Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 41 (16.10.1925)
- Date
- 1925-10-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Die Wahrheit Sehe f außer Oesterreich Länder gibt, in denen viele in der antisemitischen Oesinnung etwas LöbÜches finden. Aber Freunde des Fortschrittes brauchen nicht zu verzagen. Vielleicht kehrt man wieder zu der Zeit zurück, wie die es war, in der Lueger es als Schimpf erachtete, ein Antisemit zu sein. * Bücher sind oft dauerhafter als Monumente von Marmor und Erz. Und so darf man wohl sagen, daß in den letzten Tagen dem Exkaiser Wilhelm II. in den Büchern von Männern, die ihm einst nahe standen, und ihn genau kannten, gar kuriose Denkmale errichtet wurden. Das deutsche Volk dürfte bei der Lektüre dieser Bücher sich entsetzt fragen: Sah so der Mann aus, dem alles in ersterbender Verehrung zu Füßen lag? Wilhelm II. wird es sich gefallen lassen müssen, daß diese Monumente, in zahlreichen Schränken aufgestellt, auf die Nachwelt kommen werden. Er hat es auch nicht hindern können, daß das Denkmal Heinrich Heines, das einst die edelsinnige Kaiserin Elisabeth im Achilleion errichtete und das Wilhelm von dort hinauswerfen ließ, demnächst wieder unter großen Ehren auf deutschem Boden, in Altona, seine Auferstehung feiern wird. In Hamburg hatten bekanntlich die Völkischen, die mit Wilhelm die Abscheu gegen Heine teilen, das Denkmal besudelt; in Altona will man dafür sorgen, daß dem Dichter diese Schmach nicht widerfahre. Aber selbst wenn die Völkischen schon Wilhelm zu Ehren dies auch in Altona versuchen wollten, was liegt daran? Heine hat sich mit seinen Büchern selbst das herrlichste Denkmal geschaffen, an das völkische Schmutzwellen nicht hinanreichen. * * * Die Judenfeinde haben Bela 'Kun ein treues Andenken bewahrt; sie sorgen dafür, daß die Erinnerung an ihn immer wieder neu belebt wird. Ihm dankten sie den Vorwand für die bösartige Verfolgung, Mißhandlung und Beraubung von Juden. Vergebens haben die ungarischen Juden darauf hingewiesen, daß sie selbst nicht weniger als die Christen unter den Greueltaten der Kommunisten zu leiden hatten. Es half ihnen nichts, es hieß doch immer: Bela Kun war ein Jude! Jeder Mensch in Ungarn weiß, daß Bela Kun nichts ohne Graf Michael iKarolyi gewesen wäre. Nun. Karolyi büßte für sein Tun und Lassen. Ist es aber jemandem in Ungarn eingefallen, seinetwegen alle Aristokraten zu züchtigen? Den Luxus solcher Unvernunft gestattet man sich nur, wenn es sich um Juden handelt. . - Ego. &ettes I-ROTGA5SE-1 Moses Monteüore. Ein Gedenkblatt von Dr. Max Grunwald. (Fortsetzung.) Moses Montefiore begab sich nach Saffi, wo er durch ein Signal von der Küste ^die starke Brandung machte das Lanaen unmöglich) auch von der Freilassung der anderen Gefangenen hörte. Eine Deputation von Mauren aus einem entlegenen Teile des Landes erschien bei ihm in Tanger und. bat fienentlich um seine Intervention zugunsten der Freilassung eines Mitgliedes ihres Stammes, das unter dem Verdachte, einen Juden ermordet zu haben, im Gefängnis saß. Da dieses ungiucKhcne Uescftöpf die Ouaien eines maurischen Gefängnisses zwei und ein halbes Jaiir lang erduldet hatte, ohne zu irgend einem Verhöre zu gelangen, so gewährte Montefiore üie bitte sofort. Der Maure wurde seiner Fesseln entledigt, von seinem btamm