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Die Wahrheit · 1926-05-21 · Heft 22 (21.5.1926) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 22 (21.5.1926)
Date
1926-05-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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giert. Zwei Plätze sind für Vertreter anderer Staaten offengelassen, doch ist bei deren Zuwahl die Einstimmigkeit der normierten Vertreter Bedingung. — Nun, das Bureau besteht auch heute noch — auf dem Papiere. Es ist dem Kongreß bis jetzt nicht gelungen, die dazu nötigen Gelder aufzutreiben, noch viel weniger die Delegierten, die sich ein Jahr „ehrenamtlich" nach Wien setzen würden, wobei sich eine Vernachlässigung ihrer beruflichen Pflichten notwendig machen würde. 2. Ein Fünfmännerko.llegium, quasi Generalstab, der die Bewegung praktisch zu leiten hat. Dem Kollegium gehören an: Prof. Cuza, Rumänien, Th. Fritsch, Deutschland, Miß N. Webster, England, General Neschvolodow, Rußland und Dr. Ulain, Ungarn. Es dürfte interessieren, daß der Sturz Bratianus in Rumänien und der Sieg der antisemitischen Averescugruppe in erster Reihe auf die Arbeit dieses „Fünfmännerkollegiums" zurückzuführen ist. Seine verhängnisvolle Auswirkung in den anderen Staaten wurde durch die Aufdeckung der Francsfälschungen noch im letzten Augenblicke verhindert. Geplant war für April 1926 die gleichzeitige Ausrufung der „nationalen Diktatur" in Rumänien, Ungarn, Oesterreich und München, Marsch gegen die Tschechoslowakei und Sturz der dortigen demokratischen Regierung. 3. Ein Presseausschuß, bestehend aus den deutschen Blättern: „Hammer", „Weltkampf", „Völkischer Beobachter", den ungarischen Blättern „A nep" (inzwischen eingegangen), „Szozat" und „Courier danubien", den italienischen Blättern: „Agenzia urbs" und „Roma" und dem tschechischen Blatte „Stit narodu". Das Judentum unterscheidet aber außerdem sehr* treffend zwischen dem „berühmten" und dem „guten" Namen. In diesem letzteren vereinigt sich eine Summe VGn guten Eigenschaften und Vorzügen, die fernab von der Berühmtheit den Menschen wertvoll erscheinen lassen. Hat doch R. Simon als Namen der Berühmtheit die Krone der Gelehrsamkeit, die des Priestertums und des Königtums bezeichnet, aber den „guten" Namen höher als diese Ruhmestitel gestellt, und sagt der Midrasch, daß ein guter Name niemals seinen Wert verliere. Man karni^ nun ein Volk nach seinen berühmten Namen zählen und bewerten, die Bedeutung und Tüchtigkeit seiner Leistungen durch gefeierte Namen, die überall von Anerkennung begleitet der Gesamtheit Ruhm und Ehre einbringen, nach diesem Maßstabe feststellen. Will man aber die sittliche Höhe, die moralische Kraft, _dsn inneren Wert eines Volkes messen, dann zähle man die „guten" Namen. Es kann und muß nicht jeder eine Berühmtheit sein. Ruhm -Ist sogar oft von Umständen abhängig, die ailles eher als lobenswert sind. Es gab Berühmtheiten, deren Namen schließlich mit Schande bedeckt sind, die im Urteil der Guten und Edlen zu traurigen Berühmtheiten geworden sind, und wiederum viele Ruhmlose, Geächtete, von ihrer Zeit Verhöhnte, denen erst eine be.ssere Nachwelt und Einsicht zu verdientem Ruhm verhalf. Der „gute Name" wird hingegen von einem Forum gespendet, das von jeder Parteilichkeit frei ist, an das und gegen das sich nicht berufen läßt, bei dem keine Werbetrommel. Obstruktion und Reklame nützt. Eine