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Die Wahrheit · 1926-01-22 · Heft 4 (22.1.1926) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 4 (22.1.1926)
Date
1926-01-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4 DIE WAHRHEIT Von Woche zu Woche Wiener israelitische Kultusgemeinde. Die israelitischtheologische Lehranstalt hatte dem Kultusvorstande vor einiger Zeit den Antrag gestellt, die in ihrem Besitze befindliche Hand- .schriftensammlung für den Betrag von 15.000 Dollar, zahlbar in vier Jahresraten, anzukaufen, wobei sie auf ein ebenso hohes, nur in kürzerer Zeit zahlbares Anbot der „Union of bebrew congregations of America" hinwies. Das Vertreterkollegium hatte dieses Anbot deshalb abgelehnt, weil der berühmte Fachmann Dr. Bernhard Wach stein nach vierwöchiger Arbeit in einem sehr gründlichen Exposee den Wert dieser Handschriften auf 33.000 Goldkronen 47.520 Schilling 6789 Dollar geschätzt hatte. Ueber Wunsch des zionistischen Vertreters Dr. Leopold Plaschkes hat das Präsidium, ohne abzuwarten, ob die statutengemäß vorgeschriebene Zahl von sechs Unterschriften sein Begehren unterstützt, die Einberufung einer Plenarvarsammlung in kürzester Frist für Samstag, den 16. d. M. abends anberaumt, zumal das amerikanische Offert nur bis zum 20. d. M. befristet ,war. In dieser Plenarversammlung hat eine eingehende Debatte stattgefunden, an der sich die KultiSsräte Regierungsrat Dr. H. Oppenheim* Dr. Leopold Plaschkes, Oberbaurat Robert Stricker und der anwesende Obmann des Kuratoriums der israelitisch-theologischen Lehranstalt Herr Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes beteiligt haben. Der letztere betonte in einer ausführlichen Rede, daß die israelitischtheologische Lehranstalt ohne den Verkauf der Handschriften unmöglich weiter existieren könne. Es wurde nun auf Antrag des der Mehrheit angehörigen Kultusvorstandes Herrn- Emil Engel' einstimmig beschlossen, die Handschriften um den Betrag von 50.000 Schilling in vier gleichen unverzinslichen Jahresraten anzukaufen, die somit in den Besitz der Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde übergehen, und ferner die israelitisch-theologische Lehranstalt, in deren Kuratorium zwei Mitglieder des Kultusvorstandes aufzunehmen sind, auf die gleiche Zeitdauer mit dem jährlichen Betrage von 12.500 Schilling zu subventionieren. Predigt. Freitag, den 22. d. M., %5 Uhr nachm., findet im Großen Leopoldstädter Tempel eine Predigt Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald statt. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 23. Jänner d. J. um 3 Uhr nachmittags findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen sowie in der Toynbee-Halle, XX., Denisgasse 33, statt. Ferner wird für die reifere Jugend am Freitag, den 22. d. M. um 1h7 Uhr abends, in der Synagoge des ersten Bezirkes ein Gottesdienst abgehalten werden. Der jüdische Frauenverein Leopoldstadt veranstaltet Sonntag, den 31. d. M„ 4 Uhr nachmittags, im Hotel Continental, Festsaal, eine Jause mit Vorträgen und Tanz, bei welcher er alle seine Freunde und Mitglieder gerne willkommen sieht. Jüdischer Frauen - Wohltätigkeitsverein Favoriten. Am Sonntag, den 31. Jänner 1926, 8 Uhr abends findet in den Sälen des Militärkasinos, Wien I., Schwarzenbergplatz 1, ein Gesellschaftsabend des jüdischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines Favoriten mit Vorträgen prominenter Künstler und Tanz statt, zu welchem alle Mitglieder, Freunde und Gönner des Vereines eingeladen sind. Das Reinerträgnis dieser Veranstaltung kommt der Aktion „Arme Kinder aufs Land" zugute. Chewra Kadischa der Bezirke XII bis XV. In Ergänzung unseres Berichtes über die am 10. d. M. stattgehabte Festsitzung der Chewra Kadischa der Bezirke XII bis XV teilen wir noch mit, daß der Vorstand dieser segensbringenden Vereinigung aus angesehenen jüdischen Bürgern der Bezirke XII, XIII, XIV und XV besteht, welche Herren miteinander wetteifern, um die edlen Ziele dieser Vereinigung in den in Betracht kommenden Bezirken zu verwirklichen und die Einbracht unter der Judenschaft zu fördern. Es gebührt daher diesen Herren für ihr unermüdliches Wirken der Dank nicht nur unserer Glaubensbrüder der genannten Bezirke, sondern der ganzen Wiener Judenschaft. Der Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schul- , krader für den XVI. und XVII. Bezirk zählt zu seinen Förderern auch den rührigen Herrn Samuel Deutsch, der als II. Vizepräsident des Veraines in nie erlahmender Opferfreudigkeit und Tatkraft ein ungemein segensreiches Wirken entfaltet. Hunderte hungernder jüdischer Schulkinder würden von dem