Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 44 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 44 mir erlauben. Er hieß von Haus aus Ignaz Trebitsch, ging jung aus Ungarn fort, und zwar nach Amerika, dann als Kohlenschipper nach England; in einem Missionshaus fand er Aufnahme und lohnte die Gastfreundschaft mit Diebstahl. Später kam er nach Hamburg in die Mission. Seinem Wunsche, getauft zu werden, widerstanden die Leiter (die Pastoren D. Astor und D. Frank); er wurds Hausknecht in Hamburg und dann Knecht in der Nähe von Bremen. Endlich wurde er, und zwar von Pastor D. Frank getauft und nahm Weihnachten 1899 in der Jerusalemkirche zu Hamburg noch den Vornamen Timotheus an. Nach vielen Irrfahrten kam er nach Kanada, wurde Leiter der Mission in Montreal, aber sein unruhiger Göist ließ ihn nicht zu Ende ausharren und so ging er nach London; auch hier hielt er ein Studium nicht aus; als Privatsekretär eines englischen Großkaufmannes hielt er seinen Einzug in das Parlament als Trebitsch-Lincoln." Nächstenliebe. Die Czernowitzer „Ostjüdische Zeitung" hat vor kurzem über die Sammlungen an den nichtjüdischcn Blumentagen geschrieben und es beanstandet, daß sehr oft der christlich-konfessionelle Zweck nicht betont wird, weil man den jüdischen Spendern zumutet, sie könnten die Spenden verweigern und verringern, wenn sie wüßten,t daß nicht für jüdische, sondern für christliche Zwecke gesammelt wird. Wir Juden spenden, ohne eine Unterscheidung zu machen und wir wünschten, daß auch die anderen in jedem Unglücklichen nicht den Angehörigen einer bestimmten Konfession sehen, sondern den Menschen. Die Czernowitzer deutsch-katholische „Heimat" reagierte auf diese Notiz und meint, daß die katholischen Sammlerinnen nur deswegen auf eine Frage nach dem Zwecke der Sammlung eine verlegene Antwort geben, weil sie — es handelt sich zumeist um Kinder — desorientiert sind. Weiter schreibt die „Heimat": „Daß die Juden bei solchen Gelegenheiten spenden und mehr spenden als andere, wissen wir. Das Gleiche müssen die Juden aber auch uns Katholiken zugestehen. Nach der christlichen Lehre ist auch der Jude unser Nächster und es kommt nicht vor, daß ein Katholik vernünftigerweise seine Hand zugemacht hat, wenn für arme Juden oder Waisenkinder gesammelt wurde." Sehr erfreulich ist in dieser Aufklärung das ehrliche Zugeständnis, daß die Juden bei solchen Gelegenheiten spenden und mehr spenden als andere. Wir wollen ni^ht darüber rechten, ob auch die Katholiken uns gegenüber das Gleiche tun. Wir wollen aber insbesondere einen Satz aus der Publikation der ,.Heimat" hervorheben. Dieser Satz lautet. .,Nach der christlichen Lehre ist auch der Jude unser Nächster." Unter dieser Bemerkung muß man verstehen, daß die Katholiken und die Christen überhaupt nach dem Worte unserer Bibel (III. B. M. XIX., 18) verpflichtet sind, die Juden so zu lieben, wie sich selbst oder — nach der negativen Fassung der Evangelien — uns nicht das antun, wovon man nicht wünscht, daß es den Christen geschehe. Wir wollen die deutschen Katholiken beim Worte nehmen und gelegentlich an der Hand ihrer Taten und ihrer Publikationen prüfen, ob sie die Worte ihres Heilandes auch befolgen. Polens „Numerus clausus". Ungeachtet des Zirkulars des Unterrichteministers Stanislaw Grabski an die akademischen Behörden} wonach bei der Aufnahme von Studierenden konfessionelle und nationale Rücksichten ausgeschaltet sein müßten, bestehen die Einschränkungen gegen jüdische Studierende auch weiter fort. An der medizinischen Fakultät der Warschauer Universität wurden im ganzen 8 Juden bei 100 freien Plätzen aufgenommen. Bei der chemischen Fakultät des Warschauer Polytechnikums wurden bei 90 freien Plätzen nur sechs Juden aufgenommen. Die medizinische Fakultät dei- Lemberger Universität hat im ganzen 12 Juden die Aufnahme gewährt. Auch an der juridischen Fakultät in Lemberg wird die Prozentnorgn gegen jüdische Studenten sehr scharf 'eingehalten. Dabei ist zu bemerken, daß in den Zeiten des Zarismus, da die Prozentnorm gegen Juden sehr scharf eingehalten worden war, immerhin mehr Juden an den Universitäten Kongreßpolens Aufnahme fanden als jetzt Der „Numerus clausus" wird eben unentwegt weiter praktiziert: grau ist alle Theorie, meint man wahrscheinlich. Es sind schon siebeneinhalb Milliarden Kronen geworden, die man mit einem einzigen Los der 14. österreichischen Klassenlotterie gewinnen kann. Bestellen