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Die Wahrheit · 1924-12-12 · Heft 50 (12.12.1924) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 50 (12.12.1924)
Date
1924-12-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sefec 4 DE! WAHRHEIT Nf. 50 Im Buche der Psalmen wird jedes einzelne Lied besonders behandelt, sein Inhalt religionsgeschichtlich, ästhetisch, psychologisch und historisch zergliedert. Ueber die Gesamtheit der Psalmen heißt es: „Großenteils aus Not, Verfolgung, Bedrängnis herausgeboren sind die Psalmen das lebendige Zeugnis, daß ihre Dichter bei Gott die Hilfe suchen, weil sie die unerschütterliche Gewißheit in sich tragen, daß sie bei. ihm und nur bei ihm zu finden sei. Stark durchtrankt von Gedanken der Nichtigkeit und Vergänglichkeit, auch der Unvollkommenheit und Sündhaftigkeit alles Menschlichen ist der Psalter das klassische Buch des Gottvertrauens, und bis zur höchsten geistigen Freude, zum wahren inneren Vergnügen in Gott kann sich gelegentlich das Bewußtsein des Verkehrs mit ihm steigern." Einen besonderen Wert haben die Beilagen zum Schluß des Werkes, die über Maße und Gewichte, über Geldwesen und über die Zeitrechnung im alten Israel Aufklärung bieten. Eine reichhaltige und übersichtliche Zeittafel enthält einen Ueberblick der Geschichte des israelitischen Volkes in ihrer Gleichzeitigkeit mit den großen Weltreichen des Altertums. Ein mit größter Sorgfalt gearbeitetes Register bietet die Möglichkeit, sich bequem über alle im Text Und den Einleitungen und Anmerkungen vorkommenden Persönlichkeiten und Gegenstände zu orientieren und machen das Ganze zugleich zu einem vorzüglichen. Nachschlagewerk. Zehnder hervorragendsten deutschen Alt- Testamentler haben ihre Kräfte mit denen des Herausgebers vereint, um ein wahrhaft monumentales Werk zu schaffen, .welches unsere alte Bibel zu einem modernen Volksbuch im edelsten Sinne des Wortes macht, indem es jedem Gebildeten, auch wennerdesHebräischenvölligunkund i g i s t, das Buch der Bücher seinem Inhalte, seinem Geiste und Stile nach erschließt und ihn förmlich einlädt, sich darin zu vertiefen. Dazu trägt nicht wenig bei auch das vornehm gediegene, äußere Aussehen des fast zweitausend Seiten Lexikon-Formats fassenden Buches mit seinen wundervollen Grundrissen und bildlichen Darstellungen, insgesamt eine Ausstattung, die nur ein großer und zugleich ideal gesinnter, verständnisvoller Verleger schaffen konnte. Mit Recht hofft der Herausgeber, daß die neue Uebersetzung dazu beitragen werde, dem alten Testament neue Freunde zu werben. „Bei allen Angriffen, denen es gerade in letzter Zeit ausgesetzt gewesen ist, kann es nicht ausbleiben, daß es seine Stellung siegreich behaupten wird; denn wie kaum ein zweites Buch verkündet es, was jeder Zeit und keiner mehr als der unseren nottut, Glauben an die Zukunft!" Am unsere leserf Werbet für. unsere Zeitung! Eine erfreuliche Erhöhung der Abonnentenzahl ist zu verzeichnen! Jeder Bezieher muß es sich ^ur" Pflicht machen, elnen neuen Abonnenten zu gewinnen, damit wir schon in Kürze das Blatt weiter ausbauen können Benutzen Sie dazu dos Werbeinserai auf der 3. (Imsdilagselte. | Isidor Schwarz zum Gedächtnis, | In den Ueberlieferungen der verschiedensten Völker, auch im Buche Koheleth, findet sich die Erzählung, wie eine Stadt, vom Feinde schwer bedrängt, durch die Weisheit eines einzelnen bescheidenen Bürgers gerettet wurde. An diesen schlichten Mann, der so Großes vermochte, dachte ich oft, wenn ich Isidor Schwarz sah, sah, w a s er leistete und w i e er es tat. Daß es mir hierzu an Gelegenheit nicht fehlte, dafür sorgte meine Stellung, die mich auf dem Gebiete gemeinnützigen Wirkens fast täglich mit ihm zusammenführte. In den schwersten Zeiten, die unsere Gemeinde zu bestehen hatte, war er es, der nie den Mut verlor, der immer in vorderster Reihe der Kämpfer und Helfer gegen die Not seiner Mitmenschen stand. Er war aus dem Holz jenes Mannes geschnitzt, der zum Retter seiner Stadt geworden ist Was hätte ihn in diese Bahn gedrängt? Seine eigene Erfahrung zunächst. Ein Kind fast noch, hat er die Rauhheit des Lebens in seiner ganzen Furchtbarkeit kennen gelernt. Um das tägliche Brot kämpfen war sein Los von Jugend auf. Darum verstand er das Elend anderer und fühlte er mit ihnen wie ein Bruder oder besser: wie eine Mutter. Denn mütterlich gestimmt war sein treues Herz. Sanft bis zu übertriebener Nachsicht, gütig bis zur Selbstaufopferung, versöhnlich auf die Gefahr hin, mißverstanden und mißbraucht zu werden, aber daruim auch berufen, Gegensätze auszugleichen, Gegner auszusöhnen, Frieden m stiften. Und rein war seine Seele, rein seine Hand. Darum konnte er nie verstehen, wie andere Einstellung, andere Gemütsverfassung und Sinnesart Menschen zu Taten bestimmen konnten, die nach lautem Beifall schrien, der ihrem Beweggrund doch zu versagen war. Er fand an jedem irgend eine gute Seite, irgend eine Eigenschaft, die ein Wort der Anerkennung verdiente. Ich stehe unter dem niederbeugenden Eindruck seines Todes. Wenn man einen seiner besten Freunde verliert, hat man den Blick nicht frei, das ganze Gebiet seines Schaffens zu überschauen, zumal wenn es so unendlich sich dehnt wie das Feld, auf dem Isidor Schwarz Hervorragendes geleistet hat. Die frierenden alten Männer waren Gegenstand seiner Fürsorge. Er gründete und leitete erfolgreich einen Verein, der ihnen zu helfen sich als Ziel gesetzt hat. Im „Sauierungsikomitee" war er der unermüdliche, unverdrossene, unentbehrliche Mitarbeiter und Pfadfinder zu immer neuen Hilfsquellen. In der Heimstätte für verlassene Kinder, im Blindeninstitut, im Gemeindespitäl und wo er sonst noch, selbst rührig und andere anspornend, tätig war, überall wird man jetzt eine Lücke fühlen, die nicht so bald zu schließen ist. Was er aber im Kultusvorstand geleistet, wie dieser nicht mehr junge Mann, der im Alter gezwungen war, sich eine neue mühselige Existenz zu gründen, vorbildlich sich' Abend für Abend dem Wohle seiner Gemeinde gewidmet hat, das kann und wird ihm-nie vergessen werden. Von seiner Treue als Freund, von seinem Familienleben, von allen den tausend Einzelheiten

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