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Die Wahrheit · 1926-05-21 · Heft 22 (21.5.1926) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 22 (21.5.1926)
Date
1926-05-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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^cite 4 _______________ DIE WAHRHEIT _____________________ Nr. 22 Bliebe noch der vierte Punkt zu kommentieren: Strauchdiebe und Raubritter, die Vorläufer der heutigen Femeorganisationen, Hermannssöhne und Thorgemeindler gab es zu allen Zeiten, sogar im heiligen römischen Reiche deutscher Nation. Nur daß es damals keine Richter gab, die den Mordbuben die Stange hielten und daß ein hänfener Strick doch mehr schreckte als heute etwa drei Wochen Festungshaft für einen biederen hakenkreuzlerischen „Umleger", so lautet doch wohl der terminus technicus im völkischen Komment! Aber, ich möchte auch weiterhin an jene Zeit des römischen Reiches deutscher Nation anknüpfen. Wie damals seine beiden Kulturträger, Kirche und Judentum — in den alten Städten des Rheinlandes sind noch heute Zeugen über Zeugen für die deutsche Kulturmission des mittelalterlichen Judentums zu finden — schließlich und endlich über den brachialen Barbarismus einer entgötterten Zeit triumphierten, so werden sie auch heute alle Pläne eines noch so organisierten antisemitischen Weltkongresses vereiteln, wenn sie im alten Geiste weiterwirken. Teilnahme der österreichischungarischen Juden am Weltkrieg.*) Eine statistische Studie von Maximilian Paul-Schiff. Daß einer Erfassung der Kriegsteilnehmer nach Konfessionen die allerschwierigste Aufgabe gestellt sein würde, war bald nach Kriegsausbruch offenkundig. Verschieden lagen die Verhältnisse im Deutschen Reich und in der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie. Abgesehen von der weit größeren Anzahl der jüdischen Bevölkerung in der ehemaligen Monarchie, konnte hier, wegen der Kriegsereignisse, nicht daran gedacht werden, das Material, etwa auf dem Wege der jüdischen Gemeinden, deren Mitteilungen schon im Frieden für statistische Zwecke versagten, zu ermitteln. Waren doch die hauptsächlich in Betracht kommenden Länder, und zwar Galizien und die Bukowina, bald nach Kriegsbeginn vom Feinde besetzt, die jüdische Bevölkerung und deren Repräsentanten zum größten Teile geflohen, Akte und Dokumente teils verschwunden, teils vernichtet, so daß keinerlei Daten erhältlich waren. Dazu kam noch. daß . jede statistische Arbeit sowohl in Oesterreich als in Ungarn und in Bosnien getrennt hätte vorgenommen werden müssen. Jede Arbeit, die von privater Seite nach dieser Richtung unternommen worden wäre, stieß sofort auf unüberwindlichen Widerstand- Nur zwei verläßlich erscheinende Wege wären möglich gewesen: entweder eine militärische „Judenzählung" oder eine Perlustrierung von Millionen von Grundbuchblättern — abgesehen davon, daß bei beiden Methoden nur die konfessionellen Juden zur Zählung gelangt wären, — hätte die Perlustrierung viele Jahre erfordert und die fehlerhaftesten Angaben hinsichtlich wirklicher Frontdienstleistung gezeitigt. Dazu kam, daß durch den Zerfall der Monarchie die Daten von den Ergänzungsbezirkskommandanten, die nunmehr im Ausland lagen, nicht mehr zu beschaffen waren, vor allem aber, daß nur ein Teil der Eingerückten mit Grundbuchblättern beteilt war, während die erst während des Krieges zum Landsturm Assentierten nur mit Evidenzblättern beteilt wurden, bei welchen der Religionsvermerk fehlte. Ich möchte daher schon an dieser Stelle darauf hinweisen, daß jede Publikation, von Ziffern, welche die Beteiligung am Kriegsdienst in Oesterreich-Ungarn nach Konfessionen gliedern wollte, wertlos sein muß. Aus diesem Grunfle dürfte von amtlicher Stelle auch kein Versuch gemacht worden sein, die Konfessionen der Kriegsteilnehmer statistisch zu erfassen. Wenn von antisemitischer Seite, in nicht mißzuverstebender Absicht, wiederholt behauptet wurde, daß das statistische Material über die Beteiligung der Juden am Welt- *) Aus dem eben erschienenen „Jahrbuch für jüdische Volkskunde, 1926", Herausgeber Rabbiner Dr. Max Grunwald, Benjamin Harz-Verlag, Berlin. kriege vorhanden gewesen, aber „auf unaufgeklärte Weise spurlos verschwunden sei", so wäre es