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Die Wahrheit · 1925-12-18 · Heft 50 (18.12.1925) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 50 (18.12.1925)
Date
1925-12-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 50 Rede richtete er einen aus tiefstem Herzen kommenden. Appell an setoe Gemeinde, den Frieden aufrechtzuerhalten, denn nur -dieser allein kann dieser Weinen Gemeinde über die Schwere der Zeit hinwegheMen. Nachdem der Chor unter Leitung des Chordirigenten Reismann das Mismaur Schir Chanuka ntti wirklich erhebender Weise zum Vortrage gebracht hatte, betete Herr Oberkantor Fischer das Maarswgebet und fand die schöne Feier mit Sulzers herrlichem „Adaun Aulom" einen würdigen Abschluß. Oberkantor Jakob Schleifer. Samstag, den 19. d. M. begeht Herr Oberkantor Jakob Schleifer das Jubiläum seiner 25jährigen, ununterbrochenen Tätigkeit als Oberkantor am Fünfhauser Tempel. Der im Alter von 53 Jahren stehende, jugendfrische Jubilar zählt zu den bedeutendsten Vertretern seines Faches und mit berechtigtem Stolze kann er auf seine Leistungen und sein Wirken an seiner Berufsstätte innerhalb dieses langen Zeitraumes zurückblicken. Wie selten einer, hat er es verstanden, durch Talent durch ernste^ Streben und zielbewußten Fleiß sich aus bescheidenen Anfängen zur heutigen angesehenen Position durchzuringen und emporzuschwingen. Jakob Schleifer hat die Stufenleiter von Pick auf durchschritten, die ein „Managen" nehmen muß, um sich diesen Täte! zu erwerben, aber auch zu verdienen. Bereits als Knabe von 10 Jahren war er als „Singerl" gesucht und seinen ersten Unterricht genoß er beim Chasen Nissen May in Stryj, bei dem er das Notenlesen erlernte. Nach kurzer Zeit schon konnte er vom Blatt singen und da er mit einer sehr schönen Altstimme begabt und musikalisch außerordentlich veranlagt war, wurde er m kurzer Zeit so bekannt daß der berühmte Chasen Boruch Schorr sich für ihn interessierte und ihn von seinen Eltern weg akzeptierte. Mit Schorr reiste er dann als Solist herum und erwarb sich und seinem Chasen große Ehren und namhafte Erfolge. Während seiner Mutierungszeit widmete sich Schleifer im Hause seines Vaters, der ein großer Talmud-Gelehrter war, auch selbst einem eifrigen Talmudstudium Nun zeigte sich bei ihm eine schöne lyrische Tenorstimme und damit erwachte in ihm auch das Streben, sich im Gesang vollständig auszubilden und selbständig zu werden. Deshalb nahm er wieder eine Stelle bei einem Chasen; und zwar bei dem berühmten Kantor Blumenkranz in Debreczen an und kam von. dort kn Jahre 1889 zu Asche E2)enschitz nach Sa Ujhely, einem der berühmtesten sogenannten „Sager" (Rezitator), der durch seine fabelhafte Phantasie, durch seine von Inspiration befruchtete Improvisation dem Sinne und der Bedeutung des Gebetwortes Leben und Gestallt zu geben verstand. Trotz der damit verbundenen großen Entbehrungen harrte Schleifer bei d5esem Meister aus und nahm das Chasonus dieses großen Künstlers in sich auf. Jetzt folgte Schleifer einer Berufung als Chordirigent nach Miskolcz, vom dort kam er im Alter von 21 Jahren bereits als Kantor an den neuerbauten Tempel in Rozsynko. Nach 4jährjgeT erfolgreicher Tätigkeit an diesem Tempel, ging er nach Budapest wo er vom Direktor Caldi eine Sustentationsgage erhtelt und bei Professor Gal durch zwei Jahre Gesangsstudien oblag, die er in Wien bei Prof. Ress fortsetzte. Nunmehr in Wien, bewarb er sich um den damals vakanten Posten eines II. Kantors und Chordirigenten im zehnten Wiener Gemeindebezirke, wurde sofort akzeptiert und bald darauf kam er nach Floridsdorf. Ein Jahr nachher legte er bereits eine Probe seines ^großen Könnens ab, als er sich um die durch das Ableben des unvergeßlichen Josef Goldstein freSgewordene Stelle eines Oberkantors bewarb. Bei diesem Probevortrag lenkte er die Aufmerksamkeit der Wiener Kultusgemeinde auf sich und wurde von dieser zu den hohen Feiertagen des Jahres 1900 am Rosch haschono als Kantor für den großen Musikverefmssaal und am Jörn Kipur für den großen Leopoldstädtertempd verpflichtet, wo er unter großem und allgemeinem Befall die Funktion versah und dabei insbesondere durch die Klanerähnlichkeit seiner Stfmme mit der des sei. Oberkantors Goldstein auffiel. Nach diesem glänzenden Debüt wurde er kurz darauf zu Chanuka desselben Jahres von der Kultusgemeinde für dem Tempel in Fünfhaus als Kantor engagiert, wo er auch heute noch, unter großer Anerkennung und vielfachen Auszeichnungen von selifen seines Vorstandes und dfr Ttimfaeübesueher, beliebt, bewundert und verehrt' amtiert Wenn wir ums mit dem Werdegan« des Jubilars etwas ausführliche1' beschäftigt