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Die Wahrheit · 1926-05-21 · Heft 22 (21.5.1926) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 22 (21.5.1926)
Date
1926-05-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 22 Dl£ WAHRHEIT Seite 11 Judenreine Sommerfrischen. Bereits im vergangenen und vorangegangenen Jahr© haben wir, einem Wunsche zahlreicher Leser Rechnung tragend, die Namen jener österreichischen Sommerfrischen gebracht, von deren Judenfemdliichkeit wir Kenntnis erhalten konnten. Das war damals nicht schwer, da djese Orte ihre Judenljeindschaft unverhüllt zur Schau trugen und ihr auf alle mögliche Weise, in antisemitischen Zeitungen,' durch öffentliche Anschläge, Gemeinderatsbeschlüsse u. dgl. Ausdruck verliehen. Heuer scheint das Hepp-Hepp-Geschrei verstummt zu sein, keine spaltenlangen Hetzartiket m den antisemitschen Zeitungen, keine hakenkreuzgeschmückten Anschläge, keine Gemeinderatsbeschlüsse, keine judenfeindlicher. Plakate und Inschriften in dien Gasthöfen; es ist Stille geworden in den judenreineri Sommerfrischen, stiller als manchem ihrer Inwohner lieb ist. Denn nicht nur die jüdischen Sommergäste haben die Orte gemieden, die sich selbst als „judenfeindlich" an den Pransrer gestellt haben, sondern auch viele nichtjüdüscbe Familien haben es, angeekelt durch diese antisemitischen Pöbeleien. vorgezogen, den Sommer in zwar weniger rassenreinen, dafür aber* umso gemütlicheren Sommerfrischen zu verbringen; gibt es ja doch in unserem schönen Vaterlande viele herrliche Orte, in denen ein jüdischer oder jüdisch aussehender Sommerfrischler seinen Urlaub verbringen kann, ohne Beschimpfungen ausgesetzt zu sein, Orte, deren Luft zumindest ebenso rein und nicht mit antisemitischem Gleistank verpestet sind. Mancher „judenreine" Gasthofbesitzer und Quartiergeber sieht dem diesjährigen Sommer mit Sorge entgegen, er würde sogar ... es ist gar nicht auszudenken, aber die wirtschaftliche Not, die Gefahr, leer zu bleiben, zwingen ihn, auch einmal ein Opfer zu bringen, besonders, wenn dasselbe durch Opfer, die „andere" für ihn bringen sollen, sich reichlich bezahlt machen könnte. Da sich aber an der Grundgesinnung nichts geändert hat und das antisemitische Geschrei, wie wir anzunehmen allen Grund haben, nur aus Opportunitätsgründen zeitweise verstummt ist, bringen wir auch heuer die Namen derjenigen Sommerfrischen unseren Lesern zur Kenntnis, die als „Antisemitenorte" allgemein bekannt sind. Sollte irgendeine der angeführten Gemeinden darauf Wext liegen, aus der Liste der „judienreinen Sommerfrischen" gestrichen zu werden, dann sind wir gerne bereit, dies zu tun. Die Sommerfrischen, in denen Juden nicht gerne gesehen sind, sind folgende: Gobelsburg am Kamp. Türnitz, Ibbsitz, Trofaiach, Wolkersdorf a. d. Ostbahn (laut Gemeinderaitisbeschluß vom vorigen Jahre „judenrein"), Nußdorf am Attersee, Murau in Steiermark, Weyr a. d. Enns („Juden nicht erwünscht"), Kötschach im Gailtale („Nichtarier unerwünscht"). Matter see (laut einstimmigem Gemeinderatsbeschluß „judenrein"), Neumark* am Wall er see, Seekirchen, Seeham bei Mattersee, Mittersill im Pinzgau (laut Gemeinderatsbeschluß „judenrein"), Tams.we g in L u n g a u (laut Gemeinder atsbeschluß „judenrein"), St. Johann im Pongau (laut Gerneinder atsbescMuß Juden nicht erwünscht). Von Woche zu Woche | Israelitische Kultusgemeinde Wien. Die Konfirmation der Mädchen in den Gemeindetempeln findet im Jahre 1926 an folgenden Tagen statt: 1. Bezirk (Seitenstettentempel). I.. Seitenstettengasse 4: Sonntag, den 30. Mai. um 10 Uhr vormittags; 2. Bezirk (Leopoldstädter Tempel). II., Tempelgasse 5: Donnerstag, den 3. Juni, um H10 Uhr vormittags; 15. Bezirk (Fünfhaus). XV., Turnergasse 22: Sonntag, den 23. Mai, um 11 Uhr vormittags: 16. B e z i r k (Ottakring). XVI., Hubergasse 8:Sonntag, den 30. M a i, u m 9 Uhr vormittags; 18. Bezirk (Währrng). XVIII., Schopenhauerstraße 39: Sonntag, den 30 M a i, u m 11 Uhr vormittags; 21. Bezirk (Floridsdorf), XXI., Holzmeistergasse 12: Sonntag, den 30. Mai, um 12 Uhr mittags. Bewerbung um die Aufnahme in die israelitische Versorgungsanstalt, IX.. Seegasse 9. Ansuchen um die Aufnahme in die israelitische Versorgungsanstalt sind in der Anstalt selbst (IX., Seegasse 9) zu überreichen. Chewra Kadischa, Baden. Bei der vor kurzem stattgehabten Generalversammlung wurden die Herren Wilhelm Mandel und Ignatz Steiner zu Buch- und Kassarevisore'i gewählt. Wohttätigkeitskonzert. Um einem