Sache der betreffenden Behörde festzustellen, ob solches Material vorhanden war und was damit geschehen ist. Angesichts der Unmöglichkeit, allgemein verwendbare Ziffern zu beschaffen, ergab sich nun die Frage, ob man nicht einen Ausschnitt bearbeiten könnte, aus welchem Rückschlüsse auf allgemeine Verhältnisziffern gezogen werden könnten. Diese Ermittlung konnte man nun bei einer Gruppe, und zwar bei den Offizieren des Heeres und der k. k. Landwehr (mit Ausnahme der vorerwähnten, erst im Kriege assentierten Landsturmoffiziere, sowie der gesamten ungarischen Honveds) durchführen. Sie wurde auch tatsächlich auf Grund des von den militärischen Behörden gewährten Einblickes in die Grundbuchblätter und offiziellen Verlustlisten unter der Leitung eines Stabsoffiziers des ehemaligen k. u. k. Heeres durchgeführt. Da ich indirekt dabei mitzuwirken Gelegenheit hatte, sei es mir gestattet, einiges darüber mitzuteilen. Um allen Einwänden bezüglich Front- und Hinterlandsdieust im vorhinein zu begegnen, wurden aus der erwähnten Gruppe nur die Gefallenen oder infolge von Verwundung oder Erschöpfung gestorbenen Offiziere verzeichnet. Daß diese Ermittlung den allgemeinen Anteil der Juden an den blutigen Verlusten (Offiziere und Mannschaft) nicht erfassen sollte, sei ausdrücklich betont. Stellten doch die Juden verhältnismäßig eine weit größere Zahl von Einjährig-Freiwilligen, aus welchen eben die Offiziere stammten, so daß in Oesterreich-Ungarn (im geraden Gegensatz zur Friedenspraxis im Deutschen Reich) ihr Anteil am Offizierskorps weit größer war, als ihrem Anteil an der Bevölkerungszahl entsprach. Daß aber der Offiziersverlust nicht mit dem Mannschaftsverlust auf eine Stufe gestellt werden darf, bedarf keines Hinweises. Sicherlich ist es nicht dasselbe, ob ein tausend Mann starkes Bataillon von den Tausenden von aufgestellten Bataillonen eines Kriegsheeres vernichtet wird, oder ob es sich um den Verlust von tausend Offizieren handelt. Aus diesem Grunde sah man auch davon ab, Intelligenzkorps zu bilden. Ebenso wie nach dem deutsch-französischen Kriege 1870 mit Recht darauf hingewiesen wurde, daß gerade Deutschlands Intelligenz mehr Opfer als jene anderer Länder gebracht hätte, so darf das Gleiche von der jüdischen Intelligenz Oesterreich- Ungarns im Weltkriege behauptet werden, welche durch ihre übergroße Beteiligung an Kombattanten, Offizieren und O ff iziersa Spiranten, sowie durch seine, besonders große Beteiligung an Sanitätsoffizieren die allergrößten Opfer gebracht hat. (Schluß folgt.) Eine Sommerreise dnreh Nordfrankreich. Vortrag, gehalten von David Herzog. m f (Schluß.) So könnte ich noch viele Stunden lang erzählen, namentlich vom Cavlau Dante, jenem Kellergeschoß, wo ein hochbegabter Rhapsode allabendliich seine wehmütigen und heiteren Chansons vor einem intelligenten Auditorium vorträgt, vom P6re Lachaise und seinen jüdischen Denkmälern, die wenig künstlerischen Gechmack verraten. Auf einem dieser Denkmäler befinden sich die zwei steinernen Tafeln mit den Zehn Geboten angebracht. Was das auf einem Grabdenkmal bedeuten soll, ist mir unvertändlich. Und gar erst, wie gern wollte ich noch sprechen vom Louvre und seinen zahllosen kostbaren Schätzen, von jener schönen Gioconda, in der Lionardo da Vinci das Ideal der Frauenschönheit auf Leinwand hingezaubert hat; von Tizians Grablegung; Raffaels: Die Jungfrau mit dem Kinde; Paolo Veronese: Die Hochzeit zu Kana, die vielen van Dyks und Rubens und die vielen Bilder, die jüdische Stoffe behandeln. Dann die Venus von Milo, die aegyptische Abteilung, der Sarkophag des Eschmunazar, die Mesastele, die Hammurabipyramide. Doch die Zeit drängt und ich möchte auch noch etwas über die Juden in Paris sprechen. Paris hat heute bereits eine jüdische Bevölkerung von 100.000 Seelen während es vor dem Kriege kaum 40.000 Seelen hatte. Die zu%kommenen 60.000 Seelen sind vorwiegend aus Rußland und Rumänien hinzugekommen. Viele von ihnen, namentlich die Pelzhändler und Konfektionäre haben es zu bedeutenden Vermögen gebracht, viele aber haben das erworbene Vermögen wieder verloren und gar viele schlagen sich schwer durch. Die Reichen beginnen sich zu assimilieren, die Aer-

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