unbekannte, stille, entscheidende Majorität hat abgestimmt und das Ergebnis der Abstimmung geht feststehend von Mund zu Mund, von Herz zu Herz aller GutenT Das Forum ist das ehrliche Menschenherz und die Stimmzettel, die es zählt, sind die guten Taten, das Wahlergebnis — de_r gute Name! Zählt man darum ein Volk nach seinen „guten Namen", so gewinnt man die beste Schätzung für dessen inneren moralischen Wert. Gute Menschen haben gute Namen, und gut handeln und wirken bringt den guten Namen. Er ist und bleibt ein Wert, den niemand zu zählen vergesse! K. 4. Gründung von Kampfabteilungen und deren Bewaffnung, die in Ungarn durch die militärischen Verbände der Erwachenden Ungarn und Skythen, in Deutschland durch den Frontbann und Wiking, in Frankreich durch die camelots, in Polen aber durch die Orelverbände zu erfolgen hat. Jene Kampfverbände haben auch die Aufgabe, politische Mordtaten und politische Mörder zu decken, geeignete Fluchtgelegenheiten zu verschaffen und die Flüchtlinge in jeder Weise zu unterstützen. — Der Vollständigkeit und Ehrlichkeit halber sei erwähnt, daß die Gruppe Duperron jenen vierten Antrag mit Entschiedenheit bekämpfte und vor der Abstimmung ' geschlossen das Sitzungszimmer verließ. Das wäre, gedrängt skizziert, das offizielle Ergebnis des Kongresses. Ich betone ausdrücklich: das offizielle, denn das tatsächliche hat mit ihm nicht annähernd gleichen Schritt gehalten. Der wesentliche Zweck der Einberufer, die Gründung einer machtvollen Internationale, ist mißglückt. Sonst wäre es unverständlich, daß beispielsweise der Ungar Gömbös den Völkischen Gömbös in der eigenen Brust erstickt und seinen rumänisch-antisemitischen Konfrater Cuza einen „schamlosen Imperialisten" nennt, der den Raub der ungarischen Provinz Siebenbürgen noch zu verteidigen wage, sonst wäre es unverständlich, daß ein Theodor Fritsch den gleichen Schriftleiter Rosenberg vom „Völkischen Beobachter", mit dem sein Sohn zusammensaß, heimlich einen „jüdischen Sendling" nennt, sonst wäre es unverständlich, daß der deutsche Antisemit aus der Tschechoslowakei lieber mit einem „jüdisch-deutschen" Demokraten Hand in Hand geht und den tschechischen Antisemiten, nur weil der ein Tscheche ist, schärfstens bekämpft. Aber noch ein zweiter Schlag ist den Budapester Kongreßlern mißlungen, der große Schlag gegen die „verjudete Romkirche". Erst dachte „man", sie für antisemitische Zwecke zu ködern, ja selbst Altmeister Fritsch in höchst eigener Person richtete einen Bettelbrief nach dem andern an die katholischen Kirchenfürsten, ihre Kirche möchte doch antisemitisch werden, dann würde sogar „ER" für sie werben, ja er schickte sogar seine alte Freundin, die Gräfin Salburg, mit der gleichen Bitte zum Münchener Kardinal. Dann aber kam auf einmal sein wirkliches Wesen zum Vorschein. Mit einem wahren furor Protestantismus mengt er nun, da die Kirchenfürsten ihm nicht geantwortet, Juden, Katholiken, Jesuiten und Freimaurer in einen Topf und möchte am liebsten dessen ganzen Inhalt mit einem Male vernichten. — Und es ist keine bloße Zufälligkeit, daß man noch am letzten Kongreßtag über eine von Fritsch, Saxlung (Schweden) und Brandt (Dänemark) unterschriebene Resolution abstimmte, worin die Bestimmung vorgesehen war, daß Katholiken zur Aufnahme in eine antisemitische Organisation der Bürgschaft zweier Protestanten bedürften.

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