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Die Wahrheit · 1925-04-08 · Heft 14-15 (8.4.1925) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 14-15 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 14/15 DiK WAHRHEIT Seite 9 den, hätte der tapfere Teil ihn nicht in seinen Kahn gerettet und über den stürmischen See in Sicherheit gebracht. Es ist offenbar eine uralte, oft benutzte Erzählung, die für die Legende vom Teil erborgt ward. Ein Märchen des Mi drasch läßt Pharao an Moses nach der Begebenheit mit Dathan und Abiram auf die Angeberei des ersteren das Todesurteil vollstrecken; er spricht: Ich habe genug Qeduld mit diesem Findling gehabt, jetzt muß er für den Totschlag mit dem Leben büßen. Der Scharfrichter schlug nach Moses mit seiem Schwerte, sein Nacken aber ward hart wie Marmor, das Schwert zersplitterte und brach in Stücke. Moses entfloh. Des Königs Leibwache ward von einem Engel geblendet, so daß Moses ihrer Aufsicht entwich. Jethro hielt ihn im der Wüste Midjan zurück, aber Ziporah, Jethros Tochter half ihm zur Freiheit. In Jethros Garten sah Moses einen Strauch, in dessen Zweigen der göttliche Namen eingeschnitten war; er brach ihn aus und er ward in seiner Hand zu einem Stabe. Es ist derselbe Strauch, der mit der Welli gleichzeitig erschaffen wurde, den Adam schon als Stab aus dem Paradies mitnahm und seinen Nachfolgern übergab. So kam er auf Noah, Abraham, Isaak und Jakob zu Josef. Als dieser starb und die Aegypter Feinde seines Hauses wurden, kam er in die Hände Jethros, der damals am Hofe Pharaos lebte. Er pflanzte ihn in seinen Garten* um ihn als einstige Mitgift für seine Tochter Ziporah zu bestimmen. Alle * mächtigen Ritter Midjans erprobten ihre Kraft, um das heilige Reis zu entwurzeln und damit Zrporahs Hand zu gewinnen. Keiner vermochte es, bis Moses erschien, der allmächtige Besitzer und Nachfolger Josefs. Seinen Griffen gab der Strauch nach. Ziporah war sein gehorsam Weib, das in den frommen Wegen Sarahs, Rebekkas, Raheis und Leahs wandelte. Der Stab spielt weiters eine Rolle in der Wanderung durch die Wüste, da mit seiner Hilfe das Wasser aus dem Felsen für das dürstende Volk herausquoll. Uebersetzt von Med.-Rat Dr. Heinrich Haase. Der Jude Lassalle. Eine Studie über jüdischen Kapitalismus. Von Dr. Max Grunwald. In diesen Tagen, da wir das Fest der Befreiung zu begrüßen uns vorbereiten und Tausende aus aller Herren Länder zur Eröffnung der jüdischen Universität in Jerusalem unterwegs sind, rüsten sich weite Kreise zur Feier der hundertsten Wiederkehr der Geburtstagsstunde eines Mannes, dessen Jugendtraum es war, sein Volk in die alte Väterheimat Palästina zurückzuführen, die er in jungen Jahren besucht, der aber statt eines Befreiers seiner Stammesgenossen der mächtige Anwalt und Organisator der arbeitenden Klasse geworden ist: Ferdinand Lassalles. Sein Schlachtruf: „Tod dem Kapitalismus!" bringt uns eine Episode in Erinnerung, die sich hier in Wien vor dreizehn Jahren abgespielt hat. Im März 1912 hielt hier Werner Sombart seinen Vortrag „Judentum und Kapitalismus". Er sprach darin wie früher in Berlin und Frankfurt am Main und später in Galizien und der Bukowina mit einer geflissentlich auffallend stark betonten Anerkennung von der besonderen merkantilen Veranlagung und den hervorragenden industriellen Fähigkeiten des jüdischen Volksstammes. Seine Gedankengänge nahmen sich aus wie eine Huldigung an das schöpferische Ingenium der jüdischen Rasse. Dies hinderte aber nicht, daß seine Darstellung der historischen Entwicklung der Volkswirtschaft gerade in judengegnerischen Kreisen mit unverhohlenen Sympathien aulgenommen wurde, daß parteimäßige Antisemiten gleich einem Teile der jüdischen Zuhörerschaft den Redner mit lautem Beifall auszeichneten. Und auf ein solches Resultat war der Vortragende bedacht, hierauf sein Vortrag eingestellt und aufgebaut Er unternahm und erreichte es, den Juden zu schmeicheln und zugleich die Antisemiten, richtiger die antisemitischen Instinkte zu befriedigen. Jüdischen Intellektuellen dürfte allerdings bei manchen der vielen