Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 14-15 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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DIE WAtTOMT Nr.J4/I5 verklärten Hebräern. Vorsichtige Völker, die ihre Führer wählen, mögen sich diese Legende zu Herzen nehmen und darauf achten, ob solche Führer ihre armen Lämmer retten oder etwa gar verzehren! „Und Moses sah ein Traumbild und hörte Gottes Stimme aus dem Dornbusch." Dazu bemerkt der Mddrasch Abikkur: „Warum nicht eher aus irgend einem edlen hohen Baume? Weil Gott sprach: Ich bemitleide Israel; es ist die niedrigste unter den Nationen, der Dornstrauch zwischen den hohen Bäumen, aber ewig brennend! Ich nehme milden brennenden Dornbusch zum Sinnbild." Der Doraibusch brannte, doch ward er nie verzehrt; es ist ein passendes Bild von Israeli, das durch Jahrtausende verklärt, bedrückt, gemartert, doch nie vernichtet, stets brennend, erleuchtend die Welt in ihnen Kämpfen um ethischen, politischen und1 wirtschaftlichen Fortschritt gefördert hat. Ais Pharao die grausame Unterdrückung der Israeliten beschlossen hatte, rief er die unterworfene Volksmenge zu sich und redete ihr mit süßlichen Worten zu: „Ich bitte euch, helfet mir nur heute eine Masse von Ziegeln zu erzeugen, um diese wichtigen Befestigungen fertigzustellen." Er gab ihnen selbst ein Beispiel, nahm Korb, Schaufel und Kelle und fing fleißig zu arbeiten an. Natürlich folgte jeder hebräische Arbeiter eifrigst dem königlichen Beispiel, machte sich ans Werk, um so viel Ziegel er nur konnte in kürzester Zeit zu liefern. Als die Nacht anbrach, sprach Pharao: „Das habt ihr gut gemacht, ihr braven Burschen; jetzt zählt gefällig, wieviel jeder von euch an Ziegeln geliefert!" Als man ihm die großen Zahlen nun genannt hatte, sprach er: „Jetzt gebt acht, ihr Lumpen: ihr sollt nun Tag für Tag die gleiche Menge schaffen, sonst soll die Peitsche eure faulen Schultern für jeden Ziegel strafen, der zu wenig da ist." (J a 1 k u t, 16 3.) Daraus können unsere modernen Pharaonen lernen, wie man ,aws einfältigem Volke Steuern und Abgaben erpreßt. R. Akib a lehrte: (Sota 116) „Zum Lohne der frommen Frauen dieses Zeitalters ward Israel aus Aegypten befreit: Als diese nämlich Wasser aus dem Nile schöpfen gingen, füllte der hiebe Gott ihre Krüge zur Hälfte mit Wasser und zur Hälfte mit kleinen Fischen. Heimgekehrt kochten sie Suppe und Fische und brachten beides rasch ihren Gatten zur Arbeit -und forderten sie zärtlich auf, zu essen und zu trinken und guten Mutes geduldig die schwere Zeit zu ertragen: „Fürchtet nicht, nicht ewig wird die Plagerei dauern, bald wird unser Gott euch von dieser Bürde befreien." Mit solchen Worten erwiesen sie ihnen Trost und Liebe und erfüllten sie mit Hoffnung. Einst hatte Pharao einen Traum: Er saß auf seinem Throne und siehe da, ein alter Mann trat vor ihm hin, der ein paar Schalen (einer Wage) In seinen Händen hielt. Der nahm dann alle Hofwürdenträger, band sie wie ein Bündel Heu zusammen und legte sie auf die eine Schale und ein junges Lamm legte er in die andere, und das zarte Lämmlein wog aUe Herzen auf. Als Pharao staunend erwachte, versammelte er seine Minister um sich und erzählte ihnen den seltsamen, schrecklichen Traum. Bin Senator gab ihm die Erklärung mit folgenden Worten: Das bedeutet, daß dem Hebräervolk ein Kind geboren wird, das, wenn erwachsen, alle deine Minister, Feldherren und Armeen schlagen! und! dein Königreich zerstören wird. Um dieses zu verhindern, sollte der König jeden neugeborenen Knaben dieser Hebräer töten lassen. Pharao befolgte den Rat. Jokefoeth und1 Mirjam widersetzten sieh als Hebammen diesem Befehle. Letztere hat die Geburt Moses als Befreier seines Volkes vorausgesagt, daher ihre erfinderische Mühewaltung zu seiner Rettung. Als Moses drei Jahre alt war, saß einmal Pharao auf seinem Throne, seine Gattin zur Rechten, seine Tochter Rathia zur Liniken mit dem Kinde Moses auf dem Schöße, ringsum die Männer der Regierung; da steckte Moses sein Händchen nach des Königs Krone aus, nahm sie von seiner Stirne und setzte sie sich auf sein Haupt. Der König und die Höflinge waren darob erstaunt und entrüstet; da erhob sich Biieain, der königliche Sterndeuter und sprach: Ich erinnere Dich, hoher Herr, . an den Traum, den du einst hattest, und an meine Deutung desselben. Der Knabe da ist ein Hebräer, den das Schicksal gut eingegeben, wie er sich benehmen soll; kundig und wissentlich hat er eben gehandelt, ist er doch ein Anwärter auf Aegyptens Krone! Sodann begann der elende Bileam des kleinen Moses ganze Sippschaft zu verleumden und schloß mit den Worten: Mit Erlaubnis Deiner Hoheit sollte der ehrgeizige Knabe sofort zum Tode befördert werden, bevor es ihm gelingt, Dich Deiner Herrschaft zu berauben und Deine ganze Herrlichkeit zu vertilgen. Daraufhin sandte Gott seinen Engel Gabriel in der Gestalt eines der ägyptischen Würdenträger, welcher sagte: Wenn es Deiner Hoheit beliebt, so lege man einen leuchtenden Edelstein und 'eine glühende Kohle vor den Knaben; streckt er jetzt seine Hand nach dem Edelstein aus, so ist seine Absicht durch die Tat erwiesen und Du befehle, daß man ihn töte. So er jedoch nach der feurigen Kohle greift, hat er unwissentlich gehandelt und wir wissen, daß er zu schonen sei. Mit dieser Probe war der König einverstanden. Man legte Edelstein und FeuerkoMe gleichzeitig hin und der allen unsichtbare Engel brachte die Kohle dem Munde des Knaben nahe, so daß sie dessen Lippen verbrannte und ihn für immer zum Stammler machte. So ward Moses Leben gerettet und er blieb noch 15 Jahre am Hofe Pharaos. Mit 18 Jahren hatte der blühende Jüngling Sehnsucht nach seinen Verwandten und Brüdern und suchte sie bei ihrer Sklavenarbeit auf. Da sah er, wie ein Aegypter einen Hebräer schlug. Letzterer wandte sich an ihn um Hilfe und sprach flehentlich: „Höre, dieser Mann kam vergangene Nacht in mein Haus, fesselte mich mit Stricken, vergewaltigte mein Weib und will mich jetzt morden." Hierauf tötete Moses den Aegypter, begrub ihn und kehrte in den Palast zurück. Merkwürdigerweise findet sich eine ähnliche Version in der Geschichte von Wilhelm Teil, dem Befreier der Schweiz. Dort vergewaltigt einer aus der Gefolgschaft Geßlers das Weib eines Landmannes, der sie befreit und den Raufbold tötet. Von des Landvogts Söldnern verfolgt, wäre der Schweizer gefangen genommen wor-