vor den Baronett geführt, dem er für seine Freilassung üanKte, während inm zugleicn die Häuptlinge ihre feierliche Versicherung gaben, dab sie die Verantwortlichkeit für die Sicherung aller bei Tage in ihrem Lande »•eisenden Juden übernehmen wollten. Nach Gibraltar zurücKgeKehrt, wurde Monteüore von seinem alten rreunde, .Sir W. Codrington, zu jener Zeit Gouverneur der Festung, freundlich empiungen, der unter Mitwirkung von Lord John Kusseii das Knegsscniif „Magiuama"' zu seiner Verfügung stellte. Sir Moses landete in Mogador und naüm seinen Weg durch die Atlaswüste bis zur Hauptstadt Marokkos. Fr stand damals im 79. LeDensiaUre und reiste bei schwerem Tau und starKen Wind acht läge hindurch zur Nachtzeit und bei glühender bonnenhitze durch eine unwegsame Wüste. Da er die Anstrengungen einer Reise zu Pferde nicnt mehr ertragen konnte, so ließ er sich von Mauleseln in einer Sänfte führen, die ihm der portugiesische Gesandte in Tanger geliehen /iatte. In der Hauptstadt angekommen, empfing bir Moses die Besuche von 30UO bis 4U0Ü Juden, in Gegenwart von oüü Soldaten empfing der Kaiser von Marokko seinen hohen Gast, der von den Offizieren der „Magiuama", von dem britischen Konsul in Tanger, seinem Leibarzt Dr. Hodgkin, M. Sampson Samuel, Sekretär des „Board of Deputies", und Mr. Moses Navon aus Tanger begleitet war. Der Sultan erschien auf einem prächtigen weißen Berber, was für die Gäste von guter Vorbedeutung war. Hätte er sein schwarzes Koß bestiegen, so würde dies von vornherein die Verweigerung jeder Bitte bedeutet haben. Sir Moses überreichte seine Denkschrift und wurde später von dem Premierminister empfangen. Die Vergrößerung und Erweiterung der engen jüdischen Quartiere in Mogador, die Ueberlassung eines Hauses als Hospital in Tanger wurde besprochen, und als Erwiderung auf die Denkschrift erhielt Sir Moses ein Edikt des Sultans, in dem den Juden vollständige politische Gleichheit mit den Muselmännern gewährt wurde. Der Sultan führte Sir Moses durch seine Gärten, ein Hundgang der mehrere Stunden in Anspruch nahm. Auf seiner Rückreise nach der Küste wurde Sir Moses von den verschiedenen Platzkommandanten mit allen Ehren empfangen. Obschon Verfolgungen dann und wann in Marokko noch vorgekommen sind, so verblieb das Edikt doch als ein Pfand, dessen Verletzung ein Recht zur Klage beim Sultan gab; und die moralische Wirkung, einen Mann aus der „niedrigen Rasse" von ihrem Herrscher so hochgeehrt zu sehen, war für die folgenden Zeiten von bedeutendem, wohltätigem Einfluß auf die muselmännische Bevölkerung. Was ihm überall die Herzen gewann und seine Unternehmungen förderte, war der durchaus selbstlose Charakter seiner Bemühungen für das Wohl seiner Brüder, die persönlichen Opfer, die er für sie brachte und nicht zum wenigsten seine durch und durch ernste und tiefe Frömmigkeit Er fühlte sich, wie er sagte, glücklich, die Macht zu haben, der Wahrheit zu dienen. Vor seiner Abreise von London im Jahre 1840 erklärte er öffentlich: „Wir gehen, um die Forderungen der Menschheit zu verteidigen; wir gehen, die dunklen Triebe satanischer Machinationen aufzuhellen; wir gehen, unsere Brüder im Osten von dem Schandfleck zu reinigen, den In- JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkaut: Wien II., Glockengasse 84 Wien 1I.( Taborstraße 44