Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 4 (22.1.1926)
- Date
- 1926-01-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 4 Seite 12 Religionslehrer am Gymnasium, ohne Honorar anzunehmen. Im August 1923 raffte der Tod plötzlich seine treue fromme Lebensgefährtin dahin. Eineinhalb Jahre später ist auch er dahingegangen. Ehre seinem Andenken! Professor Josef Sulzer s. A. Am 14. d. ist nach kurzem, schweren Leiden Professor Josef S u 1 z e r, einer der hervorragendsten Meister des Violoncellos, verschieden. Er wurde im Jahre 1850 als Sohn des berühmten Kantors Salomon S u 1 z e r, des Schöpfers unserer modernen synagogalen Musik, geboren und widmete sich gleich seinem Vater der Kunst. Seine musikalische Ausbildung erhielt er am Wiener Konservatorium und wurde gleich nach Vollendung seiner Studien als Solocellist an die Bukarest er Oper berufen. Nach mehrjährigem Wirken in Bukarest trat er als Violoncellist in den Verband des Wiener Hofopernorchesters ein, in dem er durch viele Jahrzehnte hindurch tätig war. Auch als Kammermusiker wirkte Sulzer im Quartett Helmesberger mit. Prof. Sulzer war nicht nur ein unerreichter Meister auf dem Violincello, sondern auch als Komponist erfolgreich tätig. Zahlreiche Konzertstücke für Cello, Lieder und Chorgesänge verdanken ihm ihre Entstehung. Besonders aber erwarb sich der Verstorbene um die jüdische Musik große Verdienste durch die Neubearbeitung des von seinem Vater geschaffenen Standardwerkes der Synagogalmusik „Schir Zion". Sulzer stand mit den bedeutendsten Musikern seiner Zeit, wie Wagne r, Brahms, VerdLLiszt, Massenet, Saint Saens, in persönlichem Verkehr und zählte Goldmark zu seinen intimsten Freunden. Als Mensch, als Künstler und als aufrechter, glaubenstreuer Jude war Prof. Josef Sulzer eine Zierde der Wiener Judenschaft. Das Leichenbegängnis des verstorbenen Künstlers fand Sonntag, den 17. d. M., auf dem Zentralfriedhof, 1. Tor, unter ungewöhnlicher Beteiligung statt. Der Verewigte hatte einen so großen Kreis von Verehrern, Freunden und Bewunderern, daß die weite Halle kaum die Trauerversammlung fassen konnte. Es waren u. a. erschienen: Frau Kinsky-Renard, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Prof. Dr. A. Pick, Vizepräsident des Bethausvorstandes Dr. E. Münz, Amtsdirektor Dr. E. Adler, Amtsleiter W. Freistadt, Rechnungsdirektor J. Peterselka, Amtsleiter Rudolf Krauß, Regierungsrat K a r p a t h, Tempelverwalter Schwager, Prof- Nasche u. v. a. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang hielt dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf. Nach einer Rede des Präsidenten Dr. Pick nahmen zwei Logenbrüder vom Verblichenen Abschied. Ferner sprachen der Präsident des österreichischen Kantorenverbandes J. L ö w i t, Schauspieler Weiß und Oberkantor Matyas. Der Sarg wurde im Ehrengrabe, das vor einem Vierteljahrhundert dem großen Meister Prof. Salomon Sulzer von der Kultusgemeinde gewidmet wurde, beigesetzt. Todesfälle. Unter überaus großer Beteiligung wurde am 14. d. M. Hofrat Rudolf Taussig, über dessen Ableben wir in der letzten Nummer berichteten, zu Grabe getragen. Die Zeremonienhalle konnte die Vertreter der charitativen Vereine, denen Rudolf Taussig in führender Stellung angehörte, sowie die vielen Freunde und Verehrer des Verewigten kaum fassen. Die Trauerfeier wurde sehr ergreifend durch einen Psalm eingeleitet, welchen die Zöglinge des israelitischen Blindeninstituts ihrem geliebten Freund und Gönner als letzten Gruß darbrachten. Herr Rabbiner Dr. David Feuchtwang sprach über die ausgezeichneten menschlichen Eigenschaften des Verstorbenen. Sein Amt, dem er mehr als 40 Jahre treu diente, konnte ihn bei strengster Pflichterfüllung nicht daran hindern, dem jüdischen Volke die ganze Kraft zu widmen, die ihm seine amtliche Tätigkeit übrig ließ. Oberrabbiner Dr. C h a j e s nahm als Freund von dem Toten Abschied, mit welchem er in der zionistischen Bewegung und in wichtigen jüdischen Für Sorgeangelegenheiten ununterbrochen gearbeitet habe. Taussig war mit dem Amte verwachsen, das er verwaltete. Er bekannte sich vom Anbeginn zum Zionismus und es blieb ihm zeitlebens nichts Jüdisches fremd. Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde. Professor Dr. A. Pick, würdigte die Verdienste des Verstorbenen als Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde; Herr Hofrat Frankfurter sprach für die B'nai B'rith-Loge „Wahrheit" Worte des Abschiedes. Herr Kommerzialrat Max Markus grüßte den Toten namens des zionistischen Landeskomitees für Oesterreich und schilderte sein hingebendes Wirken für die zionistische Idee. Es sprach ferner Herr Josef Brenner namens des Vereines „Jüdische Volksküchen" und Herr Dr. Isidor Schallt namens der engeren zionistischen Freunde des Verstorbenen. Mit einem Liede der Zöglinge des Blindeninstituts schloß die ergreifende Totenfeier, ai .welcher nebst den Genannten auch viele zionistische Mandatare und zahlreiche Mitglieder des Kuratoriums des israelitischen Blindeninstituts, eine Abordnung des Vereines Jüdische Kinderfreunde und viele ehemalige Amtskollegen Taussigs teilnahmen. — Unter außerordentlicher Teilnahme wurde der allgemein verehrte Philantrop Herr Emil Stern, Inhaber des weltbekannten Teppichhauses, am 15. d. M. zu Grabe getragen". Die große Trauerversammlung in der weiten Halle des Zentralfriedhofes, 1. Tor. eab Zeugnis für die allgemeine Hochachtung, :der sich der Verblichene erfreute. Nachdem der mit der Ehrendecke der Chewra Kadischa umhüllte Sarg in die Halle getragen wurde, vollzog Herr Oberkantor Heinrich Fischer mit Doppelquartett die ergreifende Trauerzeremonie. Sodan« trat Herr Rabbiner Dr. G r u n w a 1 d an die Bahre, um in ergreifen/den Worten ein packendes Lebensbild des Dahingeschiedenen zu entrollen. Er würdigte den besonders von den Armen viel beweinten Herrn Emil Stern als Mensch, Gatte und Vater eines einzigen Sohnes, Herrn Aladar S t e r nr den künftigen Fortsetzer aller Bestrebungen seines treffliche« Vaters und die Stütze der Mutter, die ihr Glück mit dem Gatten ins Grab senkt. Nach dem Trauerpsalra wurde der Sarg gehoben und ein großer Trauerzug folgte" ihm, att dessen Spitze die trauernde Witwe, der Sohn mit seiner vor kurzem angetrauten Gattin, der Teilhaber der Firma, ein Schwager des Verstorbenen, Herr Siegmund Beck, der greise Vater der Witwe, Herr Löwinger, und die näheren Verwandten schritten. Nach einem Trauerchoral wurde der Dahingeschiedene vorerst in der provisorischen Grabstätte beigesetzt, um dann in die fertigzustellende Familiengruft beigelegt zu werden. Der Geschäftsführende Ausschuß der Agudas Jisroel teilt uns mit. daß durch einen Dieb aus seiner Registratur Briefbögen und Kuverts entwendet wurden, welche anscheinend mißbraucht werden, da von verschiedenen Wohltätigkeitsanstalten ihm die Nachricht zuging, daß unter gefälschter Unterschrift einiger Herren des Geschäftsführend^n Ausschusses Bittgesuche einliefen. Buchanzeige. Unser geschätzter Mitarbeiter Rabbiner Dr. Artur Posner, Kiel, dessen in unserer letzten Nummer veröffentlichte Arbeit „Psalm 107" allgemeine Zustimmung gefunden hat, hat eben bei C. A. Schwetschke & Sohn, Berlin, ein Buch unter dem Titel „Die Psalmen — das Religionsbuch der Menschheit" erscheinen lassen. Unentgeltliche Arbeitsvermittlungsstelle des jüdisches JHochschulausschusses. Hofmeister, Hauslehrer mit Kenntnissen fremder Sprachen, auch für Nachhilfeunterricht in allen Mittelscliulfächern (Philosophen. Pädagogen), erstklassige Kräfte für kommerzielle Unternehmungen und Advokaturskanzleien (Handelshochschüler, Juristen), Privatsekretäre vermittelt prompt und unentgeltlich Jüdischer Hochschulausschußr IX., Zimmermannplatz 8. Telephon: 25-2-28. Telephonischer Aufruf oder Postkarte genügt. Eine orthodoxe rituelle Pension in Venedig am Lidof Dem jüdischen Reisepublikum, welches die rituellen Speisegesetze beobachtet, war es bisher fast unmöglich, Venedig zu besuchen, weil dort keine rituelle Pension vorhanden ist, wo es sich seinen Grundsätzen entsprechend verpflegen konnte, die meisten mußten aus diesem Grunde auf den Besuch verzichten, und die wenigen, welche dennoch Venedig sehenwollten, konnten bloß 1 bis 2 Tage dort verweilen und mußten sich mit Fischen. Eiern usw. zufrieden geben, ein längerer Aufenthalt, oder sogar eine Badekur am Lido war ganz ausgeschlossen. Es war daher ein sehnlicher Wunsch dieser Leute, daß am Lido eine verläßlich rituelle Pension errichtet werde. Diesem Wunsche wird nun Rechnung getragen, indem dort eine orthodoxe rituelle Pension in ganz modernem Stil in nächster Zeit eröffnet wird. Das Ehepaar David und Frieda Kirschbaum, geb. Pinkas, welche als Restaiurateure schon viele Jahre tätig sind, früher in T.-Teplitz und in letzter Zeit in Abbazia, Villa Feiice, ist es gelungen, die sehr schön gelegene Villa Margherita am Lido zu 'erwerben, und errichten sie daselbst eine streng rituelle Pension. Das Haus ist ein moderner Bau, mit Vorgarten, Lift, Zentralheizung, am Lido gelegen, direkte Gondelzufahrt, die Zimmer sind neu, moderne Musikhalle, Lesezimmer, eleganter Speisesaal, in jedem Zimmer fließendes Wasser und sonstige Bequemlichkeiten; die jüdischen Gäste haben es daher nicht mehr nötig, bei ihrem Aufenthalt in Venedig in nichtrituellett Pensionen sich zu verpflegen, sondern können in der Villa Margherita erstklassig logieren und bestens verpflegt werden-