haben; so lag darin e'ine Absicht. Sfe geht dahin aufzuzeigen, daß Kantoren, die diesen schweren Leidensweg durchmachten, ehe sie zu Erfolg und Anerkennung gelangten, heute an den Findern e*ner H^nd abzuzählen sind und daß sie, wenn nicht durch Errichtung einer öffeAhefe Kas^näeÄ x J^jSßfV Wabtfe? geschaffen wW, m alJseWarer Zeit gälte veTWwlnden werden. Oberkantor Jakob Schleifer war immer bestrebt, auf der Basis seines großen musikalischen Wissens, das alte traditionelle Chasonus mit dem modernen Kantorate zu verschmelzen und seiner, bis heute erhaltenen großen Begeisterung für Sulzer, Goldstein usw. ist es auch tatsächlich gelungen, in seinem Tempel einen Gottesdienst zu schaffen, der nebst dem streng modernen auch den alttraditioneillen Gesang pflegt und der in hohem ästhetischen Sinne als mustergültig bezeichnet werden muß. Der Jubilar hatte immer und hat auch heute noch eine hohe Auffassung von der Bedeutung des Kantors im jüdischen Gottesdienste, er war stets bemüht, sie auch praktisch zur Geltung zu bringen, sie zu verbreiten und in ihrem Sinne zu wirken. All -das wußten seine Kollegen an diesem Manne vollwertig zu schätzen und' so wurde er, der auch unserem Vereine schon durch ein Vierteljahrhundert angehört, von den Mitgliedern desselben zum ersten Vizepräsidenten gewählt, in welchem Amte er verdienstlich für unseren Stand und segensreich für die Kollegen wirkt. Möge der Allmächtige dem Jubilar auch fernerhin seine Gnade zuteil werden lassen und möge es ihm gegönnt sein, auch sein goldenes KantOTenjubMäum in gleicher Jugendfrische wie heute zu begehen. Isidor Löwit, Präsident des österreichischen Kantorenvereines. Anläßlich der Wiederkehr des Todestages von Josef Popper-Lynkeus werden alle Freunde und Verehrer des Meisters gebeten, sich am Freitag, den 25. d., Punkt halb 11 Uhr vormittags beim Zentralfreidhof, 1. Tor (Isr. Abteilung), behufs gemeinsamen Grabbesuches zu versammeln. Trauungen. Der Oberkantor I. Kaiman Katz vom Margaretener Tempel vermählte sich am 6. d. M. mit Fräulein Klara Lenke Grünwald. Die Trauung fand in Budapest statt — Sonntag, dem 13. Dezember J^3 Uhr nachmittags, fand im Leopoldstädter Gemeinde-Tempel, IL, Tempelgasse, dlle Trauung des Herrn Arthur Fischer, Redakteur, mit Fräulein Elsa Michelup statt. Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald hielt an das Brautpaar eine herzliche Ansprache. Oberkantor Fischer mit dem Chor versah die kantoralen Funktionen. Grabsteinsetzung. Sonntag, den 13. d. M., wurde dem leider viel zu früh verstorbenen Herrn Karl Kalmann. auf dem neuen Friedhofe ein Grabmal gesetzt. Es hatten sich beim Grabe außer der Familie des Verstorbenen zahlreiche Freunde und Verehrer des allgemein geachteten und beliebten Mannes eingefunden. U. a. sah man: Bethausvorsteher Siegm. Ernst, den Gesamtvorstand des „Vereines der Freunde des Großen Leopoldstädter Tempels" mit den Vizepräsidenten Oskar Ton eilo und Ludwig Hirschfeld und dem Schriftführer Dr. Heinrich Thal er an der Spitze, sowie den Gesamtvorstand des Vereines „Montefiore", unter Führung des Ehrenpräsidenten Paul Schwarzstein und der Obmänner Bezirksrat Kultusvorsteher E. Ho ff mann und H. Gronner. —Nachdem 1. Kantor Leo Funke ein El mole rachamim vorgetragen hatte, hielt Rabbiner Dr. Max Grunwald eine Gedenkrede, in welcher er die Tugenden des braven Mannes schilderte, sein offenes, liebenswürdiges Wesen, seine Selbstlosigkeit, Opferwilligkeit und Treue gegenüber vielen Freunden betonte. Hierauf gaben Bezirksrat Kultusvorsteher Edmund Hoff mann sowie Obmann Heinrich Gronner, beide in Vertretung des Vereines „Montefiore", dem Danke der Mitglieder in beredten Worten Ausdruck und betonten nochmals die Unersetzlichke.it des Verstorbenen, der ein wahrhaft guter Mensch, ein Freund aller Hilfesuchenden und Bedrückten gewesen sei. Todesfall. Still und bescheädeni, wie er gelebt, ist Sonntag, den 13. d. M., der langjährige, verdienstvolle Obmannstellvertreter des Tempelvereines Josefstadt, Herr Gabor Rosenfeld, zu Grabe getragen worden. Das hohe Ansehen, das der Verstorbene wegen seiner hervorrasenden Bwrenschaftn allgemein genoß, kam so recht durch die außerordentliche Beteiligung der Vorstandsmitglieder und Mitglieder des Tempelvereines beim Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Rabbiner Dr. Bauer schilderte bewegten Herzens die schönen Etgenk scliaften und Tugenden dieses wirklich braven und allgemein geschätzten Mannes. Alle, die den schlichten Menschen gekannt, werden ihm ein treues Andenken bewahren. Met Abonnenten fup ..Hie Wahrheit"]

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