Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 21 (23.5.1930)
- Date
- 1930-05-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3064145-3064166--17914-3082889- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Dg WAHRHEIT Seite 7 Lieber die Nachfolge des Prager Oberrabbinates, für die durch Staatsbürgerschaftsfragen große Schwierigkeiten erwachsen, ist noch keine Entscheidung gefallen. Emil Parnes gestorben. In Wien verstarb im Alter von 63 Jahren der frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Lemberg Emil Parnes. Der Verstorbene war eine in Galizien außerordentlich populäre Persönlichkeit und nichtzionistischer Vertreter Polens innerhalb der Jewish Agency. In memoriam Karl Goldmark. Samstag, den 17. Mai, hat beim Sabbatgottesdienste im Seitenstettentempel Herr Oberkantor Heinrich Fischer im Auftrage des Kultusvorstandes anläßlich des 100. Geburtstages des unvergeßlichen Karl G o 1 d m a r k bei offener Bundeslade ein von ihm für diesen Anlaß im klassischen Hebräisch verfaßtes Gebet verrichtet. Hierauf wurde vom Chor des Stadttempels unter Leitung des Chordirektors Josef Z e 11 n i k der Psalm 150 gesungen. Die Feierlichkeiten machten auf die andächtigen Zuhörer einen tiefen Eindruck. * Zu dem zur Ehrung Goldmarks in der letzten Nummer unseres Blattes erschienenen Artikel werden wir von geschätzter Seite darauf aufmerksam gemacht, daß für das Goldmark" zu Ehren errichtete Grabdenkmal Herr Bernhard Goldstein s. A. die größten materiellen Opfer brachte und sich um das Gelingen des schönen Werkes sehr bemühte. Das Denkmal selbst ist ein Werk des Bildhauers Hagenbarth, des Schwiegersohnes Goldmarks. David Dohan s. A. Zur Ehrung des Andenkens an den am 7. April d. J. dahingeschiedenen Kultusvorsteher Herrn David Dohan, welcher durch viele Jahre als Obmann der „Kommission für die Versorgungsanstalt der israelitischen Kultusgemeinde Wien" verdienstvoll wirkte, fand Samstag, den 17. Mai d. J. um halb 8 Uhr abends auch im Betsaale der Israelitischen Versorgungsanstalt, IX., Seegasse 9, eine Trauerandacht statt. Die Gedenkrede hielt Rabbiner Dr. Z. Schwarz, die kantorale Funktion versah Oberkantor S. P o s t o- 1 o w in überaus würdiger Weise. Baden. Der Präsident der Chewra Kadischa. Herr Ludwig Lackenbacher, hat über Ersuchen des Präsidiums der Israelitischen Kultusgemeinde Baden seine Demission zurückgezogen, was um so freudiger begrüßt wird, als Herr Lackenbacher in der Chewra Kadischa sehr verdienstlich gewirkt hat und sein Scheiden von dieser Stelle allseitig nur das größte Bedauern hervorgerufen hatte. Es liegt im Interesse der Gemeinde, daß es deren Vorstehung gelungen ist. Herrn Lackenbacher zur Beibehaltung der Präsidentenstelle der Chewra Kadischa zu bewegen, was auch in der Oeifcntlichkeit mit Rücksicht auf die Verdienste, die sieh Herr Lackenbacher bei der Chewra Kadischa erworben hat, gewiß mit größter Befriedigung zur Kenntnis genommen werden wird. Synagogen-Konzert. Unter dem Protektorate des Präsidiums der jüdischen Kultusgemeinde Linz wurde am 17. d. JVL im Linzer Tempel ein Konzert abgehalten, das durch seine Eigenart und den künstlerischen Genuß, den es bot. einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Der Kammersänger Julian Watt, ehemals Oberkantor in Hoboken, Amerika, zuletzt Heldenbariton an der Staatsoper in Bukarest, brachte kantorale Tempelgesänge. Die mächtige, wohlklingende Stimme, die vortreffliche Schule und der dramatisch bewegte Vortrag gaben den einzelnen Gesängen ein besonderes Kolorit. Eingeleitet wurde das Konzert mit dem Liede „Die Ehre Gottes" von Beethoven, worauf dann verschiedene interessante Tempelgesänge folgten. „Kol nidre", hervorragend gesungen, löste Ergriffenheit aus. die auch bei anderen mit tiefem Empfinden vorgetragenen Gesängen zutage trat. Die Gattin des Sängers, Frau Elisabeth Haas-. Watt, eine Sopranistin mit hellklingender kräftiger Stimme, sang ein Lied; und mit ihrem Gatten ein Duett. Die Gesänge wurden von Orgelklängen begleitet. Der Präsident der Kultusgemeinde B. Schwager nahm nach dem Konzerte den Anlaß