Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 19 (9.5.1930)
- Date
- 1930-05-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 {flössen. Unserem Bundeskanzler ist es in der erfreulichsten Weise gelungen, die letzten Spuren des Mißtrauens des Auslandes gegen Oesterreich zu verscheuchen. Hatten wir dort noch Feinde, Dr. Schober hat sie vollständig entwaffnet. Es ist Oesterreich zu wünschen, daß dem Bundeskanzler nunmehr auch zu Hause das Werk der Entwaffnung so rasch und so gründlich gelinge. * * * In akademischen Kreisen zirkuliert eine sehr interessante unverbürgte Anekdote. Dieser zufolge hat der Herr Rektor Gleispach, bevor er das dem Hakenkreuzlertum zur Herrschaft verhelfende „Studentenrecht" veröffentlichen ließ, vertraulich den dringenden Wunsch geäußert, die „Deutsche Studentenschaft" möge dafür sorgen, daß wenigstens die Unterschriften in ihren Manifestationen nicht provozierend undeutsch klingen. In der Tat war dann die erste den Herrn Rektor Gleispach glorifizierende Kundgebung der „Deutschen Studentenschaft" von einem Herrn — Trnik gezeichnet. * $ * Die „Deutsche Studentenschaft" versichert in ihrer jüngsten langatmigen, aber verworrenen Erklärung, sie lege Wert auf die Feststellung, daß sie nicht „parteipolitisch" organisiert sei. Aber sie vermeidet es, auch nur mit einem Worte anzudeuten, daß sie nicht auf dem Standpunkte des Arierparagraphen verharre. Zu dieser Kundgebung der „Deutschen Studentenschaft" bemerkt ihr Hauptorgan, „daß die .Deutsche Studentenschaft' etwas anderes als eine Hakenkreuzlerbande ist, wird man in gewissen Kreisen trotz oftmaliger Nachweise nicht zugeben wollen." Wie wahr! Freilich hätte das hakenkreuzlerische Blatt hinzulügen müssen, daß es selbst in allererster Linie zu den „gewissen Kreisen" zählt, die in der „Deutschen Studentenschaft" lediglich die Vertretung des Hakenkreuzlertums erblickt. * * # An einer kuriosen Stelle, gleich nach einer Reklame für das „Franz Josef-Bitterwasser" wurde dieser Tage den „Gönnern und Freunden" der „Dötz" die Bitte unterbreitet, sie mögen dem Blatte helfen, „die Kosten der von den Gegnern aufgezwungenen Preßprozesse zu tragen." Die „Dötz" wurde bekanntlich erst neulich wieder in einem Prozesse arg — abgeführt. Damals hat sie <iies allerdings auf Kosten der — Wahrheit abzuleugnen versucht * * * Ein Dialog: Da lese ich, der Appellationsgerichtshof in Budapest hat ein Urteil, das einen des Mordes Angeklagten auf Grund von Indizien schuldig gesprochen, kurzweg annulliert. Was wäre das Schicksal Halsmanns in Ungarn geworden? Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, daß er auf Grund von Indizien verurteilt wurde und daß die Ueberzeugung von Halsmanns Schuld weder bei den Geschworenen — 4 Stimmen waren für den Freispruch — noch in der Bevölkerung feststeht, aber daß er — fest sitzt. * * Pater Mellon, der Direktor des päpstlichen Institutes in Jerusalem, erteilte einem Korrespondenten der „Reichspost" interessante Informationen über die Ausgrabungen in Transjordanien. Man könne — meinte er — heute schon mit Bestimmtheit sagen, daß die Ruinen zu Teleiat Shassul dem dritten Jahrtausend vor Christus angehören und daß die Art der Ruinen, die nach der Zerstörung durch Feuer zu- Lederhandschuhfabrik Josef TjasCmgzr L, Rotenturmsfraße 23 Telephon U 25-3-29 * IL, Hollandstraße 11 Telephon R 47-2-40 rückblieben, dafür spreche, daß an diesen Stätten einst Sodom und Gomorrha standen. Es wäre wirklich zu wünschen, daß die Informationen der englischen Regierung über die Mordtaten und Verwüstungen, die in jüngster Zeit von Arabern in Palästina verübt wurden, auch so genau wären. & * In