Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 4 (22.1.1926)
- Date
- 1926-01-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 4 jüdische Rachmones, das. diesen Schrei ausstößt, die Rücksicht auf Weib und Kinder derer, die ihr eigenes Nest gewissenlos besudeln. Und der Grund hierfür — nicht von jenem Grund ist die Rede, dessen widerrechtliche Verpachtung: demnächst die Gerichte beschäftigen dürfte, sondern der Grund der Verunglimpfung unserer Gemeinde und ihrer Führer ist einfach der, daß einige Individuen, die dem Wohlwollen und den Stipendien der Kultusgemeinde die Erlangung einer Existenz zu danken hatten, auf diese tra-urige Art, wenn schon nicht berühmt, so doch berüchtigt werden wollen. Ich genieße den besonderen Vorzug, den Pamphletisten am wenigsten genehm zu sein. Dies rechne ich mit zu den Erfolgen meines arbeitsreichen Lebens. Die jüdische Oeffentlichkeit aber wird jenen Gauklern den verdienten Lohn zuteil werden lassen: Verachtungsvolles Ignorieren! Amtsdirektor Guido Fuchsgelb. - * * * Wahre Lumpereien. Die in Wien ab und zu erscheinende ..Jüdische Gemeinde" befindet sich bekanntlich mit der Wahrheit ständig auf Kriegsfuß und so haben wir schon öfter Gelegenheit gehabt, uns mit diesem unfreiwilligen Witzblatte zu beschäftigen und ihm damit mehr Ehre erwiesen, als ,wir vor unseren Lesern verantworten können. Trotzdem sehen wir uns gezwungen, uns abermals mit obigem Blatte zu befassen, da es in seiner letzten, nach langer Unterbrechung wieder erschienenen Nummer, wie wir es bereits bei diesem Blatte gewöhnt sind, haarsträubende Lügen in verleumderischer Absicht verbreitet. Der Spiritus rector dieses Blattes ist, wie allgemein bekannt ist, Religionslehrer Josef Pick, dessen Person wir bereits einigemal in einer Weise charakterisiert haben, daß wir uns zu der Hoffnung berechtigt glaubten, daß er uns Gelegenheit geben werde, uns hierfür vor Gericht zu verantworten. Doch scheinen ihm seine Erfahrungen im Gerichtssaale vor einer Klage gegen unser Blatt zurückgehalten zu haben. Ist es doch noch nicht lange her, seitdem der Herr 'Religionslehrer wegen Beleidigung des Kultusvorstandes und dessen ersten Sekretärs zu drei Tagen streng-en Arrests verurteilt worden ist. Der Richter. Oberlandesgerichtsrat Dr. Fuchsig begründete damals das Urteil damit „daß sich aus dem ganzen, vom Angeklagten geführten Wahrheitsbeweise nicht ein einziger Punkt als stichhältig erwiesen habe". Aber selbst die Verurteilung zu einer strengen Arreststrafe hat keine Besserung gebracht. Insofern ist nur eine Aenderung der Methoden eingetreten» als Herr Pick, gewitzigt durch seine unangenehmen Erfahrungen, nicht persönlich seine Lügen und Verleumdung an verbreitet, sondern die von ihm inspirierte „Jüdische Gemeinde" hierzu benützt. In diesem Blatte jedoch zeichnet er selbstverständlich nicht als verantwortlicher Redakteur, sondern diese Eigenschaft bekleidet in jeder Nummer seines Blattes jemand anderer, so daß es schwer möglich ist, das Blatt für seine Ausschreitungen gerichtlich zu belangen. Diesmal zeichnet Herr Theo Rubin, der gewesene Hilfssekretär der „Hakoah", als „Verleger, Eigentümer, Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter" in einer Person. In der bereits erwähnten Nummer beschäftigt sich nun die „Jüdische Gemeinde" auch mit der Person des Herausgebers der „Wahrheit" in der bei diesem Blatte bereits gewohnten Art und Weise. Wenn auch niemand, der mit den Verhältnissen in der Wiener Judenschaft nur einigermaßen vertraut ist, die Bemerkung, „daß sich der saubere Herr Hirschfeld der Wahlvereinigung für soziale Tätigkeit (!) angebiedert hat", ernst nehmen kann, so wollen wir dennoch nochmals auf unsere Berichtigung in dieser Angelegenheit hinweisen, die das Blättchen schweren Herzens veröffentlichen mußte und die den wahren Tatbestand ein für allemal und für jedermann verständlich klarstellte. Weiters ist es Tatsache, daß Herr Hirschfeld einige hochstehende jüdische Persönlichkeiten vor Herrn Pick gewarnt hat, welche Warnung sich nachträglich, wie man sieht, als voll begründet herausgestellt hat; sieht sich doch sogar einer der Führer der von Herrn Pick „gegründeten" Partei, Kultusvorsteher Dr. Glanz, gezwungen, in seiner Parteizeitung „Die jüdische Tribüne" wiederholt vor dem „Revölverjournalisten" zu warnen. Leider zu spätl Um fette Inserate zu bekommen, braucht man keine Ehrenstetten zu-besitzen, sondern man muß ein gutes,, vielgeteseaes u»d Yor allein seriöses Blatt