Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 44 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. U DIE WAHRHEIT Seite U Lehn er, dank der regen Propaganda der Vorstandsdamen und der künstlerischen Darbietungen einen vollen Erfolg aufweisen konnte. Alle Künstler — Hansi Drill (Klavier), Ruth Suschitzky (rhythmischer Tanz), Grete Bach (Rezitation), Ernst J e 11 inak (Musik-Humorist) und Rosi Wagschal (Gesang), begleitet von Herrn Julius K r i s — haben sich ganz selbstlos in den Dienst der guten Sache gestellt, um der ersten Veranstaltung des jungen, aufblühenden Vereines zu einem guten Reinerträgnis zu verhelfen. Israelitischer Frauen - Wohltätigkelts-Verein für den 16. und 17. Bezirk in Wien. Sitz: 16. Bez.: Hubergasse 8. Dieser seit 25 Jahren bestehende Verein veranstaltete am 31. Oktober 1925 in den Olympia-Sälen unter der Leitung seiner Präsidentin, der Frau Dr. Adele Bach, zugunsten des Vereinszweckes eine Wohltätigkeit-Rout. Der Besuch war ein sehr reger und die Stimmung des distinguierten Publikums äußerst animiert. Der beträchtliche Reingewinn, welcher armen Wöchnerinnen und vom Schicksal verfolgten Frauen zugute kommt, ist der ungemein rührigen Mitarbeit aller Vorstandsdamen zu verdanken, welchen an dieser Stelle die wärmste Anerkennung und der herzlichste Dank ausgesprochen wird. Die Vereinsleitung bittet alle mitfühlenden Glaubensgenossen, die humanitären Ziele des Frauen-Wohltätigkeit-Vereines auch weiterhin gütigst zu fördern. Geburtsanzeige. Herr Isidor Herbst, Gesellschafter der Firma Herbst & Gaon, und seine Gattin Rene, geb. Blumenkranz-WeVtheimer, zeigen hocherfreut die Geburt eines Töchterchens an. Barmizwahfeier. Samstag, den 24. v. M., fand im Großen Leopoldstädter Tempel die Barmizwahfeier des Studenten Hans Ä b e 1 e s, Sohn des Ehepaares Julius und Irma A b e 1 e s, statt, bei welchem Anlasse Herr Rabb. Dr. Max Grunwald an den Konfirmanden eine herzliche Ansprache richtete. Verlobung. Fräulein Blanka Fr i e d m a n n, Tochter des Fürsorgerates M. Friedmann (IL, Heinestraße 27), verlobte sich mit Herrn Max Z i m b 1 e r. Trauungen. Sonntag, den 18. Oktober, fand unter starker Beteiligung im großen Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Samuel Bienstock mit Fräulein Rachel Spiegel, Tochter des Herrn Israel Spiegel, statt. Herr Rabb. Dr. Max Grunwald hielt an das Brautpaar eine eindrucksvolle Ansprache, Herr Oberkantor Heinrich Fischer versah mit Chor und Harmoniumbegleitung die kantorale Funktion. — Sonntag, den 1. November d. J. fand im Tempel VI, Schmalzhofgasse, die Trauung der bekannten Pianistin Frl. Ren6e K i j e w s k y, Tochter des Pteßburger Kantors Herrn Josef Kii e wsky, mit Herrn Dr. Josef Sebestien statt. Nach Rezitierung des Minchagebetes durch Oberkantor Arthur Lewin, richtete Herr Rabbiner Dr. Drobinski herzliche Worte an das Brautpaar, worauf Herr Oberkantor Lewin in trefflicher Weise den gesanglichen Teil der Trauungszeremonie vollzog. Ein intimer Freundeskreis der Braute1!tern fand sich zum Diner im Hotel Barschak ein, woselbst Herr Präsident I. Löwit namens