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Die Wahrheit · 1925-05-01 · Heft 17 (1.5.1925) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 17 (1.5.1925)
Date
1925-05-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1,« Hr. 17 DIE WAHRHEIT Seite 3 höchstem Glanz emporsteigen, er bleibt sich gleich. Er ist im Herzen Jude, nicht wie so mancher, der uns das beteuert und beteuern muß, weil wir es ihm sonst nicht glauben würden, wenn wir sein Haus sehen, das nichts weniger als jüdisch ist. Josef führt ein jüdisches Haus und erzieht seine Kinder zu würdigen Stammvätern unseres Volkes. Aber so tief er sich auch in die ägyptische Umgebung einlebt, in der er die höchste Ehre erklimmt, die einem nicht aus königlichem Blut Entsprossenen erreichbar ist. so nennt er Aegypten doch „das Land des Elends", die Fremde, wie unsere Väter auch das Brot, das sie in Aegypten aßen, „das Brot des Elends" nannten. „Aus dem Lande der Hebräer bin ich gestohlen worden", so bekennt er frei und offen. Und sein letzter Wunsch ist: „Wenn Gott euer gedenkt, so gedenket auch meiner und, nehmet meine Gebeine mit euch." Auch Herzl wünscht in der alten Vatererde zu ruhen. Er wünscht aber, daß Juden dorthin gehen, nicht nur um dort zu sterben, sondern um dort zu leben. Und nicht nur einzelne Juden, sondern seinem ganzen Volke will er dort eine Heimstätte bereiten. Herzl, der Westjude, der von jüdischer Art weniger weiß als der schlichteste Ostjude, wird doch zum Führer der ostjüdischen Massen, weil er ihrem Sehnen und ihrem Bemühen1, das alte Väterland zu neuem Leben zu erwecken, die zeitgemäße Form gibt. Den ganzen Apparat moderner Staatskunst, das ganze Räderwerk weltgewandter Diplomatie läßt er spielen. Aber auch er spricht: „Ein Hebräer bin ich." Erst Rückkehr zum Judentum, vor allem zur Vätersprache, dann Rückkehr ins Judenland! Mit dem Schlagwort vom jüdischen Nationalismus warf er einen Brandpfeil ins jüdische Lager. Wie in der Haftara desl ersten Pessachtages Josua dem Gottgesandten zuruft: „Gehörst du zu uns oder hältst du zu unseren Feinden?" so riefen Herzl und) sein Anhang: „Wer nicht für uns» ist, ist gegen uns!" Und dieses Für und Wider schied die Gemeinden und schied Familien in gegnerische Gruppen. Gekämpft wird um Herzls Idee auf allen Wegen und Stegen, wo Juden wohnen. Ein Vorläufer Herzls war L a s s a 11 e. Mit der hochgespannten Energie, die seinem überschäumenden Wesen eigen war, wollte er sich in seiner Jugend an die Spitze seines unterdrückten Volkes stellen und ihm seine alte Heimat zurückerobern. Die Zeit war dafür nicht reif. Statt Erlöser eines geächteten Volkes wurde er Befreier der Geknechteten! aller Völker. Im Mittelalter zogen raubgierige Scharen nach dem Osten, um ein Grab, das ihnen heilig war, zu erobern. Um dieses einen Juden willen, dessen Grab dort gezeigt wird, bereiteten sie unzählige Gräber, allen den Juden, die sie auf ihrem Wege fanden. Aus Rache dafür, daß man* den einen Juden zu ihrem Gotte gemacht, stempelten sie zu Teufeln alle anderen Juden. Wie anders der Jude! Wie anders Lassalle! Er zog aus, um aus jener alten Gräberstätte, dem heiligen Lande, neues Leben zu zaubern. Und auf seinem Wege fand er die Aufgabe, zu neuem Leben, zur Freiheit zu erwecken den vierten Stand, den Stand der Entrechteten aller Länder. II. Drei Gräber. Sie liegen weit auseinander. Das eine am Jordan, das andere an der Donau, das dritte an der Oder. Und ebensoweit stehen von einander ab die Gefolgschaften derer, die in ihnen ruhen. Als national rückständig werden die Anhänger Josefs bezeichnet von der Gefolgschaft Herzls und als sozial zurückgeblieben diese von den Getreuen Lassalles. Und diese drei Gruppen sind zu Parteien geworden, in die zerklüftet und zerrissen ist unser Judentum. Man mag das beklagen oder begrüßen, als Tatsache muß man es anerkennen. Und zwischen Tatsachen vermitteln, gegen Unvermeidliches anrennen wollen, belädt mit dem Fluche der Lächerlichkeit. Wohl hört man manchen, der in einer der drei Parteien steht, von Frieden reden. Aber in dem Sinne, in dem man im Weltkriege von einem Siegfrieden sprach oder 1848 in einem deutschen Kleinstaat: „Und der Großherzog absolut wenn er unseren Willen tut." Der Parteimann ist von der Vorzüglichkeit und alleinigen Berechtigung seiner Partei so überzeugt, daß Friede für ihn gar nicht anders denkbar ist, als in Annahme seines Parteiprogramms.. Die meisten Parteimänner reden aber gar nicht vom Frieden. So scharf als möglich wollen sie ihr Programm abgegrenzt