Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 37-38 (7.9.1926)
- Date
- 1926-09-07
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3063973-3064008--14852-3082433- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 37/38 DIE WAHRHEIT $eftg 23 Art diie Mödlinger Gemeinde zu der Wahl ihres neuen geistigen Führers und zur Fertigstellung des herrlichen Gebäudes, das ein Meisterwerk jüdischen Kunstsinnes ist. Hierauf überbrachte Prof. Dr. Arnold Frankfurter dem neugewählten Rabbiner die Glückwünsche der Wiener Kollegen, gratulierte aber auch gleichzeitig der Mödlinger Gemeinde zu der vortrefflichen Wahl, die von ihr getroffen wurde. * * * Es wird allgemein interessieren, einige Details über die Einrichtung und innere Ausstattung des neuen Gemeindehauses, das in den Tat ein Meisterstück jüdischen Könnens darstellt, zu erfahren. Der Neubau des Gemeindehauses schließt sich an den im Jahre 1914 nach den Plänen des Wiener Architekten Ignaz Reiser erbauten Tempel an und ist mit diesem durch einen großen, künstlerisch ausgeführten Torbogen verbunden. Tempel und Gemeindehaus bilden daher, da sie von demselben Architekten projektiert und ausgeführt sind, ein harmonisches Ganzes, das, mittenin einer wunderschönen Gartenanlage gelegen, ungemein stilgemäß wirkt. Das Gemeindehaus enthält hu Erdgeschoß eine Portierwohnung, mehrere Kanzleiräume, Präsidialzimmer und Sitzungssaal, sowie einen prachtvollen, architektonisch reich ausgestalteten Festsaal, der einen Fassungsraum von 400 Personen besitzt und für Versammlungen, Festlichkeiten und die Abhaltung wissenschaftlicher Vorträge bestimmt ist Besonders faszinierend wirkt derselbe durch die eigenartige Beleuchtungsanlage, die von der Wiener Firma Bernhard Spielraann ausgeführt wurde, während die Beleuchtungskörper, und insbesonderes die herrlichen Lüster von den altbekannten Wiener Firmen David Suchmann und Gustav Freund hergestellt wurden. Der eichene Fußboden wurde von der altbewährten Firma H. Smetana in Liesing geliefert. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Beheizung des großen Saales gelegt, die durch zwei prachtvolle Kunststein-Kamine besorgt wiTd, die aus der Werkstätte für Wiener plastische Kunst (Inhaber Architekt Otto Reiser) stammen. Die Malerei des Fest- und Sitzungssaales wurde von der Firma B. Hack^l in Wien in hervorragender Weise ausgeführt. Im ersten Stockwerke des neuen Gemeindehauses befindet sich die aus sechs Zimmern bestehende und mit allem modernen Komfort ausgestattete Rabbiner-Wohnung. Die Bauarbeiten wurden unter Inanspruchnahme der ersten Mödlinger Firmen und Gewerbetreibenden vom Baumeister Franz Heinrich in zufriedenstellender Weise durchgeführt. Das neue Europa. Internationale Revue für Politik und Volkswirtschaft, herausgegeben von Dr. Paul Hohenau. Das Mai-Juni-Heft dieser Zeitschrift enthält eine Reihe wertvoller wirtschaftspolitischer Artikel. Der Herausgeber Doktor Paul Hohenau lieferte eine treffende historische Studie über „Oesterreichs Rolle in der Politik"; ebenso zu begrüßen ist der Beitrag Dr. R. Coudenhove-Kalergis „Paneuropa und Amerika", dessen Bestrebungen um den Zusammenschluß der europäischen Staaten zu einem einheitlichen Komplex ja hinlänglich bekannt sind. Coudenhove-Kalergi weist mit Recht in dem zitierten Aufsatz darauf hin, daß die europäischen Staaten in ihrem Dünkel, die ersten auf der Welt zu sein, sich selbst durch verkehrshemmende Beschränkungen um Milliarden schädigen, während sie anderseits „von anderen Ländern wieder Kredite geradezu erbetteln". In einem ganz besonders aktuellen Artikel gibt B. W. Randolph (New York)" Richtlinien für die Propagierung Oesterreichs in Amerika, Vorschläge, die wirklich zu beherzigen wären, so wenn er von einer planmäßig geführten Nachrichtenpropaganda in den amerikanischen Zeitungen, von- Einladungen an amerikanische Studienkommissionen u. dgl. mehr spricht. Daß mit dem Interesse für Oesterreichs Kulturwerte automatisch das Interesse für Oesterreichs Erzeugnisse wachsen würde, ist außer Zweifel und dürfte sich, wie der Autor sehr richtig meint, hauptsächlich beim Messegeschäft bemerkbar machen. Das wichtigste und entscheidendste zur Bekanntmachung Oesterreichs sieht Randolph in einer dem neuesten Stand der Forschung entsprechend ausgestatteten Reklametechnik. Auf den weiteren reichen Inhalt der Zeitschrift einzugehen, verbietet uns leider der uns zur Verfügung stehende Raum. Wir können an dieser Stelle unseren Lesern nur mit entschiedenem Nachdruck die Lektüre dieser wirklich einmal den