Mexiko gibt es, wie man aus der kürzlich veröffentlichten Denkschrift eines deutschen Forschers erfährt, Gegenden, wo die Bewohner glauben, es gebe in ihrer Mitte Menschen, die Kinder töten, um aus ihren Leichen Oel zu bereiten. Wie hoch steht da das Kulturniveau Europas da! Wo gibt es hier Menschen, die derlei Ungeheuerlichkeiten für denkbar halten, oder gar Menschen, die derlei in Büchern und Zeitschriften verbreiten? * * sj: In dem um zwei Drittel seines früheren Besitzes verstümmelten Ungarn gibt es jetzt fünfmal so viel Universitätsprofessoren als in der Vorkriegszeit. Man darf also wirklich nicht leugnen, daß man in Ungarn aus Respekt vor der Wissenschaft dafür Sorge trägt, einigen Ersatz für die durch den Numerus clausus verminderte Zahl jüdischer Universitätshörer zu schaffen. Ego. onion DEVTscnösTcnnEicniscncn jvdcn _.Mitgliedschaft Ottakring-Hernals. Einladung zu dem am Dienstag, den 13. Mai 1930, 8 Uhr abends, im Etablissement Gschwandner. XVIL. Hernalser Hauptstraße 41. stattfindenden Venraaensmäniier-Spredia&ciid Tagesordnung: 1. Die Aufgaben der Wiener Kultusgemeinde und ihre Durchführung. Referent: Präsident Dr. Jakob Ornstein. 2. Politische Tagesfragen. Referent: Dr. Ernst Feldsberg. Anschließend Diskussion. Gäste willkommen! Für die Mitgliedschaft XVI/XVII der „Union": Medizinalrat Dr. Jakob Deutsch. Obmann. Samuel Deutsch, Gottlieb Drab, Jakob Engel, Obmannstellvertreter. Rudolf Geiger, Leopold L ö w i n g e r, Schriftführer. Kassier. Jakob Fleischer. Ottomar Katz, Rudolf Urbach, Sigmund Weiler. Bezirks-Kommission. Wahrheiten vom Jage Eine neue Kommission für Palästina. Auf Grund von Mac Donalds Vorschlag beschloß das britische Kabinett einstimmig, unter Zustimmung der oppositionellen Parteien, eine neue Kommission nach Palästina zu senden, um die Fragen der hohen Politik zu klären. Angeblich hat General Smuts die Aufforderung, teilzunehmen, abgelehnt. Jetzt wird ein hervorragender Politiker, der im Zusammenhang mit Aegypten eine Rolle gespielt hat, genannt. Es steht noch nicht genau fest, wieviel Mitglieder die Kommission haben wird, doch nimmt man an, daß es eine Dreierkommission sein wird. (l.p.Z.) Immer noch Ritualmordmärchen. Die Pessachfeiertage boten wiederum in verschiedenen Ländern Europas den Anlaß für neue Ritualmordmärchen. In Polen und in Griechenland kam es sogar zu Untersuchungen in jüdischen Häusern, weil fanatische Judenhetzer behaupteten, daß christliche Kinder von den Juden zu rituellen Zwecken geschlachtet worden seien. In allen Fällen fanden sich die vermißten Kinder bald. Immerhin ist es bezeichnend, daß sich noch heute Behörden finden, die auf Grund derartiger sinnloser Verdächtigungen Amtshandlungen vornehmen lassen und dadurch erst die Möglichkeit zu antijüdischen Exzessen auslösen. Leider kam es auch in K ö 1 n zu einem Zwischenfall auf Grund der Ritualmordlegende. Ein jüdischer Kaufmann wurde von einigen Fanatikern verdächtigt, einen katholischen Jungen zu Ritualmordzwecken getötet zu haben. Eine aufgeregte Menge stürzte in das Haus des jüdischen Kaufmannes, um dort Nachforschungen anzustellen. Während sie noch damit beschäftigt waren, erschien plötzlich das angeblich verschwundene Kind. ~k GROSSFLEISCHHAUEREI tllGM, KORNMEHL UHMHMMMMHMMMH* WIEN IX^ BBROOASSE HR. 1» FILIALE i XVllt., W&HRINQBRSTRASSE *T Telephon Nr. A 17 3-SS und A 1S-9-34 Uataraat für Heilanstalt*» AbteilungenfflrKoscherfteisch unter Anfaioht de« «hm»» Rabbinato» 4m*> Isr. KaltasaaimiiMte Vlm* Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Der Kronzeuge. Der thüringische Minister F r i c k, der bekannte Hakenkreuzler und Nationalsozialist, verlangte