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Die Wahrheit · 1926-09-07 · Heft 37-38 (7.9.1926) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 37-38 (7.9.1926)
Date
1926-09-07
Page
– (sequence 26)
Language
German
Belongs to
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Seite 24 Nr. 37/38 Gelegenheit, das Leben und Treiben in Palästina kennen zu lernen. Aus dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag geht hervor, mit' welchen Schwierigkeiten' die Kolonisten zu kämpfen haben, und daß dieselben wirklich Heroisches leisten. Speziell die aus dem Osten stammenden Juden lassen sich als Bauarbeiter gut verwenden. Nach dem Vortrage wurden an Herrn Dr. Schwager aus dem zahlreich anwesenden Publikum Fragen gerichtet, die von ihm bereitwillig beantwortet wurden, Probevortrag. Oberkantor J. L. Lichtenstein von der großen Synagoge in Kolomea hat mit großem Erfolg einen Probevortrag im orthodoxen Tempel in Preßburg abgehalten. Die hervorragenden Stimmittel, über welche Oberkantor Lichtenstedn verfügt, sowie sowie seine vollendete Beherrschung der gesamten Liturgie stellen ihn in die erste Reihe der Kandidaten für die ausgeschriebene Stelle eines ersten Kantors in der großen Preßburger Synagoge. Klavierkonzert eines blinden Virtuosen. Dienstag, den 24. August 1926 fand im Kurhaus zu Karlsbad ein Konzert statt, das mit Recht als ein musikalisches Ereignis bezeichnet werden darf. Imre Ungar, ein siebzehnjähriger, des Augenlichtes vollständig beraubter Pianist, Schüler des Budapest e r Klavierpädagogen Prof Thomann, gab daselbst edn Klavierkonzert, bei welchem auch Oberkantor Czernowsky mitwirkte. Der junge Künstlen brachte Werke von Bach, Busoni, Beethoven, Chopin, Debussy und Liszt zum Vortrag und erntete reichen Beifall. Die Vortragstechnik des hervorragend talentierten jungen Pianisten, vom mächtigstem Fortissimo bis zum feinsten Pianissimo künstlerisch durchgebildet, rief allgemeine Bewunderung hervor. Oberkantor Czernowsky sang Arien von Halevy, Puccini, Smetana und Meyerbeer und gab abermals Proben seines hervorragenden Könnens, über das wir erst unlängst zu berichten Gelegenheit hatten. .Aus Bad Gleichenberg wird uns geschrieben: Einem allgemeinen Wunsche des hiesigen Kurpublikums Rechnung tragend, gaben die bekannten Wiener Oberkantoren Margulies und Postolow am 23. v. M. im Festsaale des Hotels Mailand einen Arien- und Lieder-Abend. Die formvollendete Wiedergabe der Schöpfungen Kienzl, Verdi, Mascagnii'; Bizet, Puccini usw. enthusiasmierte das überaus zahlreiche Auditorium, das zum Schlüsse des Konzertes noch jüdische Lieder stürmisch verlangte, welchem Verlangen die beiden Oberkantoren gerne entsprachen und auch mit diesen Darbietungen vollen Erfolg erzielten. Die Gesangsvorträge der beiden Herren wurden von einem Kurgaste, Herrn Direktor Hans Singer, dem Sohne des verewigten Wiener Oberkantors Josef Singer, in mustergültiger Weise begleitet. Zu erwähnen wäre noch, daß die genannten auf Burg Gleichenberg von dem Schloßherrn Graf Trauttmannsdorff eingeladen, über dessen Verlangen demselben Proben von jüdischen und hebräischen Liedern vorführten, die das Entzücken der dortselbst versammelten vornehmen Gesellschaft hervorriefen. Trauungen. Sonntag, den 5. d. M. fand im Stadttempel die Trauung des Fräulein Edith Mautner, Tochter des Amtsleiters der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Oskar Mautner und seiner Gattin Karoline, geb. Neuron, mit Herrn Artur Lauterbach, Sohn des Herrn Asser Lauterbach und seiner Gattin Rosa, geb. Stern, statt Eine große Anzahl von Gästen füllte das schöne Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen. Es waren u. a. erschienen: Die Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. J. Ornstein und Dr. J. Löwenherz, Oberrabbiner Doktor Chajes, die Kultusvorsteher Dohan und Hoffmann, Börsenrat Glück, eine Abordnung der Beamtenschaft mit den Amtsdirektoren Dr. E. Adler und G. Fuchsgelb an der Spitze. Herr Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n verlieh nur den Gefühlen der zahlreichen Freunde passenden Ausdruck, als er in einer formvollendeten Rede auf die hohe Wertschätzung hinwies, die den Brauteltern, insbesondere Herrn Amtsleiter Oskar Mautner, von weiten Kreisen gezollt wird. Dies bewiesen auch die zahlreich eingelaufenen herzlichen Glückwünsche, denen sich auch unsere Redaktion anschließt. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor M. B. Kaufmann. Das junge Paar reist in den nächsten Tagen nach T e 1 - A w i w, wo Herr Lauterbachin Delfiners Seidenfabrüc tätig ist Dienstag, den 24. August, fand im Stadttempel die Trauung des Fräulein Cecilie Margarethe Klein, Tochter des des bekannten Professors Dr. Salamon Klein, mit Herrn Isidor B. Bl u m b e r g statt. Herr Rabbiner Doktor Max Grunwald hielt an das Brautpaar eine herzliche Ansprache. Oberkantor M. B. Kaufmann versah die kantoralen Funktionen mit Chor. Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom". Bei allen Trauungen, die in dem Gotteshause in der Pazmanitengasse stattfinden, werden von Vorstandsmitgliedern obigen Vereines unter den Festgästen Spenden für wohltätige Zwecke und insbesondere zur Unterstützung armer und würdiger Brautpaare gesammelt. Im Sinne eines Vorstandsbeschlusses werden diese letzteren Stipendien am 1. Selichottage als Erinnerung an die Einweihung des Gotteshauses, flüssig gemacht. So fanden auch im heurigen Jahre Sonntag, den"5. September drei Trauungen statt, die von Rabbiner Dr. S. Funk, Oberkantor J. Müller und ersten Kantor A. Stift in Anwesenheit des Gesamtvorstandes unter Führung des Obmannes Oskar Schrämek und zahlreicher Festgäste vollzogen wurden. St Pölten. Am 1. August fand hier die Trauung des Herrn Alfred Schick mit Fräulein Adele M e t z e 1, Tochter des bekannten St. Pöltener Pferdehändlers Metzel, statt, welche in Anwesenheit einer großen Anzahl von Festgästen von Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. A. Schächter vollzogen wurde. Die kantorale Funktion wurde hierbei von Herrn Oberkantor B. Zimmerspitz unter Assistenz des Chores des polnischen Tempels in Wien in vorzüglicher Weise durchgeführt. Der Vizepräsident der römischen Kultusgemeinide gestorben. Dieser Tage starb in Rom der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Ing. Angelo Tagliacozzo. Die1 römischen Zeitungen widmen dem Verstorbenen sehr wanne Nachrufe, in welchen seine großen Verdienste für das Vaterland und seine staunenswerten bautechni&chen Arbeiten hervorgehoben werden. Die bekannten Gebäude des Finanz- ' ministeriums und des geologischen Museums in Rom sind 9ein Werk. Angelo Tagliacozzo war der Begründer des jüdischen Krankenhauses und des Altersheims „Moschaw Skeinim" zu Rom. Im Jahre 1866 diente er in der Freiwilligen-Legion des italienischen Befreiungskrieges und zeichnete sich durch besondere Tapferkeit und Kühnheit aus. Müller v. Hausen gestorben. In Berlin starb der Antisemit Hauptmann a. D. Müller v. Hausen, der Autor der deutschen Ausgabe der „Protokolle der Weisen von Zion", im Alter von 75 Jahren. Er war der langjährige Vorsitzende eines „Verbandes gegen die Ueberhebung des Judentums" und führte in seiner Monatsschrift „Auf Vorposten" eine hemmungslose antisemitische Hetze, wobei er wegen vielfacher Verleumdungen von Juden und Judentum sehr oft in Konflikt mit den Strafgesetzen kam. So ist er der Erfinder der berüchtigten Legende, daß die Köpfe am Fries der Villa der Familie Rathenau im Grunewald, die jetzt dem Deutschen Reiche gehört, die abgeschnittenen Köpfe der Hohenzollernfürsten symbolisierten. Wegen dieser Behauptung wurde er zuerst von Walther Rathenau und später von Frau Geheirnrat Mathilde Rathenau vor Gericht verklagt. Er widerrief seiinei Behauptung einige Male; nach Zurückziehung der Klage stellte er die Behauptung immer wieder auf! Schließlich wurde er — freigesprochen, weil das Gericht bei ihm „pathologischen" Judenhaß annahm. Das palästinensische Staatsbürgerschaftsgesetz. Die Londoner „Jewish Times" melden aus Jerusalem: Die Palästinaregierung hat. endlich den seit langem erhobenen Forderungen der Juden Palästinas in der Frage der Naturalisation Rechnung getragen und eine Reihe von erschwerenden Bestimmungen aufgehoben, die bisher den jüdischen Bewohnern Palästinas die Erlangung der palästinensischen Bürgerschaft fast unmöglich machten. Die Juden Palästinas werden jetzt nach Beseitigung der Schwierigkeiten auf kurzem Wege und leicht das palästinensische Bürgerrecht erlangen können. Dies hat unter der gesamten jüdischen Bevölkerung Palästinas lebhafte Genugtuung hervorgerufen. Geschäftsjubiläum. Aus Anlaß der vor zehn Jahren erfolgten Gründung der Firma Herbst und Gaon fand am 6. d. M. vormittags in den Geschäftsräumen am Morzinplatz eine intime Feier statt, wobei zu Ehren des Gründers Isidor Herbst eine von seiner Schwester, Frau Dr. Felix, gewidmete, vom Bildhauer J a r a y entworfene Gedenktafel enthüllt wurde. Unsere Redaktion gratuliert aus diesem Anlasse den Chefs der Firma, Herrn Isidor und Herrn Deszö Herbst, auf das herzlichste. Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint Freitag, den 17. September (Erew Jörn kipur).

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