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Die Wahrheit · 1930-05-09 · Heft 19 (9.5.1930) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 19 (9.5.1930)
Date
1930-05-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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SeHe 6 DIE WAHRHEIT Kmstfall-Cafe fflttCllDIlll! Dcm Wuns<*e des Großicils meiner werten Gäste Rechnung tragend, höbe ich mich entschlossen, die Es ist dadurch dem lesenden und spielenden Publikum die Gelegenheit geboten, die herrlichen, gut ventilierten Räume auch am Samstag, Sonn- und Feiet tagen sowohl nachmittags wie abends frequentieren zu können. Durch Erhöhung des Zeltungsetats werden die gelesenslen Zeitungen und Journale des Innnd Auslandes zu finden sein. Den bereits anerkannten Qualitäten der warmen und kalten Speisen sowie den Getränken und Eisapezialit&ten werde ich mein Augenmerk in noch erhöhlerem Maße zuwenden, um dem verwöhntesten Geschmack Rechnung zu tragen. Der Rummy- und Bridge-Salcn steht unter der bewährten Leitung der Frau Else Teltscner. Leopold Grünfeld, Cafetier. dieser Kommission hat Mr. Warburg folgende Herren ernannt: Rabbiner Dr. Leo Baeck in Berlin, Rechtsanwalt Dr. Aron Barth in Berlin, Heschel Farbstein in Warschau. Dr. Morris Hext er in London und Leo Motzkin in Paris. Von Seiten der Agudas Jisroel wird für die Verhandlungen ebenfalls eine f ü n fgliedrige Kommission ernannt werden, deren Zusammensetzung noch nicht feststeht. Die Entschädigungsoraxis der Palästina-Regierung. Es werden weitere Tatsachen über das Vorgehen der Palästina-Behörden bei der Auszahlung von Entschädigung an Opfert der Augustunnihen bekannt, die Unzufriedenheit der jüdischen Bevölkerung in Palästina hervorrufen. Dem Jüdischen Nationalfonds, der 23.250 Pfund als Schadenersatz für die bei der völligen Zerstörung der jüdischen Arbeiterkolonie Hulda erlittene Verluste beanspruchte, wurden 1153 Pfund ausbezahlt. Professor Joseph Klausner von der Hebräischen Universität, dessen bedeutende Bibliothek in Talpioth. enthaltend zahlreiche wertvolle Bücher und unersetzliche Manuskripte, zerstört wurde, wurden 197 Pfund statt der beanspruchten 1321 Pfund ausbezahlt Dem ebenfalls in Talpioth wohnhaften hebräischen Schriftsteller S. Agnon, der als Schadenersatz für die Zerstörung seiner Bibliothek 1876 Pfund forderte, wurden 183 Pfund ausbezahlt Agnon teiäte seinerzeit dem JTA-Vertreteir mit, daß bei der Vernichtung seiner Bibliothek etwa 3000 wertvolle Dokumente zur Geschichte Palästinas in den letzten drei Jahrhunderten verloren gegangen sind. Dr. Jaffe, der 230 Pfund Schadenersatz beanspruchte, erhielt drei Pfund ausbezahlt. * Die Wiener „Jüdische Presse" schreibt zu dieser unerhörten Entschädigungspraxis der Palästdna-Regierung folgendes: Wir haben in den letzten Monaten öfters auf die ganz unglaubliche Tatsache hingewiesen, daß die Verwalter des jüdischen Hilfsfonds in Palästina das Vertrauen der Spender arg mißbrauchen. Juden in allen Weltteilen haben nach den Augustereignissen des vorigen Jahres in Palästina trotz der eigenen Not in wenigen Wochen über 600.000 Pfund, das ist über 20,000.000 österreichische Schilling gesammelt Die arme Wiener Kultusgemeinde, die kleinen jüdischen Bethausvereinen und Unterrichtsanstalten die Subventionen kürzen mußte, widmete S 10.000.