Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 17 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 17 Männer, die unbeschadet ihres Eides auf die Verfassung der Republik, unentwegt für düie monarchische Idee weiterarbeiteten. Ein solcher war zum Beispiel Mac Mahon. Man kennt auch — zur Abwechslung — einen angeblich monarchistisch gesinnten Platzhalter, der, um seinen Platz zu behalten, gelegentlich auch auf den Waggon schießen ließ, in welchem sein König saß. Hindenburg weiß sicherlich, wie er seine Öde vor seinem Gewissen zu rechtfertigen hat, aber ist es ein Wunder, daß viele treue Republikaner im deutschen Reiche sich mit Sorge die Frage vorlegen, ob der begeisterte HohenzoHernfreund Hindieniburg unter allen Umständen imstande sein wird, seinen Eid, die Verfassung der Republik matt allen Mitteln zu wahren, auch zu halten. Man sieht, die Wahl Hindenburgs zum Präsidenten des Deutschen Reiches, weoin man sie auch bestenfalls nur als die gefühlsmäßige Huldigung für den greisen, ruhmgekrönten Feldherrn gelten lassen, ist nicht geeignet, viele Besorgnisse zu entkräften, die von den besten deutschen Patrioten gehegt werden. Die deutschen Juden haben aber allen Grund, diese Besorgnisse im erhöhten Maße zu teilen. Sie müssen darauf gefaßt sein, nicht nur an hegt werden. Die deutschen Juden haben aber allen erster Reihe für sie zu büßen. Die Rolle des Sündenbockes ze spielen gehört nämlich seit jeher zum tragischen G eschik der Juden. Ego. &qUqs I R.OTGA5SE 1 Drei Gräber. Ein Pessach-Schlußbetrachtung. Von Dr. Max Grunwald. Einem dringenden Wunsche zahlreicher Besucher des großen Leopoldstädter Tempels, insbesondere aus dem Kreise des Bethausvorstandes, entsprechend, sind wir dank dem gütigen Entgegenkommen Sr. Ehrwürden in der angenehmen Lage, unseren geehrten Lesern den Wortlaut der folgende« Rede zu bieten. I. In Nissan besucht man keine Gräber. Aber im Geiste dürfen und wollen wir heute drei Gräber besuchen. Von einem Grabe nimmt seinen Ausgang der Auszug aus Aegypten, vom Grabe Josefs. „Und Mose nahm die Gebeine Josefs mit sich." So hatte es Josef gewünscht und so hat es Mose gehalten. Vor kurzem zogen Wiener Juden hinaus an das Grab H e r z l s. Auch ihn beseelte der Wunsch, seine endgültige Ruhestätte im Lande der Väter zu finden. Und in Breslau bekränzten dieser Tage das Grab L a s s a 11 e s Männer und Frauen verschiedenen Stammes, aber alle einig in einem Grundgedanken unserer heiligen Lehre, den Lassalle verfochten hat, als dessen Vorkämpfer er der Erlöser unzähliger Unterdrückter geworden ist. Drei Gräber. Die in ihnen ruhen, waren alle drei Kinder 2 i n e r Mutter, treue Söhne unseres Stammes. Und doch, wie verschieden ihr Streben und Leben! Josef ist eine durch und durch religiöse Natur. „Ich fürchte Gott." Das ist der Grundzug seines Tuns, der Grundton seiner Reden, wofern man bei ihm von Reden sprechen darf. Er gehörte nicht zu jenen, die viel verheißend lange Reden halten, aber ein Wort zu halten nicht imstande sind. Er redet wenig, aber sein Wort hält er dem Vater auch nach dessen Tode durch brüderliche Treue gegen die Geschwister. Und wie er die Treue gehalten, so durfte er auch von seinen Nachkommen hoffen, daß sie ihm ihre Treue bewahren. Er blieb bis heute die Verkörperung der „Emunoh'\ der Religion, die Treue ist, Treue gegen, Gott und Treue gegen die Menschen, und gilt noch heute jedem relidösen Juden als Josef „hatsaddik", der Gerechte, der wahrhaft fromme. Josef ist das Urbild des Golus-Juden im besten Sinne des Wortes. Er mag auf das tiefste