Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 30 (25.7.1930)
- Date
- 1930-07-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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IV ODE WAHRHEIT Seite 7 VanWodke zu Worte Spital der Kultusgemeinde. In der am 21. d. M. stattgefundenen Plenarsitzung des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde wurde Dozent Doktor Albert Blau als Nachfolger des Primarius Doktor Karl Fleischmann zum Vorstand der gynäkologischen Abteilung des Spitals der Israelitischen Kultusgemeinde bestellt. Personalnachrichten. Der Bundespräsident hat dem Bestallungsdiplom des zum Honorargeneralkonsul von Peru in Wien, für Oesterreich, ernannten Dr. Paul Hohenau, Herausgeber und' Chefredakteur der Zeitschrift „Das neue Europa" mit Entschließung vom 10. Juli 1930 das Exequatur erteilt. — Der Bundespräsident hat dem Primarärzte und ehemaligen Direktor des Spitals der israelitischen Kultusgemeinde in Wien Dr. Karl Fleischmann anläßlich seiner Versetzung in den dauernden Ruhestand das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Oesterreich, der Gattin des Herrn Rabbiners Dr. Max G r u nwald, Frau Margarete Grunwald, den Titel eines Bundesstaatlichen Fürsorgerates und dem Professor i. R. Dr. Leopold Goldhammer in Anerkennung der im Ruhestandsverhältnisse erworbenen Verdienste taxfrei den Titel eines Studienrates verliehen. Hohe Auszeichnung für einen ungarischen Juden. Herr Matthias v. Löbl-Telecska hat sich während des Weltkrieges hervorragende Verdienste erworben, von denen der folgende Brief einen klaren Beweis erbringen mag: Unmittelbar nach Ausbruch des Krieges haben sowohl österreichische als auch ungarische Staatsbürger von den obersten Gesellschaftskreisen abwärts die Bestrebung an den Tag gelegt, Kriegslieferungen zu erhalten. Wir waren im Kriegsministerium von fremden, fachlich unberufenen Personen, die oft mit Empfehlungen einflußreicher Persönlichkeiten erschienen sind, buchstäblich belagert. Mitte Oktober 1914 kamen Sie zu mir und brachten mir ein Empfehlungsschreiben vom Feldmarschall- Leutnant Exc. Hugo v. Hoffmann-Nagysötetag; Sie stellten mir Ihre kommerziellen Kenntnisse für das Kriegsministerium vollständig selbstlos zur Verfügung. Nach eingehender Information habe ich Ihnen am 20. Oktober 1914 folgenden Brief geschrieben: Chef der ökon. Sektion des K. u. K. Kriegsmin. u. Chef der Militärintendantur Nr. 98/a.S.res: Euer Hochwohlgeboren! Unter Hinweis auf Ihre Verbindungen und Bekanntschaften auf dem Gebiete der Industrie und des Handels werden E. Hwgb. ersucht, im Interesse des Staates und des Lieferungswesens Ihre Dienste uneigennützig dem Kriegsministerium zur Verfügung zu stellen. Auf Grund Ihrer Zusage werde ich Ihnen von Zeit zu Zeit entsprechende Aufträge erteilen. Se. Exc. der Herr Kriegsminister ist von diesem meinem Schreiben in Kenntnis. Hochachtungsvoll Wien, 20. Oktober 1914 Jarzebecki. S. Chef. Als der damalige Chef der ökonomischen Sektion und der Militär-Intendantur des K. u. K. Kriegsministeriums bestätige ich hiermit, daß Sie mir während des Krieges im Interesse des Staates und des Lieferungswesens hervorragende Dienste leisteten, vollkommen selbstlos und ohne Ersatz jeder Spesenauslagen. Namentlich war Ihre Tätigkeit im Interesse des ungarischen Staates für die ungarische Industrie und ihrer