Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1926-05-21 · Heft 22 (21.5.1926) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 22 (21.5.1926)
Date
1926-05-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063973-3063993--14584-3082150
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 10 Nr. 22 breitung seines Wirkungskreises auch in der Provinz erstattet, wo ebenso wie in Wien eine energische Propaganda notwendig sedn wjrd. Einen breiten Raum der Diskussion nahmen die Vorgänge im innerjüdiscben Leben ein, insbesondere die Frage unseres Verhaltens zur jüdischnationalen Partei und zum Keren Hajessod, wobei die Versammlung einmütig feststellte, daß ein scharfer Trennungsstrich zwischen der Beteiligung am Palästinaaufbau und der jüdischnationalen Landespolitjk gezogen werden müsse. Präsident Dr. Ornstein nahm die in bezug auf die PropagandamöglSchkeiten gemachten Vorschläge mit bestem Danke zur Kenntnis und versprach, dieselben einer genauen Prüfung des Zentralvorstandes zuzuführen, der selbst in jüngster Zeit durch den Ausbau der bestehenden Propagandagruppe an eine Verstärkung des Mitgliederstlandes schreiten will. Bezüglich der innerjüdischen Situation erwähnte der Präsident die Schwierigkeiten eines Zusammenarbeitens mit den Jüdischnationalen. Besonderen Beifall löste die Erwähnung eines Schreibens aus. das Professor Siegmund Freud an die Bebe-Logen gerichtet hat und in dem es unter anderem heißt: „Ich bin stets ein treuer Jude gewesen, aber nie ein nationaler. Denn der Nationalismus schädigt das Judentum, deshalb will ich kein nationaler Jude sein." Schließlich wurden die erstatteten Berichte einstimmig zur Kenntnis genommen, ebenso die ausgeschiedenten Vorstandsmitglieder Herren Baurat Wilhelm K e m p 1 e r, Kommerzialrat M. R e i f, Dr. Josef Ticho und S. Stern, Graz, einstimmig wiedergewählt. Der Jahresbeitrag wurde auf Antrag des Kassiers Oesterreicher trotz unserer schwierigen Situation auf S 5.— belassen. Beim letzten Punkte der Tagesordnung, „Anträge und Interpellationen" wurde ein Antrag auf Namensänderung verworfen, dagegen ein von Hofrat Dr. E. Riesenfeld eingebrachter politischer Antrag dem Zentral vorstände zur Behandlung zugewiesen, ebenso wie die Anträge betreffend Propaganda. Mit herzlichem Dank an die zahlreich erschienenen Delegierten schloß Präsident Dr. Ö r n s t e i n die schön verlaufene Delegiertenversammlung, deren Debatte auf einem hohen Niveau gestanden äst. Linzer Kidtuswahlen. Bei den am 16. d M. durchgeführten Wahlen wurden 577 Stimmen abgegeben. Hiervon entfielen auf die jüdisch-demokratische Partei (Listenführer Benedikt Schwager) 314 Stimmen, somit 11 Mandate, auf die zionistische Wählergruppe 263 Stimmen, somit 9 Mandate. Die Erlangung von 11 Mandaten für die Demokraten bedeutet einen schönen Sieg, da die Zionisten alles aufboten, um nach Grazer Muster die Majorität zu erlangen, aber nur ein Mandat mehr als bisher erringen konnten. Schon zeitlich früh setzte eine lebhafte Wahlbeteiligung (77 Prozent) ein. Das Wahllokal befand sich im Sitzungssaale des Ternrjelgebäudes. Vorsitzender der Wahlkommission war Herr Mariz Eisenberger, Kaufmann in Urfahr. Die Zionisten bedienten sich größtenteils nur jugendlicher Elemente. Abends, nach Verlautbarung des Wahlergebnisses, kam es in der Bethlehemstraße vor dem Tempel zu Plänkeleien zwischen einer Gruppe von Zionisten und Demokraten. Entscheidend für den Wahlsieg der Demokraten waren insbesondere die beüden gut besuchten Wählerversammlungen mit Gastrednern aus Wien, von denen namentlich die letzte, die am Abend vor dem Wahltage stattfand, eine beeinflussende Wirkung auf diesen ausübte. Die Ausführungen des Wiener Gastes, Kultusvorsteher Kommerztialrat Bernhard Bucjiwald wurden mit großem Beifall aufgenommen; der Vorsitzende Herr Emil Bruder dankte ihm im Namen der Versammlung in herzlicher Weise. ^INHk«MMHMWHMIMMnHHHUIII«aMsllaaHHIlaNIBIIIIMHIIIHfUfM«( 4 m m l Union deutsehSsterreichisctier Juden IX., Berggasse 4 ■ Wahrheiten vom Tage Einladung zn der am Donnerstag, den 27. Mai 1926, präzise halb 8 Uhr im Cafe ilion, Iii., Löwengasse 39, stattfindenden Vereins-Versammlung 1. Die Bedeutung der laden im Wirtschaftsleben, Vortrag des Herrn Alexius SALZER. 