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Die Wahrheit · 1925-01-07 · Heft 1 (7.1.1925) · page 15

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 1 (7.1.1925)
Date
1925-01-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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SjKtc 14 DIC WAHRHEIT Nr. 1 Arn Dienstag, den 23. Dezember v. JM fand wie alljährlich, in der israelitischen Versorgungs- und Siechenanstalt, IX., Seegasse 9, eine Chanukafeier statt. Dank den Bemühungen des Obmannes Herrn Kultusrat David Dohan, sowie der Herren Bezirksräte Julius B e r g e r und S. W e i n e r, Cafetier Müller, Fleischhauer S. Kornmehl, war es heuer möglich, den Insassen durch Aufbringung wertvoller Geschenke eine besondere Freude zu bereiten. Nach der guten Jause und der erfolgten Bescherung, fand im Betsaale der Anstalt ein feierlicher Gottesdienst statt. Die kantorale Funktion versah in erhebender Weise Herr Oberkantor H. Fischer mit Harmoniumbegleitung und unter Assistenz des gesamten Chores des Leopoldstädter Tempels. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schwarz hielt die Festpredigt. Im überfüllten Betsaale hatten sich die Pfleglinge der Anstalt fast vollständig eingefunden und lauschten mit Andacht den feierlichen Gesängen und Ansprachen. Sie waren voll des Lobes und, Dankes für das ihnen Gebotene. Als Festgäste waren nebst den bereits Genannten erschienen: die Herren Börserat Ig. G1 ü c k, die Sekretäre der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Adler, Fuchsgelb und Meissner, Hofrat Dr. Rappaport, die Herren David Goldmann. Franz Denes, Bernhard Engel, S. Oesterreicher, Frau Bezirksrat Rübner, Amtsleiter Kraus, Architekt L i n d n e r, Tempel-Inspektor Schwager und viele andere. Allen Spendern und Mitwirkenden sei nochmals herzlichst gedankt. Das Arrangement der heuer besonders gelungenen Feier lag in den bewährten Händen des Anstaltsverwalters Josef Popper. Ueber die am 23. Dezember im „Bayrischen Hof" veranstaltete überaus zahlreich besuchte Kinder-Chanukafeier des ..Jüdischen Elternbundes für den II. Bezirk" veröffentlichen wir hier die begeisterte Zuschrift eines Gastes an den Protektor des Vereines Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald: „Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen vorläufig auf diesem Wege meinen besten Dank für Ihre freundliche Einladung zur Chanukafeier des Vereines „Jüdischer Elternbund für den II. Bezirk" abstatte. Es fällt mir wirklich schwer, passende Worte zu finden, um den ergreifenden Eindruck, den das Fest auf mich machte, zum Ausdruck zu bringen. Das ganze reichhaltige Programm wurde in der exaktesten Weise, eine wahre Musterdarbietung, absolviert. Speziell aber der Einakter, betitelt „Vor der Menorah", war eine Glanzleistung, die bei allen Anwesenden, ob jung oder alt, den tiefsten Eindruck hinterließ. Bei den Erwachsenen, bei denen vielleicht schon längst vergessene Erinnerungen nach der meisterhaften Durchführung dieses Sketches, unter dessen Darstellern insbesondere die kleine Anny Fröhlich auffiel, und der Absingung des Moaus-zur durch den Kinderchor unter Begleitung des Jugendorchesters wachgerufen wurden, waren viele tränende Augen zu bemerken. Ich kann Sie, hochgeschätzter Herr Rabbiner, nur versichern, daß ich eine solch herrliche Chanukafeier noch nicht mitgemacht habe. .Gebührt der rührigen Leitung des Vereines unter der Obmannschaft des Herrn Postamtsdirektors Gustav K o 1 m i n, der die Feier mit einer herzlichen Begrüßungsansprache einleitete, wie auch den Familien Paschkes, Strammer, Haller alle Anerkennung, so kann die aufopfernde Mühewaltung, insbesondere.der Herren Lehrer Gotthold Antscherl und seines Bruders, Musikprofessors Heinrich Antscherl, die sich mit dem Einstudieren befaßten, nicht genug bewundert werden und der Dank aller Anwesenden für dieselben nicht groß genug sein. Es war bedauerlich, daß das Fest nicht an einem Sonntag stattfinden konnte, wo es Eltern und Erwachsenen in weit größerer Anzahl möglich gewesen wäre, anwesend zu sein. Ich bin überzeugt, daß der jüdische Elternbund durch die Veranstaltung viele neue Förderer gefunden hat. Ihnen, hochgeehrter Herr Rabbiner, nochmals bestens dankend, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung I. Berman n." — Wir bemerken hierzu, daß die von der bekannten Schriftstellerin Beate Baumgarten gehaltene Festrede den Empfindungen der Anwesenden meisterhaft Ausdruck zu verleihen wußte, daß ferner der von Herrn Rudolf fleimann einstudierte Reigen rauschenden Beifall auslöste. Alle anwesenden Kinder wurden vom Verein beschenkt. Zur Beteilung armer Kinder hatte Herr Rabbiner Dr. Mar Grunwald aus