Volkswirtschaft von großer Energie erfolgreich und von zielbewußtem Patriotismus geleitet Sie hatten auch im Interesse des Lieferungswesens die Energie an den Tag gelegt Persönlichkeiten, die auch mit Empfehlungen von sehr hohen Stellen wegen Lieferung ansuchten, ihrer Unverläßlichkeit wegen entgegenzutreten. Ich habe erst nach dem Kriege erfahren, daß Sie auf Wunsch des damaligen ungarischen Ministerpräsidenten Graf Stefan Tisza um Ihre Tätigkeit im Kriegsministerium ansuchten. Ich freue mich, Ihnen für Ihre hier erwähnte Tätigkeit meine vollste Anerkennung und Dank auszusprechen. Um jene Verdienste, die Sie sich für Ihr Vaterland Ungarn erworben haben, bekräftige ich hiermit Ihre große patriotische Beherzigung. Ich empfehle mich Ihnen hochachtungsvoll Ladislaus Jarzebecki m. p. Sektionschef ehemaliger Chef der ökon. Sektion des ehemaligen öst-ung. Kriegsministeriums und Chef der Militär- Intendantur. Wien, 23. Februar 1925. j Infolge dieser und seiner besonderen altruistischen Tätigkeit während der Jahre 1914—1918 erhielt Herr Matthias v. Löbl kürzlich von der ungarischen Regierung die seltene Auszeichnung mit der Devise „Für Gott und Vaterland" am ungarischen Ordensbande. TodesfalL Montag, den 14. d. M.. ist- Frau Rosa Schlesinger im 77. Lebensjahre nach längerem Krankenlager verschieden. Mit ihr verliert das jüdische Wien eine markante Persönlichkeit die sich durch Geist und Gemüt durch Frömmigkeit und Wohltun, durch- Hausfrauentugend und Geschäftstüchtigkeit in angewöhnlichem Maße auszeichnete. Sie war das älteste wahrend des Sommeraaleat haltes Ihrer Frau erhalten sie forzflgl. Mittagn. ADcnflflsdi streng -bm zu bflrgerlldien Preisen II., Praterstraße Nr. 33 (Neben dem Carl-Theater) EISEN & HÖNIGSBER S EL CHW,AR EN FABRIKANTEN Enkelkind des K'saw Sofer, der mit besonderer Liebe und Aufmerksamkeit den Lebensweg seiner Lieblingsenkelin verfolgte. Eine Tochter des durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit hervorragenden Rabbi Jakob Löb Strasser in Tab, heiratete sie in ihrem 17. Lebensjahre den durch sein Thorawissen bekannten Wiener Buchhändler Rabbi Akiba Schlesinger. In Wien, im Hause ihrer Schwiegermutter Rodisch, einer Enkelin von Rabbi Akiba Eger, die selbst durch ungewöhnliche kaufmännische Begabung, scharfen Geist und tiefe Frömmigkeit ausgezeichnet war, wußte sich die junge Frau zu behaupten. Rosa Schlesinger hatte 16 Kinder geboren, von denen zwölf, sechs Söhne und sechs Töchter, heute an ihrer Bahre trauern. Früh, allzu früh ist ihr Gatte, dessen Liebe zur Thora und Gemilud Chessed sie feinsinnig unterstützte, heimgegangen. Die Verblichene verstand es jedoch, auch in den traurigen Jahren einer schwer empfundenen Witwenschaft die Buchhandlung, die inzwischen zu internationaler Bedeutung emporwuchs, zu leiten und ihre Kinder auf jüdischem Wege würdig der Tradition ihrer Familie zu erziehen. Ihr Lebensabend, die letzten zehn Jahre ihres Erdenwallens, war überstrahlt von wohlverdientem Mutterglück. Ihre Töchter, selbst nachdem sie alle an würdige gelehrte jüdische Männer verheiratet waren, wetteiferten miteinander, das Leben ihrer Mutter zu verschönern. Und ihre Söhne, alle geistige Individualitäten, die teils in der kaufmännischen, teils in der wissenschaftlichen Weit geachtete Positionen einnehmen, blieben der Mutter gegenüber — Kinder. Sie blieb bis in die