wahr, dem Sänger und seiner Gattin für den bereiteten Kunstgenuß herzlichst zu danken. Trauung. Sonntag, den 18. d. M., fand im festlich beleuchteten Tempel in der Pazmanitengasse die Trauung des Fräuleins Berta Weiß mit Herrn Oberkantor David Müller (Sombor) statt. Eine große Anzahl von Gästen füllte das schöne Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen und bemerkte man unter den Anwesenden Delegierte verschiedener Vereine, sowie den Gesamtvorstand und eine große Anzahl Mitglieder des österreichischen Kantorenverbandes mit Präsidenten J. L ö w i t an der Spitze, Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald verlieh nur den Gefühlen der zahlreichen Freunde passenden Ausdruck, als er in einer von persönlicher Wärme durchdrungenen Rede auf die höbe Wertschätzung hinwies, die dem Brautpaare von weiten Kreisen gezollt wird. Die kantoralen Funktionen DAD GASfEIN «iininiiiiniiim^ 1080 m Seehtthe KURHOTEL BRISTOL % Thermalbader fließendes Wasser Zentralheizung Verlangen sie bitte Prospehte! Neu eröffnet — Streng -fiya BAD ISCHL Familien-Pension ersten Ranges. Bäder im Haus, Großer schattiger Garten. Vorzügliches Restaurant, auch Diätküche Mäßige Preise — Kulante Bedienung Pension Jupiter Pächter: D. Lebowtts Lindaustraße Nr. 18 _ Schwes^ws «. Tel. 160/rv. Pension Stern, AfiDazn BNMfnci teU *S. ra«ml Meinen lieben Gästen sowie allen verehrlichen Interessenten gebe ich hiemit bekannt, daß mein altrenommiertes, in modernem Stil erbautes Hotel in allen Zimmern mit fließendem Wasser, Damfheizung sowie Signallichtanlage versehen und vollständig neu renoviert am 1. Mai wieder in Betrieb genommen wurde. Ritualbäder und Minjen im Hause. Vorzügliches erstklassiges Restaurant. Für die Vorsaison Mai und Juni bedeutend ermäßigte Preise (Pension M &— bis M 9.—). Hotelauto an der Bahn. GOTTLIEB LEITNER. MARIEN BAD HOTEL QCLDENES SCHLOSS HOTEL GOLDENER SCHIOSSEL HOTEL DREI MOHREN SEEBAD GR ADO Pension GrQnglas, Villa Marin -uro 'ntaix Neu erdlioel Schöne Lage / Voizügliche Küche / Mäßige Preise / Nächste Nähe des Strandes. Referenzen bezüglich Kaschruth erteilen die Ehrw. Obeirabbioer T3K "1S1D QTOK "1 iTH "6tfrma txö. n rnm »pj» tib-i* bnpi CBJJSD 'BT« brpi T2K ■ ■ I ■ ■ Kurort Oleidrcnberg Seit 10. Mai ist das älteste streng orthodox ^3 Hotel ttestonratton DreiDaHm eröffnet. Neu renoviert Kalt- und Warmwasser Vorsaison Pensionspreise S 7.50 täglich rar HDllasDComle 20% ErmäOUSiiiiff Um zahlreichen Zuspruch biltet Welss-Elsen Streng 1t£>5 Vorzflgl. Mittag- und Aftenfltisfli zo bflrgeriu&eii Preise n II., Praterstraße Nr. 33 (Neben dem Carl-Theater) EISEN & HÖNIGSBER SELCHWARENFABRIKANTEN Seebad Crkvenica (Jugoslawien) Streng "NM orfh. Gasthaus in der Villa Astoria. Das beste and billigste Seebad an der Adiia. Geräumige Speisezimmer,'Gartenterrasse, feine Küche. Referenzen der anerkanntesten orthodoxen Autoritäten! Prospekte sendet M. Jos. Engel. versahen mit verstärkter Chorassistenz in feierlicher Weise die Herren Erster Kantor Armin Stift und der Bruder des Bräutigams Oberkantor I. Mülle r. Muttertag im Lainzer Versorzunzshcirn. Der Mädchen- und Frauen-Verein Krankenbesuch Bikur Chaulim, I.. Seitenstettengasse 2 hat es sich zur Aufgabe gestellt, die jüdischen Glaubensschwestern anläßlich des Muttertages zu besuchen. Die gehfähigeu Insassen. Männer sowie Freuen, versammelten sich im festlich beleuchteten Betzimmer. Nach einer ergreifenden, wahrhaft herzlichen Rede der Präsidentin Frau Irma Rosenberg, wurden die Geschenke ausgeteilt, welche große Freude bereiteten. Hierauf wurden die Schwerkranken in den verschiedenen Pavillons besucht und beschenkt. Der Feier wohnte auch Herr Karl Altmaun bei. Es gebührt Herrn Kantor KricRsmahn großer Dank für seine Mühewaltung. f In memoriam Olga Prager. [ Mit der plötzlich in noch jungem, schaffensfreudigem Alter verstorbenen bedeutenden Malerin Olga Prager hat nicht nur die Kunst viel verloren. Sie war einer der besten, gütigsten, wirklich wohlwollenden Menschen, welche ich gekannt. Neidlos gegen Kollegen und Kolleginnen, hilfsbereit bei jeder