Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 15 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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»IE WAHVHen- Seite 7 Das Beste SdimidMfazzofh welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates hergestellt werden. Die Mazzoth werden aus dem feinsten Mehl erzeugt. Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl-Mazzoth" das beste Renommee Zentrale: N. BRODETZKY, Wien, II. Bezirk, Leopoldsgasse Nr. 43 vom Guten sind die im Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassig-altrenommierten Tel. IC 46-t-OO, Jtk.40-2-63 i A41-9.Sit Filialen: M.Wildmann,I., Bäckerstraße 16. — Ignaz Fleischer, II.,Praterstraße 44. — Jakob WeiB, II.,Untere Augartenstraße 25. — S.Sohneider,iI.,Miesbachg. 12 — David Raab, IL, Schiffamtsgasse 7. — M. Spiegel, ni., Radetzkystraße 4. — Max Silberberg, IX., Rotenlöwengasse 8. — leib Mawdei» lX.r Grünentorgaase 41 nanBnäVBVäVBVHnHaDeVMMHBB^^ j Kultusvorsteher David Dohan | Still und bescheiden, wie er gelebt, ist er von uns gegangen. In Baden bei Wien, wo er Genesung suchte, hauchte Kultusvorsteher David Dohan am 7. d. M. seine edle Seele aus. Er kam im Jahre 1920 als Vertreter des von Rabbiner Dr. Max Grunwald ins Leben gerufenen „Sanierungskomitee s", das sich die erhabene Aufgabe stellte, den nach dem Umstürze in Not geratenen Wohlfahrtsanstalten der Kultusgemeindc zu helfen, in den Kultusvorstand, wo er durch 10 Jahre eine allseits geachtete und verdienstvolle Tätigkeit entfaltete. Speziell als Obmann des Versorgung.sh a u s e s in der Seegasse leistete Kultusvorsteher D. Dohan überaus Ersprießliches. Hier zeigte sich seine personifizierte Güte, die Inkarnation des edlen jüdischen Herzens, des überquellenden Mitleids und der unverdrossenen Hilfsbereitschaft. Darin erblickte er überhaupt dte vornehmlichste Aufgabe der-jüdischen Gemeinschaft und so war ihm die Judengemeinde alles, die Hebung ihrer Wohlfahrtsinstitutionen seine Lebens- und Liebesaufgabe. Wo David Dohan stand und wirkte. (Bethausvorstand, Kinderbewahranstalt u. a. m.) tat er Gutes und Jüdisches. Nicht nur seine arme Frau, seine jungen Kinder, seine Verwandten trauern tief um ihn, auch seine vielen, vielen Freunde, sowie die zahlreichen Insassen des Versorgungshauses, die in David Dohan efaen hilfsbereiten Freund und Beschützer verlieren, werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren. ' * * * Mittwoch, den 9. April, wurde Kultusvorsteher David Dohan zu Grabe getragen. Das große Ansehen, das der Verstorbene wegen seiner hervorragenden Eigenschaften genoß, kam durch die außerordentlich große Beteiligung beim Leichenbegängnisse zum Ausdrucke. Unter den Trauergästen bemerkte man den Gesamtvorstand der israelitischen Kultusgemeinde mit Präsident Prof. Dr. A. Pick und den Vizepräsidenten Dr. J. O r n s t e i n und Dr. J. L ö w e n h e r z an der Spitze, die Mitglieder des Bethausvorstandes unter Führung des Präsidenten Dr. E. M ü n z, Vorstandsmitglieder der Chewra Kadischa und der „Union deutschösterreichischer Juden", Abordnungen der verschiedenen Tempelvereine sowie eine große Anzahl Delegierter jüdischer Wohlfahrtsanstalten, für das Lehrlingsheim „Zukunft" Herr Siegmund Kornmehl, eine Abordnung des österreichischen Kantorenverbandes, den Gesamtvorstand des Vereines „Wohlfahrt" und zahlreiche Beamte 4er Kultusgemeinde mit den Regierungsräten Dr. E. Adler und G. F u c h s g e 1 b an der Spitze. Auch eine große Anzahl Freunde scharte «ich um den Sarg des Verewigten wie um einen verstorbenen Verwandten und lauschten tief gerührt den trefflichen Worten des Herrn Rabbiner Dr. M. B a u e r, der in einem ergreifenden Nachruf •die schönen Eigenschaften und Tugenden des braven Mannes, sein Wirken in der Oeffentlichkeit, seine Selbstlosigkeit und die besondere Zärtlichkeit seiner Frau und seinen Kindern gegenüber schilderte. Sodann dankte Professor Dr. Alois Pick tiefbewegt dem Verblichenen für dessen hingebungsvolle Tätigkeit als Kultusvorsteher und versicherte, daß die Kultusgemeinde solche hervorragende Leistungen stets in ehrenvoller Erinnerung behalten werde. Es sprachen ferner Präsident Dr. E. Münz für den Bethausvorstand, Präsident Dr. J. Ornstein für die unionistischen Kultusvorsteher und für die „Union" selbst, Präs. Rabb. Dr. M. Gr.u.nwald für die Kinderbewahranstalt, Vorstand M. K o h n für den „Verein . reisender Kaufleute" innige Abschieds- und Dankesworte. Die kantorale Funktion versahen Oberkantor Heinrich Fischer und I. Kantor Leo F u n k e mit großer Assistenz. Kein Auge blieb tränenleer, als Herr Josef Dohan im Namen der Familie von seinem Bruder und langjährigen Mitarbeiter am offenen Grabe Abschied nahm. Seinen Freunden unersetzlich, seiner Familie ein mustergültiges Oberhaupt, so wird David Dohan von einer großen Trauergemeinde beklagt und beweint H. Tlmtficfjz Verfautßarungen der Jsraefit/scfien 'Auftusaemeinöe Wien Am kommenden Pessachfeste werden in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen bei dem um 8 Uhr 30 Minuten beginnenden Morgengottesdienste Predigten abgehalten, und zwar: Sonntag, den 13. April 1930 (t. Festtag): I., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); V., Siebenbrunnengasse la (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer): VI.. Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. D r o b i n s k y); VIII., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); XVI.. Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach); XVIII., Schopenluuierstraße 39 (Rabbiner Dr. D. F e u c h twang): XXI.. Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). Montag, den 14. April 1930 (2. Festtag): II., Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. G r u nw a 1 d). Samstag, den 19. April 1930 (7. F e s ttag: 1.. Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. Grunwald): XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang). Sonntag, den 20. April 1930 (8. Festtag): II., Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald): V., Siebenbrunnengasse la (Rabbiner Doktor M. G. Mehr er); VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. D ro b i n s k y); VIII., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Baue r): XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. L. Taglicht); XVI., Hubergasse S (Rabbiner Dr. J. M. Bach): XXL Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rose nm a n n). Am Vorabende des 7. Festtages. Freitag, den 18. April 1930 (Beginn 6 Uhr 40 Minuten) IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz.) * * :j: Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 12. April 1930, um 3 Uhr nachmittags findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. * * * Organisation der Wanderfürsorge in Oesterreich. Am 30. März 1930 fand im Sitzungssaale der Wiener israelitischen Kultusgemeinde eine Enquete in Angelegenheit der Organisierung der jüdischen Wanderfürsorge statt, an der neben den Vertretern des Wienern Kultusvorstandes mit Präsident Prof. Dr. P i c k an der Spitze, die Herren Justizrat Dr. Strauß namens des Verbandes der bayr. israel. Gemeinden (München), Dr. Kreut zb e r g e r aus Berlin, Vertreter der Kultusgemeinden Graz, Salzburg, Linz, Innsbruck, Prag, Brünn, Lundenburg und der israelitischen Allianz teilnahmen. Nach eingehenden Referaten der Herren Justizrat Dr. Straus und Dr. Kreutzberger und lebhafter Debatte, an welcher sich fast sämtliche der anwesenden Delegierten beteiligten, wurde seitens des Präsidiums der Wiener israelitischen Kultusgemeinde die Erklärung abgegeben, daß es dem Vorstande der Wiener Kultusgemeinde empfohlen werde, sich unter gewissen Bedingungen der in Deutschland bereits bestehenden Organisation anzuschließen und gemeinsam mit den anderen Kultusgemeinden für Oesterreich eine ähnliche Organisation zu schaffen. Als eine Voraussetzung für die Errichtung der österreichischen Organisation wurde angenommen, daß sich die Tschechoslowakei der Wanderfürsorge-Organisation anschließt und daß auch der ehemöglichste Anschluß Polens, Ungarns und Jugoslawiens in die Wege geleitet werde. Nach prinzipieller Beschlußfassung durch den Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde wird das Einvernehmen mit den österreichischen Gemeinden, der deutschen Wanderfürsorge-Organisation und mit den Kultusgemeinden der benachbarten Staaten gepflogen werden. EiöffnuiMisanzeiae CAFE NIZZA Wien II., neineslraoe 2, EAe Taborstrafl« Wir gestatten uns einem p. t. Publikum ergebenst mitzuteilen, daß wir das Cafö Nizza IL, Heinestraße 2. Ecke Taborstraße. käuflich erworben haben und dasselbe den modernsten und hygienischesten Anforderungen entsprechend vollkommen neu erstehen ließen. Die Eröffnung des Kaffeehauses fand Donnerstag, den 10. April 1930 statt und werden wir bestrebt sein, dasselbe in wirklich bürgerlichem Sinne zu führen und den verehrten Gästen stets das Allerbeste zu bürgerlichen Preisen zu bieten. Gesammelte Erfahrungen und fachmännische Kenntnisse, erworben durch langjähriges Wirken in dieser Branche, gewährleisten gute und klaglose Bedienung in jeder Hinsicht. Um zahlreichen Zuspruch höfl. bittend empfehlen sich hochachtungsvoll Alfred und Gustaf Pasdihes lllllllliillllllllllill Wahrheiten warn Ja&e Allzu Oesterreichisches. Das An titer rorgesetz. das nach den Wünschen mancher unserer glorreichen Politiker zu einem neuen Zusammenstoß der Gegensätze hätte führen sollen, ist — nicht zuletzt durch die redlichen Bemühungen unseres Bundeskanzlers Dr. Hans Schober — endlich unter Dach und Fach gebracht. Der in Oesterreich anscheinend unvermeidliche ..Wirbel" ist ausgeblieben und die erhitzten Gemüter können sich wieder einmal — bis zur nächsten „passenden" Gelegenheit — beruhigen. Aber ganz sang- und klanglos, das heißt bei uns „wirbel"-los. konnte die Sache nicht erledigt werden, dafür besitzt die parlamentarische Mehrheit schon die geeigneten Männer. Das neue Gesetz, von dem hier nicht untersucht werden soll, ob es. wie seine Initiatoren behaupten, zur Wiederherstellung des Arbeitsfriedens in den Arbeitsstätten beitragen oder im Gegenteil neuen Nährboden für Unruhen abgeben wird, hat mit den Juden im besonderen nichts zu tun. Die Juden befinden sich auf beiden Seiten, die durch das Gesetz tangiert werden, auf Seiten der Unternehmer wie der Arbeiter, sie können sich also je nach ihrer wirtschaftlichen und politischen Einstellung über das neue Gesetz