durch schwere Krankkeit in große Not geratenen Kollege/! die Möglichkeit zur Wiederherstellung seiner Gesundheit zu verschaffen, veranstaltete ein aus Kantoren bestehendes Komitee ein Konzert, das Sonntag, den 16. Mai, 8 Uhr abends im Festsaale des Volkshauses, VIII., Bennoplatz 1 a, stattfand und ungemein gut besucht war. Unter den Mitwirkenden, die sich bereitwilligst in den Dienst der guten Sache gestellt hatten, sei vor allem Fräulein Kil- I i n s k y hervorgehoben, eine junge, überaus talentierte Künstlerin, die sehr schöne, von Oberkantor G will mann komponierte Lieder, begleitet vom Komponisten, in 'neisterhafter Weise zum Vortrage brachte. Hierauf hatte man Gelegenheit, den kunstsinnigen Liederschöpfer als einen, ebenso hervorragenden Liedersänger zu bewundern. Oberkantor Bogumolni, der sich zum erstenmal in einem Konzertsaale versucht hatte und eine warme und tiefe Baritonstimme besitzt, brachte Schubertliedcr in wahrhaft ergreifender Weise zum Vortrage. Die Oberkantoren E. F r ä n k l, Gwillm a n n, J. K a t z und G. M a r g u I i c s gnbeu. von Kapellmeister Leikoff begleitet, neue Proben ihrer Meisterschaft. Das Konzert, um dessen Gelingen sich die Veranstalter und mitwirkenden Künstler, sowie Herr erster Kantor A. Stift, das größte Verdienst erworben haben, war sowohl in ethischer als auch in ästhetischer Hinsicht ein gutes Werk und das ist wohl das Schönste, was man von einer derartigen Veranstaltung sagen kann. Professor Nasches 75. Geburtstag. Samstavc. du 15. d. M.. feierte, wie wir in der vorigen Nummer bereits angekündigt hatten, der allgemein beliebte und geschätzte Prof. Nasche seinen 75. Geburtstag, an welchem Tage (üe großen Sympathien, die sich der Jubilar innerhalb der Wiener Judenschaft erworben hat, deutlich zum Ausdrucke kamen. Beim Vormittagsgottesdienste im großen Leopoldstädter Tempel wurde Prof. Nasche in feierlicher Weise zu Thora aufgerufen. Rabbiner Dr. G r u n w a 1 d hielt an ihn eine überaus geastvolle Ansprache, in welchetr er den Jubilar als guten Menschen, aufrechten Juden und vortrefflichen Redner zutreffend charakterisierte. Oberkantor Heinrich Fischer brachte einen von ihm selbst zu diesem Anlasse verfaßten Segensspruch zum Vortrage, worauf der Chor einen Jubelpsalm in glänzender Weise zu Ehren des Jubilars sang. — Am Abend des gleichen Tages veranstalteten einige Freunde Prof. Nasche's im Restaurant T o n e 11 o eine zwanglose Zusammenkunft, deren überaus guter Besuch — die beiden Säle des Restaurants waren bis auf das letzte Plätzchen gefüllt — von der außerordentlichen Beliebheit Zeugnis gibt, deren sich Prof. Nasche1 erfreut. Als erster Redner begrüßte Dr. Brettholz die zahlreichen Freunde und Bekannten des Jubilars, insbesondere die anwesenden Herren Rabbiner sowie die Vertreter der Kultusgemeinde und des Bethausvorstandes, in dessen Vertretung die Herren Kommerzialrat Alfred Landesberjjer und Siegmund Ernst erschienen waren. Kultusvorsteher Bezirksrat; E. Hoff mann überbrachte Prof. Nasche im Namen der Kultusgcmeinde die besten Glückwünsche, nachdem bereits am Vortage Amtsdirektor Dr. Emi! Adler ein in warmen Worten gehaltenes Schreiben des Präsidenten der Gemeinde Prof. Dr. A, Pick und ein- Ehrengeschenk der DANKSAG1NG f Anläßlich meines 75. Geburtstages wurden mir so außerordentlich zahlreiche Beweise der Sympathie von .allen Seiten entgegengebracht, daß ich mich außerstande fühle, allen, die meiner gedacht haben, einzeln zu danken. Ich danke daher auf diesem Wege der Wiener israelitischen Kultusgemeinde für die mir zuteilgewordene Ehrung, dem Bethausvorstand für die schöne Tempelfeier„ ganz besonders Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald für die eindrucksvollen mir gewidmeten Worte, Herrn Oberkantor Heinrich Fischer für den ergreifenden Segensspruch sowie ailen, die mich im Tempel in so schöner Weise geehrt haben. Ich danke aber auch den Herren Rabbiner Dr. A b e 1 e s und Rabbiner Dr. Bach, Dr. Brettholz, Oberkantor M a 11 i a s, dem österreichischen K a ntorenverbande, dem Prater Bethausverein „Tefilath Jeschuron" sowie allen Freunden und Bekannten, die zur Verschönerung meines Ehrenabends beigetragen haben. Insbesondere spreche ich dem rührigen Komitee, an dessen Spitze Herr Obmann Oskar Schramek und Redakteur L. Hirschfeld gestanden sind, meinen innigsten Dank aus. Wien im Mai 1926. 0 , B, „,_ , . Prof. Ed. Nasche, __Wien IL, Sterneckplatz 13.

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