— diesem Hilfsfonds. Trotz aller Urgenzen, trotzdem % Jahre seither verstrichen sind, ist der größte Teil der gesammelten Hilfsgelder unverteilt und der Verteilungsmodus bildet den Gegenstand verschiedener zionistischer Instanzen, die durch diese Hilfsgelder die Lücken der zionistischen Palästinafonds auffüllen wollen. Auf die verschiedenen Interpellationen wurde immer erwidert, man müsse erst die Entschädigungen abwarten, welche die englische Regierung den von den Unruhen schwer betroffenen Juden gibt, damit Gott behüte keine doppelte Entschädigung der armen Leute stattfinde. Nun sind jetzt die ersten Staatsentschädigungen zur Auszahlung gelangt. Daß diese Summen ganz lächerlich gering sein werden, mußte jeder wissen, der die Methoden der Regierungen im allgemeinen und die englische Praxis Kolonialvölkern gegenüber im besonderen kennt. Selbstverständlich regnet es jetzt in Palästina von Protesten gegen die englische Regierung und gegen die Verwaltung des jüdischen Nothilfsfonds. Wir erwarten, daß die englische Regierung die Stimme dieser Proteste vernehmen wird, und wagen zu hoffen, daß die Spender des jüdischen Nothilfsfonds, hauptsächlich aber die öffentlichen Körperschaften, die jüdische Steuergelder verwalten, wie etwa die Wiener Kultusgemenide, die Stimme dieser Proteste vernehmen und eine Gutmachung des Schadens, beziehungsweise eine energische Untersuchung über das Verbleiben und über die Verteilungsmetbode der Hilfsgelder veranlassen werden. Gegen Brith Schalom. Das Zentralkomitee des Misrachi und des Hapoel Hamisrachi und eine Anzahl unparteilicher im öffentlichen Leben tätiger Persönlichkeiten haben in Jerusalem eine gemeinsame Versammlung einberufen, in der beschlossen wurde, eine Kundgebung an Dr. VVeizmann zu senden, in der dieser aufgefordert wird, der Tätigkeit des Brith Schalom und anderer eine separatistische Politik treibender Gruppen ein Ende zu machen. In der Kundgebung wird diese Tätigkeit als „schändlich und verräterisch"(!) bezeichnet. In einer zweiten Resolution wird der gesamte Jischuw aufgefordert, gegen die Tätigkeit des Brith Schalom zu kämpfen. Die Mitglieder des Waad Leumi und der palästinensischen Sektion der Jewish Agency werden aufgefordert, sofort zu einer Beratung über die politische Lage zusammenzutreten und Maßnahmen zu ergreifen, um die Interessen der palästinensischen Judenheit zu schützen. In vielen Kreisen der palästinensischen Judenheit wird dagegen protestiert, daß Persönlichkeiten aus dem Kreise der Brith Schalom Unterschriften unter eine dem High Cotnmissioner Sir John Chancellor zu überreichende Petition sammeln, in der dieser aufgefordert wird, von seinem Recht, .die gegen Araber ausgesprochenen Todesurteile zu' annullieren, Gebrauch zu machen. Die treibenden Kräfte in dieser Aktion sollen der frühere Sekretär des Keren Hajessod Dr. Hans K o h n und die bekannte Sozialfürsorgerin Frau M o h 1 (früher Fräulein Sophie Berger) sein. Es heißt auch, daß Dr. J. L. M a g n es, der Kanzler der hebräischen Universität, die Aktion unterstützt. Der berühmte Jerusalemer Augenarzt Dr. Ticho. der Anfang September 1929 von einem Araber angefallen und durch Dolchstiche schwer verletzt wurde, und seine Frau haben die Petition für Aufhebung der Todesurteile mit unterschrieben. Daß diese sehr vernünftige Haltung wahrer Friedensfreunde solch gehässigen Widerstand auslöst, ist wirklich unerhört. Die Juden werdeji unter dieser Kurzsichtigkeit nur zu leiden haben. Sowjetrussische Jugenderziehung. In der Stadt Kameniez hat sich eine Brigade aus Schuljungen und jungen Arbeitern gebildet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, „illegale Chedarim, die die Seelen der Kinder verkrüppeln", ausfindig zu machen und sie den Behörden anzuzeigen. Ihre erste Entdeckung war ein greiser „M e I a m e d", der einige jüdische Kinder in der jüdischen Religionslehre unterrichtet hatte: er wird demonstrativ abgeurteilt werden. Die Palästinaunruhen