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Die Wahrheit · 1926-08-13 · Heft 34 (13.8.1926) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 34 (13.8.1926)
Date
1926-08-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34 DIE WAHRHEIT Seite 5 Zur Judenfrage. Der Antisemitismus in der Revolutionszeit des vorigen Jahrhunderts. Eine Reminiszenz von Max Stein. Oft wird jüdischerseits das Bestehen einer „Jude nfrage" geleugnet. Wenn man den Juden nur Gerechtigkeit wiederfahren lasse, sei die ganze Frage beantwortet. Und doch gibt es eine Judenfrage beinahe schon, seitdem es Juden gibt. Diese Frage ist daher nicht eine neuzeitliche, sondern ein Problem, das bekanntlich bereits die alten Aegypter und Perser, Römer, Spanier usw. vergeblich zu lösen versuchten. I. Die »Jüdische Presse" in der Beleuchtung der judenfeindlichen Presse. So darf es uns nicht wundern, wenn eine politisch rückschrittliche Zeitung wie „Der Wiener Zuschauer" von I. S. Ebersberg, dem Vater von O. F. Berg, dem Gründer des „Kikeriki", zum Beispiel in dem Jahrgang 1849 sich vielfach, und zwar fast immer in feindlichem Sinne mit der Judenfrage und nicht minder feindselig mit einzelnen Juden befaßt. Gleich im ersten Band unter Nr. 49 vom 1. März 1849 lautet ein Artikel „Die Presse in den Händen der Jude n", worin geklagt wird, daß „sonst ehrenwerte" Menschen, die jedoch wegen ihrer geringen Vorliebe für das „auserwählte Volk Gottes" bekannt sind, bei dieser Presse keine Unterstützung finden. So möge denn dieses so gemeinschädliche Monopol durch Herausgabe gesinnungstüchtiger, von Christen geleiteter Blätter vernichtet werden. (Ein Schmerzensruf, den man noch heute öfter hören kann.) Wie verderblich die Judenpresse wirke, sei schon ersichtlich aus dem Artikel des „Oesterr. Courier", der da lautet: „Herr Fischhof. und der galizische Baue r", in welchem die Anmaßung dieses Chefs des Sicherheitsausschusses gebührend gekennzeichnet sei, und selbst der jüdische Korrespondent der „Allgemeinen Zeitung" habe sich bewogen gefühlt, darüber zu schreiben, daß der Bericht sich den Aktenstücken des 16. Jahrhunderts würdig anreihe, da sein Inhalt allgemeine Entrüstung hervorgerufen habe. Ferner sei es auffallend, daß alle jüdischen oder von Juden beeinflußten Blätter über die;,p o 1 i t i s c h e n Briefe" eines gewissen A. Neustadt so viel rühmliches zu sagen wissen, während sie einen Christen, wenn er noch so gut schreibe, gar nicht kennen. Ein Jude aber, der Börsezettel schmiere, sei eine Erscheinung, eine Individualität. Selbst im konservativsten Blatte Oesterreichs, in der „G e i ß e I" wurden diese Briefe, der Inbegriff unreifen Radikalismus, außerordentlich gelobt. „Der Wiener Zuschauer", d. h. Ebersberg selbst schreibt weiter, daß ihn nicht etwa Religionshaß gegen diese Frechheit der meisten jüdischen Schriftsteller stimme, sondern ihr Charakter, ihre Perfidie und der Umstand, daß sie selbst aus dem Konservatismus eine Spekulation machen. Sie unterstützen nur ihre Glaubensgenossen und machen aus der Presse eine feile Ware. Die Christen mögen doch endlich erwachen und sich rechtzeitig um die Lebensgeschichte jener kümmern, die Bücher schreiben oder Zeitungen gründen. Sie, die Christen, mögen deren Unterstützung bloß den Juden überlassen! Einen solchen billigen Wunsch werde freilich die Meute jüdischer Literaten „J u d e n f r e s s e r e i" nennen. Aber die Christen müssen darauf mit Beweisen aus dem Leben und Treiben dieser Juden antworten. Man finde tatsächlich unter den jüdischen Schriftstellern nur wenige Männer der vollendeten Wissenschaft. Trotz ihres unleugbaren Talentes aber haben sie den angeborenen Trieb, ihre Fähigkeiten schnell zum Geldgewinn auszunützen, so daß wenige zur vollständigen Ausbildung gelangen. Sie wissen hingegen, das Geheimnis der Clique und Koketterie auszunützen, und dadurch vermehre sich ihre Zahl. IL Die Judenfrage im allgemeinen. In Nr. 51 vom 3. März 1849 lautet unter den Tagesfragen ein besonderer Artikel an erster Stelle „Ueber die J u d e n f r a ge", mit der sich der „Wiener Zuschauer" etwa