einer anonymen Spende 4 Millionen zur Verfügung gestellt. Am 22. Dezember fand im Elisabeth-Heime eine Chanukafeier statt, der nebst zahlreichen Gästen sämtliche Zöglinge des Heimes beiwohnten. Unter den Erschienenen bemerkte man unter anderen: den Präsidenten der Israel. Kultusgem. Herrn Prof. Dr. A. Pick, den Gesamtvorstand des Elisabeth-Heimes, zahlreiche Industrielle und bekannte Philanthropen, sowie Delegierte vieler Wohltätigkeitsverehie. Die Feier selbst begann mit dem zeremoniellen Teile, der das Anzünden der Chanukalichter, das Absingen von durch Herrn Oberkantor L ö w i t einstudierten Chören seitens der Zöglinge, eine Festrede Sr. Ehrwürden Herrn Rabb. Dr. Armin A b e I e s beinhaltete. An die Ansprache des Präsidenten des Heimes Herrn Dr. S. Krjiger, in der er auf die Tätigkeit des Vereines hinwies, den anwesenden Vorstandsmitgliedern den Dank für ihre unermüdliche Tätigkeit aussprach und die Anwesenden aufforderte, dem Heime in "diesen schweren Tagen tatkräftigst beizustehen, knüpfte sich ein wirklich als gelungen zu bezeichnendes und nur von Heimschützlingen ausgeführtes Programm von ernsten und heiteren Vorträgen, Gesängen und Tänzen. Aus der Reihe der Darbietungen, die unter der umsichtigen Leitung des verdienstvollen Präsidenten Dr. Krüger standen, sei, ohne den Leistungen der anderen mitwirkenden Zöglingen einen Abbruch zu tun, der von der kleinen Edelstein meisterhaft zum Vortrag gebrachte Prolog und die Tanzdarbietungen der kleinen Winja Becker-Haas hervorgehoben. Alle Anwesenden spendeten den trefflichen Leistungen der Zöglinge reiches Lob, waren aber nicht minder bei der Besichtigung des Heimes über die stetige Ausgestaltung desselben, seine sanitären Anlagen und von seiner hervorragenden Tätigkeit auf dem Gebiete der Jugendfürsorge überrascht. Und wenn man den geäußerten Ansichten Glauben schenken darf, so hat das Elisabeth-Heim durch diesen Abend eine Anzahl neuer Gönner gewonnen, was ihm in Anbetracht seiner prekären vgirtschaftlichen Lage nur zu wünschen ist. E. Bei dem „Heiteren Na c h m i 11 a g", der für die jüdischen Pfleglinge der Wiener Versorgungsheime anläßlich des Chanukafestes veranstaltet wurde, hatte man nicht über Kargheit und Zugeknöpftheit des gebenden Teiles zu klagen. Dem Rufe, den der Seelsorger der Humanitätsanstalten Herrn Bela Fischer an sie ergehen ließ, war eine ganze Reihe von Künstlern gefolgt und sie widmeten sich ihrer Aufgabe mit ^o viel Eifer und Hingabe, — als ob sie dafür bezahlt würden. Frau Konzertsängerin Kogan leitete die Darbietungen mit einigen jüdischen Volksliedern ein; ihre schöne Stimme beherrschte spielend der großen Saal und ihr Gesang schuf sofort Feiertagsstimmung; auch zum Schluß erfreute sie noch einmal die Hörer mit einigen Liedern. Dann folgte Adolf Hirsch, der „Dumme Kerl", der Hofnarr von Wien; er ist ein Künstler, denn er brachte nicht die stehenden Witze niederer Komiker, sondern Improvisationen von echtem Humor und Geist. Der Zauberkünstler und Bauchredner G a s t o n zeigte unter anderem seine Glanznummer, die „sprechende Hand", die wirklich unendlich komisch wirkt. Der Humorist Fritz Waiden amüsierte das Publikum mit einem Tohuwabohu von launig erzählten Anekdoten. Auf diesem Gebiete tat sich auch der Conferencier Direktor Allmeder hervor, — jawohl, auch ein Conferencier hatte sich eingefunden, der sich mit einem Ernst, wenn man so sagen darf, seiner heiteren Pflicht entledigte, als müßte er sich heute noch einen Orden erringen. „Wiener Lieder" sang die Konzertsängerin Fräulein Lily F1 e u r o n, begleitet von Herrn Konzertmeister Peters, und der Charme, den sie entfaltete, riß alle Anwesenden zu dankbarem Beifall hin. Als letzter sei noch der jugendliche Pianist Walter Landau genannt, der beim Vortrag einiger Kompositionen v.n Chopin und Schumann bedeutendes Talent bekundete. Den zahlreich erschienenen Gästen werden diese Stunden harmlosen Amusi-nsents lange im Gedächtnis bleiben. Besonders sei der Mädchengruppe der Agudas Jisroel gedacht, die mit reichen Spenden an Backwerk, Obst und Süßigkeiten für die Kranken kam und damit denjenigen, die nicht am Fest teilnehmen konnten, eine große Freude bereiteten. Für die anderen Pfleglinge wurde nach einem Festgottesdienst im Betsaal und feierlichem Entzünden der acht Lichtlein eine Festjause veranstaltet, bei der sie von der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Krankenfürsorge" mit Tee und Backwerk reichlich bewirtet wurden. lt. Sonntag, den 28. Jänner, fand im großen Lehrsaale des Waisenhauses in Baden eine schöne Chanukafeier statt, zu der alle Mitglieder der Badener Kultusgemeinde, an

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