des Kantorenvereines das Brautpaar und dessen Eltern feierte, ihm schlössen sich -die geistreichen Worte Professor Nasch es an; Oberkantor F r ä n k 1 rezitierte in herrlicher Weise das Tischgebet. Todesfälle. Am 29. Oktober starb nach kurzem Leiden Fräulein Betty, Tochter des Restaurateurs Samuel Ullmann. Durch ihre Tüchtigkeit in der Wirtschaftsführung, sowie durch ihren edlen und liebenswürdigen Charakter erfreute sie sich allgemeiner Achtung und Zuneigung. Die Anteilnahme an dem Begräbnisse, das in Neunkirchen stattfand, erwies die große Beliebtheit der allzufrüh Verschiedenen. — Am 27. d. fand auf dem Neuen Zentralfriedhofe unter enormer Teilnahme das Leichenbegängnis der feinsinnigen ünd hochherzigen Frau Friederike Herschkovitz, Gattin des Herrn Isidor Herschkovitz statt. Nach der erhebenden Trauerzeremonie des Oberkantors Fischer mit dem Döppelquärtett ünd mit Assistenz des Herrn Kantor Funke, entwarf Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald ein überaus ergreifendes Lebensbild der Verklärten, worauf Prof. Nasche namens der Freunde der Verblichenen einen schwungvollen, tiefempfundenen Nachruf hielt. Ueberaus rührenden Eindruck inachte ein vom Redner gebrachtes Gedicht der Verstorbenen, das sie „als hohes Lied der Mutterliehe" ihrem jüngeren Sohn gewidmet hatte, den schwere Krankheit hinderte, bei der Bestattung der überaus geliebten Mutter — der ältere Sohn mit Gemahlin 'waren anwesend1 — zu erscheinen. Dann wurde der Sarg gehoben und zu Grabe getragen. Das dreifache „El mole" vom Oberkantor Fischer und den Kantoren Ernst Goldstein und Funke rezitiert, machte den tiefsten Eindruck, und nach Absingen des Schiwisi fielen die Schollen auf den Sarg der tiefbetrauerten edlen Frau. Jahresbericht der Israelitisch-theologischen Lehranstalt. Nach einjähriger Pause veröffentlicht das Kuratorium der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien wieder einen Jahresbericht, und zwar ist es der XXXI. und XXXII. Bericht dieser Anstalt für die Schuljahre 1923/24 und 1924/25. Der Weiterbestand der Anstalt, welcher nach dem Umsturz ernstlich gefährdet war, ist vor allem den hochherzigen Spenden jener ausländischen Kreise zu danken, welche in der richtigen Erkenntnis der Bedeutung dieser Anstalt für das Gesamtjudentum die Mittel für deren Weiterbestand aufgebracht haben. Hierzu gehören vor allem das AmericanJewishRelief Com mitte mit einem Jahresbeiträge von 1300 Dollar, Herr Rabbiner Dr. Stephan S. W i s e in New York mit einem durch eine Sammlung aufgebrachten Betrage von 1000 Dollar und die Central Conference of American Rabbis in Washington mit einem Betrage von 414 Dollar. Hierzu kommt eine Spende des Herrn Rabb. Dr. Sicher in Nachum im Betrage von 25,133.000 Kronen, ein Betrag der Wiener israelitischen Kultusgemeinde von 5,000.000 Kronen, eine Regierungssubvention im Ausmaße von 600.000 Kronen sowie diverse Tempelspendea Wie der Rektor Prof. Dr. Adolf Schwarz in seinem Bericht anführt, ist in der letzten Zeit ein Rückgang der Hörerzahl zu verzeichnen. Dieser quantitative Rückgang jedoch wird durch eine qualitative