Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 46-47 (18.11.1924)
- Date
- 1924-11-18
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 DIE WAHRHEIT Nr. 46/47 der „Schlesischen Volksstimnie", wenn man ihnen fredie Hand ließe, die Methoden dies „veriuideten" Kaisers Karl recht gern zur Anwendung bringen würden; also scheint doch mehr im Gemüte, als im Geblüte das zu liegen:, was man „Verjudung" zujnennen beliebt . . Die jüdische Landkarte. Gemeint ist ddle Landkarte von Europa, welche die Juden entworfen haben und auf welcher genau verzeichnet sieht, wie dieser unglückliche Erdteil nach dem Weltkriege aussehen wird. Das haben die Juden schon -im Jahre 1890 veröffentlicht, also volle sieben Jahre, bevor sie in den „Protokollen der Weisen von Zion" den Plan zur Begründung ihres Weltreiches entwickelt haben. Diese merkwürdige Landkarte wäird, wile im ..Stralsunder Tageblatt" vom 8. Oktober zu lesen steht, alsbald in' einer billigen Ausgabe zu erhalten sein, die ein leider nur durch die Anfangsbuchstaben seines Namens, D. K., bekannter Professor in. Bälde veranstaltet. „Man erschauert," schreibt das Blatt, „wenn man sieht, wie alles, was die Karte darstellt, zum größten Teil eingetroffen ist. und man erkennt, daß es höchste Zeit ist, daß das deutsche Volk erwacht und Front macht gegen dfile jüdische Räuberbande, die der Todfeind unserer staatlichen Einheit ist" Aber der Leser, der das Gruseln lernen will, braucht nicht erst auf dile Ausgabe des gelehrten Professors zu warten, denn diese Karte ist in den Geheimnissen der „Weisen von Zion" von Gottfried1 zur Beek Seite 215, veröffentlicht. Die Karte erschien, wile wir aus der Angabe in dem genannten' Buche ersehen, im der von Labouchere in London herausgegebene Zeitschrift „Truth" zu Weihnachten 1890 und1 stellt offenbar etwas Spaßhaftes vor, wie es die englischen Zeitschriften ihren Lesern zu Neujahr mitsamt einem Kalender zu bieten pflegen. Es ist eine Satire auf die Staatsaberhäupter Europas. Links oben sieht man in einer Gruppe die stark verkleinerten Karikaturen der europäischen Monarchen, wie sie sich vor einem Arbeitshaus drängen, während ganz Europa in Republiken aufgelöst ist Großbritannien, Schweden und Norwegen, Dänemark, Spanien, Italien, Serbien, Bulgarien sind ebensogut Republiken wie Frankreich, düe Schwefe und Deutschland. Rechts am Rand fängt 'Rußland an und man liest dile Worte „Russian Desert" (russische Wüste), wie das damals im Westen noch so wenig bekannte Zarenreich von sorglosen Publizisten im Scherz genannt wurde. Man muß schon so vollkommen verblödet und zugieidhi unwSssend und dummdreist sein, wie der HeTr zur Beek, um diese nicht sonderlich geistreiche Bildsatire mit den iJuden irgendwie in Zusammenhang zu bringen. Das Spassjgste an der Sache ist folgendes: Jener Henry Labouchere, Besitzer und Herausgeber der ..Truth". zeitweise Mitglied des Unter- .hauses, war nach der Versicherung des Herrn zur Beek und des „Stralsunder Tageblattes" ein Freimaurer. Das läßt sieh 'schwer feststellen. Aber eins ist sicher, er waT ein eifriger Antisemit, damals der einzSge Antisemit im ganzen Britischen Reich. Er tat sich darauf sehr viel zugute, der einzige dieser Art in Großbritanniien zu sein, war auf diese Ausnahmestellung sehr eifersüchtig; in London sagte man scherzweise, Labouchere wäre bereit, jeden Engländer totzuschlagen, der sich ebenfalls zur antisemitischen Gesinnung bekenne und ihm dadurch das Monopol streitig machen würde. Das alles weiß jeder, der sich in den 'literarischen und1 politischen Verhältnissen des damaligen London ein wenig auskennt. Man braucht übrigens dazu nur ein paar Jahrgänge des „Truth" aus jenen Zeiten durchzublättern Die Berufung auf die Entlassung Bismarcks ist besondlers erschütternd. Sobald die Juden merkten, 'daß Wilhelm II. Bismarck entlassen nird — irnkl das wußten sie natürlich schon lange bevor der Plan im Kopfe des jungen Kaisers aufgetaucht war — beauftragten „die WeSsen von Zion" den Antisemiten Labouchere, ihren Plan der Teilung Europas der Welt in einem ulkigen Bilde müteuteälea Wahrlich, es «st höchste Zeit daß das deutsche Volk erwacht und Front macht gegen däleise Bande gemeingefährlicher Narren, die fhim beharrlich und unverschämt einen Dunst von albernen Schwindeleien vorgaukeln. B. S. Die internationale Frauenliga gegen den Antisemitismus in der Schweiz. Die Sektion Schweiz der internationalen Frauenliga für Friede und Freiheit hielt am 14. September ihre Generalversammlung ab, in der nach längerer Debatte die folgende