Sie sofort eine Glücksnummer mittels der unserer heutigen Auflage beiliegenden Bestellkarte bei der bekannten Geschäftsstelle Eduard Bellak & Cie., Wien I., Börsegasse 14. (Glücksbellak). Jedes zweite Los gewinnt. Der große Leopoldstädter Tempel geheizt. Wir erhalten folgende Zuschrift: Als langjähriger Sitzinhaber im großen Leopoldstädter Tempel kann ich nicht umhin, meiner freudigen Ueberraschung Ausdruck zu verleihen, als ich neulich beim Besuch des Gottesdienstes den großen Raum in allen seinen Teilen vorzüglich geheizt fand. Wenn auch der Tempel in den vergangenen Wintern über Erwarten gut besucht war, so war doch der Besuch, besonders für ältere Leute, ein Opfer und mit der Gefahr, sich gründlich zu erkälten, verbunden. Die jetzt allgemein freudig begrüßt behagliche Wärme wird gewiß mit dazu beitragen, das einst so prächtige Gotteshaus wieder ganz seiner Bestimmung zuzuführen und es zu einem Zentrum des jüdischen Lebens in Wien zu machen, wie es dies vor dem unglückseligen Brande gewesen ist. Allen, die sich um die Anschaffung der Beheizungsanlage verdient gemacht haben, insbesondere Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Max Grunwald sei an dieser Stelle im Namen sämtlicher Tempelbesucher herzlichst gedankt! J. Singer. Die Vorfälle im Restaurant Tonello. In Ergänzung unseres in der letzten Nummer gebrachten Berichtes über die bedauerlichen Vorfälle, welche sich jüngst in dem bekannten Wiener jüdischen Restaurant Tonello abgespielt haben, teilen wir mit, daß nach den zwei berichteten Besuchen der Arbeitslosen nunmehr Ruhe eingetreten ist. Die Vorfälle haben sich nicht mehr wiederholt, die Stammgäste sind wieder zurückgekehrt und Herr Tonello hat den wiedergekehrten Frieden dadurch in schöner Weise bekräftigt, daß er die Kündigung seines Personals zurückgezogen hat. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 7. November d. J., um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. u Die Union deutschösterreichischer Juden (Jugendsektion) veranstaltet, wie bereits berichtet, am 7. d. M. im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 4, eine Festakademie mit anschließendem Tanz. Beginn 8 Uhr abends. Programm: Hermann Wiedemann, Staatsoper; Karl Günther, Burgtheater; Rene Pfiffer-Lax, Volksoper; Adolf Baller, jugendlicher Klaviervirtuose; Fritz Steiner, Theater an der Wien; Friedrich Pistol, Volksoper; Viktor Renaldo, Apollotheater; Kapellmeister Adolf Funkenstein, Volksoper. Erstklassige Ball- und Jazzband- Kapelle. Gäste aus den der „Union" nahestehenden Kreisen sind herzlichst willkommen. Karten sind bei den Ausschußmitgliedern sowie in der Redaktion der „Wahrheit", IL, Heinestraße 13, als auch an der Abendkasse erhältlich. Tempelverein „Aeschel Awrohom". Anläßlich des fünfzigjährigen Bestandes dieses Tempel-Vereines (lt., Pazmanitengasse 6), wird vom Vorstände des genannten Vereines eine Stiftungstrauung für den 26. Kislew (2. Chanukatag) 1. J., gewidmet. Würdige mittellose! Brautpaare' wollen ihre mit sämtlichen hierzu erforderlichen Dokumenten versehenen Gesuche bis spätestens 21. Cheschwan (9. November) im Sekretariat, II. Pazmanitengasse 6, zwischen \YA und Uhr persönlich überreichen. Die Jugendgruppe des Tempelvereines (IL, Pazmanitengasse) veranstaltet am Samstag, den 7. November 1925 um 8 Uhr abends im Kursalon (Marmorsaal), Wien L, Parkring 1, unter Mitwirkung erster Kunstkräfte eine Akademie mit anschließendem Tanz. Gäste willkommen. Das Rekonvaleszenten- und Erholungsheim „Philantropia", ladet seine Mitglieder, Gönner und Freunde zu der am 11. November 1925, um 6 Uhr abends, im Tempelgebäude, VIII., Neudeggergasse 12, stattfindenden Generalversammlung höflichst ein. „Kurfürsorge", Humanitärer Verein zur Unterstützung armer Kurbedürftiger, veranstaltet Mittwoch, den 11. November 1925 (Vorabend des Staatsfeiertages), in den Olympia- Sälen, I., Rothgasse 5, eine Akademie mit Tanz. Beginn %9 Uhr abends. Entree S 2.50. Karten im Vorverkauf: Dr. J. L. Braun, IL, Große Stadtgutgasse 7, Dr. Ludwig Fischl, IL, Novaragasse 32, Cafe Niebauer, IL, Taborstraße 37, Cafe Arlon, L, Rothgasse 5. - Gründungs-Tee des jüdischen Frauen-Wohltätigkeits- Vereines. Am 27. Oktober d. J. um J^5 Uhr nachmittags fand in den Sälen des Hotel Imperial ein Gründungs-Tee des jüdischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines X statt, der dank dem Entgegenkommen des Generaldirektors Kommerzialrat Oskar