Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 22 (21.5.1926)
- Date
- 1926-05-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063973-3063993--14586-3082152- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 12_ DIE WAflRHEfT_______Nr. 22 Gemeinde übermittelt hatte. Rabbiner Dr. Bach würdigte Prof. Nasche" zunächst als Menschen und Gelehrten und warf dann die Frage auf, welches wohl der Grund für die einzigdastehenden Erfolge Prof. Nasches als Redner sein mögen. Ein Redner muß drei Eigenschaften besitzen: Er muß ein allgemein beliebter Mensch sein, muß große umfassende Bildung sein eigen nennen können und vor allem muß er „Tarn" haben, das heißt viel Geschmack und die Fähigkeit, das Rechte im richtigen Moment! mit den richtigen Worten zu sagen. Alle drei Eigenschaften besitzt unser werter Jubilar in vollem Maße und außerdem verfügt er über einen so großen Schatz von Geist, Witz und Humor, wie man ihn selten in einer Person vereinigt findet. Das Schönste an ihm aber ist sein Gemüt, sein warmes, mitfühlendes Herz. Daß unserem lieben alten Freunde alle diese ausgezeichneten Eigenschaften bis ins spätere Alter erhalten bleiben mögen, darauf bitte ich Sie, mit mir das Glas zu erheben. Nachdem Oberkantor Löwdt Prof. Nasche die Glückwünsche des Kantorenverbandes überbracht hatte, führte Rabb. Dr. Abeles in einen geistvollen Rede aus, Prof. Nasche sei nicht nur ein Redekünstler, sondern auch Lebenskünstler im wahrsten Sinne des Wortes, ein Mann, der nicht nur sich selbst, sondern auch vielen anderen durch seinen unversieglichen Humor über viele traurige Stunden hinweggeholfen habe. Oberkantor M. Mathias hielt, von einem Satz aus den „Sprüchen der Väter" ausgehend, eine wirkungsvolle Rede, welche in einen mit Begeisterung aufgenommenen Toast ausklang. Nachdem noch Prof. F a 1 e r n a den Jubilar in einer gehaltvollen Rede gefeiert hatte, erhob sich Prof. Nasche, von minutenlangem Beifall begrüßt, um für die zahlreichen Sympathiekundgebungen zu danken. Er dankte jedem einzelnen Redner und dankte allen Gästen gemeinsam, deren Erscheinender als einen Beweis wahrhafter Sympathie zu würdigen wisse und sprach den Wunsch aus, daß bei seinem nächsten Jubiläum, wenn er die Häupter seiner Lieben zählen werde, kein teures Haupt fehlen möge. Hunderte von Telegrammen, Briefen und sonstigen Glückwünschen sind Prof. Nasche von allen Seiten zugekommen. Abschiedsfeier. Wie wir bereits in unserer letzten Nummer berichtefc haben, wurde Oberkantor Ernst G o 1 d s t e i n, der bisher im Bethausverein T e f i 1 a t h Jeschuron als erster Kantor fungiert hatte, zum Oberkantor nach Sombor in Jugoslawien berufen. Die Kollegen und Freunde des scheidenden Kantors veranstalteten aus diesem Grund am 10. d. M., 8 Uhr abends, im Restaurant Barschak eine Abschiedsfeier, die sich zu einer Sympathiekundgebung für Oberkantor Ernst Goldstein gestaltete. Zu dieser Feier waren alle Wiener Kantoren mit ihren. Frauen erschienen, um von ihrem Kollegen Abschied zu nehmen, sowie der Vorstand des Bethausvereines Tephilath Jcschuron unter Führung des Obmannes H. Edelstein. Der Präsident des Österreichischen Kantorenverbandes Oberkantor I. L ö w i t feierte den scheidenden Kollegen als Zierde seines Standes und als Menschen, der von der Würde und den hohen Aufgaben seines Berufes voll und ganz durchdrungen ist. Er gab dem Bedauern der gesamten Kollegenschaft darüber Ausdruck, einen so lieben Freund aus ihrer Mitte scheiden zu sehen und sprachen den Wunsch aus, Oberkantor G o 1 d s t e i n möge in seinem neuen Wirkungskreis in der altehrwürdigen jüdischen Gemeinde Sombor recht viel Glück, Erfolg und innere Befriedigung finden. Sodann sprach Herr H. Glaser im Namen des Bethausvereines Tefilath Jeschuron. Auch er verlieh dem Bedauern über das Scheiden Oberkantor G o 1 d s t e i n s in warmen Worten Ausdruck und versicherte, daß der Bethausverein seine Wirksamkeit stets in angenehmster und dankbarster Erinnerung bewahren werde. Hierauf folgte eine Ueberraschung, da nicht etwa einer der anwesenden großen Kantoren, sondern einige junge, aufstrebende Kantoren ihre Kunst und ihr Können zeigten und hierdurch bewiesen, daß uns um die Zukunft des Kantorenstandes nicht bange zu sein brauche. Ganz besonders wollen wir Oberkantor Qrußmann aus M ö d 1 i n g und die Herren Schiffmann und Wahrmann erwähnen, die, wie wir glauben, noch eine große Zukunft vor sich haben. Wie notwendig wäre doch für Wien eine Kantorenschule, in der junge Talente für das Kantorenfach ausgebildet und insbesondere die Wiener Kantorentradition weiter ausgebaut werden könnte! „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen". Dieser Satz gilt nicht minder für die edle, gpitgeweihte Kunst des kamtoralen Gesanges. Am Schlüsse der Abschiedsfeier brachte Oberkantor G o 1 d s t e i n einen selbstverfaßten Segensspruch in klassischem