ein Dutzendmal beschäftigt. All die österreichischen Judenfreunde — heißt es da — welche dieses Volk mit sämtlichen europäischen Nationen vollkommen verschmelzen möchten, lenken diese Frage sehr listig nur auf das Feld der R e 1 i g i o n s Verschiedenheit, vermelden jedoch sorgfältig jenes ihrer nationalen Verschiedenheit zu berühren, die umso greller hervortrete, als ihre asiatische, stets unvermrscht erhaltene Abstammung zwischen ihnen und den Europäern eine unzerstörbare Scheidewand aufstelle. Nur in der „Allgemeinen Zeitung" des Vorjahres (1848) in einem Artikel aus Frankfurt sehe sich ein Judenfreund doch gezwungen, auch die nationale Seite des Judentums einmal zu berühren, indem er behaupte, die jüdische Nation bestehe schon seit Jahrtausenden nicht und sei bei den einen ein böser, bei den anderen ein leerer Traum. Die Juden seien keine Nation?, so fragte der „Wiener Zuschauer"; sie, die fast allein sich brüsten können, daß in ihren Adern kein Tropfen fremden Blutes kreise; die Juden, die ihr Nationalgepräge in allen Klimaten erhalten haben, so daß man überall den Juden an den Gesichtszügen, an den Gebärden, an dem Akzent, an der Redensart, an der Aussprache, an der Art sich darzustellen, an seinem Vortrag, kurz an allem und jedem sofort erkenne, er mag im polnischen Kittel oder im Lumpengewande des deutschen Hausierers oder im Frack und Glacehandschuhen erscheinen! Die Juden keine Nation! Sie, die fest an der Prophezeiung halten, sie würden einst über alle anderen um so mehr herrschen, je länger die Buße ihrer Zerstreuung dauere, sie, die die Morgenröte der Erfüllung schon begrüßen, indem sie das Netz ihrer Verteilung überden ganzen Erdkreis wie ein Nervengeflecht über einen ganzen Körperbau spannen und diese Allgegenwart und Allwissenheit, sowie die angeborene Umgangsvertraulichkeit mit dem Gelde dazu benützen, um die ganze Macht des alles Sinnliche vorstellenden, weltbeherrschenden und allen geistigen Gefühlen entrückten Mammons an sich zu reißen. „Ihre Verteidiger würden aber trotz aller Lobsprüche für die Juden sich sehr scheuen, selbst für Juden gehalten zu werden! 0 Gold, o Gold! Du Tyrann der Gegenwart! Du lauerst als geheimer Beweggrund der Fürsprache für deutsches Volk, läßt diese wahren Unterdrücker aller Nationen als mitleidswürdige Unterdrückte darstellen, um die Hindernisse wegzuräumen, durch die unsere Voreltern das über ihre Köpfe gespannte Netz der Judenschaft zu zer« reißen versuchten. Ihre Beschützer wollen nun diesen asiatischen Fremdlingen Teilnahme an unserer Regierung und Gesetzgebung gewähren diesen Feinden, die immer bereit sind, ihren Zwecken alle anderen Nationen zu opfern und im Geheimen herzlich über die Nationalbigamie lachen müssen, die man ihnen so gutmütig gestatten will. Diese Ansichten sollen uns aber nicht abhalten, gegen die Juden gerecht und billig — wie gegen jeden, uns noch so fremden Menschen die Pflichten der Nächstenliebe zu erfüllen und ihnen jeden Liebesdienst zu erweisen; aber als Stammverwandte, Mitglieder unserer Nation können wir sie niemals kinerkennen. Mögen daher die Besonnenen unter ihnen einsahen, daß sie durch den Eintritt in unsere Nationalgemeinscfa,aft die Gemeinschaft unter sich auflockern, die ihnen zum Nachteil unseres Volkes so viele Vorteile gewährt. Man führe da nicht das Beispiel von England und Frankreich an, wo die Juden in äußerst geringer Zahl leben, daß ihre Gleichstellung fast unbemerkt bleibt." III. Die Anfechtung der Judenemanzipation. All diese bissigen und überaus feindseligen Angriffe auf das Judentum scheinen trotz aller Betonung der christlichen und allgemein menschlichen Nächstenliebe doch den Zweck zu verfolgen, die bevorstehende Judenemanzipation zu verhindern. Ersichtlich wird das so recht aus dem folgen- Hotel s Restaurant Guth II., Hollandstraße Nr. 14 : Vornehmes Restaurant mit erstklassiger Küche : Mittagsuuö Abenö-Menu nach Wahl \ S 2 — Übernahme von Diners und Soupers in und ausser Haus j Zum Besuch ladet höfl. ein? GUTH, Besitzer, j

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