr Alexander E p p 1 e r, der bisherige Generalsekretär-Stellvertreter der Pester israelitischen Religionsgemeinde, wurde in Anbetracht seiner überaus großen Verdienste um die Gemeinde in der vorigen Sonntag stattgefundenen Generalversammlung einstimmig zum Generalsekretär gewählt. Generalsekretär Alexander Eppl er entstammt einer vornehmen orthodoxen Gelehrtenfamilie und zählt zu den tüchtigsten und fähigsten Beamten der großen Pester Gemeinde.;;7 i!?j Eine bemerkenswerte Einführung. Vom israelitischen Tempel- und Schulvefein für den X. Gemeindebezirk erhalten wir folgende Zuschrift: „In Ihrem geschätzten Blatte vom 24. Oktober 1930 bringen Sie in der Rubrik .Von Woche zu Woche' unter .Eine bemerkenswerte Einführung' die Mitteilung, daß in Stuttgart das .Schnödem' in der Synagoge aufgehört hat. Hiezu erlaubt sich der gefertigte Vorstand höflichst zu bemerken, daß in unserem Tempel schon seit drei Jahren das Spenden bei dtr Thora abgeschafft wurde, was sicherlich zur Hebung der Würde des Gottesdienstes viel beigetragen hat. An Stelle des .Schnoderns* haben wir zu Beginn eines jeden Geschäftsjahres das freiwillige Zeichnen von Spenden (Selbsteinschätzung) eingeführt.-' Israelitischer Tempel- und Schulverein für den X. Gemeindebezirk Favoriten in Wien. Samstag, den 25. Oktober' 1930. abends (3. Marcheschwan). fand in Anwesenheit der Familie des verstorbenen Rabbiners, Professor Dr. A. L. Mandel, des Herrn Ehrenpräsidenten Jacob S. Straßberg, des Vorstandes, sämtlicher Angestellten des Vereines und einiger Gäste anläßlich seines ersten Todestages eine Jahrzeitfeier statt. Nach den durch den Oberkantor Herrn Simon Weiß in ergreifender Weise zum Vortrage gebrachten Rezitationen wurde im Zeremoniensaale die Enthüllung eines Bildes des Verblichenen zum ewigen Gedächtnisse, bei welchem Anlasse Herr Obmann Max B e r g e r eine zu Herzen gehende Ansprache hielt, vorgenommen. Der Israelitische Frauen-Wohltätigkeitsverein tür den XVI. und XVII. Bezirk in Wien veranstaltete Samstag, den 25. Oktober, in den Sälen des Restaurant „Volksgarten" eine Akademie mit Tanz. Ein sehr zahlreiches und vornehmes Publikum, u. a. der Vizepräsident der Kultusgemeinde Herr Dr. Jakob O r n s t e i n und zahlreiche Vertreter karitativer Vereine, füllte die Festräume. Aus dem reichhaltigen Programm sind die meisterhaften Vorträge der Damen Adar Kelsen, Else Altmann und Grete Koller und des Herrn Victor F1 e m m i n g zu erwähnen. Der Reingewinn wird ein beträchtlicher sein und gebührt den Vorstandsdamen mit der Präsidentin Frau Dr. Adele Bach, an der Spitze für die gelungene Veranstaltung vollste Anerkennung. Barmizwabfeier. Samstag, den 1. November d. J., iand im Stadttempel die barmizwah des Studenten Walter B a I a b a n, Sohn des Herrn Kantor Markus Balaban und seiner Gattin Lotti. geb. Halpern, statt, welche sich infolge der besonderen Wertschätzung, deren sich das Ehepaar Balaban erfreut, zu einer schönen Feier gestaltete. Zu der schönen Feier hatte sich unter anderen der Vizepräsident der Kultusgemeinde. Herr Dr. Jakob Ornstein, der Präsident des Bethausvorstandes, Herr Dr. E. Münz, mit einer Anzahl Vorstandsmitgliedern, Delegierte des österreichischen Kantorenvereines, sowie eine große Anzahl Verwandte und Freunde der Familie Balaban eingefunden. Nachdem der junge Walter die Paraschah wie den Prophetenabschnitt in einer Art zum Vortrage brachte, die davon Zeugnis ablegt, daß in seinem Elternhause Religion gepflegt wird, brachte Herr Oberkantor Heinrich Fischer einen von ihm aus diesem Anlasse verfaßten Segensspruch wirkungsvoll zum Vortrage. Sodann hielt Herr Prof. Dr. Huss eine Ansprache, in der er die besondere Bedeutung dieses Tages im Leben des nun in die Gemeinschaft aufgenommenen Jungen hervorhob. Redner verlieh nur den Gefühlen der zahlreichen Freunde passenden Ausdruck, als er in einer von persönlicher Wärme durchdrungenen Rede auf die hohe Wertschätzung hinwies, die Herrn Markus Balaban als Funktionär des Stadttempels von weiten Kreisen gezollt wird. Eltern und Sohn wurden von allen Anwesenden herzlichst beglückwünscht. Herrenoni Oinniier nur Ia Qualitäten, nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichterungen bis zu 1 Jahr werden gewährt LODER-UNION tWIENvlKuernena.6 TeLB20213 80. Geburtstag. Oberrechnungsrat i. P. Jacob W o 11 n e r. der seit vielen Jahren dem Bethausvorstande für den 18. und 19. Bezirk sowie dem Vorstande der Chewra Kadischa Währing angehört, feierte kürzlich in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag. Der Bethausvorstand feierte seinen verdienstvollen