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Die Wahrheit · 1924-12-12 · Heft 50 (12.12.1924) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 50 (12.12.1924)
Date
1924-12-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 50 DIE W AHRHEIT zu reden, deren Aufzählung ganze gpalten füllen müßte, bleibe auf den Kreis beschränkt, der ihn zu den Seinen rechnen zu dürfen das Glück hatte. Wie erschütternd auch die Nachricht von seinem raschen Hinscheiden auf uns wirkt, so erhebend ist doch der Rückblick auf ein solches Menschenleben. Er hat sich ein Denkmal errichtet, . das dauernder ist als Erz und Stein. Von Cato dem Aelteren erzählt man: Als er anderen prächtige Bildsäulen errichten sah, rief er aus: „Bei mir sollen die Leute lieber fragen: Warum steht keine Bildsäule des Cato da? als: Warum steht sie da?" Von gleicher Gesinnung war Isidor Schwarz, der selbstlose Menschenfreund, beseelt. Ihm hat die Kultusgemeinde bereits ein wohlverdientes Denkmal errichtet. Sein Name prangt in goldenien Lettern auf einer Ehrentafel in unserem Versorgungshaus. Aber niemand wird, wenn er seinen Namen liest, fragen: „Warum steht der da?" Von ihm wird man vielmehr sagen: Alle die Anstalten, denen er seine schwer der Berufsarbeit abgerungene Muße widmete, anstatt sie seiner Familie, seiner Erholung zu widmen, sie alle sollten seinen Namen sichtbar verewigen, dem Toten zum Dank, den Mitlebenden zur Erinnerung, späteren Geschlechtern zum Ansporn und zur Ermutigung. Dr. Max G r u n w a 1 d. # * * In voller Schaffenskraft, mitten im rastlosen Planen für das Wohl unserer judischen Gemeinschaft ist Kultusrat Isidor Schwarz im 67. Jahre seines segensreichen Lebens in der Nacht vom 7. auf den 8. d. M. aus diesem Dasein abberufen worden. Einer der Edelsten und Rührigsten in unserer Mitte ist mit ihm dahingegangen. Auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens nahm Isidor Schwarz eine führende Rolle ein. Bei Ueberführung seiner Reste auf den Zentralfriedhof am 8. d. M. um 2 Uhr nachmittags fuhr der Trauerfurgon am großen Leopoldstädter Tempel, für dessen Wiederaufbau der Verblichene in den vordersten Reihen mitgewirkt hat, vorbei. Die Tore des vollbeleuchteten Tempels waren weit geöffnet. Nach herzlichen ergreifenden Abschiedsworten des Herrn Rabbiners Dr. Max G r u n w a 1 d und nachdem Oberkantor Heinrich Fischer im Namen der zahlreich anwesenden Bethausvorsteher ein El mole rachamin rezitiert hatte, wurden die Reste des Verstorbenen auf die neue Abteilung des Zentralfriedhofes übergeführt, woselbst am 10. d. M. die Beilegung in dem von der dankbaren Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrabe stattgefunden hat. Unter den zahlreich erschienenen Anwesenden, sah man den Gesamtvorstand der Kultusgemeinde unter Führung des Präsidenten Professor Dr. Alois Pick und des Vizepräsidenten Dr. Desider Friedmann mit den Sekretären Dr. Adler und Guido Fuchsgelb, eine Abordnung des Bethausvorstandes mit Vizepräsidenten Dr. E. Münz an der Spitze, eine Abordnung der Chewra Kadischa unter Führung des Vizepräsidenten Otto, eine Abordnung der „Agudas Jisroel", mit Präsidenten Wolf Pappenheim und Kommerzialrat S. Bondy, für die „Union deutschösterreichischer Juden" der Präsident Dr. J. Ornstein, der Gesamtvorstand des Vereines „Wohlfahrt" mit den Vizepräsidenten Bezirksrat W e i n e r und D. Goldmann an der Spitze, für den Verein „Montefiore" Kultusvorsteher E. Hofmann, für den Verein „Kurfürsorge" Dr. J. Braun und S. Grüner, für den Kantorenverband Herr J. Löwit, große Abordnungen der Loge „Eintracht", der .„Verein der Freunde des Großen Leopoldstädter Tempels" mit den Vizepräsidenten L. H i r s c h f e ld und O. Tonello, sowie Vertreter und Vertreterinnen charitativer Vereine und viele andere, die mit Tränen in den Augen dem vom Herzen kommenden Nachruf des Herrn Rabbiners Dr. Max Grunwald lauschten. Für die Kultusgemeinde sprach Prof. Dr. Alois Pick herzliche Worte der Anerkennung und des Dankes, für den Bethausvorstand Doktor E. Mti n z, für die Loge „Eintracht" Herr Richard Wiener, für den Verein „Wohlfahrt" Kultusvorsteher D.D oh an. für die Gemeindemitglieder der Leopoldstadt Prof. N a s c h 6, für die „Heimstätte für verlassene Kinder" Kommerzialrat Slegmund Bondy innige Abschiedsworte. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Fischer mit großer Assistenz. Seinen Freunden unersetzlich, seiner Familie ein mustergültiges Oberhaupt, so wird Isidor Schwarz von einer großen Trauergemeinde beklagt und beweint. Das Andenken dieses Gerechten wird zum Segen sein. H. 12 Jahre Wiener Gemeindetätigkeit. (Fortsetzung.) Im Jahre 1912 haben die Ausgaben für die den Kultus und die rituellen Angelegenheiten betreffenden Institutionen und Agenden K 715.738 betragen, welchen an Einnahmen aus Taxen und Betsitzvermietungen K 248.772 gegenüberstanden. Im Jahre 1923 waren die Ausgaben auf K 3.085,599.657, die Einnahmen auf K 3.022,172.484 angestiegen. Im ersten Halbjahre 1924 belauien sich die Ausgaben auf K 2.274,895.432. die Einnahmen auf K 1.607,108.360. Als Gemeinderabbiner wurden behufs Vornahme von Trauungen gemäß § 44 des Kultusgemeindestatutes die Rabbiner Dr. S. Funk des Bethausvereines „Aeschel Awrohom", Rabbiner Dr. Zacharias Schwarz des Tempelvereines „Chewra Beth Hatfilah" im IX. Bezirk, der Rabbiner Nissim Ovadia des Verbandes der türkischen Israeliten (Sephardim) In Wien und der Rabbiner Dr. G. Mehr er des Tempelvereines für den IV. und V. Bezirk bestellt. Für den gesteigerten Bedarf an Betlokalen anläßlich der hohen Feiertage wurde teils durch eigene Veranstaltungen der Kultusgemeinde, teils durch die mit Bewilligung des Kultusvorstandes von Vereinen und Privaten veranstalteten Minjamin vorgesorgt. Die Zahl der temporären Betveranstaltungen hat im Jahre 1912 insgesamt 50, im Jahre 1924 67 betragen. Die zahlreichsten temporären Betveranstaltungen haben während der Kriegsjahre entsprechend dem gesteigerten Bedarfe stattgefunden, und es standen im Jahre 1916 der Wiener Judenschaft nebst den ständigen Bethäusern anläßlich der hohen Feiertage 111 temporäre Betlokale zur Verfügung. Von einem furchtbaren Schicksalsschlage wurde unsere Gemeinde und die Wiener Judenschait durch jene Brand* katastrophe vom 17. August 1917 betroffen, welcher der größte Teil des herrlichen Gemeindetempels im II. Bezirk zum Opfer fiel. Ungeteilt war der Wunsch und das Bemühen, das zerstörte Gotteshaus baldmöglichst wieder aufzurichten. Besonders hervorgehoben zu werden verdienen die Bemühungen des „Aktionskomitees für den Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels",. welches sich später in den „Verein der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels" umgebildet hat. Die Kriegsverhältnisse und die tristen Verhältnisse der Nachkriegsjahre hemmten alle diesfalls eingeleiteten Aktionen, bis am 1. Oktober 1921 das Gotteshaus soweit hergestellt war, daß es die neue Weihe erhalten und seiner Bestimmung wieder, übergeben werden konnte. Den fortgesetzten Bemühungen des genannten Vereines und ansehnlichen Aufwendungen aus Kultusgemeindemitteln, ganz besonders aber dem Eifer des Herrn Rabbiners Dr. Grunwald, ist es zu danken, daß nunmehr dieser größte Gemeindetempel vollkommen instandgesetzt ist.' Durch fast ein Jahrzehnt war der Kultusgemeinde die Möglichkeit benommen, bauliche Herstellungen und Renovierungen größeren Umfanges durchführen zu können. Sobald es jedoch die Finanzlage der Gemeinde einerseits, die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder anderseits gestattete, wurde das Versäumte in umfassender Weise nachgeholt. Zunächst galt es, den altehrwürdigen Tempel in der Seitenstettengasse einer gründlichen Renovierung zu unterziehen, und es mußte zu diesem Zwecke für mehrere Wochen die Abhaltung des Gottesdienstes daselbst unterbrochen werden. Eine gründliche Instandsetzung des Tempelinnern, die Neuausmalung desselben, wie auch der. Nebenräume und des Zeremoniensaales, die Auswechslung der elektrischen Beleuchtungsanlage, die Einführung einer elektrischen Notbeleuchtung, sowie Ausbesserungsarbeiten an der Kuppel gelangten mit einem Aufwände von* K 120,000.000, welche zum großen Teile aus Spenden aufgebracht wurden, zur Durchführung, und am 21. Februar 1923 konnte das Gotteshaus, im neuen Glänze erstrahlend, wieder seiner Bestimmung geweiht werden. Im Jahre 1923 erfolgte ferner im Gemeindetempel für den XII. bis XV. Bezirk, XV.. Turnergasse 22, eine vollständige Instandsetzung des Tempelinneren und -äußeren, eine Erneuerung der Malerei und der elektrischen Lichtanlage mit einem zur Gänze aus Spenden von Gemeindemitgliedern aufgebrachten Aufwand von K 170,000.000. An Stelle des unzulänglich gowordenen gR.;?

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