Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 45 (13.11.1925)
- Date
- 1925-11-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 45 Wien, im November 1925. Jüdische Brüder und Schwestern! Der Verein „Wohlfahrt, hervorgegangen aus dem „Komitee zur Sanierung notleidender jüdischer Wohlfahrtsanstalten Wiens", hat seit dem 1. November d. J. den gesamten Betrieb der Israelitischen Kinderbewohranstalt Wien IL, Schiffamtsgasse Nr. 15 Telephon 42-2-51 — Postsparkassen-Konto 151.110 übernommen. Diese Kinderbewahranstalt, die erste ihrer Art im alten Oesterreich, die älteste jüdische Wohlfahrtsanstalt Wiens, hat 83 Jahre hindurch unter bewährter Leitung jahraus jahrein Hunderte von Kindern unbemittelter jüdischer Eltern vor den Gefahren der Gasse bewahrt, sie rituell verköstigt und in religiösem Sinne erzogen, auch geignete Kindergärtnerinnen ausgebildet. Tausende und Abertausende, jetzt in angesehener Lebensstellung, haben ihre erste Ausbildung und damit eine Grundlage ihres Aufstieges dieser Anstalt zu verdanken. Als ein Opfer der Katastrophen des letzten Jahrzehntes, ist die Kinderbewahranstalt nicht mehr imstande, aus den bisherigen Hilfsquellen sich zu erhalten. Trotz eifrigen Bemühens des Kuratoriums, an dessen Spitze seit 40 Jahren die hochverdiente Frau Baronin Charlotte Königswarter steht, lief sie Gefahr, ihren jüdischen Charakter einzubüßen. Die Wiener Judenschaft hätte dadurch einen ihrer schönsten Ruhmestitel verloren. In Erfüllung einer rein menschlichen, vornehmlich aber jüdischen Pflicht, will der Verein ..Wohlfahrt" die Anstalt wieder auf die Höhe ihrer Leistungsfähigkeit bringen. Wir richten deshalb zuflächst an unsere Wiener Mitbürger die Bitte, diese, nur mit großen Opfern durchzuführende Aufgabe durch Zuwendungen an Geld und Naturalien uns lösen zu helfen. Ein erhebliches Kontingent unserer kleinen Pfleglinge stellen die ehemaligen Flüchtlingsfamilien aus dem Osten. Wir wenden uns daher auch an unsere Brüder im Auslande, die für das jüdische Elend des jüdischen Ostens ein Herz haben, mit dem Ersuchen, uns durch hochherzige Spenden in unserem Werke zum Wohle unserer Gemeinschaft und zur Ehre des jüdischen Namens tatkräftig zu unterstützen. mm Kxn öiö o ^nn nntn *» „Achtet auf die Kinder der Armen, von ihnen geht die Thora aus!" Für den Vorstand: Rabbiner Dr. Max Grunwald, Präsident. D. G o l d m a n n, Vizepräsident. ' Bezirksrat S. Weine r, Vizepräsident. Für die Finanzsektion: Moritz Oesterreicher. Für die Schulsektion: Für die Wirtschaftssektion: Dr. Walter Werner. Ig. M ü 11 e r.