herausgeben, ein Blatt, in welchem' die Insertion erfolgversprechend erscheint. Jedenfalls sind fette Inserate für einen Zeitungsherausgeber eine mindestens so ehrenvolle Verdienstquelle, als es die Verpachtung fetter Gründe für Religionslehrer ist. Auch der „Vorwurf", daß wir Preßfondsspenden für unser Blatt sammeln, läßt uns kalt. Sind diese doch freiwillige Gaben für die Zwecke des Abwehrkampfes, den „Die Wahrheit" seit Jahr und Tag gegen alle äußeren und inneren Feinde des Judentums führt, also die Anerkennung für tatsächliche Leistungen für die jüdische Oeffentlichkeit Ganz etwas anderes ist es, wenn die Herausgeber der „Jüdischen Gemeinde" ihren Lesern Gelder für Nichtleistungen unter der Vorspiegelung herauslocken, ein „monatlich zweimal" erscheinendes Blatt zu sein; beträgt doch das Jahresabonnement für dieses Blättchen 5 Schilling bei 24maligem Erscheinen obwohl es im dritten Jahrgang erst bei Nummer 19 (!) angelangt ist. Oder sollten die Leser der „Jüdischen Gemeinde" der wohlberechtigten Ansicht sein, .daß diese ohnedies häufiger erscheint, als es notwendig wäre? Einen Satz jedoch, der in dem betreffenden Artikel steht, können wir vollinhaltlich billigen: „Man muß diesen Lumpereien endlich ein Ende machen!" Diese Ansicht, Herr Pick, scheint auch der Richter gehabt zu haben, der Sie zu einer strengen Arreststrafe verurteilt hat, es war die Auffassung des Kultusvorständes bei Ihrer D i s z i p 11ni'erung, es dürfte gewiß auch die Ansicht desjenigen Herrn gewesen sein, der in der '„Tribüne" die wenig schmeichelhaften Worte über die „Jüdische Gemeinde" und ihre Verfasser geschrieben hat, auf welche Sie jedoch bisher in keiner Weise reagiert haben. Das ist ferner die Ansicht aller anständigen Leute Ihrer eigenen Partei, die Ihnen bereits im weiten Bogen ausweichen. Das, Herr Pick, ist schließlich auch die einmütige Auffassung aller Menschen, die auf Ehre, Anständigkeit und Wahrheit Wert legen. Vom „überorganisierten" Keren Hajessod. Schon in den Herbstmonaten des Vorjahres waren die Eingänge des Keren Hajessod nicht genügend. Das Londoner Direktorium gab wiederholt bekannt, daß die ihm zur Verfügung gestellten Kerebl-Hajessod-Beiträge aus der ganzen Welt nicht nur dem vom Wiener Zionistenkongreß beschlossenen erhöhten Budget nicht entsprechen, sondern sogar hinter den Eingängen der Zeit vor dem Kongreß zurückbleiben. Nun liegt der Bericht des Hauptbureaus des Keren Hajessod über den Monat Dezember 1925 vor, aus weichein zu ersehen ist, daß sich die Eingänge auch in diesem Monat nicht gebessert haben. Oesterreich steht sogar unter der Grenze von 300 Pfund Sterling. Die Keren Hajessod-Leitung schließt an diese Mitteilung die folgende Mahnung: Der Umstand, daß sich auch im Dezember d i e v o m Direktorium als unumgänglich bezeichnete Erhöhung nicht vollzogen hat, ja, daß die Eingänge in diesem Jahre noch immer um beinahe 7000 Pfund Sterling weniger b e t r a g en als im selben Monat des Vorjahres hat die Situation in Palästina nicht günstig beeinflussen können. Die Folge der mangelhaften Ueberweisungen war die Tatsache, daß die Palästinaexekutive im Monat Dezember keine Überweisung für ihr Dezemberbudget erhalten hat, weil a 11 e Ueberweisungen noch zurDeckung der Defizite der früheren Monate verwendet werden mußten. Diese Situation verlangt die energischeste Arbeit in allen Ländern. Ungeachtetder großen finanziellen Depression, unter der die jüdische Bevölkerung in einer Reihe von Ländern, insbesondere in Mittel- und Osteuropa 1 eidet (die bekümmert das Direktorium anscheinend wenig, D. Red.) darf nicht die unerläßliche Vergrößerung der Keren-Hajessod-Einnahmen ausbleiben. Das Direktorium des Keren Hajessod verlangt infolgedessen, daß innerhalb der Zionistischen Organisation und in .allen Kreisen, die Sympathien für den Palästinaaufbau manifestiert haben, alle Anstrengungen auf den Keren Hajessod konzentriert werden. Ob die Mahnung nützen wird? König Salomo im „Gotha". Der Kunstkritiker Max Osborn hat gelegentlich einer Besprechung abessinischer Gemälde bemerkt, daß das Fürstenhaus Abessiniens seinen Ursprung auf Sa 1 omo und die Königin von Sab a zurückführe. Nunmehr macht der Schriftsteller Apajune darauf aufmerksam, daß der Adelskalender „Gotha", die ,„höohste genealogische Instanz" also, diese Abstammung an- .erkennt, und zwar seit 1923. In diesem Adelskalender wird die alftestamentliche Herkunft der salomonischen Dynastie be-< stätigt. «I j iifcnJUMIiMI .. . *?;., .'*ii-*»3«K<ttÄ*-a.o