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Die Wahrheit · 1926-08-13 · Heft 34 (13.8.1926) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 34 (13.8.1926)
Date
1926-08-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 Die WAHRHEIT Mr. 34 den Artikel in Nr. 56 des „Wiener Zuschauers" vom 9. März 1849, der betitelt ist: „Die Judenemanzipation zum A n g e b i n d e". Der Verfasser meint vor allem, daß die Verwirklichung der damaligen Zustände doch zumeist auf Rechnung jener Lenker der öffentlichen Meinung zu setzen sei, die nicht an ein höheres Walten glauben, im eigenen Ich alle großen Wahrheiten der Politik verkörpert wähnen und mit Gewalt Geschichte machen wollen, und zwar seien es gerade die Männer, die nach ihrem Glaubensbekenntnis dem christlichen Staatsprinzip entgegenarbeiten und gegen die bestehende Ordnung nur deshalb ankämpfen, weil diese von Andersgläubigen herrühre. Aber Juden wie Börne, Mendelssohn u. a., die sich in der Gesellschaft durch Bildung und Wissen auszeichnen, hält der „Wiener Zuschauer" schon von selbst für emanzipiert, da sie sich von den Fesseln des Glaubens befreit haben, in denen die Juden die Christen als Feinde betrachten. Diese gebildeten Juden bilden jedoch eine rühmliche Ausnahme; die anderen aber wollen in allen wichtigen Dingen die Oberhand behaupten. Der Autor will da nicht auf die neue wissenschaftliche Begründung des exklusiv nationalen Charakters der Juden eingehen und auch nicht die den „Goijim" (soll heißen Goj) niemals anerkennende, eine unausfüllbare Kluft zwischen Christen und Juden spaltende jüdische Sittenlehre näher erklären, sondern nur nebenbei das Gesetz erwähnen, das dem Israeliten vorschreibe: „Den Fremden magst du drängen und bewuchern." Der Artikelschreiber scheint die Bücher Moses sehr wenig zu kennen, da schon diese an mehreren Stellen nicht nur von der menschlichen Behandlung der Fremden, sondern auch von der schonenden Pflege der Tiere sprechen. Weiter heißt es da, der gläubige Jude müsse der Feind aller Nichtjuden sein und höre erst dann auf, es zu sein, wenn er aus Ueberzeugung zu einer anderen religiösen Kirche und Gemeinde übertrete. Der gläubige Jude halte ferner sein Volk für ein bevorzugtes und in seinem Glauben sei nicht nur sein sittliches, sondern auch sein staatsbürgerliches Verhalten begründet. Die jüdischen Gesetzesvorschriften seien, wenn auch nicht arm an schönen sittlichen Ideen, doch gegen andere Völker unduldsam, da sie nur sittliches Verhalten der Juden untereinander bestimmen. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn der Verfasser dieses antisemitischen Artikels auch die schwache Stelle im 2. Buch Moses (Kapitel 2, Vers 11 bis 13) gehörig ausbeutet, um Moses als Feigling und Fremdenmörder hinzustellen. Die Ansicht, daß die Juden kraft ihres Bundes mit Gott alles als ihr Eigentum betrachten, hält er auch für den Kern des Mosaismus, der die Anerkennung einer nicht jüdischen Staatsverfassung als Sünde und als das schwerste Verbrechen erkläre. Wenn also die Christen die Judenemanzipation aussprechen, so lügen sie sich damit ihrem staatlichen und sittlichen Partikularismus, der 18% Jahrhunderte ihren Ansichten widerstrebt habe, indem sie noch das letzte von ihnen behauptete Gebiet, das ist die dem Christentum eigene Herrschaft der Vernunft, der Geißel des jüdischen Verstandes, der Klugheit, der Herrschaft des Geldes, der Materie, der Sinnlichkeit unterwerfen und so zu Sklaven des Judentums, des jüdischen Geistes werden. Wenn dieses durch zwei Jahrtausende es für eine Schande hielt, sich den Sitten und Gebräuchen des Christentums zu nähern, so wäre es Wahnsinn, das letztere verjuden zu lassen! Ebenso wahnsinnig wäre es, wegen einiger Juden, die nichts zu verlieren haben, das Christentum so unterwühlen, schwächen und vernichten zu lassen, so daß sie den Fluch Christi, sie würden nie mehr ein ganzes Volk bilden, auf diese Weise umgehen könnten, wenn das Christentum im Judentum aufginge. Der Artikelschreiber will sogar den Juden das unbes schränkte Privilegium gewähren, nach Belieben die wohlhabenden Christen zu bewuchern und ihre geldlichen Verlegenheiten zu ihrer Bereicherung auszunützen, ja sogar ihnen Polizeistellen einzuräumen, für die sie trefflich geeignet seien, da ihnen ihre Religion gebiete, den Gojim zu schaden (!). Man gebe ihnen Gelegenheit, nach den mosaischen Prophezeihungen des höchsten irdischen Glückes teilhaftig zu werden; aber den Christen lasse man den Glauben an ein Uebeisinnliches und opfere nicht das Christentum und den