2. Referat über die Tätigkeit unserer Mandatare in der Kultusgemeinde Mitglieder aus alüen anderen Bezirken, eingeführte Gäste, auch Damen herzlichst willkommen. Union deutschöslerrelchischer Juden: Präsident Dr. ). ORNSTEIN Mitglied der „Union* für den III. Bezirk: Obmann Adolf UNCER Wo sind die Geldgeber der Hakenkreuzpresse? Diese Frage, deren Beantwortung von allgemeinstem und größtem Interesse ist, sucht eine Zuschrift zu beantworten, welche „D i e Neue Wirtschaft" veröffentüichiti und die wir deshalb im Wortlaute wiedergeben, weil sie von einem hervorragenden Vertreter der Drucker eii.ndustrie stammt, der über das Zeitungswesen gut informiert zu sein scheint. Die Zuschrift lautet: „Eine der Zeitungen, die weder Leser noch Inserenten haben, ist das Hauptorgan der Hakenkreuzler, die „DeutschösterreichischeTageszeitung", die angesichts ihrer winzigen Auflage kaum über nennenswerte Einnahmen verfügt, deren Ausgaben aber mindestens auf 10 Milliarden jährlich einzuschätzen sind. Wer ist nun der Schutzpatron dieser Zeitung, der ihr mit Rat und Tat zur Seite steh*? Niemand anderer als der Sekretär des Hauptverbandes der Industrie, der auf den urgermanischen Namen Dr. C a m u z z i hört, der sich offen als Anhänger der Hakenkreuzlerpartei bekennt, der von der „Deutschösterreichischen Tageszeitung" niemals anders spricht als von „unserer Zeitung" und der sicherlich..alles tut, was er vermöge seiner. Beziehungen zur Industrie tun kann, um sein Parteiblatt über Wasser zu halten. In der letzten Zeit haben sich jedoch verschiedene Industrielle ohne Unt er schied der Konfession geweigert, sich weiter zugunsten der Hakenkreuzlerzeitung schröpfen zu lassen." Die Frage der materiellen Unterstützung gewisser nationalistischer, ja ausgesprochen antisemitischer Zeitungen, möge diese nun auf direktem Wege oder indirekt durch Vermittlung gewisser Organe des Verbandes erfolgen, hat bereits des öfteren zu lebhaften Kontroversen innerhalb des Hauptverbandes der Industrie geführt. Die jüdischen Mitglieder, aber auch viele nichtjüdische Angehörige genannten Verbandes hatten nämlich der unstreitig richtigen Anschauung Ausdruck gegeben, daß es nicht angeht, daß mit den Geldern jüdischer Kapitalisten eine Presse subventioniert wurde, welche die „Vernichtung des jüdischen Kapitalismus" auf ihre Fahne geschrieben hat und wie die „Deutschester-» reichische Tageszeitung" eine offene Pogromhetze betreibt, die sich nicht allein gegen den'jüdischen Proletarier richtet. Es ist selbstverständlich, daß der Hauptverband der Industrie die ihm zur Verfügung stehenden Mittel in der ihm passend erscheinenden Weise für den Schutz der industriellen Interessen verwendet. Es ist jedoch die Fra^e, ob es überhaupt zweckmäßig ist, eine Presse zu unterstützen, die wie die nationalsozialistische ausgesprochen kapitalfeindlich ist, wenn sie sich auch in erster Linie gegen das „jüdische Kapital" richtet. Doch das ist eine Frage, welche der Hauptverband der Industrie mit sich selbst auszumachen hat. I "II I1IIIIIIMIIIIIIIIIIIIIII1 Restaurant Birth IL, Hollandstraße Nr. 14 Vornehmes Restaurant mit erstklassiger Küche Menu zu S 1.80 und 2.20 Übernahme von Diners und Soupers in und ausser Haus Jeden Samstag unb Sonntag Souper bansant Jeben Sonntag Tünf-V§r-Zee mit Zam Zum Besuch ladet höfl. ein J. GUTH, Besitzer. Glauben Sie nicht bevor Sie sich nicht selbst durch einen Versuch überzeugt haben. Die Synthese: Allerbeste Qualität und allerniedrigster Preis ist selten, jedoch erreicht durch das Warenhaus Brüder Schiffmann, II., Taborstraße 48. All die tausendfältigen Erzeugnisse des Textilsewerbes, wie Stoff- und Seidenwaren für den Sommer, Crepe de Chine, Marocain, Taftfleure, Faille de Ciaire, Schottenseide sowie Wollstoffe in prachtvollen Modedessins und -Farben kaufen Sie bei wirklich erstklassiger Qualität zu derart niedrigen Preisen, wie sie eben nur ein Riesenumsatz ermöglicht. Die Preise für Herren- und Damenwäsche, Leinenwaren, Vorhänge und Teppiche wurden aufs äußerste ermäßigt, um jedem einen Einkauf zu ermöglichen. Besichtigen Sie die prachtvollen Schaufenster.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.