Komplimente, mit denen Sombart uns so reichlich bedachte, nicht recht behaglich zumute gewesen sein. Auch konnte es zum Nachdenken anregen, daß das von den verstorbenen Abgeordneten Rickert und Dr. Barth in Berlin begründete, gut und verständig geleitete Organ des „Vereines zur Abwehr des Antisemitismus" in Berlin über die Sombartschen Vorträge ein Referat zu publizieren entschieden ablehnte. Inwieweit die Ideen Sombarts, die er weit unverblümter in mehreren Schriften wiedergegeben hat, einer wissenschaftlichen Nachprüfung standhalten, ist wiederholt, u. a. von dem soeben verstorbenen Rachfahl, untersucht worden. Die Kritik der Fachgenossen, vor allem Lujo Brentanos, lautet vernichtend. Originell sind Sombarts Aufstellungen jedenfalls nicht. Ihm verdanken sie nur ein modernes, mit bunten Farbeneffekten ausstaffiertes Gewand. Aus der Rüstkammer des sogenannten wissenschaftlichen Antisemitismus hat er alte, gegen die Juden geschmiedete Anklagen hervorgeholt und mit einer hohen Darstellungskunst zu Komplimenten für die „jüdische Rasse" umgeprägt Zunächst zeichnet er die Juden als die vornehmsten Träger des Handels, des wirtschaftlichen Aufschwunges in allen Ländern, in denen sie gastliche Aufnahme gefunden. Er stellt sie als die Pioniere des entstehenden Kapitalismus hin, als diejenigen, die den modernen kapitalistischen Geist geschaffen und entwickelt haben. Die Wanderungen Israels infolge mittelalterlicher Austreibungen aus Süddeutschland, Italien, Spanien und Portugal, ihre Aufnahme in Holland haben den Niederlanden einen Vorsprung von jenen ursprünglich alleinherrschenden Handelsstaaten verliehen, so daß der Süden seine Blüte an den Norden verlor. So erstarkte auch England als Handelsmacht nach der Wiederaufnahme der Juden. Was Sombart hier ausspricht, hat schon der alte Sultan Selim zur Zeit der Austreibung der Juden aus Spanien gesagt: „Ihr nennet Ferdinand einen weisen König, der sein Land arm und meines reich macht?" Allein Sombart steht nicht an, kapitahstische Veranlagung und Neigung des jüdischen Volksstammes in einer Geschichtsperiode aufzuspüren, in der die Hebräer noch als ein Volk von Bauern lebten. Ihre tiefsten Wurzeln findet er in der jüdischen Religion und ihren Urkunden. Für kein zweites Volk als Gesamtheit hat die Religion! eine solche Bedeutung besessen, wie für das jüdische. Das Religionsgesetz hat in seiner Mitte Tugenden entwickelt die zu der bürgerlichen Wohlanständigkeit gerechnet werden, wie Ordnungsliebe, Fleiß, Nüchternheit und Sparsamkeit Dazu kam, nach Sombart, daß bei den frommen Juden durch die Formulierung des Segens Gottes die Vorstellung als selbstverständlich sich ergeben hat, daß das Streben nach Reichtum zu den gottgefälligen Willenseinstellungen gehört. Die wenigen Aussprüche der Rabbiner, in denen das Lob der Armut verkündet wird, kommen gegenüber der Thora nicht in Betracht Die jüdische) Religion fordert in gewissem Sinne das Reichwerden, während das Christentum im Mittelalter immer wieder gepredigt habe, daß „eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in den Himmel komme". So ungefähr lautete die Argumentation Sombarts in jenem Vortrage, der auf dem Gebiete der jüdischen Wirtschaftsgeschichte eine geradezu erstaunliche Unkenntnis des Tatsachenmaterials und der alten Urkunden verrät und dem ich damals auf frischer Tat öffentlich entgegentrat unter dem lauten Widerspruch vieler, die; mir seitdem nach besserer Einsicht längst Recht gegeben haben. Die Bibel — wer sie auch nur oberflächlich liest, merkt dies sofort — ist das Lehr- und Gesetzbuch eines streng agrarischen Volkes, und wenn der Prophet ein Bild von einem zukünftigen Glückszustande seines Volkes zeichnet, tut er es mit den Worten: „Jeglicher wird unter seinem Weinstocke sitzen und unter seinem Feigenbaum", oder: „Wenn ihr meine Gesetze beobachten werdet, so werde ich Regen geben zur Zeit, der Boden wird reichlichen Ertrag und der Baum des Feldes seine Frucht liefern, die du in Ruhe heimbringen und verzehren kannst" Von Handel und Reichtum Ist

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