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Die Wahrheit · 1924-11-18 · Heft 46-47 (18.11.1924) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 46-47 (18.11.1924)
Date
1924-11-18
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Nr. 46/47 DIE WAHRHEIT Seite 19 Theater, Kunst u. Literatur Ein christlicher Künstler für arme iüdische Kinder. Am Samstag, den 18. Oktober fand im Augarten das vielbesprochene Flügelhornkonzert des Amateurvirtuosen Prof. Dr. Max S o s t a r i c zugunsten armer jüdischer Kinder statt, äruchs „Kol Nidrej" wirkte, von dem ausgezeichneten Künstler vorgetragen, seltsam ergreifend. Zahlreiches Publikum dankte mit stürmischem Beifall und verlangte eine dreimalige Wiederholung des Vortrages. Man war erstaunt, ie gut es dem christlichen Künstler gelungen war, sich in den Qeist dieser durchaus jüdischen Melodie hineinzuversetzen. Ebenso gefiel das übrige Programm, bei dem ein von Prof. Sostaric zusammengestelltes Oktett mitwirkte. Der Gesamtertrag wurde von dem Künstler, der auf jedes Honorar verachtete, dem genannten Zwecke zugeführt. Sonntag, den v. M. blies Prof. S o s t a i i c während des im Ferdinands- (ino gegebenen Films .Jiskor" zugunsten eines charitaiiven Beckes. Hier konnte er auf einen ganz besonders durciiichlagenden Erfolg blicken. Bei dem letzten Vortrag brachte :r mit seinem Liede „Kol Nidrej" die Zuhörer in förmliche Verzückung una die Beifallskundgebungen konnten kein Ende lehmen. De Max gestorben. In Paris ist vor einigen Tagen der erühmte Schauspieler d e M a x gestorben, der als einer der;rößten, ja, als der größte Tragöde unserer Zeit gegolten hat. )ie Weltpresse widmet ihm spaltenlange Nachrufe und belauert den Verlust, den die gesamte Kulturwelt durch den Tod dieses Mannes erlitten hat. Insbesondere die rumänische resse beklagt in de Max (derselbe stammt aus Rumänien) licht nur den Verlust eines großen Tragöden, sie weist auch luf die Bedeutung des Verstorbenen für Rumänien hin; denn le Max hätte dem rumänischen Vaterlande Ehre gemacht; iabei wird aber bewußt oder unbewußt verschwiegen, daß Ie Max jüdischer Abstammung war, während dieselbe 3resse bei jüdischen Missetätern es niemals unterläßt, deren ugehörigkeit zum Judentum besonders hervorzuheben. Aber las ist man nachgerade schon gewöhnt. Sie ging z. B. ähnlich or, als de Max zum Ritter der Ehrenlegion ernannt wurde, ine Ehrung, die selbst nationalistische Blätter als wohlverlient bezeichneten. „Menorah," illustrierte Monatsschrift für die jüdische amilie, Wi'en I., Zelinkagasse 13. Bezugspreis jährlich: [ 160.000. Das soeben erschienene Novemberheft enthält nachtehende Beiträge und Illustrationen: Robert Weiß: Umchau. P. J. Schapira (Wien): Aus Lehre und Leben des kalschem und seiner Jünger (mit Bildern und der Handchrift des Baalschem). Nathan Birnbaum: Anmerkungen, tebb. Dr. S. Kaatz (Hindenburg): Rabbi Akiba Eger auf lern Alten Markt in Posen (mit Reproduktionen von alten teener Gemälden). Franz Kafka: Aus seinen Werken. Arlold Zweig: Die Schmuckstücke von Wilna. Hermann ilumenthal: Gilgul, Fortsetzung des Romanes. Wolf-;ang Weis 1 (Jerusalem): Alltag in Zion. Bibliographie. Ausik: Markus Reiner (Jerusalem): Musikleben in Paästina, Schach, Mode, Für unsere Kleinen. Ab Dezember rscheint als Beilage zur Menorah wieder er Schi emi el, jüdische Blätter für Humor und Kunst uner der ständigen Mitarbeit von Sammy Gronemann, Max ungmann und Menachem Birnbaum. Dr. Hugo Preuß. „Um die Reichsverfassung von Weimar", iier meldet sich der Minister der deutschen republikanischen teichsverfassung selbst zum Wort. Der verdienstvolle Bucherlag Rudolf Mosse, Berlin, hat diese wichtige Schrift, lie in die schwebenden Fragen und Krisen des letzten Jahres md der nächsten Zukunft hineingreift, zum Preise von Mark in den Buchhandel gebracht. Schon allein geschichtich gesehen, wird der spätere Historiker gezwungen sein, uf das einleuchtende Quellenmaterial des Reichsverfassungsninisters zurückzugreifen. Der Tagespolitiker, dem es um Klarheit und Erkenntnis zu tun ist, findet bei Preuß genügend itellektuelle Anknüpfungspunkte. Und so wird dieses Werk - allen Rückschrittstendenzen zum Trotz — seinen Weg "achen. Annie Minden. E. Fleg. Anthologie juive. Paris 1924. G. Cr es et Co. Aus der zweibändigen Anthologie Flegs, die man eine Enzyklopädie des Judentums genannt hat, wird