erniedrigt werden oder zu Literarische Streifzüge. (Fortsetzung.) Einen außerbiblischen Zweig des jüdischen Schrifttums im Alterium pflegt A. Cowley, Aramaic Papyri of t h e f i f t h Century B. C, Oxford, Clarendon Press. Lichtvoll wird hier zusammenfassend ein Gegenstand behandelt, der in etwa zwei Jahrzehnten nicht weniger als hundertmal erörtert worden. Jüdische Söldner des persischen Besatzungsheeres in einer ägyptischen Garnison treten in Verhandlungen mit der jüdischen Zentrale in Jerusalem. Sie haben ihren Tempel mit Opferdienst Die Götter Aegyptens genießen bei ihnen neben dem Gott der Väter eine gewisse Anerkennung. Für die Feier des Pessachfestes werden von der persischen Regierung diesen jüdischen Kriegern genaue Vorschriften übermittelt. Sie dürfen aegyptische Sklaven halten, etwa 1000 Jahre nach jener Nacht, in der nactf dem biblischen Berichte ihre Väter aus dem Sklavenhause Aegyptens gezogen waren. Wir lernen in manchen Einzelheiten ihr Gerichtswesen, ihre Ehekontrakte, ihre Namen u. a. kennen, was zahlreiche wichtige Verbindungen zu der Vergangenheit wie zur lebendigen jüdischen Gegenwart schlägt. Des Stoffes genug, um jeden für jüdische Dinge Interessierten zu . bestimmen, immer wieder dieses Buch zun Hand zu nehmen, das alle bisherigen Forschungsergebnisse auf diesem Gebiete mit kritischer Meisterschaft zusammenstellt. In das talmudische Gebiet fällt: „Der babylonische Talmud". Uebertragen und erläutert von J. Fro.mer, Brandus. Berlin 1924. Der Uebersetzer erklärt: „Um eine Willkür möglichst auszuschalten, griff ich grundsätzlich die ersten Seiten eines jeden Traktates heraus." Das würde „dem Uneingeweihten, dem es nur darauf ankommt, einen Einblick in die talmudische Dialektik zu gewinnen, vollkommen genügen". Einen Laien in ein Werk wie der Talmud einführen, d. h. ihm einen ungefähren Begriff von dem Geiste der Halacha geben wollen, ist etwa dasselbe, wie wenn man einem Nichtmathematiker Einsteins Relativitätslehre vortragen wollte. Und wenn man da, „um nicht der Willkür geziehen zu werden", die ersten Seiten aus den Schriften Einsteins zusammenstellen wollte so dürfte es kaum dem „Uneingeweihten" vollkommen genügen. Es fügt sich glücklich, daß kurz nach der Arbeit Frommers im Berliner Philo-Verlag ein Heftchen: J. B e r n f e 1 d, „Einführung in das Wesen der talmudischen Diskussion" erschienen ist. Vergleicht man diese kleine Auslese und die Art, wie sie dargeboten wird, mit F.s Uebersetzung, so gewinnt man eine Vorstellung davon, wie F. seinen „Uneingeweihten" besser hätte ans Ziel führen können. Die Randglossen! S. 109, 115, 163 u. s. sind wie für Missionszwecke geschrieben. F. hätte doch nur einmal einen der Scholastiker, auf die er ja gelegentlich hindeutet, über die Wunde Christi oder gar obszöne Dinge oder ein Stück aus einer persischen Religionsurkunde über den Kuh-Urin im Ritual zu zitieren brauchen oder eine Stelle aus dem ersten besten Bericht über eine moderne Juristentagung, dann wäre dem Leser seiner Uebersetzung manches Talmudische weniger bizarr und* obstrus vorgekommen, als es ihm so,, ohne jeden Maßstab, erscheinen muß. Daß von dieser Auswahl, die nach F.'s Angäbe den Schein der Willkür darstellt, jemand befriedigt werden könnte, das zu glauben, können wir beim besten Willen nicht über uns bringen. Für die Ausstattung hingegen verdient der Verlag die höchste Anerkennung. Eine kompendiäre Arbeit liegt vor in: Die Lehre«, des Judentums, IV. Teil. „Gott". Berlin, 1924, Schwetschke u. Sohn. Die vom „Verbände der deutschen Juden" unter