vor dem Völkerbund. Wie der Genfer ITA-Vertreter erfährt, ist der Bericht der britischen parlamentarischen Palästina-Untersuchungskommission vor etwa 10 Tagen beim Völkerbundsekretariat eingetroffen und wurde sofort an alle Mitglieder der Mandatskommission versandt. Entgegen dem ursprünglichen Erwarten war ein offizielles Statement der britischen Regierung dem Bericht nicht beigegeben worden; man glaubt aber, daß ein solches Statement dem Völkerbund und der Mandatskommission zugestellt werden wird, sobald die britische Regierung definitiv zu dem Bericht Stellung genommen und endgültige Entschlüsse über ihre weitere Politik hinsichtlich der Verwirklichung des Palästinamandates gefaßt haben wird. Die Mandatskommission des Völkerbundes wird sich in ihrer am 3. Juni d. J. beginnenden und voraussichtlich am 9. Juni endenden außerordentlichen Session mit den Geschehnissen und Auswirkungen der Augustunruhen in Palästina befassen. Am 10. Juni beginnt die ordentliche Session der Mandatskommission. Dadurch, daß trotz der zeitlich zusammenfallenden ordentlichen Session eine spezielle Session zur Behandlung der Palästinafrage anberaumt wurde, soll unterstrichen werden, daß außergewöhnliche Ereignisse wie die vom August und September 1929 in Palästina nicht in eine ordentliche Session hineingehören, sondern in einer speziellen Beratung behandelt werden müssen. Man nimmt an, daß in der außerordentlichen Session auch der Jahresbericht der britischen Regierung über die Verwaltung Palästinas im Jahre 1929 zur Behandlung kommen wird. Bis heute ist dieser Bericht dem Völkerbundkommissariat noch nicht zugestellt worden. Die arabische Auslandspropaganda. Eine arabische Delegation begibt sich nach Java und die anderen Inseln Niederländisch-Indiens. in denen eine starke moslemitische Bevölkerung wohnt, um Propaganda für die Ziele .und die Politik der palästinensischen Araber zu betreiben. Neben den Delegationen nach London. Amerika und Hedschas wird dies die vierte arabische Auslandsdelegation sein. Das Organ des moslemitischen Obersten Rates „El Jamea el Arabia" schreibt, die Zionisten haben aus der Entsendung von Delegationen an die Judenheit der ganzen Welt großen Vorteil gezogen. Die arabischen Delegationen nehmen sich die Arbeit der Juden zum Muster und werden die ganze islamische Welt zu einem Zusammenschluß zwecks Unterstützung der arabischen Belange, wie sie von der arabischen Delegation in London gegenüber der britischen Regiejung vertreten werden, bewegen. Tlmttidiz VerfauWarungen der Jsraefitisdjen Xuftusgemeinöe Wien Kundmachung. Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die Fleischbank des Herrn Jakob Glücks mann, Wien II., Große Mohrengasse 40, ferner die Fleischbank des Herrn Jakob Glücksmann, II., Molkereistraße 4, sowie das dortselbst befindliche Geflügelschlachtlokal ab 18. April 1930 unter besonderer Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wien stehen. Wien, im April 1930. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Von Worte zu Wodke Hohe Auszeichnungen prominenter Juden. Henri B e r g s o n. der berühmte Philosoph und Mitglied der Academie francaise, erhielt das Qroßkreuz der Ehrenlegion, Bergson ist der einzige Jude, der bisher diese höchste Würde erhalten hat. welche der französische Staat zu vergeben hat. — Das National Institut of Social Sciences der Vereinigten Staaten verlieh dem großen New Yorker jüdischen Philanthropen Nathan Straus die Goldene Medaille in Anerkennung seiner Verdienste um die Menschheit. Nathan Straus hat die Milchsterilisation in allen Ländern eingeführt und dadurch Mi 1lionen von Kindern das Leben