Gelegenheit, stellte sie ihr reiches Können, ihren Ideen-Reichtum, ihre Zeit und Arbeit in den Dienst wahrer Wohltätigkeit und niemals machten Hilfesuchende zu ihr einen vergeblichen Gang. Ihre Bedeutung als Künstlerin, als Initiatorin der ..Frauenakademie für angewandte Kunst", als eitriges Mitglied des „Vereines der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen" ist ja schon nach Gebühr von berufenen Federn gewürdigt worden. Im Damenkomitee der Rettungsgesellschait iand sie immer Gehör mit ihren guten, wohldurchdachten Ratschlägen und ehrlich ist die Trauer um sie. Gläubig, ohne zelotisch zu sein, gut ohne Schwäche, im Notfall aber auch streng ohne Härte, war sie nach jeder Hinsicht liebenswert; die freundlichen Augen, die schöne Gestalt, die angenehme Stimme erfreute Herz und Sinn eines jeden, der mit ihr in Verbindung trat. Das ideale Verhältnis zu ihrer Schwester, zu dem ihr im Tcde vorangegangenen Bruder zeugte von der Liebe und Herzensgüte der beiden Schwestern, hatte doch „Schwester Hermine" ihr Leben nur auf diese zwei vergötterten Geschwister eingestellt, war von der ersten Stunde deren treuer Engel gewesen. Und heute, da sie sich verzweifelt ihres Lebensinhaltes beraubt sieht, mag ihr die Trauer Aller wohl nicht Trost, aber die Genugtuung geben, daß Olgas Wert als Persönlichkeit stets erkannt ward und daß wir Wienerinnen, ihre Landsleute, mit Stolz, wenn auch wehmütig sagen werden: „Denn sie war unser!" ein Wort, das, stolz und bescheiden zugleich, ihr gerecht werden will! Sidonic Rosenberg. Russische Rabbiner verhungern. Aus zuverlässiger Quelle in Rußland Tai in Riga die Nachricht ein, daß die nach den Solowki-lnselii Verbannten Rabbiner, nämlich Rabbi Lazarow aus Leningrad, der frühere Leiter der Jeschiwah in Newel, Rabbi Nemanow, und der frühere Leiter der Leningrader jüdischen Gemeinde, Rabbi Jasnogorodsky, unter dem im Konzentrationslager herrschenden harten Regime furchtbar zu leiden haben. Die hochbetagten Rabbiner sind buchstäblich am Verhungern, da sie nicht in der Lage sind, sich mit Koscher-Nahrung zu versorgen. Ihr physischer Zustand ist ein sehr schiechter, trotzdem werden sie gezwungen, die harte Arbeit der Lagerinsassen zu tun. „Deutsche und Jidden". In den Mitteilungen den Akademie zur wissenschaftliche ii Erforschung und Pflege des Deutschtums veröffentlicht Heinz Kloß einen Aufsatz fiüber „Deutsche und Jidden". in welchem er die deutsche Wissenschaft aufruft, ihr Ignorieren der jiddischen Kultur, der eine liebevolle Darstellung (Literatur. Jiddisch-wissenschaitliches Institut, Jiddische Abteilungen am Institut für weißrussische Kultur in Minsk, an der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften in Kiew, beim Lehrstuhl für allgemeine Philologie in Charkow. Jiddich-Kterarisch-lmguistische Abteilung an der pädagogischen Fakultät den Universität zu Moskau) widmet, endlich aufzugeben. Die bisherige negative Stellung der deutschen Wissenschaft erklärt er mit Alphabetschwierigkeiten und Ressentiment, und ruft im Interesse des Deutschtums zum Auigeben derselben: aber er kritisiert auch den Zionismus, der deutlich gleichfalls antijiddisch eingestellt ist. An der Ritualmordlegende darf nicht gerüttelt werden. Der tschechische Fortschrittler Dr. Herbe n. der Verfasser einer großen Masaryk-Biographie, hatte zum Geburtstag des Präsidenten eine kleine Broschüre über Masaryk für den Schulgebrauch geschrieben, die nunmehr von den tschechischen Klerikalen zum Gegenstand einer parlamentarischen Interpellation gemacht worden ist. In dieser Interpellation heißt es mit beziig auf die in der Broschüre kurz wiedergegebene Haltung Masaryks zur Zeit der Hilsneraffäre und zum R i t u a 1 m o r d : „W e n n Professor Masaryk darin schon geirrt hat. so ist es eigenartig, daß die Schulkinder daran erinnert werden solle n." Eine Beantwortung der Interpellation ist bisher nicht erfolgt, wäre aber sehr interessant. Besitzer von min ."12Q werden höflichst gebeten, dasselbe dem Jüdischen Waisenhause Baden, Germergasse 48, leihweise-. oder schenkungsweise gütigst zu überlassen.