hier zum Gebrauch für die jüdische Jugend ein Auszug geboten, der das ganze Gebiet jüdischen Denkens, Fühlens und Strebens umfaßt und die besten Autoren in charakteristischen, gut übersetzten Proben vorführt. Es ist zu wünschen, daß wir einen derartigen populären Führer durch die jüdische Literatur, zu mäßigem Preise, auch in deutscher Sprache erhalten. R. W. Tschuppik. Der Christ und sein Schatten oder die Geburt des „Juden" aus dem Geiste der absoluten Moral. Verlag Theodor Thomas, Leipzig. Dieses Buch ist eines der beachtenswertesten unter allen, die der Judenfrage gewidmet sind. Diese Frage erklärt der Verfasser, der sich ausdrücklich in der Vorrede als Arier bekennt, für den symptomatischen Ausdruck für eine politische Ideologie. Es ist eine Götzendämmerung, die sich in seinen Ausführungen vor unseren Augen vollzieht. Alle die schönen, edlen „Ideen", die den wechselnden „Zeitgeistern" die Signatur verliehen, haben sich als Fiktionen erwiesen. Wo immer eine solche „Idee" auftauchte, brauchte sie eine Folie, einen Schatten. Der christliche Gottesbegriff bedingte die Existenz des Teufels, der Christ den Antichrist, d. h. den Juden, die überlegene arische Rasse die minderwertige jüdische das „echte" Deutschtum das schmarotzerhafte Judentum. Auch der „Materialismus" und „Atheismus", auch der „Sozialismus", sie alle konstruieren eine Welt des Wahnes, deren Gegensatz das „Ghetto" bildet. Dieses „Ghetto", hier ein symbolischer Ausdruck für die Sammelstätte aller „Rechner und Krämer", aller, die den Problemen des Lebens mit dem Rechenstift in der Hand anstatt mit einem Trommelfeuer von Phrasen und Seifenblasen zu Leibe gehen, dieses „Ghetto" umfaßt nicht nur den Juden von Geburt und Bekenntnis, „Jude" ist dem Vertreter der „Idee" vielmehr auch der Engländer, auch ein Lessing, alles, was den Tanz um den Götzen der „Idee" nicht mitmacht, alles, was Europäer, Mensch, Vernunftwesen ist. Arm in Arm mit jeder „Idee" marschiert der Antisemitismus. Erleidet sie Fiasko, rennt sich der bornierte „Idealist" an den Tatsachen der realen Welt den Schädel ein, erkennt er, daß er Prügel verdiente, so verprügelt er den Allerweltssündenbock, der diese reale Welt ihm repräsentiert, den Juden. Das Christentum, der Chorführer des „Idealisten", ist ein Feind aller Zivilisation. Das Buch will den „Rechnern" sagen, daß sie rechttun, zu „rechnen". Das Buch ist auf jeder Seite äußerst lesenswert, voller Geist und Originalität, ohne es zu wollen, eine Apotheose des „Juden" und eine Glorifikation des „Ghetto". (Das Zitat aus Grätz S. 274 ist zu streichen, da nirgends im Grätz zu finden.) L. Die deutschen Ausgrabungen in Palästina. In der Berliner „Welt-Rundschau" berichtet v. Hauff über die deutschen Ausgrabungen in Palästina. Er stellt fest, daß nach der durch den Krieg bedingten Unterbrechung die Deutschen wieder am Werke sind, um ihre wissenschaftliche Tätigkeit in Palästina fortzusetzen: Er schreibt: „Deutscher Geliehrtenfledß lieft Jericho wieder erstehen in der fruchtbaren Jordansaue am Nordrand des Toten Meeres. Fast doppelt so groß war der Umfang der Festung als der des homerischen Troja. Deutlich war die schwarze Stelle an der sieben Meter dicken Mauer zu sehen, wo das gewaltige Feuer der Israeliten den ungebrannten mit Häcksel vermischten Lehm zum Bersten brachte . . . Aber noch wurde erst ein kleiner Anfang mit den Grabungen gemacht.....Vor allem aber sollten nun einmal die wichtigsten Stätten der biblischen Geschichte, der Tempelplatz, Hebron und die ganze Umgebung Jerusalems ernstlich der Wissenschaft erschlossen werden." Johann Ferch. „Bekenntnisse eines Freimaurers", Anzengruber, Wien, 1924. Auf 175 Seiten erzählt uns Ferch, der mutige Vorkämpfer für die Rechte der Frau, seine Lebensgeschichte. Mit Spannung verfolgt man die Schilderung seines arbeits- und kämpfereichen Lebens, gleichzeitig die Geschichte der Entwicklung aller sozialen Bewegungen, vor allem der Frage des Mutterschaftszwanges erkennend. Ferch war zeitlebens eine Kämpfernatur, mutig, ehrlich, ausdauernd. Wir grüßen ihn als einen der Ehrlichsten; und wir beglückwünschen ihn, da er es erreichte, daß manch eines besser wurde in der Ordnung dieser Welt —f—n. Kleider-, Pelzeu, Gummimäntel-Fabrik Zentrale: II t~i\r>n\ran nrzxccn *>A Detailverkauf: 1A7S__II nr_l----.

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