genannten Verein, über dessen schönes Fest wir in der letzten Nummer berichtet haben, mit kräftiger Nahrung und mancherlei andere« Unterstützungen bedacht. Vortragsabend. Montag, den 18. d. M., veranstaltete die Jugendgruppe des Vereines „Aeschel Awro> hom" im Restaurant J. Nagel (Hotel New-York) einen Vortragsabend. Rabbiner Dr. S. Funk begrüßte die Gäste, worauf Rabbiner Dr. Feuchtwang einen außerordentlich interessanten historischen Vortrag über „Die Geschichte der niederländischen Juden hielt, der dadurch besonders an Lebendigkeit gewann, daß der Vortragende über eigene Wahrnehmungen und Eindrücke berichten konnte. Den von den zahlreichen Anwesenden mit großem Interesse aufgenommenen Ausführungen Dr. Feuchtwangs folgten Rezitationen des Frl. Grete Bach, Tochter des Herrn Rabbiners Dr. Bach, die u. a. den Bibelabschnitt Samson und Daliiah in außerordentlich wirksamer Weise zum Vortrage brachte und damit reichen Beifall erntete. Am Schlüsse dankte der Obmann des Vereines, Herr Oskar Schrämek, den Vortragenden und der Jugendgruppe, an deren Spitze Frau Ottilie Pollitzer steht, für ihre Bemühungen um den gelungenen Abend. Der Leopoldstädter Kranken-Unterstützungsverein „Nächstenliebe", II.. Gr. Stadtgutgasse 34. veranstaltet Samstag, den 30. Jänner 1926, in den Festsälen des Hotel Continental, II.. Taborstraße 6, eine Festakademie unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte mit anschließendem Tanz. Beginn •A9 Uhr abends, Eintrittspreis S 4.—, an der Abendkasse S 5.-. Kultusrat Jakob März feierte am 16. Jänner seinen 60. Geburtstag. Als Vertreter der „Misrachi" im Kultusvorstande ist er ein eifriger Förderer der charitativen Einrichtungen der Gemeinde. Zahlreiche wohltätige Vereine, in deren Vorstand er sich seit vielen Jahren befindet, werden von ihm mit Rat und Tat unterstützt. Der Jubilar war an seinem Ehrentage Gegenstand zahlreicher Ehrungen seiner vielen Freunde und Bekannten. 80. Geburtstag. Herr Max Altman n, Vater des Oberrabbiners Dr. Adolf Alt mann in Trier, begeht dieser Tage in aller geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar ist und war sein Leben lang eine ganz ungewöhnlich tieffromme und gottergebene, im jüdischen Schrifttum sehr bewanderte, von aller Welt hochgeachtete Persönlichkeit. Er war der intimste und und überaus geschätzte Freund des vor einigen Jahren verschiedenen als Gaon berühmten Rabbiners Rosenberg von Unsdorf und anderer rabbinischer Größen der Zeit. Seine Kinder wandeln alle in den Wegen treuer Anhänglichkeit am Judentum. Er begeht den Tag der Feier im Kreise seiner Angehörigen in Wien, wo er sich gegenwärtig aufhält. 35jähriges Dienstjubiläum. Der Liquidator der Kultus- Gemeinde. Herr Isidor K o h 1 m a n n, feierte am 18. d. M. sein 35jähriges Dienstjubiläum. Er war aus diesem Anlasse Gegenstand zahlreicher Ehrungen seitens des Präsidiums der Gemeinde und des Kultusvorstandes. Die Beamtenschaft der Kultusgemeinde sowie seine zahlreichen Freunde veranstalteten zu Ehren des Jubilars im Restaurant Bars;hak einen Ehrenabend, der einen neuan Beweis für die große Beliebtheit und Wertschätzung bildete, deren sich Herr Kohlmann, der einer der tüchtigsten Beamten der Gemeinde ist, allgemein erfreut. Leopold Mandl zu seinem ersten JahrzeH&tag. Am 22. Tebeth (18. Jänner 1925) starb in Horn, Nied.-Oest-, Leopold Mandl, der frühere Mitarbeiter unseres Blattes, im Alter von 75 Jahrea Die älteren Leser werden sich noch an seine zahlreichen Artikel, die in der „Neuzeit", in der „W a h r h e i t" und in den Monatsheften der ,.U n i o n" erschienen sind, gerne erinnern. Zur Ehrung seines Andenkens soll hier kurz über seine Lebensgeschichte berichtet werden. Leopold Mandl wurde im Jahre 1849 in Miawa (Slowakei) geboren. Er widmete sich der wissenschaftlichen Laufbahn und studierte an der Jeschiwah in P r e ß b u r g, war jedoch später gezwungen, sich einem praktischen Berufe zuzuwenden. Er war als Kaufr mann in Röhrenbach bei Horn a. D. tätig. Bei Tag arbeitete er schwer und des Nachts schrieb er seine vielen Artikel und Flugschriften zur Verteidigung unseres, besonders in der Lueger-Zeit heftig angegriffenen Stammes und Glaubens. Sein reiches Wissen auf allen Gebieten im Verein mit seinen Beobachtungen über die Denkungsart der christlichen Bevölkerung, mit der er ständig verkehrte, befähigten ihn außerordentlich dazu. Als Kaufmann erfreute er sich wegen seiner unbedingten und in der Gegend sprichwörtlichen Redlichkeit und seiner uneigennützigen Freundschaft größter Wertschätzung. In den letzten Lebensjahren wirkte er in Horn ah?

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