Namen „Internationale Revue" mit Recht führenden Zeitschrift empfehlen. Der Oberrabbiner von Rom nach Alexandrien berufen. Wie aus Rom gemeldet wird, hat die jüdische Gemeinde von Alexandrien den Oberrabbiner von Rom, Prof. Sacerdoti, eingeladen, als Nachfolger des Rabbiners de 1 a Pergola den Rabbinersitz von Alexandrien zu übernehmen. Prof. Sacerdoti wird der Berufung Folge leisten. Ein Besuch des schwedischen Kronprinzen in Palästina. Wie an zuständiger palästinensischer Seite verlautet, beabsichtigt der Kronprinz von Schweden, demnächst als Führer einer Gruppe schwedischer Journalisten Palästina zu besuchen und einige Zeit dort zu verweilen. Der Kronprinz von Schweden, der als Schriftsteller und hervorragender Kunstkenner bekannt ist, arbeitet nämlich derzeit an einem großen Werke über Palästina, zu dem er noch einiges iVLaterial an Ort und Stelle zu sammeln wünscht. Die Protokolle der Weisen von Zion. Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Ferdinand T ö n n i e s, hat an Benjamin Segel folgendes Schreiben gerichtet: Die Ueberlastung meiner Arbeitskraft hat bisher verhindert, daß ich auf Ihre Angelegenheit zurückgekommen bin. Früher schon war mir das Titelblatt (gemeint ist das in dem Buch von Segel [S. 81] reproduzierte Titelblatt der Schrift von Joly, aus der die Fälscher das Wesentliche gestohlen haben. D. Red.) bekannt vorgekommen, ich verweilte aber nicht dabei Jetzt habe ich entdeckt, daß ich das Buch besitze und auch vor vierzig Jahren teilweise gelesen habe. Das Exemplar hatte ich in London gekauft, es ist ein hübsches Ex-librÜs darin mit dem Namen Walter Graham. Es ist die erste Ausgabe von 1864. Das Titelblatt ist das gleiche, nur daß die Worte Nouv. Edt. fehlen und statt chez tous les ltbaires steht: Impriraerie de A. Mertens et Fils. Dte Vorrede (Avertissement) ist unterschrieben: Geneve, le 15 Oct 1864. Der Beweis, daß der Russe plagiiert hat, ist ohne Zweifel gelungen, ich vermute aber, daß der Fälscher noch eine anider'2, und zwar ausgesprochen antisemitische und antimauxerische Quelle gehabt hat, die vielleicht aus derselben 2Mt stammt und etwa ebenso vergessen ist, wie dieses Brüsseler*Büchlein. Der Fälscher hat weiter nichts getan, als daß er die beiden Pamphlete roh verbunden hat. Es ist die Leistung eines literarischen Diebes. Daß dieses plumpe Machtwerk so viel von sich reden machen konnte, ist offenbar eine Wirkung der geistigen Verwirrungen, die der Weltkrieg im Gefolge gehabt hat Für Deutschland möchte ich insbesondere dem Umstände die Schuld geben, daß es unter uns wimmelt von ehemaligen Offizieren, die gleich ihrem Helden Ludendorff das Bewußtsein haben, daß sie mit ihren gefallenen Kameraden viel geleistet hatten; sie sind mit gutem Grunde darauf stolz, es fehlt ihnen aber meistens gänzlich an Verständnis für diä Zusammenhänge des politischen Lebens, sie fallen daher leicht auf schlechte und törichte Bücher herein, die etwas scheinbar' begründen, was ihrem Vorurteü entgegenkommt. Ich gebe Delbrück völlig Recht, wenn er sagt, daß mit dem Verdienst, daß Sie um das Lügengewebe, das heißt um dessen Auftrennung sich erworben haben, die Sache für die Wissenschaft abgetan ist Es fehlt aber durchaus an hinlänglich Bekanntgewordensein m der großen Menge derer, die durch solchen Schwindel betört werden. Mit der Anregung eines Kollektivprotestes wollte ich nichts weiter sagen, als daß alle Freunde der Wahrheit ein dringendes Interesse daran haben, eine so widerwärtige, und freche Spekulation auf die Dummheit und Unwissenheit in Kreisen, die sich für hochgebildet halten, so sehr als möglich allgemein bekannt werden zu lassen. Der Kampf gegen Unwahrheit und Unwahrhaftigkeit wül und soll rücksichtslos geführt werden. Ihr ergebener Ferdinand Tönnies m. p. Aerztliche Nachrichten. Herr med. Dr. J. L. Braun, Wien IL, Große Stadtgutgasse Nr. 7. ist von seinem Urlaub zurückgekehrt und hat seine ärztliche Praxis wieder aufgenommen. Der auch in der jüdischen Fürsorgebewegung verdienstlich wirkende Arzt wurde zum Medizinalrat ernannt. — Dr. Sigismund Bauer ist von seinem Urlaub wieder in Wien eingetroffen und hat seine homöopatische-biochemische Ordination für sexuelle und Nervenkrankheiten Wien I„ Tuchlauben 18, wieder aufgenommen. Tel. 67-7-23. Linz, Vortrag. Am 19. August hielt Herr Dr. jur. Kar! Schwager, Sohn des Kultuspräskleaiten Herrn Benedikt Schwager, einen Vortrag über „Persönliches aus dem Leben in Palästina". Herr Qr. Schwager ist im Jahre 1921 nach Palästina ausgewandert und hatte daher bisnun genügend