letzten Wochen ihrer Krankheit lebensfrisch und lebensnahe. Geläutert von Schmerzen, begleitet von der innigen Liebe ihrer Kinder, die sie in ihrer Krankheit aufopfernd pflegten, bewundert von ihren vielen Freunden und Bekannten, ging sie dahin. Mittwoch, den 16. d.M., fand das Leichenbegängnis vom Trauerhause unter starker Beteiligung der Wiener jüdischen Bevölkerung statt Ihr ältester Sohn, Herr Josef Schlesinger hielt ihr einen tiefergreifenden, erschütternden Nachruf. Dann entwarf ihr Schwiegersohn, Herr Rabbiner Dr. H o f f m a n n, Frankfurt a. M„ in formvollendeter Rede ein Lebensbild der Verblichenen. Nach dem von Herrn Oberkantor A. Braun (Schiffschul) vorgetragenen Gebet trugen sie ihre Söhne und Schwiegersöhne auf ihren Schultern an der Schiffschul vorbei zum Trauerwagen, der sie in Begleitung einer großen Schar von Freunden und Verwandten nach Mattersburg führte. Auf dem dortigen altehrwürdigen Gottesacker hielten ihr Bruder, Herr Oberrabbiner Salamon Strasser aus Debrecen, Herr Oberrabbiner S. Ehrenfeld (Mattersburg), ferner ihr Sohn Herr Dr. Simon Schlesinger, ihr Schwiegersohn Herr Rabbiner Dr. Joel Pollak und im Namen ihrer Enkel Akiba Hoffmann, im Namen der Angestelltenschaft der Firma Herr Abel es warm empfundene Nachrufe. Dann bettete man sie neben ihrem Gatten, Akiba Schlesinger, der ihr 32 Jahre im Tode voranging, zur ewigen Ruhe. Verband der Sabbathfreunde „Schomre Schaboos*'. Wien, IL, LeopoTdsgasse Nr. 16. Fernsprecher R 40-0-80. Postsparkassen-Konto 103.537. Gegrßndet im Jahre 1909. Zweck des Verbandes ist, für die Heilighaltung des Sabbates einzutreten. Dieser Zweck soll erreicht werden, vornehmlich durch organisatorische Zusammenfassung aller Juden, die die Sabbatruhe einhalten und durch die Vertretung ihrer. Interessen. Durch Zentralisierung der Stellenvermittliing für jene, die Samstag nicht arbeiten und durch zweckmäßige Bekämpfung der die Beobachtung des Sabbatgesetzes schädigenden Tendenzen. Wien, am 14. Juli 1930. 18. Tamus 5690. Offene Stellen: 1 Schuhmacherlehrling, 2 Schneiderlehrlinge, 1 Buchbinderlehrling, 1 Glaserlehrling, Praktikanten in verschiedenen Branchen, Vertreter, 1 Herrenschneidergehilfe, 1 Damenschneidergehilfe, 1 Schneiderin für Kostüme, 1 Ajournäherin, 2 Spulerinnen. Ins Burgenland: 1 Lehrling für Schuhoberteilerzeugung, 1 Gehilfe für Schuhoberteilerzeugung. 1 Stepperin für Schuhoberteilerzeugung. Stellengesuche: Kontoristen, Verkäufer, Vertreter', Hilfsarbeiter, Hauslehrer, Korrtoristininen, Verkäuferinnen, Hilfsarbeiterinnen, Zeichnerin, Kinderfräulein, Stubenmädchen, Lehrmädchen, usw. usw. Wir vermittelt* tüchtige und verläßliche Angestellte und Arbeiter jeden Art für Handel. Gewerbe und Industrie, sowie für Haushalte. Die Vermittlung erfolgt kostenlos! Auskünfte erteilt und Anmeldungen nimmt entgegen der Verein ,,S(Aomre-Schabbos". Wien TL, Leopoldsgasse 16, Telephon R 40-0-80, täglich von 9—13 und 16—20 Uhr. Wieder zwei polnisch-jüdische Städtchen durch Fetter zerstört Eine Feuersbrunst zerstörte das jüdische Städtchen Blaszki bei Kaiisch. Zahlreiche Häuser wurden vernichtet Ungefähr 100 jüdische Familien sind obdachlos geworden. Eine große Feuersbrunst verheerte auch das Städtchen Ruszanko (Distrikt Lida). Der Schaden beträgt mehrere Millionen Zloty. In der infolge des Brandes entstandenen Schreckens-Panik sind 10 Juden