im Landtag ein Ermächtigungsgesetz, um Verordnungen mit Gesetzeskraft erlassen zu können. Auf die Frage, ob dies nach der Verfassung zulässig sei, nannte Frick als Autorität den bekannten Juristen Dr. Ernst Cohn... Die Botschaft hört man wobl. . . In New York wurde unter Vorsitz des polnischen Generalkonsuls und des Vorsitzenden der Föderation polnischer Juden, Benjamin Winter, in den Vereinigten Staaten eine Zusammenkunft von 60 prominenten in den Vereinigten Staaten ansässigen Juden und Nichtjuden abgehalten. Es wurde ein Freundschaftskomitee zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den eingewanderten Juden und Nichtjuden aus Polen gegründet Auch soll in diesem Sinne auf die jüdische und nichtjüdische Bevölkerung in Polen selbst hingewirkt werden. Eine jüdische Kolonie in Südafrika. Die „Jüdische Pressezen trale Zürich" bringt eine Notiz, deraufolge Polen sich gegenwärtig mit der Schaffung einer Kolonie in Angola, einem Territorium m Südafrika, beschäftigt, um dort seine wirtschaftlich notleidenden Juden anzusiedeln. Nachdem, wie die „Jüdische Pressezentrale Zürich" weiter berichtet. Pressestimmen schon bisher gefordert hatten, daß Polen das Patästinamandat von England übernehme, sei jetzt als neuer Vorschlag das AngoJaprojekt hinzugekommen. Die Notiz weist weiter darauf hin, daß schon 1911 Israel Z a n g w i i I wegen des in Frage stehenden südafrikanischen Gebiets mit der portugiesischen Regierung verhandelt hat und daß der Vorschlag damals nicht in die Wirklichkeit umgesetzt wurde, weil eine von der portugiesischen Regierung nach Angola gesandte Kommission sich über die Ansiedlungsmöglichkeiten für Juden ungünstig ausgesprochen habe. Jetzt liege, nun ein günstigerer Bericht einer polnischen Kommission vor. so daß die Aussicht auf Angola als polnisch-jüdische Kolonie wieder vorhanden ist. Wir registrieren diese Tatsache lediglich als interessante Merkwürdigkeit, ohne aber für die Glaubwürdigkeit des Berichtes Gewähr zu übernehmen. Wir sind allerdings der Meinung, daß man vielleicht besser daran täte, erst die Wirtschaftslage der Juden in Polen zu ordnen. Jüdische Arbeitslose in Amerika. Die Arbeitslosigkeit in Amerika macht sich in besonders starker Weise auch unter den Juden geltend, da die Berufe, welche die Juden auszuüben pflegen, stark von der Wirtschaftskrise betroffen worden sind und weil nichtjüdische Arbeitgeber lediglich aus rassischen Gründen die Einstellung von Juden ablehnen. Die Tageszeitung „Tog" hat unter dem Titel „Arbeitslosenhilfe" eine besondere Abteilung eingerichtet und bemüht sich, den jüdischen Erwerbslosen zu helfen. Jewish Agencv und Agudas Jisroel. Vom Geschäftsausschuß der Agudas Jisroel-Weltorganisation wird mitgeteilt: Die politische Exekutive der Agudas Jisroel hat die von der Kenessio Gedaulo im September 1929 zur Jewish Agency-Frage gefaßte Resolution dem Vorsitzenden der Jewish Agency, Mr. Felix Warburg. seinerzeit zur Kenntnis übermittelt. In der Resolution war bekanntlich ausgesprochen und begründet, daß Agudas Jisroel auf Grund der Entscheidung des Rabbmischen Rates den Beitritt zur Agency nur dann ins Auge fassen könne, wenn diese auf jede Finanzierung kultureller Aufgaben, die angesichts der weltanschaulichen Gegensätze nicht gemeinsam bearbeitet werden können, verzichtet. Mr. Felix Warburg hat nunmehr der Exekutive der Agudas Jisroel unter dem 1. April mitgeteilt, daß er eine Kommission ernannt habe, um mit Vertretern der Agudas Jisroel „einen Plan auszuarbeiten, innerhalb dessen Agudas Jisroel in der Lage sein könnte, mit der Jewish Agency zu kooperieren." 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