Besserung des Hörermaterials wettgemacht, welche Besserung noch verstärkt werden könnte, wenn die materiellen Verhältnisse der Hörer sich günstiger gestalten würden. Für das Studienjahr 1923/24 wurde von der Oberrabbiner Dr. Chajes- Stiftung als Preisaufgabe folgendes Thema gestellt: „Sammlung und Erforschung der in den Gutachten des R. Meir, Rothenburg enthaltenen historischen und kulturhistorischen Dokumente." Der erste Preis wurde der Arbeit des cand. phil. H. J. Zimmels, der zweite der Arbeit des Herrn Dr. H Teller zuerkannt. Für das Studienjahr 1924/25 wurde folgende Praisaufgabe gestellt: „Das Verhältnis der Agadah zur Halachah auf Grund einer Untersuchung von Genesis rab und Numeri rab." Der Preis wurde einer gemeinsamen umfangreichen Arbeit der Herren Hirschberg und Murmelstein zuerkannt. Der Titel der Preisaufgabe für das Studienjahr 1925/26 lautet: „Sind die vom Talmud lückenhaft genannten Mischnajoth und Bereithoth vom enthymematischen Standpunkte durchgehends als solche zu betrachten?" In den letzten zwei Jahren wurden an der israelitisch-thologischen Lehranstalt folgende Vorlesungen gehalten: 1. Bibel und Exegese 1923/4 Ps. 73 bis 101, 1924/5 101 bis Ende v. 3 St. Prof. Dr. S. Kraüss, 1923/4 Ibn Esra Exod 1 bis 8, 1924/5 Nachmanides Exod 1 bis 12 v. 2 St. Prof. Dr. Aptowitzer. 2. Talmud stataresch 1923/4 Chullin 89 b bis 117 a, 1924/5 Sabbat 2 bis 25 v. 6 St. Der Rektor. Talmud cursorisch 1923/4 R. H. 2 bis 28. 1924/5 Kerithoth 2 bis 25 v. 2 St. Derselbe. 3. Schulchan Aruch, Joreh deah 1923/4 § 45 bis § 68. 1924/5 69 bis 95 v. 2 St Derselbe. 4. Isagogik 1923/4 Einleitung in die Mischnah, 1924/5 Hermenentik v. 1 St. Derselbe. 5. Homiletische Uebungen in beiden Jahren v. 1 St. Derselbe. 6. Midrasch 1923/4 Cand rab. 1 bis V, 1924/5 Gen. rab. I bis IV. Prof. Dr. Aptowitzer 7. Grammatik 1923/4 Abr. Ibn Esra als Grammatiker, 1924/5 Aramiäsche Grammatik Esra und Daniel v. St Prof. Dr. Krauss. 8. Geschichte in beiden Jahren, die Juden in Frankreich v. 2 St Derselbe. 9. Liturgie 1923/4, deren Geschichte im Mittelalter, 1924/5 Menhagim der Geonim v. 1 St. Derselbe, 10. Religionsphilosophie 1923/4 Emunoth, Einleitung, 1924/5 Olam Katan v. 2 St Prof. Dr. Aptowitzer. Ein Lektorat für neuhebräische Sprache und Literatur in Prag. An der tschechischen Universität in Prag ist zum Lektor des Neuhebräischen Rabbiner Dr. Hirsch ernannt worden, der im kommenden Wintersemester über neuhebräische Literatur lesen und gleichzeitig Sprachübungen veranstalten wird. Da Lehrstühle bisher außer in den Vereinigten Staaten von Nordamerika nur in Leipzig, Berlin (wo der bekannte Prof. Strack wirkte) und Cambridge vorhanden sind, ist die Errichtung dieser Lehrkanzel um so bemerkenswerter. Doktor Hirsch ist ein geborener Prager, der noch vor der Teilung der Universität in Prag und dann in Oxford studierte, wo sich gleichfalls ehemals ein neuhebräischer Lehrstuhl befand. Dem neuen Lektorat kommt hohe wissenschaftliche Bedeutung zu. An den Universitäten wird das Hebräische als die Sprache der Bibel gewährt; aber so, wie die Bibel nicht das einzige