gerettet. Er ist Begründer des Gesundheitszentrums in Palästina. — Dem jüdischen Bankier Albert Greenfield in Philadelphia wurde im Auftrage des Papstes vom Kardinal Doughberty der Titel eines Kommandeurs des Ordens Pius XI. verliehen. Es ist das erste Mal, daß ein amerikanischer Jude eine Auszeichnung vom Papste erhalten hat Greenfield hat reiche Zuwendungen zum Besten katholischer humanitärer Institutionen gemacht. Isr. Kinderbewahranstalt. Am 28. v. M. fand im Anstaltsgebäude den Isr. Kinderbewahranstalt, IL, Schilf-- amtsgasse 15, die 87. ordentliche GeneraOVersammlung statt. Der Präsident des Vereines Rabbiner Dr. Max Grunwald begrfißte alle Anwesenden, rnsbesonders den Vizepräsidenten der Isn. Kultusgeimeinde Herrn Dr. Jakob O r n s t e i n, sowie die Vertreter der Bnai Brith Logen (Kommerzialrat Kart Klemperen), des Frauenvereines für den IL Bezirk (Frau Dr. Kaminka, Frau Henriette Schwärz), des Ferienheimes und Seehospiz in Grado (die Damen Deutsch, Helene Kornmehl und Malvine Springer), der Weiblichen Fürsorge (Frau Dr. Margarete Grunwald), des Vereines Bikur Chaulim (die Herren S. Oesterretoher und Ignaz Walzer), dies Waisenvereines (Dir. Kuhner), sowie alle anderen Freunde und Gönner den Kinderbewahranstalt. Uniter den Erschienenen sah man ferner die Herren Kultusvorsteher Börserat I. Glück und Edmund H o f m a n n. Vor Eingehen in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende in warmen Worten des heimgegangenen Vorstandsmitgliedes Kultusrat David Do«an s. A., den der une-rbiWiche Tod' aus seinem nur dem Wohle der leidenden Menschheit gewidmeten Leben gerissen hat. David Dohan hat mit jener wahren traditionellen jüdischen Nächstenliebe an dem heiligen Werk dieser Anstalt mitgearibeitet und all seine Mühe und all seine Sorge dem Wohle der Kleinen gewidmet. Das Andenken an diesen edlen Menschen wird die Kinderbewahranstalt und ihr Vorstand wohl dadurch am besten ehren, wenn sein Geist und seine große Liebe zur Menschheit auch künftighin als leuchtendes Beispiel in diesem Hause gelten wird. Die Anwesenden hatten sich zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen erhoben und die Generalversammlung beschloß einhellig, diese Trauerkundgebung dem Protokoll einzuverleiben. Herr Dr. Ernst Feldsberg erstattete den Bericht über die Vereinstätigkeit im Jahre 1929. Dem Bericht war zu entnehmen, daß dank dem Opfermut der Mitglieder und Gönner im vergangenen Jahre 140 Kmder, deren Eltern manchmal nicht im Stande sind, ihren hungernden Kindern das tägliche Brot zu geben, in der Anstalt Aufnahme fanden und dortselbst verpflegt wunden. Unter fachlicher Leitung, vor allem der bewährten Frau Dir. Fischer, den woM alle, dfc jemals Gelegenheit hatten, diei Anstalt zu besuchen, den größten Dank und die vollste Anerkennung zollen müssen, wird den Kleinen eine besondere Erziehung zuteil. Im Jahre 1929 wurden insgesamt 14.307 Mittags-, ebensoviel Frühstücks- und Jausenportionen, 7000 Liter Milch, und 40.000 Stück Semmeln an däe Schützlinge der Anstalt verabreicht. Wie aHjäbrlich wurden auch im vergangenen Jahr 96 Kinder Die bestrenommierte Feinwurst- und Selchwaren-Fabrik Ehen Honlaiber beehrt sieb höflichst anzuzeigen, daß sie in Wien II., PraferSfT. 33 (nächst dem Carltbeater) ein streng koscheres und Restauranl eröffnet hat Anfiel unseren bekannten Spezialitäten (alle Sorten SelchnndWurstwaren eigener Erzeugung) werden wir erstklassige Fleischspeisen von prima Mastvieh in allerbester Zubereitung, Bier vom FaO und naturbelassene Weine führen Vorzügl. Mittag- und Abendtisch zu bfirgerl. Preisen

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