wahnsinnig geworden. Berlin. Im Alter von 54 Jahren ist der Rechtsphilosoph Jacques S t e r n plötzlich gestorben. Stern ist durch rechtsvergleichende Studien, namentlich über den „Universalismus im Recht", weit über seine Fachkreise hinaus bekannt geworden. Der Verstorbene war Hauptvorstandsmitglied des Centrai- Vereines, hat in der Liberalen Vereinigung mitgearbeitet und sich mit viel Interesse der Arbeit der Gesellschaft ORT gewidmet New York. Master Sergeant Benjamin Roth, ein jüdischer Unteroffizier der amerikanischen Luftflotte, der als Mechaniker an der Südpol-Expedition Byrds teilgenommen hat erhielt vom Kriegsdepartement der Vereinigten Staaten die „Soldatenmedaille" als Auszeichnung dafür, daß er unter äußerster Lebensgefahr während des Fluges einen an dem Flugzeug enstandenen Defekt beseitigte. Einzelexemplare sind in der Trafik Lloydhof, Wien IL, Praterstrafie 11, erhältlich. flmtfidfe Verfautdarungen der Jsraefitisdjen Xuftosgemeinde Wen Antisemitische Ausfälle in einem Lehrbuch Hu* die Gendarmerie. In der .Arbeiter-Zeitung" vom 9. Juli 1939 waren unter der Ueberschrift „Die Weisen von Zion im offiziellen Lehrbuch unserer Gendarmerie'* auszugsweise Stellen aus dem „Lehrbuch der allgemeinen Weltgeschichte zum Gebrauch für die Gendarmerie, die Sicherheitswache und sonstige Bundesbeamte". Bearbeitet von Gendarmerieoberinspektor Franz Neubauer, Stellvertreter des Kommandanten der Gendarmerieergänzungsabteilung des Landesgendarmeriekommandos in Graz, veröffentlicht, in welchen unerhörte Ausfälle gegen die Juden enthalten sind. Die Israelitische Kulutusgemeinde in Wien hat unverzüglich im Bundeskanzleramte interveniert und die Auskunft erhalten, daß das gegenständliche Lehrbuch niemals ein offizielles Lehrbuch der Gendarmerie war, sondern daß als solches das Lehrbuch des früheren Gendarmerie-Zentralinspektors Dr. Gamp in Verwendung steht Das Lehrbuch des Gendarmerieoberinspektors Neubauer sei im Jahre 1923 erschienen und sei weder durch einen Erlaß des Ministeriums zum Gebrauch an Gendarmerieschulen zugelassen (approbiert), noch auch in einem Erlasse den Gendarmeriebeamten empfohlen worden. Das Buch stellt sich somit als eine reine Privatarbeit dar. Seitens des Bundeskanzleramtes werde es bedauerlich gefunden, daß ein Lehrbuch mit derartigen zu beanstandenden Stellen erschienen sei. Da es sich nicht um ein offizielles, zum Gebrauche zugelassenes oder empfohlenes Buch handle, sei ein Anlaß zu einem Einschreiten nicht gegeben. Aus der Bevölkerungsbewegung. Der statistische Ausweis des Matrikelamtes der Isr. Kultusgemeinde weist für die Monate April, Mai und Juni 1930 folgende Daten auf: Zahl der Trauungen.......315 „ „ Scheidungen ......88 „ „ Geburten........347 davon 172 männlich, 175 weiblich Zahl der Sterbefälle.......604 „ „ Austritte a. d. Judentum . . 147 „ Eintritte i. d. Judentum ... 65 * Der Vorstand der Israelitischen Kultusgegemeinde Wien beabsichtigt anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage Kantoren, Vorbeter, die auch als Kaure wirken können, Chorsänger und Schofarbläser für die temporären gottesdienstlichen Veranstaltungen zu bestellen. Nähere Auskünfte, werden, im Kultus- und Schulamte der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, während der Amtsstunden von 9—12 Uhr vormittags erteilt. Wien, am 21. Juli 1930. Der Vorstand. 16 *'i