Hebräisch wirkungsvoll zum Vortrage, durch den er für die ihm so zahlreich dargebrachten Beweise der Sympathie herzlichst dankte, die ihm das Scheiden von Wien doppelt schwer machen. * x Verein der Szeniczer in Wien. Dieser einst so populäre Verein wurde reaktiviert und hat seinen Sitz im Caf6 J. Müller, 1., Schottenring. Zum Obmann wurde Herr David Löffler gewählt. Barmizwahfeiern. Samstag, den 15. d. M., fand im großen Leopoldstädter Tempel die Barmizwahfeier des Studenten Walter F r i e d 1 i e b, Sohn des Herrn Alexander F r i e d 1 i e b, Direktorstellvertreter der Versicherungsgesellschaft Oesterr. Phönix, und seiner Gattin Hilda, geb. Weinberger, statt. Der schönen Feier wohnten zahlreiche Freunde und Bekannte der Familien Fried 1 ieb und Weinberger bei, die von dem trefflichen Vortrage des Konfirmanden äußerst befriedigt waren. Her.r Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d richtete an den Barmizwanten eine eindrucksvolle Ansprache, in welcher er besonders den religiösen Smn des Vaters und die edlen humanitären Bestrebungen seiner Eltern hervorhob und dem Sohne die Pflicht auferlegte, solchen Beispielen jederzeit nachzueifern. Die kantorale Funktion versnh Herr Oberkantor H. Fischer. Im Klublokal des Cafe Rechtschaffen vereinigte am Nachmittag eine hübsche Feier die Familie, bei der der junge F r i e d 1 i e b eine vortreffliche Rede zur Freude aller zum Besten gab. — Samstag, den 15. d. M„ fand im Tempel IL, Pazmanitengasse, die Barmizwahfeier des Studenten Emi! Perl, Sohn des Ehepaares Samuel und Janka Perl, geb Preßburger, statt. Nach altjüdischer Sitte trug der Knabe die Paraschah und den Prophetenabschnitt vor und machte auf die zahlreichen Anwesenden durch die meisterhafte Art, mit der er sich seiner Aufgabe entledigte, tiefen Eindruck. Der Barmizwant und seine Eltern waren Gegenstand zahlreicher Beglückwünschungen. Josef Nagel s. A. Unserem Bericht über die Dienstag, den 11. d. M„ stattgehabte Beerdigung des bekannten und angesehenen Restaurateurs haben wir ergänzend hinzuzufügen, daß auch der Schwager des Verblichenen, Herr Johann Hofbauer aus Baden bei Wien, warme und ergreifende Abschiedsworte an\ der Bahre gesprochen hat. Den vielen Freunden und zahlreichen Gästen des verstorbenen Restaurateurs wird die Nachricht sicherlich willkommen sein, daß das altbewährte Etablissement, dessen Besitzer der Verblichene war. von seiner Witwe Minna Nagel und seinem Sohn Nandor Nagel ganz im Sinne des Verstorbenen und den Traditionen der Familie entsprechend weitergeführt wird. Eisenstadt, die altehrwürdige jüdische Gemeinde, hat einen schweren Verlust erlitten. Herr Leopold Wolf sen., Mitchef der W.eingroßhandluug Leopold Wolfs Söhne, ist kurz vor der Erreichung seines 60. Lebensjahres gestorben. Der Verstorbene gehörte nicht nur zu den angesehensten Bürgern seiner Vaterstadt, sondern auch zu den bekanntesten Persönlichkeiten des Burgenlandes, um dessen kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung er sich die grpßten Verdienste erworben hatte. Das Leichenbegängnis des Verblichenen gestaltete sich daher auch zu einer ergreifenden Trauerkundgebung der burgenländischen Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession, die aus allen Teilen des Landes herbeigeströmt war, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Tn der zahlreichen Trauergemeinde erblickte man: Von der burgenländischen Landesregierung Landeshauptmann Rauhofer und Landeshauptmannstellvertreter Leser, Bezirkshauptmann Schwarz, Hofrat Krepschik, Bezirkshauptmann Karecker. Landesra* Burgmann. Das. burgenländische Landtagspräsidium war vertreten durch Landtagsdirektor Puchstein, die Lande skr ankenkasse durch Direktor Bersek und die Vorstandsmitglieder Eisinger und Dr. 0 f f e r, in Vertretung des Oedenburger Komitats Vizegespan Ludwig v. Gevay-Wolff, von der burgenländischen Indus *Tiellen Vereinigung die Herren Spitzer und Eisinger,- der Präsident der burgenländischen Handelskammer, Rottermann, ferner der vollzählige Verwaltungsrat der Eisenstädter Bank, Bürgermeister Ko 11 e r, Vizebürgermeister Bauer, die Mitglieder des Stadtrates und des Gemeinderates, eine Deputation der freiwilligen Feuerwehr und der Vorstand der israelitischen Kultuisgemeinde, Delegierte der Oedenburger Handelskammer und vieler Vereinigungen, dann die Beamten und die Arbeiterschaft der Firma. Nachdem die Söhne und der Bruder des Verstorbenen den Sarg auf den Friedhof getragen hatten, hielt der Landeshauptmannstellvertreter Leser eine tiefempfundene Rede, in der er das unermüdliche WiTken des Verblichenen für seine burgenländische Heimat und namentlich für Eisenstadt rühmend hervorhob. Er betonte, daß Eisenstadt die Schaffung von Wasserleitung, Telephon und Krankenkasse und nicht zuletzt! seine Erhebung zur Hauptstadt des Burgenland'es der Tatkraft Leopold W o 1 f s zu verdanken habe,