Kollegen, indem er ihm am Simchasthorafeste die besondere Ehre eines Choson Bereschith erwies; namens des Bethausvorstandes beglückwünschte der Präses, Herr Medizinalrat Dr. Ignaz Winter, den Jubilar in herzlichster Weise. Die Chewra Kadischa hielt zu Ehren des Herrn Oberrechnungsrates Wollner am 28. Oktober im Sitzungssaale des Währinger Gemeindetempels eine feierliche Festsitzung ab, welcher auch die Gemahlin des Jubilars beiwohnte. Obmann Josef Nossig würdigte in seiner Ansprache die Verdienste des Jubilars um die humanitären Institutionen, des 18. Bezirkes und wünschte ihm einen schönen Lebensabend an der Seite seiner geschätzten Gemahlin und Familie. Der Jubilar dankte allen Korporationen für die ihm erwiesenen Ehrungen. „Seudat Sabal". Die für den 6. d. M. angesetzte Trauergedenkf eier nach dem verstorbenen Präsidenten und Ehrenmitgliede Kommerzialrat Max Markus findet am 13. d. M. um 7 Uhr abends im Vereinslokale. IL. Malzzasse 2. statt Seit vielen Jahren das anerkannt beste 3 Jahrzeitlicht eD^-natw Man achte auf die ges. gesell. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon R 33-1-87 GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNHEHl t^mmmmmmmmmmmammmmmmmamtmmm^mammmmmmmmm WIEN IX., BIRaOASSS NR. 1» viuaui xviM., wAhrinqbrstrassb VT Telephon Nr. A 17-349 and A 164-34 Lieferant Nr HallanstattM AbteilungenfflrKoscherflefsch Mater Aufsteht tf m ehrw. Rabbinata* *•* ter. KultmgaaMind» Wien» Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Frankfurt a. M. Frau Dr. Hedwig Braun, geb. Frank, ist durch Erlaß des preußischen Justizministers zur Land- und Amtsgerichtsrätii» ernannt worden. Frau Dr. Braun, die auf dem Boden des traditionellen Judentums steht, ist. soweit bekannt ist. die erste Jüdin und Frau in Deutschland, die einen etatmäßigen Richterposten bekleidet. Sie war die erste Rechtsanwältin, die am Frankfurter Gericht fungiert hat. Sie ist 1899 geboren. Herr Leopold Pollak. gewesener Oberkantor in Sarajevo, hat am vergangenen Jörn Kippur im Bethausverein „T e f i 1 a t h - J e s c h u r u n" im P r a t e r, in Vertretung des plötzlich erkrankten Baal- Schachris dessen Funktionen übernommen und hat sich duTch seine angenehme Tenorstimme und den traditionellen Vortrag der Gebete die vollste Anerkennung des Vorstandes und der Bethausbesucher erworben. Tlmtficße Verfäutßarungen der Jsraefitiscfien TCuftusgemeinbe Wien Stellenausschreibung. Z. 7675 ex 1930. Wien, 3. November 1930. Bei der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gelangt die Stelle eines Zweiten Kantors zur Besetzung. In Betracht kommen hiefür nur solche Bewerber, welche über entsprechend schöne Stimmittel verfügen, musikalisch ausreichend vorgebildet sind, das Vorlesen aus der Thora vorzüglich versehen können, einen sittlich religiös einwandfreien Lebenswandel führen und das Alter von 40 Jahren nicht überschritten haben. Entsprechend den geltenden gesetzlichen Bestimmungen können Personen, welche nicht die österreichische Bundesbürgerschaft besitzen, nur für den Fall in Konkurrenz gezogen werden, wenn gleichqualifizierte österreichische Bundesbürger unter den Bewerbern nicht vorhanden sind. Die Einreihung des zu bestellenden Zweiten Kantors in das Gehalts- und Rangsklassenschema für die Angestellten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien bleibt der besonderen Vereinbarung vorbehalten. Bewerbungsgesuche sind unter Anschluß aller erforderlichen Nachweisungen bis 28. N o v e mb e r d. J. bei der Amtsdirektion der Israelitischen Kukusgemeinde, Wien I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, einzubringen. Eine Vergütung von Reise- oder sonstigen Auslagen an Bewerber um diese Stelle findet nur in jenen Fällen stat, in welchen dies dem Betreffenden in dem Einladungsschreiben zur Vorstellung oder zum Probevortrage ausdrücklich zugesichert wird. » Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 7. November 1930, werden bei dem um 4 Uhr 25 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: II., Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. G r u nwald); VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Doktor I. Drobinsky); IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach); XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang). Exegetischer Vortrag am: Samstag, den 8. November 1930: XIX., Dollinergasse 3 (4 Uhr nachm.) Rabbiner Dr. Arnold Frankfurter. * Israelitische Kultusgemeinde Wien. Am Samstag, den 8. November d. J., findet um 3 .Uhr. jiachrrdttags. der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend statt.