Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 39 (17.9.1926)
- Date
- 1926-09-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite g m WAHfemt Nr. 39 die Namen aller der hervorragenden Persönlichkeiten aus beiden jüdischen Gemeinden aufzählen, die dem Sarge des vorzüglichen Mannes gefolgt sind? Beide Kultusgemeinden waren offiziell vertreten, die türkisch-sephardische durch den Gesamtvorstand mit Präsidenten Lazar Suss i n und Vizepräsidenten Robert de M a j o an der Spitze, die Wiener israelitische Kultusgemeinde durch Vizepräsidenten Dr. J. Ornstein in Begleitung der Mitglieder des Vertreterkollegiums und zahlreichen Kultus- und Bethausvorsteher. Der Sarg wurde von den Wiener Kantoren, welche im Ornate erschienen waren, feierlich eingeholt. Nachdem Oberkantor A s s e o der türkischsephardischen Gemeinde die Trauerpsalmen vorgetragen hatte, hielt Chacham O v a d j a eine Trauerrede in spaniolischer Sprache, in welcher er die großen Verdienste, die sich der Verstorbene in seinem jahzehntelangen Wirken um die Gemeinde erworben hatte, in bewegten Worten schilderte. Sodann widmete Rabbiner Dr. Max Grunwald dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er Jakob Bauer als Menschen, Gatten und Vater würdigte. Er schilderte sodann das öffentliche Wirken des Verstorbenen und berührte unter anderem in seiner Rede die Tatsache, daß der Verstorbene den ersten Anfall seines Leidens beim Schuhanziehen erlitten hat, und erinnerte an die Talmudstelle, die vom Priester sagt, daß er seinen Dienst verrichten dürfte, solange er auf einem Fuße stehend, sich den Schuh auszuziehen und anzuziehen imstande sei. So habe der Verstorbene stets auf demselben Fuße gelebt, auch wenn er den Schuh auszog, das Amtskleid ablegte, blieb er sich der Pflichten gegen sein Amt bewußt: das Leben" seiner Muße entsprach der Würde seines Wirkens im Berufe. Und aufrecht blieb er, ein Diener Gottes, wie ein Sklave der Menschen. So darf man von ihm sagen, daß er^. wenn auch jahrelang im Ruhestand, seinen Beruf würdig vertreten habe, bis der Tod ihn ereilte. Im Namen der türkisch-sephardische n Gemeinde ergriff nun Vizepräsident Robert de M a j o das Wort, um von dem unvergeßlichen großen Kantor der Gemeinde Abschied zu nehmen. Er dankte dem Dahingeschiedenen für die hohen Verdienste und für sein jahrzehntelanges, aufopferungsvolles und unermüdliches Wirken für die Gemeinde und gab seiner tiefinnersten Ueberzeugung Ausdruck, daß der Name Jakob Bauer mit dem der türkisch-sephardischen Gemeinde für unvergängliche Zeiten verbunden bleiben wird. Der Redner schloß, selbst aufs tiefste erschüttert und alle Anwesenden erschütternd, mit den Worten: „Die Söhne und Enkel der Väter und Großväter, die du auf dem letzten Wege begleitet, stehen hier vor deiner Bahre, um dich zu dem Ehrengrabe zu geleiten, das dir die dankbare Gemeinde gewidmet hat." Oberkantor J. L ö w i t, Präsident des Oesterreichischen Kanforenverbandes, würdigte die großen Verdienste, die sich Oberkantor Bauer um den gesamten Kantorenstand, für den er in Wort und Schrift tätig war, erworben hatte, und hob besonders seine Wirksamkeit als Präsident und Ehrenpräsident des von ihm gegründeten Kantorenverbandes hervor. Hierauf nahm der Schwager des Verstorbenen Dr. M. L ö w y im Namen der Familie mit tränenerstickter Stimme Abschied. Nun wurden die sterblichen Ueberreste Jakob Bauers von den Wiener Kantoren unter den Klängen des S c h i w i s s i zu Grabe getragen. Am offenen Grabe überbrachte Marco Gallimir, Präsident der U n i o n E s p a g n o 1, die letzten Grüße dieser Vereinigung, worauf Oberkantor H. Fischer im Namen der Familie .und Oberkantor J. Müller im Namen des Kantorenverbandes das El mole Rachamim vortrugen. Der trostlosen Witwe und den braven Kindern und Schwiegerkindern des Verstorbenen wendet sich allgemeine Teilnahme zu. Glossen. Es istzwar längst festgestellt, daß die „Protokolle der Weisen von Zion", die angeblich das Resultat der Beratungen des Basler Zionistenkongresses unter Vorsitz Herzls und Nordaus darstellen, ein Plagiat aus einer im Jahre 1864 erschienenen Schrift von Joly sind. Die schuftigen Ausbeuter des Plagiats haben jedoch den günstigen Umstand, daß das Jolysche Buch eine große Seltenheit ist, benützt, um wenigstens den ärgsten Dummköpfen den Verdacht einzuflössen, daß das Buch Jolys möglicherweise eine jüdische Fälschung sei. Wer so naiv ist anzunehmen, daß die antisemitischen Literaturgauner, selbst wenn sie beim Diebstahl erwischt werden, einer Regung des Schamgefühls zugänglich sein könnten, würde glauben, daß die gesamte antisemitische Presse mit Entsetzen Kenntnis von dem Schreiben genommen, das der Geheime Reg.-Rat Prof. Tön nies in dieser Angelegenheit an Benjamin Segel gerichtet hat (in der vorigen Nummer dieses Blattes reproduziert). Der berühmte Gelehrte hat sich erinnert, daß er das Buch von Joly vor 40 Jahren in London gekauft und es damals zum Teil gelesen hat, und hat Hotel ^-Restaurant Guth I Wien II., Hollandstraße Nr. 14 : Vornehmes Restaurant mit erstklassiger Küche : Mittags- und AbenÖ-Menu nach Wahl : S 2— \ Übernahme von Diners und Soupers in und ausser Haus ■ Zum Besuch ladet höfl. ein } GUTH> Besitzen : JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik1 Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengüsse 24 Wien II., Taboratra&e 44