Herrn (Christus) selbst dem Judentum, das sich bei religiöser Gleichstellung niemals mit dem ersteren verschmelzen, sondern es vielmehr verunreinigen würde. (Fortsetzung folgt.) Judische Frauenideale. Eine Blütenlese von Dr. Max Grunwald. (Fortsetzung.) Aus den Memoiren einer Jüdin vor drei Jahrhunderten. Nach L. Ysaie aus den „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde", Heft 7 (1901). Es sind dies die Memoiren der Glückel von Hameln. Sie umfassen die Jahre 1645—1719, die Zeit nach dem großen Kriege, eine Zeit der Sittenlosigkeit und der allgemeinen Verderbnis, eine Zeit, in der Hexen verbrannt und Gold gemacht wurde, eine Zeit, in der die vornehmsten Frauen die verfänglichsten Dinge schrieben, und nicht bloß schrieben, eine Zeit, in der die frechsten französischen Madrigals gesungen wurden und in der man im tollen Durcheinander lachte und folterte, tanzte und verbrannte; eine Zeit, in der sich alle Flammen der erdenklichsten Leidenschaften zu einen hellen Brande vereinigten, eine Zeit, die noch heute Schrecken und Staunen erregt und aus der man wohl mit Recht interessante Berichte erwarten durfte. „ Aber in den Memoiren der Glückel von Hameln wird man vergeblich nach einem Spiegelbilde dieser tollen, erregten genußfrohen Zeit suchen. Wer darüber staunt, der bedenke, daß sie Jüdin und als solche vom Geschicke selbst außerhalb des glänzenden und lasterhaften Kreises ihrer Geschlechtsgenossinnen gestellt war. Sie beginnt mit moralischen Betrachtungen und belehrenden Erzählungen. Sprichwörter wechseln mit eigenen Sentenzen ab, Ermahnungen an ihre Kinder mit den Schilderungen von der Nichtigkeit und Wertlosigkeit des menschlichen Lebens, den Lobpreisungen Gottes und der himmlischen Seligkeit. Rührend ist es, wie sich die Glückel mit den vielen unbegreiflichen Dingen im Leben, dem seltsamen Walten des Schicksals abzufinden sucht. Sie ahnt, daß da ein Geheimnis verborgen ist, daß da unbekannte Gesetze wirken müssen nach einer höheren Gerechtigkeit als die der Menschen; aber all das kommt ihr nicht klar zum Bewußtsein und so sagt sie nur: Wir können es nicht begreifen, aber es wird schon alles gut sein, der Böse wird bestraft, der Gute belohnt werden, wenn nicht hier, so doch in jener Welt. Sie hat den primitiven vertrauensseligen Glauben eines Kindes, sie übt keine Kritik, und wenn das Leben und das Geschick diesen ererbten Lehren widersprechen, so flüchtet sie sich hinter die ewige Vergeltung und ist beruhigt. Gottes Walten ist überall ersichtlich, sagt sie, und sie fordert ihre Kinder zum Glauben und Vertrauen auf. Sie ist wirklich glücklich. Ihre Erzählung fängt sie an mit ihrer Geburt. Sie ist eine Hamburgerin, 1645 geboren und sie war über 45 Jahre alt, als sie mit ihren Aufzeichnungen begann. Es ging den Hamburger Juden nicht allzu gut damals. Als die Glückel etwas über zwei Jahre war, mußten alle Juden nach Altona auswandern und erst nach mancherlei Bemühungen und Bittgängen durften sie sich wieder in Hamburg niederlassen. Schließlich litten die wohlhabenden Familien noch weniger, aber für die Armen, denen das Geld mangelte, einen Paß zu lösen, und die deswegen oft heimlich in der Stadt verblieben, waren es recht traurige Zeiten. Glückel erzählt, daß ihre Eltern wohltätig und freigebig waren und daß, wer hungrig das Haus betrat, es gesättigt verließ. Auch sei — fährt sie fort — ihr Vater bedacht gewesen, seine Kinder, sowohl Söhne wie Töchter, nach Möglichkeit unterrichten zu lassen. Dennoch ist es nicht wahrscheinlich, daß die Glückel zu viel studiert hat, aber wenn auch nicht das Wissen selbst, so besaß sie doch die große Achtung vor dem Wissen, die alle Juden auszeichnet. ' Glückel erzählt viel Liebes von einer Halbschwester. Sie soll ein ungewöhnlich schönes und kluges Mädchen gewesen sein und hat einmal ihrem Stiefvater einen artigen Dienst geleistet. Als sie einst am „Klaffzimmer" (Klavier) stand, traten zwei Männer in die Stube, die auf ein Pfand warten, das sie auslösen wollten. Sie beredeten sich nun „auf französisch", das Pfand zu nehmen und damit fortzulaufen, ohne das geborgte Geld zu bezahlen. Das Mädchen verstand alles und als der Stiefvater hereinkam, sang sie ihm zu: „Gieb das Pfand nicht heraus!"--Glückeis Vater hat die Mutter seiner Frau sehr liebevoll im Hause aufgenommen und ist von keiner Messe zurückgekommen, ohne ihr ein Geschenk mitzubringen. Die alte Mate lebte angesehen und geachtet bei ihren Kindern, und war schon gegen 74 Jahre, als polnische Flücht-

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