Resolution einhellig angenommen wurde: „In Erkenntnis der Tatsache, daß der Judenhaß, hervorgerufen durch eine aus dem Konkurrenzkampf auf dem Gebiete des Handels und der Industrie entstandene Propaganda, in unserem Lande Wurzel faßt und im Anwachsen begriffen ist daß ferner diese der sittlichen Entwicklung unseres Volkes schädlichen Gefühle unabsehbare Folgen zeitigen und zu den bedauerlichsten Mißbrauchen der Macht und der Gewalt führen können, beschloß die Generalversammlung: 1. Der bezeichneten Gefahr ihr Augenmerk zuzuwenden, alle auf die Feindseligkeit gegen die Juden bezüglichen Dokumente zu sammeln und besonders soweit sie in der Presse erscheinen, einer genauen, objektiven Prüfung zu unterziehen. 2. Alle sich als irrig öder tendenziös erweisenden Pressemeldungen und öffentlichen Mitteilungen richtigzustellen und gegen diese übeltäterische Kampagne im Wege der Presse zu wirken. 3. Unser Volk bei jeder Gelegenheit vor dieser Wühlarbeit gegen die jüdische Rasse, welch letztere eines der arbeitsamsten Elemente in unserem Lande bildet und zu seinem Gedeihen beiträgt, zu warnen, und es darüber aufzuklären, daß eine solche Aufwiegelung unserem Volke in demselben Maße Schaden bringen müsse wie. den Juden, gegen die sie gerichtet ist." Dr. Wirth über die Friedensmission der Juden. Der jüdische Journalist Dr. M. Hindes hatte mit dem früheren Reichskanzler Dr. Wirth noch zur Zeit seiner Kanzlerschaft eine Unterredung. Nach Schluß des Gespräches bat Dr. Wirth, das Ergebnis der Unterredung mit Rücksicht auf die damalige Stimmung vorläufig noch nicht bekanntzugeben. In einem in der Warschauer Zeitung „Moment" jetzt veröffentlichten Artikel gibt nun Dr. Hindes sein damaliges Gespräch mit Dr. Wirth wieder. Dr. Wirth führte aus: „Ich bin nicht antisemitisch gestimmt und auch meine Regierung ist es nicht, das weiß die Welt zur Genüge. Damit habe ich aber noch nicht alles gesagt, was ich über die Juden denke. Die Juden können uns — ich bin davon überzeugt — in der für die deutsche Republik jetzt angefangenen neuen Epoche einen großen Nutzen bringen. Die schreckliche Kriegszeit ist zu Ende, wir brauchen Frieden, — wirklichen Frieden. Wir müssen neu anfangen, die freundschaftlichen Beziehungen zu den anderen Völkern herzustellen. Für diesen Zweck sind die Juden wie geschaffen. Angesichts ihres Interesses an dem Frieden, ihrer internationalen Verbindungen, dank dem Weltgeist, der in ihrer Seele lebt, sind die Juden mehr als alle anderen Völker dazu geschaffen, die Fäden des internationalen. Friedens zwischen Völkern und Ländern zu spinnen. Das ist meiner Meinung nach die Mission Rathenaus, des Juden, auf dem Posten des Außenministers der deutschen Republik, und das ist auch das Geheimnis seiner Autorität und" seine Erfolge." - Der Jüdische Olympia-Sieger und die erwachenden Ungarn. Wie ungarische Zeitungen schreiben, passierte in Budapest folgende amüsante Begebenheit: Zu Ehren des Siegers im Tontaubenschießen bei der Pariser Olympiade, Dr. H a 1 a s s y Gyula, fand ein von sämtlichen Spitzen der ungarisch-christlichen Gesellschaft bereitetes Bankett statt. Bei diesem Abend wurde der Sieger mit den überschwenglichsten Reden gefeiert, unter anderem auch von Gömbös, dem bekannten Führer der ,.Erwachenden Ungarn". Die Redner betonten besonders die Genugtuung des ganzen ungarisch-christlichen Volkes darüber, daß es dem ungarischen Sport endlich gelungen ist, sich von Elementen wie Richard Weiß und Eugen Fuchs (zwei frühere jüdische Olympia-Sieger) zu reinigen und daß der Sieg dem Sprößling eines rein ungarisch-christlichen Geschlechtes zufiel. Nach Beendigung der Toaste erbat sich der Gefeierte das Wort, was ihm unter Jubelrufen der versammelten Menge erteilt wurde. Er bedankte sich für die ihm gebrachten Ovationen und ersuchte die Versammlung, an seinen Vater ein Begrüßungstelegrarnm abzuschicken, um dem alten Mann eine Freude zu bereiten. Dies wurde ihm unter Zurufen: .,Es lebe der glorreiche ungarische Vater!" bewilligt. Hierauf gab Dr. Halassy die Adresse seines Vaters an. welche lautete: ,.Dr. Leopold Fischer, Rabbiner. Kisvard a." Die Stimmung soll sich darauf etwas abgekühlt und die Mienen der „Erwachenden Ungarn" etwas verfinstert haben, doch traute sich niemand mit einem Manne, der in Paris von hundert Schüssen 99 ins Schwarze getroffen hatte, anzubinden. Binnen kurzem dürfte in den ungarischen Blättern christlich-nationaler Richtung zu lesen sein, daß die Juden sogar die Tontauben von Paris bestochen haben! rmmr^t^ LJ^n^jg|j^HM4^Hffl^ P^l-RUlbAiib-l