und überall reinliche Scheidung sehen. Nicht zu reden von jenen, die nicht für die Partei, sondern von der Partei leben deren Existenz im Zwiespalt verankert ist. So die Parteiblätter, denen mit dem Angriffsobjekt der Boden unter den Füßen entzogen würde. Einzig im Aufhetzen ihrer Leser gegen andere Parteien besteht ihre Daseinsberechtigung. Schneidet man einen Apfel auf, so verliert die Schnittfläche in kurzem ihre weiße, reine Farbe. Mikroskopisch wahrnehmbare Lebewesen haben sich festgesetzt. Daher die Erbitterung des Parteienkampfes, weil so mancher im Kampfe für die Partei um obigem Titel herausgegebene Quellenschrift bietet in dem vorliegenden Bande wieder gut gesammeltes und gesichtetes Material sowie belehrende Einleitungen, und zwar von Baeck, Wiener, Holzmann, Elbogen, Loewenthal und Bernfeld. Die gegen das Zauberwesen gerichteten Zitate sind um so bemerkenswerter, als sie sich gegen Anschauungen und Uebungen wenden, denen man noch heut in manchen jüdischen Kreisen begegnet. Daß Friedr. Hertz S. 23 unter „christlichen" Schriftstellern angeführt wird, ist wohl nur ein Versehen. Ebenso bietet einen Rundblick über die jüdische Geisteswelt J. H. Hertz, Jüdische Gedanken und Gedanken über das Judentum. Uebersetzt von Rosa Perles, eingeleitet von F. Perles. (G. Engel, Leipzig 1924.) Alle Richtungen im Judentume sind berücksichtigt, Juden der verschiedensten Zeiten und Länder kommen zu Worte. Das Buch empfiehlt sich besonders als Geschenkwerk. Zur hebräischen Wortkunde gehört: M. D. Groß, „Hamilon haschalem," 1. Teil. Hebr.-Deutsch. (Wien 1924. Menorah). Das Buch ist trotz der vielen bereits vorhandenen Arbeiten auf diesem Gebiete mit Dankbarkeit zu begrüßen. Für jeden, der auf Reisen hebräische Lektüre treibt, wird das handliche Büchlein eine willkommene Gabe sein. Wenden wir uns dem späteren jüdischen Schrifttum zu, so fällt uns) vor allem in die Augen Adolf Weiß, Mose ben Maimon. (Leipzig 1924, Felix Meiner, Bd. 2 M. 8, Bd. 3, M. 10.) Mit unsäglicher Sorgfalt wird hier jeder Ausspruch Maimunis kritisch daraufhin geprüft, ob er nicht mit andere« seiner Aussprüche in Widerspruch stehe (III. 42.), ob er nicht eine willkürliche Schriftdeutung darstelle oder eine uns nicht vorliegende Lesart im Talmud voraussetze (II. 66) oder einen Midrasch nicht korrekt zitiere (258). Nebenbei werden auf 'Grund gediegener Kenntnisse in der Geschichte der Philosophie Stellen in griechischen Klassikern kommentiert (92.). Daß W.s Angaben nach dem neuesten Stande der Wissenschaft belegt werden (III. 76), ist ebenso selbstverständlich, wie, daß falschen Kommentationen (III. 20) entgegengetreten wird. Es ist eine Meisterarbeit, eine Musterieistung. Einen bekannten Mystiker behandelt Chajim Bloch, Kabbalistische Sagen, Leipzig 1925. Asia Major. Der verdienstvolle Verbreiter kabbalistischen Sagengutes, Ch. Bloch, hat in der vorliegenden Dabietung Geschichten, die von Isak Lurja (A R J) überliefert werden, dem detitschen Leserkreise zugänglich gemacht. Manches, wie die Geschichte „Des Königs Traum" (S. 89), ist längst in den Besitz der jüdischen Volksiegende übergegangen und in ähnlichen Fassungen in den „Mitteilungen zur jüd. Volkskunde" veröffentlicht worden Ganz abgesehen davon, daß die Stimmung unserer Gegenwart diesem Literaturzweig besonders entgegenkommt, bieten solche Veröffentlichungen kulturhistorische und folkloristische Daten von dauernder Bedeutung. Eine feinsinnige Studie liefert S.M.Melamed. Psychologie des jüdischen Geistes. 2. Auflage, Berlin 1921, C. H. Schwetschke & Sohn. Glänzend sind die Antithesen, in denen die Ergebnisse zusammengefaßt werden, so das Judentum als dogmenlose Gesetzreligion neben dem Christentum als gesetzesloser Dogmenreligion, ferner die Statuierung, daß die jüdische Vergeltungslehre nicht theologisch, sondern soziologisch begründet ist, ebenso die Darstellung des Individualismus und Universalismus in der jüdischen Gottesidee, die Würdigung des Talmuds als Daseinsanker des Golusjudentums, der Ausblick auf eine Regenerierung des jüdischen Volkes aaf dem Boden Palästinas, kurzum, das ganze Buch argumentiert durchschlagend. Daß der Talmud nicht, wie von M. wiederholt behauptet wird, in Babylon entstanden ist, daß Grätz nicht 12 Bände seiner Geschichte hinterlassen hat und andere kleine Versehen fallen gegenüber der großen Vorzügen des Buches nicht ins Gewicht. In dieselbe Kategorie fällt M. Wiener. Von den Symbolen. Berlin1 1924. B. Harz. Eine

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